4.1.2012:

Hier kommt Herr Lomborg zu Wort mit einem am 4.12.2011 veröffentlichen Artikel in der wams.

"Der schöne grüne Schein

Die Politik redet von einer "sauberen" Wirtschaft. Aber Subventionen kosten, das Wachstum schrumpft, und andere Länder sind die Gewinner, warnt Björn Lomborg

Als die Kabinettsmitglieder der neuen dänischen Regierung jüngst bei Königin Margrethe II. vorstellig wurden, stellte der künftige Entwicklungsminister seine ökologische Kompetenz zur Schau, indem er in einem winzigen, dreirädrigen Elektrofahrzeug vorm Palast vorfuhr.

Die Geschichte dahinter: Die Kapazität der Batterie des Elektrofahrzeugs von Christian Friis Bach reichte nicht aus, um die 30 Kilometer von seinem Haus bis zum Palast zu bewältigen. Also hat er das elektrische Mini-Auto in einen Anhänger verladen und es drei Viertel der Strecke hinter seinem benzinbetriebenen Citroën hergezogen. Erst in Reichweite der Fernsehkameras stieg er um aufs Elektrofahrzeug.

Dieser Gag verursachte mehr CO2-Emissionen, als wenn er die Strecke in einem regulären Auto zurückgelegt und das Elektrofahrzeug samt Anhänger hätte stehen lassen. Solche Inszenierungen sind leider kein Einzelfall.

Auch David Cameron, heute Regierungschef in Großbritannien, zeigte sich noch als Tory-Chef von seiner "grünen" Seite und fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Aufmerksamkeit der Medien war ihm sicher, doch die Taktik ging schief, als herauskam, dass ihm seine Aktentasche im Auto hinterhergefahren wurde.

Heuchelei im Zeichen der Umwelt reicht in der aktuellen Politik allerdings tiefer als nur bei Fototerminen. Überall in den Industrieländern versprechen Politiker, des weltweiten Finanzchaos' Herr zu werden, indem sie den Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft planen.

In den USA propagiert Präsident Barack Obama "grüne Arbeitsplätze". Die australische Premierministerin Julia Gillard hat eine CO2-Steuer eingeführt, um "Wirtschaftswachstum ohne Erhöhungen der Umweltbelastung durch Kohlendioxid zu ermöglichen". Und David Cameron wurde mit dem Versprechen zum Premierminister gewählt, die "grünste Regierung aller Zeiten" in Großbritannien anzuführen.

Alle Regierungen wollen mit Wind- und Sonnenenergie Punkte machen. Das sind große Gesten, die allerdings keinerlei Bedeutung für die weltweiten CO2-Emissionen haben, da unter anderem Dänemark Teil des Emissionshandelssystems der EU ist. Der Ausbau wird lediglich dazu führen, dass Energie aus Kohlekraftwerken in anderen EU-Ländern billiger wird.

Tatsächlich werden kostspielige Emissionssenkungen in den westlichen Industrieländern eher teilweise zu einer Verlagerung von CO2-Emissionen auf nachlässigere Länder wie China führen und somit insgesamt eine Erhöhung der globalen CO2-Emissionen bewirken.

Die EU hat ihre Emissionen seit 1990 gesenkt, aber gleichzeitig weitaus mehr Güter aus China importiert, was schon allein genug Emissionen produziert hat, um diese Senkungen aufzuheben, also ad absurdum zu führen.

Einige werden argumentieren, dass wir eine umfassende Vereinbarung ähnlich dem Kyoto-Protokoll in Kraft setzen müssen, um Emissionen weltweit zu verringern. Doch wie wir beim possenhaften Klimagipfel 2009 in Kopenhagen gesehen haben, ist eine solche Vereinbarung unmöglich. Niemand geht davon aus, dass beim Gipfel im südafrikanischen Durban ein Abkommen erzielt wird, und das aus gutem Grund: Es wird kein weltweites Regiment geben, weil die Interessen der Länder sich nicht unter einen Hut bringen lassen.

Die ganze Konstruktion ist verfehlt, und die Länder sollten sich eines Besseren und Konstruktiveren besinnen. Niemand kann das Wachstum des anderen behindern.

Viele Politiker behaupten, dass eine grüne Wirtschaft nichts kosten wird oder sogar eine Quelle für neues Wachstum sein könnte. Das stimmt überhaupt nicht.

Global betrachtet gibt es eine klare Korrelation zwischen höheren Wachstumsraten und höheren CO2-Emissionen. Außerdem ist fast jede umweltfreundliche Energiequelle immer noch teurer als fossile Energieträger, sogar wenn man die Kosten der Umweltbelastung berechnet.

