Jetzt bin ich 60 und da wird´s Zeit.

 

Kapitel 1 Alter

Der Spruch, man sei nur so alt wie man sich fühle, kann nur von einem stammen, der nicht alt war als er ihn absonderte. Er stimmt nicht. Ich kann nicht sagen, wann sich plötzlich die Erkenntnis einstellte, dass ich ab jetzt alt bin und bleiben werde bis zu meinem unausweichlichen Tod, womit ich meine, dass der Tod nicht mehr etwas ist, das in erster Linie mit Unglücksfällen verknüpft wird, sondern nun etwas mit dem eigenen Verfall zu tun hat.

Alter ist ab dort wie ein Grundrauschen im Leben, eine Art seelischer Tinnitus, du weißt es auf einmal und ich kann wie gesagt nicht sagen, wann das geschah und durch was es ausgelöst wurde. Mit der körperlichen Befindlichkeit hat das übrigens überhaupt nichts zu tun, du kannst körperlich besser drauf sein als noch vor sagen wir fünf Jahren, was den einen oder anderen Vorruhestands-Opi dazu verleitet, seinen Fitness-Guru reich zu machen, obwohl er vermutlich trotzdem ahnt, dass er nicht weglaufen kann.

Die Erkenntnis des eigenen Altseins ist zwar endgültig, aber nicht unbedingt unangenehm, sie wird vermutlich nur den schmerzen, der feststellt, was er alles verpasst hat. Nicht meine Baustelle, ich bin zufrieden.  Aber auch wenn sie nicht schmerzt, wird man wacher was die dann verbleibende Zeit und das angeht, was man mit ihr anstellen kann. Das beflügelt.

Ich verstehe nun auch auf einer anderen Ebene, was mir einer der anderen alten Säcke namens Anthony Hopkins sagen wollte, als er meinte, man komme hier nicht lebend raus und solle sein Verhalten danach ausrichten. 

 

 

Kapitel 2 Bauch

Wer im Alter keinen Bauch hat ist von der Genetik geküsst oder macht sein Fitnesstudio reich.

Ich habe einen Bauch. Ich meine einen dicken Bauch, ein Speckpack, irgendeinen im Zweifel langweiligen unauffälligen Bauch hat ja jeder. Mein Bauch oszilliert wie mein Seelenleben, ich sehe Zusammenhänge. Er oszilliert, wird aber gottlob nicht wie bei Helmut Kohl selig linear oder exponentiell immer dicker, jedenfalls noch nicht, obwohl ich auch bei Herrn Kohl einen Zusammenhang mit seinem Seelenleben vermute. Saumagen ist aber auch geil.

Wer einen Bauch und die Strandferien vor der Brust hat, der denkt über Essen und Trinken nach. Niemand will, dass neurotische Helikoptereltern die Brut aus dem Wasser ziehen, wenn das menschliche Manatee den Strand zum Wasser hinunterwatschelt.

Was tun? Es wird einem buchstäblich von allen Seiten eingeblasen, was man essen, was man trinken darf, ja muss, was man keinesfalls essen und keinesfalls trinken darf. Low Carb, low fat, Halbfett, tschatschatscha.

Ich habe so ziemlich alles probiert. Nach nunmehr vielen Jahren habe ich Erfahrungen darin, die Belagerungsmaschinen der Lebensmittelindustrie in Brand zu stecken.

Beweg´ dich. Friss weniger als du verbrauchst und du nimmst ab. Friss weniger Zucker, Fett und Kohlehydrate als an Weihnachten und du nimmst ab. Ende der Durchsage. Und das spart Geld ohne Ende.

Aber dann taucht Marina auf mit Butterkuchen von Sigrid.

Bleibt auch die Oszillation mit dramatischen Ausschlägen im Winter, vornehmlich um Weihnachten und Silvester herum. Die sind lebensgefährlich, wenn man dem Ärzteblatt, der Bunte, Herrn Yogeshwar und der Brigitte glauben darf.

Und daher ist es Zeit, Mr. Feelgood zu Wort kommen zu lassen und der ist für mich Udo Pollmer, auch relativ dick. Dies ist unter anderem ein persönlicher Fan-Altar für einen in meinen Augen großen Mann.

