Windpark Oberkirch Durbach

 

 

Mich treibt aktuell der geplante Windpark Oberkirch Durbach um.
In aller Kürze: Am oder auf dem Kamm am Ende des Hesselbachtals zwischen Hesselbach und Durbach soll abgeholzt werden und ein Wind“park“ aus drei Windrädern entstehen, von denen jedes 270 m hoch ist.
Ich setze das Wort Park in Anführungszeichen, weil die alten Kämpen der Antiatombewegung völlig zu Recht den damaligen Begriff „Entsorgungspark“ als eindeutigen Euphemismus geißelten.
Aber ich schweife ab.
Das fragliche Gebiet befindet sich in einem zusammenhängenden Waldgebiet, das mindestens von Oppenau bis nach Bottenau reicht. Pro Rad sollen 10.000 qm Wald gerodet werden, Wiederaufforstung an anderer Stelle wird „in Aussicht gestellt“.
Ich bin, was die Auswirkungen auf Natur, Menschen und Landschaft angeht, noch in der Recherchephase, konnte im Netz allerdings auf ein Gutachten aus 2015 zugreifen, das sich auf ein ähnliches, räumlich größer dimensioniertes Projekt bezog auch unter Einbeziehung des Hesselbacher Hügelkamms, um den es aktuell geht.
Es gibt dort Fotosimulationen zu bestaunen, wobei die dort abgebildeten Räder doch recht deutlich kleiner waren als die jetzt geplanten.
Wären, was ich noch nicht weiß, die Standorte in etwa identisch, würde das Hesselbachtal von den jetzt geplanten Giganten optisch erschlagen.
Bereits im damaligen Gutachten war die Schlussfolgerung der Gutachter, die Auswirkungen bereits der kleiner dimensionierten Räder würden angesichts der Empfindlichkeit des Gebietes ein „hohes Risiko“ für das Landschaftsbild bergen.
Wie mag dieses Risiko dann bei noch höheren Rädern aktuell ausgestaltet sein?
Ich will mich hier auch nicht über Lärmbelästigung, Stichwort u.a. tieffrequenter Schall und Ähnliches, die sicher vorhandenen Auswirkungen auf Flora und Fauna, einen weitgehenden Eingriff in ein intaktes Waldgebiet und den Umstand aufhalten, dass es sich gerade nach dem publicityträchtigen Auf- und Ausbau etwa des Brennersteigs um ein Naherholungsgebiet (Bildeiche, Moos, Geigerskopf, Hummelswälder Hof etc.) handelt.
Das würde den Rahmen hier sprengen, das mache ich vielleicht später noch, ich stehe ohnehin im Austausch mit den Stadtwerken und der Gemeindeverwaltung, der Kontakt mit dem NABU wird noch folgen.
Es geht mir vielmehr darum, unter welchen Rahmenbedingungen dieses Projekt betrieben wird oder kurz „muss das sein“?
Natürlich werde ich mich immer mit dem Vorwurf „Grüß Gott Herr Sankt Florian“ auseinandersetzen müssen, dieser Vorwurf ist aber bei Licht betrachtet nicht begründet.
Ich bin kein Naturwissenschaftler und hatte in Physik immer ne 5, also muss ich mich dem Termin aus meiner nicht- oder unwissenschaftlichen Froschperspektive nähern, so als "Börger draußen im Lannde".
Die Schöpfung ist zu bewahren, es muss unser aller Bestreben sein, den Schadstoffausstoß nachdrücklich und nachhaltig zu senken. Marina und ich scheuen daher nicht die finanziell sehr schmerzhafte Investition in eine Photovoltaikanlage, um unser Scherflein beizutragen.
Man sagt uns aktuell, der in unserem Land beschrittene Weg sei alternativlos, Deutschland müsse vorangehen und mit diesem Verbalwind in Rücken und Segel kommt es dann eben zu Projekten wie dem Windpark Oberkirch Durbach, dem ich unterstelle, dass er vor fünf bis zehn Jahren in einem solch wunderschönen Waldgebiet nicht durchsetzbar gewesen wäre, weil er dieses Waldgebiet samt der dort lebenden Flora und Fauna einmal auf links dreht, von den Auswirkungen auf die Anwohner ganz zu schweigen.
Die Politik will nun Gas geben und schließlich 2% des Staatsgebietes mit Windrädern zustellen, da kommt es halt zu Kollateralschäden.
Der bei uns forcierte Ausbau der Windenergie erfolgt aber doch ganz wesentlich deshalb, weil man wie sich zeigt trotz bestehender Alternativen in zunehmendem Maße fossile Brennstoffe verfeuert, deshalb die eigene CO2-Bilanz aufpolieren und von eben dieser fossil betriebenen Energieerzeugung unabhängiger werden muss und will.