Wir verbrennen fossile Brennstoffe doch nicht, um Umweltschützer zu ärgern. Wir verbrennen sie, weil fossile Energieträger praktisch die gesamten materiellen Fortschritte ermöglicht haben, die die Zivilisation in den vergangenen Jahrhunderten erzielt hat.

Doch die Politik argumentiert, als ob diese Tatsache nicht mehr stimmen würde. Sie behauptet, der Übergang zu einer grünen Wirtschaft würde Millionen von "grünen Arbeitsplätzen" schaffen. Doch während Subventionen für umweltfreundliche Energie mehr Arbeitsplätze in Branchen schaffen, die mit umweltfreundlicher Energie befasst sind, wird eine vergleichbare Anzahl an Arbeitsplätzen anderswo verdrängt.

Das ist nicht verwunderlich: Subventionen müssen entweder von Kunden oder Steuerzahlern finanziert werden. Die Strompreise werden also steigen und sich als Hemmschuh für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft erweisen. Wenn das Ziel darin besteht, Arbeitsplätze zu schaffen, erzeugen öffentliche Investitionen in andere Bereiche - wie etwa das Gesundheitswesen - stärkeres und schnelleres Beschäftigungswachstum.

Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht! Viele Politiker lassen sich zu hochtrabender Rhetorik über "nachhaltige Wirtschaft" hinreißen. Das ist mittlerweile Mainstream.

Bedauerlicherweise hilft die Politik, die gegenwärtig im Bereich regenerativer Energien verfolgt wird, weder der Umwelt noch der Wirtschaft. Die wahrscheinlicheren Folgen sind höhere Emissionen in China und geringere Wachstumsraten für die wohlmeinenden "grünen" Länder."

Apropos Lomborg. Er verwies auf eine Äußerung von Surya Sethi, Energieberater der indischen Regierung, aus 2006.

In den vorangegangenen fünf Jahren habe Indien 25 Milliarden Dollar für die Bekämpfung der Armut in einem Land ausgegeben, in dem 50% der Menschen ohne Strom auskommen müssten und Jahr für Jahr 1,5 Millionen Menschen an der durch primitive Holzfeuer und sagen wir es deutlich Feuer aus brennender Scheiße vergifteten Luft stürben.

35% aller Inder verdienten weniger als einen Dollar am Tag. Genau die erwähnten 25 Milliarden könnte man aber auch ausgeben, um bis 2017 die im Jahre 2006 aktuellen CO2-Ziele zu erreichen.

Er könne also Indiens Armen helfen oder den indischen CO2-Ausstoß vermindern, damit man in den entwickelten Ländern leichter atmen könne.

Daraus entwickelte sich Lomborgs Liste, mit der aufgezeigt wurde, welchen sozialen Mehrwert mit einer bestimmten Geldmenge man in bestimmten Bereichen erzielen könne, welche Investition also den größten Effekt für Menschen hätte.

Diese Frage legte er einem von ihm gegründeten Gremium, dem vier Nobelpreisträger angehörten vor und sie wurde wie folgt mit "Lomborgs Liste" beantwortet:

Ansteckende Krankheiten Kontrolle von Aids/HIV Sehr gut 1.

Unterernährung und Hunger Versorgung mit Nahrungsergänzungen Sehr gut 2.

Subventionen und Handel Handelsliberalisierung Sehr gut 3.

Ansteckende Krankheiten Kontrolle von Malaria Sehr gut 4.

Unterernährung und Hunger Entwicklung neuer Agrartechnologien Gut 5.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Organisierte Wasserversorgung u. Abwasserentsorgung Gut 6.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Einfache Wassertechnologie für Haushalte Gut 7.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Bessere Wassernutzung in der Nahrungserzeugung Gut 8.

Regierung und Korruption Senkung der Kosten für Unternehmensgründungen Gut 9.

Migration Senkung der Migrationsbarrieren für Facharbeiter Ausreichend 10.

Unterernährung und Hunger Verbesserung der Ernährung von Säuglingen und Kindern Ausreichend 11.

Ansteckende Krankheiten Ausbau der medizinischen Grundversorgung Ausreichend 12.

Unterernährung und Hunger Reduzierung der Häufigkeit niedrigen Geburtsgewichts Ausreichend 13.

Migration Gastarbeiter-Programme für Ungelernte Schlecht 14.

Klimawandel Optimale Kohlendioxidsteuer Schlecht 15.

Klimawandel Das Kyoto-Protokoll Schlecht 16.

Klimawandel Value-at-Risk-Steuer auf Kohlendioxid Schlecht 17.

Reines Teufelszeug für Puristen, weshalb Lomborg u.a. auch als "Öko-Judas" beschimpft wurde.

