Der Name „Wilde Reiter GmbH“ stammt nicht von mir.

Er ist alt und hat eine Geschichte.

Unser Vater begann irgendwann mit dem Reiten und als mein Bruder und ich alt genug waren, schien es nur folgerichtig, dass wir auch insoweit in seine Fußstapfen treten.

Ich meine, ich war etwa acht als es anfing, mein Bruder war noch jünger.

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Aller Anfang ist schwer, aber es entwickelte sich, zumal uns die Sache sehr viel Spaß machte. Wir hatten auch Glück mit dem Pferd. Unser Vater hatte einen gutmütigen und lammfrommen Zweibrücker Wallach namens Noris gekauft, den er zunächst selbst ritt. Wie bei Hartmanns üblich, reichte die Endgeschwindigkeit irgendwann nicht mehr. So kamen wir an Schirokko, einen Trakehner-Wallach und die abartigste Rakete, die ich je gesehen habe.

Mein Reiterabzeichen habe ich in diesen Jahren auch erworben.

 

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Wir Jungs waren den Lehrstunden in der Bahn zu Offenburg bald entwachsen.

Aufgelockert wurden diese Lehrjahre durch Veranstaltungen wie auf dem folgenden Bild zu sehen. Wir wurden ausstaffiert wie die Musketiere Ludwigs XIV. und mir wurde dieser kleine Gaul von Catherine Burda verpasst, auf dem ich throne.

 

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Nett, aber auf Dauer langweilig und so wurden wir daraufhin auf Geländeritte mitgenommen. Diese Ausflüge gehören eindeutig zu den Highlights in meinem Leben, ebenso wie die Hubertus-Jagden, an denen wir schließlich auch teilnahmen.

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Hubertus-Jagden waren in den Jahren vor der gesellschaftlichen Weichspülung eine wirklich gefährliche Sache. Der damit verknüpfte Ausritt ging über Stock und Stein, dann schloss sich die eigentliche Fuchsjagd an. Die Truppe wurde angeführt vom Master, dem zwei Pikeure zur Seite ritten. Auf dem Bild ist unser Vater ganz vorne als Master zu sehen, ich bin der Pimpf links, der sich gerade anschickt, mit Noris den Abhang hinunterzureiten.

 

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Bereits beim eigentlichen Jagdausritt kam es immer wieder zu Stürzen, entweder vom Gaul herunter oder gleich beide fielen auf die Schnauze, dazu kam die Besonderheit, dass manche Ausrichter zu faul waren, Holz für Sprünge etwa auf Waldwegen anzuliefern und aufzustapeln und deshalb ganz Bäume über den Weg bogen. Kam eines der Pferde an den Baum, griffen umgehend die Gesetze der Physik und der Baum schnellte in seine ursprüngliche, gottgewollte Stellung zurück. Passiert meiner Erinnerung nach bei einer Jagd im Großraum Rastatt.

Man darf sich da keinen Illusionen hingeben. Auch ohne diese idiotische Bäumebiegerei passierte wie erwähnt gerade genug. Ich habe einen ausgewachsenen französischen Offizier – damals waren die französischen Truppen noch hier stationiert – auf seinem Pferd vor Angst heulen sehen.

Dann am Schluss die eigentliche Jagd.

Der Master klemmte sich einen Fuchsschwanz (die Jagden wurden natürlich ohne Meute und zu hetzendes Wild durchgeführt) mit der Sicherheitsnadel ich meine an den linken hinteren Schulterbereich und dann wurde er gejagt. Man musste versuchen, von der rechten Seite aus über das Pferd des Masters zu greifen und den Fuchsschwanz abzureißen. Hei, was sind die da zusammengeknallt. Für uns Jungs war das tabu, eindeutig zu gefährlich.

Irgendwann setzte sich die Erkenntnis durch, dass Brüche zwar wieder heilen, aber eher unnötig sind und das Ganze wurde so organisiert, dass sich alle Reiter auf einer Linie versammeln mussten, ein Startsignal gegeben wurde und alles lospreschte. Man musste eine Strecke von geschätzt 500 – 800 m hinunterrasen und traf dann auf ein langes in etwa 2,50 m Höhe gespanntes Seil, an dem der Fuchsschwanz befestigt war. Der Schnellste und gleichzeitig Geschickteste konnte in vollem Speed den Fuchsschwanz zu reißen.