Vorab: Ich stehe auch der Windkraft keineswegs so ablehnend gegenüber wie mir das von offizieller Stelle unterstellt wurde.
Ziel der sog. Energiewende ist bekanntlich die nachhaltige Dekarbonisierung der Gesellschaft im Allgemeinen und der Energieversorgung im Besonderen bis 2050, was nach den politischen Wünschen bedeutet, dass nicht nur Kernkraftwerke, sondern auch alle mit fossilen Energien betriebenen Strom- und Wärmeerzeuger wegzufallen haben.
Ich will mich gar nicht damit aufhalten, das bisher Erreichte und seinen Anteil – unabhängig von insoweit ja nachrangig relevanten Nenn- oder installierten Leistungen - an der tatsächlich geschaffenen und zur Verfügung stehenden Stromausbeute zu messen (auch wenn das hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Zeit bis 2050 wenig Grund zu übertriebenem Optimismus gibt), denn für mich ist entscheidend, was tatsächlich an der Steckdose ankommt.
Ich will deshalb auch nur darauf hinweisen, dass mir – bei nach wie vor und absehbar fehlenden relevanten Speicherkapazitäten – bisher nicht wirklich verständlich gemacht werden konnte, wie man ein Industrieland (u.a. Stahl und Chemie) wie Deutschland in 20–30 Jahren ohne grundlastfähige Kraftwerke primär mit hochvolatilen Energieerzeugern verlässlich und ausreichend mit günstiger Energie versorgen können will.
Übrigens will ich im schönen neuen grünen Deutschland auch nicht eine Stromration nach einem dann bundesweit errechneten Durchschnittsverbrauch einer dreiköpfigen Familie zugeteilt bekommen und sonst nichts, ich fürchte nämlich, darauf läuft es hinaus, wenn man wie geschehen angesichts der planmäßig zu erwartenden Knappheit beginnt, von einer „angebotsgesteuerten Energieversorgung“ zu schwadronieren.
Und denken wir an die bereits aufgewandten Kosten, die sich mittlerweile nicht mehr in Bollen Eis berechnen, sondern allenfalls am Umsatz der gesamten Tiefkühlindustrie der westlichen Welt orientieren.
Rechnet man dann hinzu, was die ja noch überhaupt nicht zur Verfügung stehenden Speichermedien kosten werden, ist jedenfalls mir übel, auch wenn diese Kosten dann meine Kinder und Enkel treffen werden.
Für mich stellt sich das Ganze folglich als Wechsel auf die Zukunft dar, von dem niemand verlässlich sagen kann, ob er gedeckt ist und ich habe ziemlich viele Gründe dafür anzunehmen, dass er es nicht ist,
Daher sehe ich uns alle derzeit als Teilnehmer an einem doch recht beträchtlichen Sozial-Experiment.
Ich lasse mich aber gerne belehren, mir geht es um die Sache, nicht ums Dogma.
Geht man des Weiteren davon aus, dass eine zunehmend elektrifizierte Gesellschaft (Stichworte E-Mobilität, Wärmepumpen etc.) einen extrem erhöhten Stromverbrauch bedeuten wird (sagt jedenfalls das Fraunhofer ISE), dann bedeutet das ein noch größeres Minus für den jetzigen Ausbaustand.
Das ist aber nicht der entscheidende Punkt.
Der ist vielmehr die Erkenntnis, dass eine derart „elektrifizierte“ Gesellschaft, die von Wind-, Wasserstoff-, Wasser- und Solarkraft energetisch versorgt werden soll, einen Ausbau dieser Anlagen und damit speziell der Windanlagen benötigt, der weit über das 2%-Ziel der Bundesregierung hinausweist und nach verschiedenen Berechnungen mindestens das Doppelte oder gar Dreifache des jetzt anvisierten Ziels erfordert.
Wie sich unser Land dann verändern würde, zeigt bereits die jetzige Situation, in der beispielsweise auf der Hummelsebene ein wunderbares zusammenhängendes Waldgebiet aufgebrochen werden soll für mindestens drei 270 m hohe Türme, von denen jeder 10 ha Wald verbraucht, von den Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, die Landschaft und die Menschen ganz zu schweigen.
Bereits das Gutachten 2015 spricht wie erwähnt nur in Bezug auf das Landschaftsbild bereits bei deutlich kleineren Anlagen von einem "hohen Risiko".
Ich habe großes Verständnis dafür, dass man Kraftwerke mit Befeuerung aus fossilen Brennstoffen nach und nach loswerden will.
Aber warum verzichtet man dabei auf einen Energieerzeuger, der nicht nur vorhanden ist, sondern bei der CO2-Belastung in etwa mit Windanlagen konkurrieren kann?