Manche Punkte hätte man auch weiter oben erwartet, aber es ist wahrscheinlich so, dass das Invest in einen der vorne genannten Punkte als Mehrwert den Keim der Verwirklichung nachrangig genannter Punkte in sich trägt, umgekehrt aber nicht.

Ich finde den Ansatz faszinierend, weil er auch die gefühlten Prioritäten bestätigt.

 

 

4.2.2012:

"Seveso ist überall" hieß das Buch, das der gelernte Chemiker Fritz Varenholt zusammen mit Egmont (was für ein Name!) Koch Ende der Siebziger schrieb. Wer von den junggebliebenen Altvorderen erinnerte sich nicht an die schrecklichen Folgen der Dioxin-Verseuchung?

Varenholt war und ist SPD-Mann und auch den Grünen überwiegend sympathisch, er leitete beispielsweise die Umweltbehörde unter Henning Voscherau in Hamburg.

Allerdings hat Varenholt nicht die geringsten Skrupel gehörig anzuecken, wenn es um die Sache geht, weshalb es sich gerade im Verhältnis zu den Grünen um eine eher strapaziöse Liebesbeziehung handelt.

Für die Grünen.

Als er etwa in Hamburg eine Müllverbrennungsanlage durchzusetzen mithalf, hieß es, man möge ihn aufhängen.

Man kennt ja die ausgewogene Diktion in manchen Kreisen, denen es bekanntlich mächtig um die Schöpfung geht, zu der dann zwar der Ebola-Virus gehören darf, nicht aber Politiker mit abweichender Meinung.

Nach dem Ausstieg aus der Politik tummelte sich Varenholt in der Energiewirtschaft, ehe ihn Jürgen Grossmann 2008 mit den Worten zu der RWE-Tochter RWE Innogy lotste: "Er ist nicht die Petersilie auf dem Schweinebraten.". Innogy ist bei RWE für die Erneuerbaren Energien zuständig und darf Milliarden verpulvern.

So weit, so uninteressant möchte man meinen.

Allerdings schrieb Varenholt als Co-Autor mit mehreren Wissenschaftlern 2011 an der mittlerweile veröffentlichten Schwarte "Die kalte Sonne - warum die Klimakatastrophe nicht statt findet", was bedeutet, dass auch Varenholt und seine Mannen jetzt fett sind für den Scheiterhaufen.

Varenholt geißelt schon seit längerem die Selbstgefälligkeit, Egozentrik, Bigotterie und das superreligiöse Eiferertum speziell der Herrschaften um das IPCC, das - so Varenholt - sofort in action sei, wenn es darum gehe, abweichende Auffassungen zu unterdrücken und eigene Fehler zu ignorieren. Mit dieser Meinung steht er sicher nicht allein.

Er behauptet auch, im Entwurf des Weltklimaberichts zu den Erneuerbaren Energien (warum schreibt man die eigentlich groß wie den Lieben Gott?) fast 300 Fehler auf 1.000 Seiten gefunden zu haben, ein streitbarer Geist also. Das wird auch daran deutlich, dass er die Ökostromförderung in Deutschland geißelt, die Reiche noch reicher und Arme noch ärmer machen würde.

Auf das Buch darf man also gespannt sein.

Vielleicht erinnert man uns auch mal wieder daran, dass über 1.000 Jahre von Hippokrates bis Paracelsus mit dem bassigsten Brustton der Überzeugung die Rede von gelber und schwarzer Galle sowie den Kardinalsäften war, Ignaz Semmelweis´ Erkenntnisse zur dringend notwendigen Hygiene in Krankenhäusern verlacht, Semmelweis schließlich ins Irrenhaus gesteckt wurde und heute ein Krankenhaus ohne höchstmöglichen Hygienestandard völlig undenkbar wäre.

Und - Computer denken nicht. Sie sind nur so gut wie die Daten, mit denen man sie zur Hochrechnung füttert.

Niemand hält den Schlüssel der Erkenntnis in Händen. Nur tun viele so als ob. 

Und während wir hier über Varenholt und das zu erwartende Autodafé schwafeln, holt sich die Cholera im vergessenen Haiti die Menschenleben ungestört zu Hunderten.

 

 

7.2.2012:

Varenholt hat der Welt online jetzt ein interessantes Interview gegeben, in dem er sich auch zur Interessenlage im IPCC, zur Umsetzung des wissenschaftlich Erarbeiteten und zur Behandlung von Wissenschaftlern abseits des Mainstreams äußert.

Es wird auch klar, dass man letztlich wenig verlässliche Daten hat, um den einen oder anderen Schluss zu ziehen, wogegen ja niemand etwas hat.

Ich gestehe, dass auch ich den eigenen kleinen Erfahrungshorizont für die Richtgröße halte und jede Veränderung für eine Abweichung von der Regel.