Und wenn er doch Unrecht gehabt haben sollte, habe ich – um es leicht abgewandelt mit Pablo Neruda zu sagen -  speckfett und fröhlich gelebt.

 

 

Kapitel 3 Kopf

Die Sauerei beim Altwerden ist ja auch, dass man einen dicken Kopf kriegt. Und zwar überall.

An appe Haare, Hängelider, rote Augenränder, Triefbacken und fleischige Wangen, an den Specknacken und das Doppel- oder Dreifachkinn jeden Morgen im Spiegel und auf den zunehmend nachbearbeiteten Fotos könnte man sich mit etwas Anstrengung gewöhnen.

Neulich habe ich aber versucht, meinen alten Football-Helm aufzusetzen und scheiterte schon in Höhe der Stirn.

Plustert sich auch der Schädelknochen auf? Werden wir im Alter zu Gorillas, schließt sich da ein evolutionärer Kreis? Ich muss bei Google recherchieren.

Na, jedenfalls nennen wir in Baden so was einen typischen Moschtkopf, ein Bernhardiner in menschlich. Wie der Moschtkopf von meinem Onkel Rudi und wie Onkel Rudi sehe ich heute auch aus. Keine guten Aussichten.

Ich überlege, dem Grauen mit einem Klobrillen-Kinnbart zu trotzen, dann sieht man vielleicht gefährlich-fett aus statt nur fett. Al Capone soll schließlich auch gesagt haben, mit einem freundlichen Wort und einem Gewehr komme man weiter als nur mit einem freundlichen Wort. Marina will aber nicht mitmachen, sie verwendete das unfreundliche Wort, das sähe zum Kotzen aus, was komme als Nächstes, ein Tattoo vielleicht? Und es würde pieken.

 

 

Kapitel 4 Brille

Mit Augenzusammenkneifen bei der Lektüre abends in der Falle hat es angefangen. Jetzt, etwa fünf Jahre später mit 60, studiere ich das Sozialverhalten von Brillen.

Brillen sind Schwarmtiere wie Wellensittiche. In Einzelhaltung leiden sie und neigen zum Rückzug in dunkle und praktisch nicht erreichbare Ecken des heimischen Biotops. Jedenfalls sind sie weg. Insbesondere dann wenn man sie braucht. Hält man sie in Schwärmen, rotten sie sich zusammen und wechseln mit dem Schwarm unvermutet den Nistplatz. Das ist der Grund, warum man beispielsweise im Bad unvermutet auf sechs oder sieben locker fläzende Exemplare trifft, die man andernorts gesucht, aber nicht gefunden hat.

Oder im Keller. Oder auf dem Nachttisch. Die Organisation dieser verschlungenen Wanderungen (Magnetfeld der Erde?) harren noch der wissenschaftlichen Erforschung, zu der aber berufenere Geister als ich vonnöten sind. Ich kaufe einfach nach über Amazon. Eine Schande ist das. 

 

 

Kapitel 5 Homeoffice

Ein Homeoffice ist gefährlich, jedenfalls gefährlicher für den alten Sack als für junges Gemüse. Hinzu tritt ein Zusatzrisiko für den Freiberufler wie mich.

Warum?

Nun, das Homeoffice ist wie der Bienenstock für den Bären, wenn die Bienen alle auf einer Gewerkschaftsversammlung sind. Schlabberlook, Futtern beim Essen, Kaffee in Strömen, ganz generell der Blick auf das was sein könnte, wenn man nicht jeden Tag die Kilometer bis ins Büro und ätzende Termine mit ätzenden Gegnern bei Gericht machte, sprich der Blick aufs Teilzeit-Rentnerdasein, denn klar ist, dass man ein wenig Nebenher-Kohle macht, wenn sich das noch nicht vergesellschaftete Produktionsmittel im eigenen Kopf befindet.

Junges Gemüse stellt diese Gedanken nicht an, die Halbwertszeit für das Homeoffice ist berechenbar und danach warten noch Jahrzehnte bis zur Rente, sie ist wie Indien für Kolumbus als er in Palos de la Frontera an Bord ging. Janz weit wech, uninteressant, weiß ich, ich habe es selbst so erlebt.