Und was soll ich sagen – bei der Jagd in Offenburg war ich um ein Haar der Glückliche.

Startschuss und alles donnert los. Ich hatte von der Speed her mit meinem Noris, besagtem Zweibrücker keinerlei Chance, da waren unter anderem Araber in der Meute dabei. Ich befand mich irgendwo im Mittelfeld der stiebenden Reiter, als auf einmal alles nach rechts schwenkte. Ich starrte nach vorne und dachte „Was zum Geier machen die da“ , denn der Fuchs hing eindeutig weiter links. Aber das ist Herdentrieb pur, was dazu führte, dass ich ordentlich an den Zügel reißen musste, um den braven Noris aus der Gruppe zu lösen und nach links zu zwingen. Aber es klappte.

Ich kam näher und näher, freute mich schon gigantisch, meinen ersten Fuchs zu reißen, denn ich deuchte mich allein auf weiter Flur. Weit gefehlt. Von rechts flog – ich kann es nicht anders sagen – ein bekannter Nudelfabrikant aus dem Offenburger Umland mit seinem Vollblüter heran, und der Winkel, den er steuerte ließ erwarten, dass wir zusammenkrachen würden. Ich zog also zurück und etwas nach links und er griff den Fuchs, möge ihm nachträglich die Hand abfallen.

Immerhin war ich guter Zweiter geworden, blieb aber untröstlich. Mein Vater meinte zu dem Sieger, er habe doch schon so viele Füchse gerissen und auch gesehen, das sich als Junge vorne gewesen sei, ob das wirklich nötig gewesen sei. Der Teig-Tycoon blieb aber ungerührt, worauf mir mein Vater SEINEN Fuchs schenkte, den er nach meiner Erinnerung in Nußbach gerissen hatte. Werde ich ihm nie vergessen.

Zu erwähnen wäre noch, dass ich einmal ein Dressurturnier gewonnen ...

 

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und bei einem Springturnier schlicht vergessen habe, auch noch die letzten drei Hindernisse zu nehmen, obwohl ich gut in der Zeit gewesen sein soll, ein schlagender Beweis, dass ich schon damals überdurchschnittlich vergesslich war. Eine Eselei sondershausen, aber verjährt.

Tja, und auf die Schnauze gefallen sind wir noch und nöcher. Ich werde nie vergessen, wie ich im Wald bei Schutterwald hinter meinem Bruder her ritt und plötzlich bemerkte, wie er sich samt seinem Gaul überschlug.

Er hatte ebenso einen Schutzengel wie ich, als mein Gaul durchging, den Waldweg hinunterraste, immer schneller wurde und ich ziehen konnte wie ich wollte, er reagierte nicht und wurde vor allem nicht langsamer. Es kam wie es kommen musste. Die 90°-Kurve am Ende des Weges bekam er nicht und er stürzte auf die Seite mit mir oben auf. Wir schlitterten seitlich mehrere Meter, aber da der Boden mit Kies bedeckt war, zog ich mir keine schlimmeren Blessuren zu.

Einmal ritten wir mitten im Dezember aus und lenkten die Gäule in die Kinzig. Plötzlich fing – ein untrügliches Zeichen – der meine an, mit dem Vorderhuf im Wasser zu scharren und ehe ich reagieren konnte, ging es wie mit dem Fahrstuhl nach unten und das Tierchen begann sich im eiskalten Wasser zu wälzen, so dass ich sehen musste, vom Acker zu kommen, was auch gelang. Gottlob hatten wir es nicht weit zum Reitstall  in der Freiburger Straße, der dort stand, wo heute Aldi, Kuhn und dieser Reifen-Fuzzi residieren. Junge, habe ich gefroren.