Hätte man einen Engländer des Mittelalters dazu befragt, hätte er zweifelsohne die Meinung vertreten, es sei im England des 21. Jahrhunderts viel zu kalt, denn bis ins Spätmittelalter wurde dort erfolgreich Wein angebaut, weil die vorherrschenden Temperaturen das zuließen.

Ich bin allerdings durchaus erleichtert wenn ich lese, dass ich mit meinen Meinungen aus dem Froschtümpel offensichtlich nicht alleine stehe.

 

 

10.2.2012:

Thomas Jacob und John Wahr von der Universität in Boulder, Colorado haben die Daten der Grace Satelliten-Mission zur Gletscherschmelze ausgewertet.

Sie stellten fest, dass die prognostizierte Gletscherschmelze - außer an den Eisschilden Grönlands und der Antarktis - mit 148 Gigatonnen Masse um ein Drittel geringer ausgefallen sei als prognostiziert.

Vor allem im Himalaya und den übrigen Hochgebirgsregionen Asiens sei der Schwund vernachlässigbar. Der Anstieg des Meeresspiegels zwischen 2003 und 2010 belaufe sich auf nur 0,4 mm pro Jahr.

Rechne man den Schwund bei Grönland und der Antarktis dazu mit einem Verlust von etwa 380 Gigatonnen, liege der Gesamtanstieg bei 1,5 mm pro Jahr.

Abgesehen davon, dass man wohl relativ deutlich unter den prognostizierten Horrorszenarien gerade zum Himalaya liegt, sind zwei Aussagen von Wissenschaftlern von Bedeutung:

1. Es habe bisher wenig Daten über die Vergrößerung und den Verlust der Eisflächen gegeben (aha), deren Schwund man nun mit 148 Gigatonnen berechnen könne. Man sei bislang davon ausgegangen, dass ein Schwund in diesen Bereichen (also alles außer Grönland und Antarktis) erheblich zum Anstieg des Meeresspiegels beitrage (was sich nicht erwiesen hat).

2. Die Studie habe "dazu beigetragen, den Einfluss der Gletscher und Eiskappen auf den Meeresspiegel besser zu verstehen", so Jonathan Bamber von der Uni Bristol.

Und nun von der wohlgemerkt aktuellen Seite www.naturefund.de ein brezelwarmer Hinweis des IPCC:

"...Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Meeresspiegel um etwa 17 Zentimeter angestiegen, im Jahresdurchschnitt um 1,6 Millimeter. Dieser Prozess hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren beschleunigt, so dass die Pegel der Ozeane derzeit etwa um drei Millimeter pro Jahr steigen. Etwa 10 Prozent dieses Effekts werden auf die Schmelze in Grönland und der Antarktis zurückgeführt...".

Leute, seid bitte so gut und sagt den Kollegen wie mir, die hunderte von Milliarden Euronen und Greenbacks statt in die Rettung ihrer Mitmenschen in den Klimaschutz stecken sollen, dass ihr nur ratet.

 

 

13.2.2012:

Die Hilfstruppen des IPCC formieren sich.

In diesem Fall in Person des Max-Planck-Instituts-Meterologen Jochem Marotzke, der zu Varenholts Buch t-online ein Interview gab, in dem er auf die Frage, wieso die prognostizierte Klimaerwärmung seit 10 Jahren stagniere, Folgendes sagte:

"... Wenn wir von Erwärmung sprechen, müssen wir längere Zeiträume betrachten. Denn unser Klima schwankt immer ein wenig, das hat aber natürliche Ursachen.

Ähnlich wie so komplexe Systeme wie die Atmosphäre oder die Ozeane nicht statisch sind, sondern variieren, so verändert sich auch das Klima. Wir nennen das interne Variabilität. Sie braucht gar keinen äußeren Antrieb. Zu diesen leicht schwankenden Werten zählt auch die globale Mitteltemperatur beim Klima.

In einem Zeitraum von zehn Jahren, variiert die durchschnittliche Temperatur etwa um 0,2 Grad - aus rein natürlichen Ursachen. Dieser Wert von 0,2 Grad ist aber auch genau das Ausmaß der Erwärmung, was wir auf Grund des gestiegenen CO2-Anstiegs in einem Jahrzehnt erwarten.

Das bedeutet, unter Umständen können sich die natürliche Variabilität und die menschengemachte Erwärmung in bestimmten Zeiträumen auch einmal aufheben. Das haben wir in den letzten zehn Jahren gesehen.

Wie kann es nun sein, dass auf unserer Erde, die durch den Klimawandel ständig mehr Wärme aufnimmt, trotzdem die Oberflächentemperatur nicht weiter zunimmt?