Dem alten Sack hilft übrigens nicht, dass man als Homeoffizier ein verlorener Outpost irgendwo da draußen ist, weit weg von der Zentrale mit ihrer nährenden und befriedigenden Organisation, denn ein Homeoffice ist bei dieser Konstellation - und das sei auch nicht verschwiegen - für den alten Sack purer Stress, weil er selbst alles im Auge behalten darf.

Aber Stress, der durch seelische Bachläufe aus Kandis und anderem Zuckerwerk muss. Also Obacht.

 

 

Kapitel 6 Corona 2020

Etwas über Lockdown, Knabberbrezelchen, Kaffee in Strömen, fettem Homeoffice-Ranzen und so muss ich ja nicht mehr schreiben, da macht oder besser hat jeder seine eigenen Erfahrungen gemacht. Ich habe gesundheitlich gesehen bisher Glück gehabt und klopfe mir was man hier nicht sehen kann drei Mal auf den Kopf.

Aber auch in anderer Hinsicht habe ich Glück gehabt, weil sich in Corona-Zeiten der Blick auf die Welt wandelte. Das geht auch im Alter, was bei jungem Gemüse mit den dort bisher mit Best- oder Silver-Agern gemachten Erfahrungen in Sachen Sturheit und Altersstarrsinn kollidieren mag, aber gleichwohl manchmal stimmt.

Vor Corona war die Gesellschaft bekanntlich mächtig gespalten und sie ist es ganz gewiss immer noch, aber anders. Ich registriere, dass eine bestimmte Klientel, der ich auf den üblichen Kanälen gefolgt bin, ihre mittlerweile penetrante "ich bin dagegen, aber so was von"-Haltung konserviert und in die Pandemie hinübergerettet hat. Egal, was die Oberste Heeresleitung macht oder nicht macht, es ist verkehrt.

Diese - ja wie nennt man das? -  "Opposition" ist übrigens wieder unterschiedlich strukturiert. Da gibt es die, denen wirklich der Arsch mit Grundeis geht, weil sie der Pleite in den zähnefletschenden Rachen schauen und sich daher auf jedes noch so schräge "Argument" wie ein Alkoholiker auf den Brennspiritus stürzen. Irgendwo verständlich. Dann gibt es die, die wirklich glauben was sie sagen und Bill Gates, die Zionisten, die Freimaurer und /oder sonstige globale Dingsbumsvereinigungen (die üblichen Verdächtigen eben) für die Masterminds hinter allem sehen, auf YouTube gebe es ja Beweise genug. Und dann gibt es die, die verbal oder vor der Kamera mit dem Grundgesetz wedeln, in Wirklichkeit nur nach Ibiza oder Phuket wollen, man hat schließlich schon zwei große Grüne anbezahlt.  

Ich halte die Oberste Heeresleitung auch für maximal mittelmäßig begabt und befähigt, aber  das was hier an Selbstgerechtigkeit, Heuchelei und Blödheit zur Zeit abgeht und zwar gerade von den Leuten, denen ich vor Corona wenn auch kritisch gefolgt bin, überrascht selbst einen alten weißen Sack wie mich. Und damit hat Corona jedenfalls für mich intellektuell gesehen einen Mehrwert gehabt, den der Virus ja nicht gleich wieder mit dem Wirt um die Ecke bringen muss. Deal?

 

 

Kapitel 7 Gedächtnis

Es ist eine Binse, dass im Alter das Gedächtnis löchrig wird. Oder werden soll. Ich frage mich, worauf das zurückzuführen ist. Ich denke, ein Gutteil der angeblichen Vergesslichkeit ist auf fehlendes Vertrauen in seine Erinnerung zurückzuführen. Ich sehe etwas, das ich übertragen muss und blättere noch mindestens drei Mal nach, ob das was ich übertragen will auch tatsächlich stimmt. Ich misstraue meinem Gedächtnis also und das relativ häufig zu Unrecht. Das wird dann aber als Vergesslichkeit interpretiert.

 

 

Kapitel 8 Schalke 04

Was hat Schalke 04 mit dem Alter zu tun?