Gemeint ist die Kernkraft, der rosa Elefant in jeder Klimadiskussion.
Buh, heißes Thema, ich weiß, aber können wir uns tatsächlich erlauben, dieses Thema auszuklammern, wenn wir trotz gigantischer Kosten gleichwohl auf absehbare Zeit eine derart negative Umweltbilanz haben wie zur Zeit, weil wir alles in den Ofen stecken, was irgendwie kokelt?
Aktuell sind die Druckwasserreaktoren Isar 2 (Aufnahme Netzbetrieb 15.1.1988) mit 1485 Megawatt (elektrisch), Neckarwestheim 2 (Aufnahme Netzbetrieb 29.12.1988) mit 1400 MWe und Emsland (Aufnahme Netzbetrieb 14.4. 1988) mit 1400 MWe noch in (Streck)Betrieb.
Bis Ende 2021 wurden Grohnde (Druckwasserreaktor, 1360 MWe netto, Inbetriebnahme 1.9.1984), Grundremmingen C (Siedewasserreaktor, Fertigstellung Oktober 1984, 1344 MW) und Brokdorf (Druckwasserreaktor, 1480 MWe brutto, Inbetriebnahme 8.10.1986) abgeschaltet.
Mir ist bekannt, das Generatoren beschafft und eingesetzt und jeweils eine neue Betriebserlaubnis erteilt werden müssen, aber ist das ein wirkliches Problem, wenn es eine entsprechende Willensbildung gäbe?
Ich denke daher nicht, dass es Jahre dauern würde, diese drei zusätzlichen Kraftwerke ans Netz zu holen.
Es handelt sich auch praktisch umfänglich um Kraftwerke der vierten deutschen Generation mit einem einzigartigen Sicherheitsstandard.
Nachdem mittlerweile bekannt ist, dass die vom Wirtschaftsministerium 2022 in Auftrag gegebene Begutachtung eine Farce war, bleibt nur der einzige Schluss, dass ideologische Gründe einen Weiterbetrieb und damit eine Entlastung in wahrlich jedweder Hinsicht verhindern.
Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil man gleichzeitig ohne jedes Problem aus Kernkraft gewonnenen Strom aus dem Ausland bezieht und das in der sicheren Erkenntnis, dass deutsche Kernkraftwerke etwa in Sachen redundanter Sicherheitssysteme einschließlich Verhinderung der Freisetzung von Wasserstoff (eines der Hauptprobleme in Fukushima neben der Überflutung von Notstromsystemen) weltweit führend und insbesondere den KKW sicherheitstechnisch weit überlegen sind, von denen man aktuell Strom bezieht.
Wenn das aber so ist, dann kann man mir nur sehr schwer verständlich machen, warum es des ressourcen- und naturvernichtenden machtvollen Ausbaus der Windenergie im ohnehin notorisch windschwachen Süden bedarf.
Man pusht nämlich den Ausbau der Windenergie, weil man gleichzeitig auf eine fast CO2-neutrale Energieerzeugung bewusst verzichtet und das stört mich massiv.
Ich stehe mit meiner Meinung auch nicht allein.
Nehmen wir dabei zunächst zur Kenntnis, dass das Europaparlament aktuell den Weg dafür freigemacht hat, ab Januar 2023 könnten auch Investitionen in Kern- und Gaskraftwerke als klimafreundlich vermarktet werden.
Selbst unser aller Greta aus Stockholm favorisiert Kernkraft, wenn die Alternative – wie in Deutschland – Kohle heißt.
In den USA war das kalifornische Kernkraftwerk Diablo Canyon seit Baubeginn in den Sechzigern bevorzugtes Ziel der Anti-Atomkraft-Bewegung und das wegen der Erdbebengefahr sicher mit einiger Berechtigung.
Der Betreiber musste jahrelang mit immer neuen Nachbesserungen um die Betriebserlaubnis gegen teils erbitterten Widerstand kämpfen, erhielt sie dann aber.
Kalifornien ist wie man weiß für Naturschützer eine Art Blaupause und ausgerechnet dort hat die Legislative mit überwältigender Mehrheit nun beschlossen, neben dem Ausbau der Erneuerbaren Diablo Canyon die Chance zu geben, bis 2045 am Netz zu bleiben und wir sprechen hier über ein Kernkraftwerk in einem erdbebengefährdeten Gebiet, dessen Baubeginn Ende der Sechziger war.
Selbst im Fukushima-traumatisierten Japan wird mit guten Gründen nun der Ausbau der Kernkraft forciert.