Der Mechanismus ist klar: Eine Phase der Stagnation bei der Erderwärmung ist verknüpft mit der verstärkten Wärmeaufnahme in den Tiefen der Ozeane. Wie das im Detail funktioniert, erforschen wir gerade. Ein kurzfristig gleichmäßiges Temperaturniveau ist daher mitnichten eine Widerlegung der Klimamodelle...".

Übersetzung: Eigentlich weiß ich es nicht, es ist aber das CO2, auch wenn das nicht immer das macht, was wir in unserer Kristallkugel erkennen. Und Mutter Erde ist immer für ´ne Überraschung gut.

Vor knapp über zwei Jahren, genauer am 25.11.2009 gab Marotzke wetter.info auch ein Interview und da klang das etwas anders:

"...Für mich ist keine der gängigen Theorien überzeugend. Es ist zum Beispiel gesagt worden, es läge an der „schwächelnden" Sonne.

Es ist richtig, dass in den letzten zwei bis drei Jahren die Sonnenaktivität gering ist. Es stimmt auch, dass diese Phase der geringeren Aktivität länger ist, als man es erwartet hätte.

Das kann meiner Meinung nach aber nicht die gesamten letzten neun Jahre erklären. Alle anderen Phänomene, die so etwas erklären könnten, haben nicht stattgefunden.

Es hat keine größeren Vulkanausbrüche gegeben. Es hat auch keine besonders ausgeprägte Phase der El-Niño-Oszillation gegeben, wo man sagen könnte, dass wir jetzt in einer besonders kalten Phase sind. Alle Mechanismen, von denen wir wissen, dass sie im Prinzip wirken, greifen hier nicht, und deswegen bin ich persönlich ein bisschen ratlos.

Ich bin überzeugt, dass es an der natürlichen Temperaturschwankung liegt, aber ich kann meinen Finger nicht auf eine bestimmte Theorie legen und sagen: das erklärt das, was wir sehen.... Jeder Klimawissenschaftler weiß um diese natürlichen Schwankungen.

Wenn wir uns aber um die Kommunikation mit den Medien bemühen, gibt es natürlich die Notwendigkeit zur Vereinfachung, das ist völlig klar. Lange Zeit war natürlich der Zusammenhang zwischen Kohlendioxidgehalt und Erderwärmung genau das, was vermittelt werden sollte.

Dass es auch natürliche Schwankungen gibt, schien nicht so wichtig. Die sind dann ein bisschen unter den Tisch gefallen, nicht gezielt verschwiegen worden. Und die Journalisten wollen die Sache auch nicht unnötig kompliziert machen.

Man wollte sich auf das Wesentliche konzentrieren, aber was das Wesentliche ist, das kann sich auch mal ändern...".

Übersetzung: Ich weiß es nicht.

Die Klimaerwärmung blieb wie wir wissen taggenau auch zwischen dem 25.11.2009 und dem 13.2.2012 aus.

Das Einzige, das in dieser Zeit anstieg war die Überzeugung bei Jochem Marotzke, das CO2 und damit der Mensch seien an allem schuld.

Auf die Frage, warum Varenholt mit seinem Egmont Koch um Gottes Willen denn das Buch geschrieben habe, wusste der Planckengänger Folgendes zu berichten:

"... Das ist die Gretchenfrage … Es gibt natürlich diese These, das sei alles nur, um dem RWE-Konzern zu helfen, der die Energiewende verschlafen habe. Das klingt plausibel, ob es stimmt, weiß ich nicht.

Im Zweifel nehme ich aber erst einmal an, die beiden glauben wirklich daran, dass sie ein Übel aufgedeckt hätten und wollen das mit ihrer Veröffentlichung jetzt gerade rücken. Aber das Buch wird wohl keine nachhaltige Wirkung haben.

Ich bin Optimist: Ich glaube, mittel- und langfristig setzt sich die Qualität der Argumente durch. Und die wissenschaftliche Qualität der Argumente in diesem Buch lässt sehr zu wünschen übrig. ...".

Zur "wissenschaftlichen Qualität" äußert sich dieser Mensch besser nicht, wenn man sich seine Eierei vergegenwärtigt.

Ich bin immer wieder über diese Stutenbissigkeit angeblicher Fachleute unangenehm überrascht, die doch ebenso angeblich unser aller Schicksal in Händen halten und bar jeder Eitelkeit am Wohle Aller feilen.

Oder - um im Marotzke´schen Fahrwasser zu bleiben: Hätte er vielleicht gerne selbst große Fahrt aufgenommen, literarisch gesprochen, und muss nun dem Tantieme-Kaventsmann, der sicher über Varenholt (und Koch)  hereinbrechen wird, unerhört und ohnmächtig zusehen?

