Unterwerfung

 

Michel Houellebecq - Unterwerfung

 

Ich hatte bisher noch nie etwas von Houellebecq gelesen oder gehört und bin wirklich angetan. Ich bin auch echt baff, mit welch leichter und selbstgewissen Lässigkeit Houellebecq seine eigene intellektuelle Ausnahmestellung behandelt, die er auch nie in Frage stellt, Selbstzweifel sind was für Loser. Was bei anderen, unbegabteren Geistern eher wie angestrengtes Strampeln wirkt, kommt bei ihm auf Samtpfoten daher. Ich bewundere so etwas.

Aus meiner Sicht ist das Buch eine ironisch-augenzwinkernde Polemik und befasst sich in Wirklichkeit weniger mit dem Islam, auch wenn es in weiten Teilen gerade darum geht. Daher ist das Buch auch nicht "islamophob", wie gelegentlich geschrieben wurde.

Tatsächlich legt Houellebecq die - schlimme - Verfassung der französischen Gesellschaft und vor allem ihrer intellektuellen Avantgarde dar, die l´art pour l´art betreibt, an maximaler Auszehrung leidet und jede Bodenhaftung verloren hat, weshalb sie auch beim ersten Anzeichen tiefgehender und von neuen Kräften entschlossen betriebener Veränderungen mit maximaler Anpassung reagiert und alles über Bord wirft, was man zuvor im Elfenbeinturm thematisiert und damit zu intellektuellem Spielzeug degradiert hat. 

Die offensichtlich notorischen Ausflüge in die Pornografie nimmt man dann halt als schrullige Obsession des Artisten achselzuckend hin.

Klare Empfehlung.

 

Hier geht´s zur Übersicht Ebene #1