Aber nun zur „Wilde Reiter GmbH“. Die Geländeritte zogen nach und nach interessierte andere Reiter an, mit Gustav Nikolaus aus Oberkirch

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... war unser Vater ohnehin befreundet und er war von Anfang an dabei. In der Regel ging es zum Großen Deich oder besser zur dortigen, von der Firma Seiler in ihrer unnachahmlichen Art geführten Kneiple, wo man die Pferde anbinden und mächtig einen löten konnte.

Es stießen dann Marga Thinnes aus Urloffen, Horst Kühnast aus Offenburg und andere dazu, eine lustige und trinkfeste Truppe, mit denen die Ausflüge extrem viel Spaß machten. Zum Großen Deich kam man, indem man der Kinzig folgte. Es bürgerte sich dann nach und nach der sog. „Überfall“ ein. Wenn alle in entspanntem Zustand mit langem Zügel gemächlich durchs Gras ritten, verständigten sich hinten zwei oder drei der Gruppe und rasten plötzlich los. Die übrigen wurden überrumpelt und da ihre Gäule natürlich nicht zurückbleiben wollten, starteten die auch wie die Raketen, so dass man schauen musste oben zu bleiben.

Es ging insgesamt ziemlich wild zu, in der Bahn fandst du damals keinen von denen, „richtiges“ Reiten fand nur draußen im Gelände statt. Und weil es da sehr oft sehr viel Vollgas gab, bekam die Gruppe vom Rest der Reitergemeinde eben diesen Spitznamen, so wie ich temporär den des „Rodeoreiters“, weil unser Schirokko

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... derart viel Pfeffer im Hintern hatte, dass man immer auf der Hut sein musste, ob er bockt oder hinten hochstieg und auskeilte. Die reine Achterbahn, aber ich hatte den Bogen dann raus.

Die Offenburger Zeit war irgendwann herum und wir wechselten nach Schutterwald, wo es wirklich ganz ganz tolle Destinationen für Geländeritte gab, erwähnt sei die Kittersburger Mühle unter dem damaligen Besitzer, der sich freute, wenn wir hereinschauten.

Schirokko mussten wir irgendwann leider abgeben und unser Vater zündete die nächste Stufe.

Wir fuhren meine ich in die Pfalz und testeten Viertelmeiler, also Quarter Horses. Wir bekamen die Gelegenheit zu einem Ausritt und dabei kam es zu einem echt ekligen Unfall. Vor mir ritt auf einem schmalen Pfad einer der Leute von vor Ort, vor dem ein weiterer Reiter unterwegs war. Dessen Pferd stieg plötzlich hinten hoch und keilte aus. Dabei traf es das Schienbein des hinterher Reitenden und brach es mit einem trockenen Krachen einmal durch. War ein langer Heimweg für den armen Kerl.

Unseren Vater focht das aber nicht an und er kaufte „Maggie´s Skip“, ein tolles Pferd und Beginn meiner jahrelangen Liaison mit dem Westernreiten. Natürlich ritt in erster Linie unser Vater auf ihr, aber auch wir kamen zum Zuge. Wir waren mittlerweile in den Stall der alten Frau Grieshaber in Schutterwald umgezogen und eine meiner Aufgaben war es, Maggie zum Schmied im Reitstall von Schutterwald zu überführen, eine Strecke durch den dortigen Wald von ca. 4-5 km.

Westernreiten ist anders als die englische Reitweise, man steht fast in den Steigbügeln und lenkt das Pferd mit einer Hand. Das Hackamore-Zaumzeug überträgt die Befehle mittels Hebel auf das Maul und einmal hatte ich falsch aufgezäumt. Wirkung gleich null und Maggie wurde auf den letzten hundert Metern vor dem Stall auf der dortigen Asphaltstraße immer schneller. Ich galoppierte schließlich an dem entgeistert dreinblickenden Schmied im Hof des Reitstalls mit den Worten vorbei „Ich komme gleich“, und zwang das Pferd dann doch in eine Rechtskurve einmal um die Reithalle herum. Beim Schmied blieb sie dann doch stehen, Glück gehabt.

So, das war´s erst einmal, ich baue das hier nach und nach aus, auch mit Bildern.

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