Der perfide Hinweis auf die Großindustrie und angeblich Verschlafenes spricht jedenfalls Bände.

 

Im Übrigen: Sarrazin, ick hör´ dir trapsen. Der IPCC-Klüngel kann nicht aus seiner Haut, wie alle, die sich im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit wähnen.

 

 

15.2.2012:

Mein Auto verträgt E 10, sagt jedenfalls der Hersteller und der muss es wissen.

Mir behagt allerdings das Gefühl, hier zumindest teilweise Rohstoffe für die Herstellung von Lebensmitteln in den Tank eines Autos zu kippen, nicht, deshalb lass´ ich es und nehm´ das "Umweltsau" mit Demut hin. Gegen Zusätze im "regulären" Sprit kann ich mich übrigens nicht wehren.

Die EU-Kommission hat vor geraumer Zeit eine Untersuchung der Öko-Bilanz sog. Ökosprits aus Raps, Palmöl und Soja in Auftrag gegeben und die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Der für die EU vorgesehene Mix von Biokraftstoffen sei umweltfreundlicher als Super und Diesel.

Aber: Das berücksichtige nicht die indirekten Folgen der Herstellung von Biosprit. Immerhin arbeite die Industrie bei der Herstellung von Biosprit mit Brandrodung und der Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Herkömmliche Kraftstoffe aus Erdöl - also Super, Benzin und Diesel - belasten das Klima mit 87,5 Gramm CO2 je Megajoule.

Biokraftstoffe aus Raps (95 Gramm), Soja (103 Gramm) und Palmöl (105 Gramm) belasteten das Klima noch stärker. Der Wert für Palmöl liegt fast so hoch wie der des umstrittenen Teer- oder Ölsands (107 Gramm).  Palmöl ist dem Biosprit in der EU mit 4 - 5% beigemischt und wie Palmöl hergestellt wird ist eine unfassbare Sauerei, dazu an anderer Stelle mehr.

Anders ist das bei Biokraftstoffen aus Zuckerrohr (34 Gramm) , Zuckerrüben (36 Gramm) oder Mais (keine Angaben).

Eine mehr als durchwachsene Bilanz also, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, welche Fläche weltweit gesehen die EU bedeckt.

Die Infos, die man vorab bekam, lauteten auch anders, das "Bio" vor dem "Sprit" deckte aber einige Überlegungen und Rückfragen gnädig zu.

Nicht beantwortet ist damit aber die Frage nach der Nahrungsmittelversorgung und der Ethik.

Gentechnik ist wie wir wissen im Sinne des großen Ganzen und der reinen Lehre so gut wie tot in unseren Breiten.

Landwirte oder Unternehmen, die hier mit gentechnisch verändertem Saatgut arbeiten wollen, rangieren in bestimmten Kreisen bekanntlich noch vor Adolf Eichmann.

Uli Kulke, das fleischgewordene rote Tuch für den strammen Öko-Aktivisten, hat heute in der Welt zur erwähnten Untersuchung wie folgt ausgeführt:

"... Die Biosprit-Lobby reagierte umgehend: Der Anbau erfolge umweltgerecht, alles sei zertifiziert, hieß es. Was so weit stimmen mag: Bei uns wird kein Urwald abgeholzt. Wir müssen aber seit Neuestem Getreide importieren, nutzen fremden Boden für unsere Nahrung, weil Deutschland zur Monokultur für Energiemais verkommt. Und je mehr wir Schwellenländer nötigen, verstärkt Bioenergie zu verwenden, desto weiter fressen sich Sojaplantagen in den Regenwald Borneos und anderswo. Umweltpolitik paradox. ...".

Ich habe es nun mehrfach gesagt - es ist gefährlich, auf einem Auge blind zu sein. Das verleiht eine trügerische Sicherheit, der Blick für mehrdimensionale Verhältnisse geht verloren, was in diesem Zusammenhang auch bedeutet, dass sich von Biobesoffenen fast unbemerkt eine milliardenschwere "grüne" Industrie entwickelt hat, deren Selbsterhaltungstrieb notwendigerweise nicht weniger ausgeprägt ist als der "klassischer" Industriezweige.

Mit allen Vor-, aber auch mit allen Nachteilen und für mich ist es geradezu selbstmörderisch, dieser Industrie nicht ebenso kritisch auf die Finger zu schauen wie den Lieblingsfeinden von Greenpeace und BUND.

Und wer noch ´n Strahl Apokalypse braucht, hier folgt die offizielle Verlautbarung von der Greenpeace-Homepage:

"...Klimaschwankungen sind in der Erdgeschichte nicht neu. Frühere Änderungen des Klimas gingen aber so langsam vor sich, dass Tiere und Pflanzen genug Zeit hatten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Heute sind wir mit einer sehr schnellen Erwärmung konfrontiert. Unstrittig ist dabei, dass sich das Klima als Folge menschlichen Handelns erwärmt, hauptsächlich durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.

