Thomas Kielinger – Winston Churchill: Der späte Held

 

Ich bin befangen. Churchill ist für mich nun einmal schon seit jeher einer der größten Männer, die je gelebt haben und man müsste sich schon sehr anstrengen, um eine Biografie zu schreiben, die mir nicht gefällt.

Kielinger ist Journalist, also kein „gelernter“ Historiker und hat u.a. für die Welt aus London berichtet. Seine 2014 erschienene Biografie leidet darunter nicht, im Gegenteil schreibt der Autor sehr lebendig und lässt sowohl Zeit, Umstände als auch den Protagonisten gelungen wiederauferstehen. Kielinger beginnt mit den „darkest hours“ am Beginn des Zweiten Weltkrieges, folgt dann aber chronologisch dem Leben Churchills mit den Episoden Krieg, Journalismus, Politik und Literatur. Man spürt die Bewunderung für diesen überbordenden Charakter, diese alles überstrahlende Persönlichkeit, allerdings werden auch die Irrwege und Fehler benannt, wie die fast grenzenlose Abrüstung der Armee und der Navy aus Kostengründen während der Zeit als Schatzkanzler in den Zwanzigern unter Baldwin, die später extreme Anstrengungen erforderte, um  zu Deutschland aufschließen zu können. Breiten Raum nimmt auch die gescheiterte Gallipoli-Initiative ein, die sinnvoll war, aber durch Zögern und Zaudern an anderer Stelle scheiterte, weshalb Churchill insoweit später auch weitgehend entlastet wurde. Es wird ein prominenter türkischer Politiker jener Tage zitiert, der meinte, es habe nur wenig gefehlt und der Durchbruch der Entente durch die Dardanellen wäre gelungen, Konstantinopel wäre gefallen. 

Ich habe schon andere Churchill-Biografien gelesen, darunter die vermutlich bekannteste von Sebastian Haffner, ich finde das Werk auch in diesem Vergleich sehr gelungen und kann es nur empfehlen.

Gert Heidenreich liest auch sehr gut, so dass das Ganze ein echter Genuss ist. Empfehlung!

Übrigens hat mir auch der Film mit Gary Oldman in der Hauptrolle gefallen. Die hier besprochene Biografie und der Film sind miles ahead etwa zu dieser selten dämlichen Filmbesprechung im Spiegel, in der man es fertig bringt, selbst dieses Thema in einen Zusammenhang mit Präsident Trump zu bringen und sich auf ihm zu erleichtern. Die können echt nicht aus ihrer Haut, ich nenne so etwas Fixierung.

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