Belgien hat sich aktuell entschlossen, die Laufzeit zweier Atommeiler um zehn Jahre zu verlängern, ein Ausstieg vom Atomausstieg.
In Finnland ist jetzt nach großen Anfangsschwierigkeit und massiven Kostensteigerungen das Kernkraftwerk Olkiluoto III unter Beifall der dortigen Grünen ans Netz gegangen, die Finnen beziehen über 90% ihrer Energie aus Kernkraft und Erneuerbaren.
Die Niederlande kündigen aktuell den Bau zweier neuer Kernkraftwerke an.
Diese im Falle von Neubauten in die Zukunft weisende Liste ließe sich zwanglos fortsetzen.
Sind die alle deppert?
Die Entwicklung geht ja auch ständig weiter, wir fahren heute schließlich auch nicht mehr mit Benzens Bertas Motorwagen über die Autobahn.
So hat die dänische Copenhagen Atomics über ihre Tochter UK Atomics in Großbritannien einen Antrag auf Zulassung ihres Thorium-Flüssigsalzreaktors gestellt. Die Anlage passt in einen Container, leistet 100 MW und verwertet neben Thorium Atommüll als Brennstoff.
Bei diesem Thema ist sicher viel Zukunftsmusik, ist das aber nicht auch der Fall etwa bei der generellen Frage, ein Industrieland wie Deutschland ausschließlich mit Erneuerbaren energetisch zu versorgen oder der Frage großer und sauteurer Speichermedien bei den Erneuerbaren, die erforderlich sind, um von der Volatilität bei Wind und Sonne unabhängig zu werden?
Fazit: Neben Plasmalyse auch Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft soweit möglich gerne als Standbein, aber ohne weitreichenden Eingriff in die Natur, die Landschaft und den Lebensraum von Menschen, sondern dort, wo so etwas auch entsprechenden Ertrag bringt.
Daneben die Nutzung grundlastfähiger und zur Verfügung stehender Kernkraftwerke als Brückentechnologie inklusive etwaiger Neubauten, wobei die Standardisierung bei diesen Werken ja ständig zunimmt.
Investierte man nur 50% der Gewalt, mit der aktuell die Windenergie durchgedrückt wird in Neubauten, würde die Umsetzung auch nicht ewig dauern.
Ich bin weiß Gott kein Maschinenstürmer, störe mich aber daran, dass man unter anderem im Hesselbachtal einen Ausbau zu Lasten der Natur, der Landschaft und der Menschen betreibt, weil man aus ideologischen Gründen auf zur Verfügung stehende Technologie verzichtet, die das Problem der CO2-Belastung und damit das Erfordernis eines derart massiven Ausbaus der Windkraft radikal entschärfen würde.
Ich weiß natürlich, dass wir dazu neigen, am einmal Beschlossenen festzuhalten.
Aber war das immer so?
Im Dezember 2010 wurde die Kernkraft als Brückentechnologie bis zum verlässlichen Ersatz durch Erneuerbare Energien anerkannt und die Laufzeiten verlängert bei Aufrechterhaltung des Verbots von Neubauten, der Ausstieg aus dem Ausstieg.
Am 11.3.2011 kam es zum Unglück von Fukushima, worauf am 14.3.2011 beschlossen wurde, sämtliche bis 1980 in Betrieb gegangenen Kernkraftwerke abzuschalten.
Auf Empfehlung einer eigens eingesetzten Ethik-Kommission wurde am 6.8.2011 das Atomgesetz erneut geändert und die Laufzeitverlängerung von Dezember 2010 zurückgenommen. Biblis A und B, Brunsbüttel , Isar 1, Neckarwestheim 1, Unterweser und Philippsburg 1 wurde die Berechtigung zum weiteren Leistungsbetrieb per 6.8.2011 entzogen, der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg.
Das Motiv für diesen Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg war irrationaler Natur, Fukushima wäre bei uns ebenso wie Tschernobyl nie möglich gewesen.
Aber selbst ein solches irrationales Motiv führte zu Reaktionszeiten, die sogar einen Manuel Neuer erstaunen würden.
Warum soll das heute nicht gehen?
Ich fürchte, auch das hat mit Irrationalem zu tun, denn ich mag mir die Eruptionen und tektonischen Verschiebungen bei den Grünen gar nicht vorstellen, wenn man öffentlich bemerkbar einsähe, bisher zumindest teilweise auf dem Holzweg gewesen zu sein, davon, dass man trotz kurz bevorstehender Klimaapokalypse lieber Fossiles verfeuert als CO2-neutral Atomstrom zu nutzen, mal ganz abgesehen.
Niemand opfert gerne Gründungsmythen, aber müssen wir alle darunter leiden und speziell die Hesselbacher?
Ich meine nicht.
 
9.1.2023

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