Weltweit schmelzen die Gletscher in alarmierender Geschwindigkeit. Auch die Polarregionen verlieren ihre Eiskappe, riesige Eisberge treiben mit den Meeresströmungen bis in tropische Regionen. Schwere Stürme verwüsten ganze Landstriche in immer kürzerer Folge. Dadurch verlieren schon jetzt viele Menschen ihre Heimat. Große Trockenheit wechselt sich mit sintflutartigen Niederschlägen ab. Flüsse treten über ihre Ufer, denn die Böden können nach Dürre-Perioden kaum mehr Wasser aufnehmen. Mit zunehmender Erwärmung des Klimas häufen sich solche Wetterextreme
...".

Garniert wurde das Ganze mit einer subtilen Fotobotschaft.

Die wir wissen höchst umstrittene Message ist so positioniert, dass sie sofort ins Auge springt, aber nicht zu aufdringlich wirkt, daher links der Mitte angebracht.

Den Hintergrund bilden drei Kühltürme, die ich als Laie für Kühltürme von AKW mit einer ungewöhnlich guten CO2-Bilanz gehalten habe, aber nun gut.

Dann hat man eben den Super-GAU auch gleich mit verwurstet, schad´ ja nix.

Der Himmel - an sich blau - wird verdunkelt von dem, was da unheilschwanger aus den Schloten wabert. Die Warnlampen verleihen dem Ganzen aus dieser Perspektive etwas Krematorienhaftes und ich halte den Urhebern zu Gute, dass sie nicht bewusst Assoziationen wecken wollten.

Vorne nun die Frontschweine, die für uns alle die Rübe hinhalten und aus der Perspektive des Fotografs wie die vielzitierten Davids im Angesicht des brutalen und ungeschlachten Goliath wirken.

Schlusssatz:

"...Helfen Sie Greenpeace dabei. Werden Sie Fördermitglied."

Ich bin auch "für Umwelt". Die Kontonummer spare ich mir jetzt aber.

 

 

16.2.2012:

Wie komplex und kompliziert das Ganze ist, zeigen auch die Untersuchungen von Markus Berger und Vanessa Bach von der Technischen Uni Berlin zum Thema weltweiter Wasserverbrauch, dargestellt am Verbrauch für die Herstellung eines Liters Milch.

Abgesehen davon, dass dafür ein Aufwand von etwa 100 Liter Wasser betrieben werden muss und die Stallkuh beispielsweise in Folge des an sie in der Regel verfütterten Soja-Futters eine deutlich schlechtere Wasserverbrauchs-Bilanz hat als ihre Kollegin von der Weide, erklärten die Forscher zur Alternative "Bioprodukte" am Beispiel von Treibstoffen:

Weil Biosprit aus Pflanzen hergestellt werde, die einiges an Wasser konsumiert haben, steckten in einem Liter Biodiesel weit mehr als die 10.000-fache Wassermenge als im konventionellen Diesel, der aus Erdöl raffiniert werde.

Wer die Wasserbilanz im Auge habe, solle also die Finger vom Biosprit lassen.

Andererseits kommt Biosprit, der zum Beispiel in Brasilien aus Zuckerrohr hergestellt werde, in der Klimabilanz viel besser weg als Treibstoff aus Erdöl, wobei - ich ergänze hier - noch gar nicht berücksichtigt ist, dass die Areale für den Anbau von Zuckerrohr im Zweifel vorher brandgerodet (Stichwort grüne Lunge) wurden, was zwar möglicherweise nicht die Wasserbilanz, aber ganz sicher die allgemeine Umweltbilanz belasten dürfte, wozu ja schon etwas gesagt wurde. 

Auch hier also ein könnte, müsste, würde, aber keine eindeutig richtigen Lösungen, die doch angeblich so augenfällig sind.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und das, was einem als richtiger und vor allem einziger Weg vorgegeben werden soll, driften auseinander wie die Eisschollen der angeblich CO2-bedingt wegtauenden Arktis.

 

12.3.2012:

Nun also auch die EU.

Laut welt-online wurde soeben ein EU-Klimabericht ("Clamer") veröffentlicht, der nicht nur Cholera- statt Fischstäbchen als Folge optimaler und wärmebedingter Brutmöglichkeiten in Nord- und Ostsee für möglich hält ("könnte, würde, erscheint möglich..."), sondern auch von einem Anstieg der Meere um durchschnittlich 3,3 mm pro Jahr seit 1993 spricht.

Wie sich das mit den Erkenntnissen von Wahr und Jacobs aus Boulder verträgt ist nicht erläutert.

Immerhin - „Nicht alles ist schlecht. Dinge verändern sich nun mal. Aber wir müssen uns dieser Veränderungen bewusst sein und uns vorbereiten“, sagt Carlo Heip, Direktor des Niederländischen Instituts für Meeresforschung,„wir müssen die Ozeane weiter beobachten.

 

7.6.2012:

Der skeptische, weil hinreichend nachdenkliche Rest der Menschheit formiert sich nach und nach.

Dem Magazin "liberal" hat der Journalist Alexander Neubacher, dessen Buch "Ökofimmel" erschienen ist, ein Interview gegeben (Heft 2.2012) und neben Hinweisen auf weitverbreitete Irrtümer auch Folgendes in Richtung Beeinflussung kommender Generationen gesagt:

"Die Neigung, Kinder zwangszupädogisieren, ist nicht neu, wenn es um eine gute Sache geht. Ich habe hier ein Buch von Claus Leggewie (*ächz, der Unterz.*) und Harald Welzer liegen: ´Das Ende der Welt, wie wir sie kannten´. Das Ding hat etwa 270 Seiten und etwa ebenso viele fundamentale Fehler.

´Das Ende der Welt, wie wir sie kannten´ - das ist die alte 70er-Jahre-Platte, die uns vorspielt, warum unsere Welt dem Ende entgegengeht. Ich würde sagen, das ist ein sektiererisches, letztlich sogar demokratieskeptisches Werk.

Wer hat es herausgegeben? Die Bundeszentrale für politische Bildung (*noch mal ächz, der Unterz.*).

Man ist fassungslos, welchen Unsinn sie publiziert. Ich glaube aber auch: Das hält unsere Gesellschaft aus. Wir können ja auch die Gegenposition vertreten, und in der Debatte setzt sich am Ende das bessere Argument durch."

Im Interview fiel auch der Name Schellnhuber und seine "große Transformation". Das ist aber einen eigenen Beitrag wert, weil sie ganz offensichtlich (ungewollt) die Transformation der Ökologie von einer Ersatzreligion zur politischen, gedanklichen und kulturellen Diktatur beschreibt.

Zum Abschluss noch mal Neubacher:

"... Mit jedem kalten Winter, den wir erleben, haben sich die Klimaprognostiker ein Stück lächerlicher gemacht. Es kann nicht ewig fünf vor zwölf sein. Die Klimahysterie hat sich abgenutzt.

Jetzt können zwei Dinge passieren: Man fängt an, klug zu reagieren, also die Risiken richtig zu bewerten. Das wäre der sinnvolle Weg. Was auch passieren kann: Man glaubt den Klimaforschern gar nichts mehr, hält sie für Spinner und verabschiedet sich aus der Debatte. Das wäre falsch, da wir nicht ausschließen können, dass der Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung ist. Wir müssen einfach den Verstand wieder einschalten."

Nota bene: Die Produktion von Batterien für Elektroautos verschlingt derzeit die in 10.000 Litern Benzin steckende Energie. Kann man weit mit fahren.

Und: Die Produktion einer Plastiktüte stößt 120 g CO2 aus, die Produktion eines Jutebeutels 1.700 g. Nichts gegen das Müllargument und die Möglichkeit der Wiederverwendung eines Jutebeutels - das war mir neu.

 

 

16.10.2012:

Der Kater ist da.

Heidewitzka, wie ging das leicht von der Hand, Energiewende, alles wird grün, alles wird gut.

Und jetzt? Die Höhe der Umlage für erneuerbare Energien wird ab Januar 2013 für den privaten Stromkunden um über 5 ct/kwh steigen, ein Ende ist nicht abzusehen.

Auftritt Jürgen Trittin. Man müsse die Unternehmen beteiligen, die Ausnahmeregelungen für die seien eine Sauerei, bei Abschaffung dieser Regelungen würden private Stromkunden um über 4 Milliarden p.a. entlastet.

Endlich ein Advokat des kleinen Mannes!

Häßlicher Schönheitsfehler: Schuld am sprunghaften Anstieg der Grünstromumlage sind nicht die Ausnahmen für die Unternehmen, sondern die gesetzliche Förderung von Wind- und Sonnenstrom durch auf 20 Jahre garantierte Renditen für die Eigentümer solcher Anlagen.

Und wer hat´s erfunden? Genau. Trittin setzte eine starke Erhöhung der Förderung gegen alle Kostenaspekte und Warnungen 2004 durch und blockierte eine von der CDU geplante Befristung dieser Subvention.

Offensichtlich kann kein Bock zu unfähig, dogmatisch oder link sein, als dass es bei ihm nicht zum Gärtner reichte.

 

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