Nun, zunächst ist der Verein genau 55 Jahre älter als ich. Das war es aber noch nicht. Schalke 04 ist für mich DIE Allegorie auf die Mittelmäßigkeit, die Größeres erträumt und regelmäßig scheitert. Das erklärt noch nicht den Zusammenhang mit dem Alter. Wenn allgemein von der wechselvollen, aber im Ergebnis praktisch immer erfolglosen Geschichte von Schalke 04 die Rede ist, dann reicht das zurück bis maximal zu den glorreichen Eurofightern um Mike Büskens und Marc Wilmots.

Ich aber, ich bin 60 und habe meine Herz für Schalke entdeckt Mitte der Siebziger und - boy oh boy - da und auch in den Folgejahren gab´s Spieler mit Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, den Kremers-Zwillingen, Hannes Bongartz, Norbert Nigbur, Enver Maric, Rolf Rüssmann, Aki Lütkebohmert, Tanne Fichtel, Branko Oblak und und und.

Und was hat es gebracht? Schalke 04 hat es auch unter Protzpräsidenten wie Günther Eichberg nie zu etwas gebracht. Die einzelnen Titel meist auf nationaler Ebene wie der DFB-Pokal und natürlich der Gewinn des UEFA-Pokals sind dolle Dinger gewesen, aber Kontinuität hat das nie ausgelöst. Immer neue Pläne, immer neuer Aufbruch zu neuen Ufern, jetzt aber soll´s gelingen und am Schluss stand man mit leeren Händen da. Mittelmäßigkeit vom Kopf bis zu den Gliedern und das nun fast 50 Jahre lang. Das ist (k)eine Leistung, das ist kein Trend, das ist der Charakter dieses Vereins. 

Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass Schalke 04 deine Leben beeinflusst wie eine Kreistagswahl in Ulan-Bator. Gar nicht. Ob Schalke 04 in den UEFA-Cup kommt, wie das früher hieß, 12. oder 4. wird ist völlig belanglos. Man möchte meinen, dass das bei Gott eine banale Einsicht ist, aber als jüngerer Mensch redet man sich nur ein, der Zustand von Schalke 04 sei nicht von Belang, eine intellektuelle Verrichtung, aber der Angelhaken des Verdrusses sitzt dann doch schmerzhaft fest, wenn es so kommt wie es auf Grund des Genpools dieses Vereins kommen musste. Wenn du alt bist weißt du gewiss, dass das völlig irrelevant ist und deshalb ist dir Schalke 04 auch wirklich und ehrlich egal, was das Leben sehr viel leichter macht.

 

 

Kapitel 9 Heuchelei

Schwieriges Thema. Ich bin das was man früher mit Elektroschocks behandelt hätte. Das nützt nur nichts, aber das dämmerte mir erst nach und nach. Als alter weißer Mann bist du gesellschaftlich und kulturell eh fett und anfangs dachte ich, das läuft dann halt nach dem Motto, und ist der Ruf erst ruiniert blablabla. Völliger Humbug.

In Sachen Heuchelei kannst du wahnsinnig viel von der Enkelgeneration lernen. Man kann sich mit Apple-Ohrstöpseln  selbst mit dem IPhone filmen und dabei Kritisches über den Kapitalismus und seine wahnwitzigen Folgen für die Schöpfung vor sich hin faseln, 98% der Hörer werden diesen Müll mit einem Like versehen. So sind die Zeiten. Wieder.

Die da und wir hier und über allem eine Wolke grauer Ahnungslosigkeit und Faulheit. Schlimmer als jemals zuvor, solange ich mich erinnern kann. Dank meiner ständig surfenden Körpersäfte und in der vielleicht irrigen Annahme, das eine oder andere Thema intensiver durchdringen zu können als ein 29jähriger mit abgebrochenem Studium und Parteikarriere habe ich mich ereifert und damit viele gute Menschen vor den Kopf gestoßen. Völliger Blödsinn.

Niemand, absolut niemand ist am Kassandragequake einer Erdkröte aus dem Schwarzwald im letzten Drittel des Lebens interessiert, den alten weißen Mann hatte ich ja schon erwähnt. Nein. Mach dein Ding, was auch bedeutet, dass du schnell weiterschaltest, wenn einer dieser widerwärtigen Berichte über Schlachthöfe im Fernsehen kommen, kauf beim lokalen Metzger, like gleichzeitig alles was gut, schön und vor allem gratis ist, applaudiere den Rettern der Erde, lass den Grill nicht ausgehen und erfreu dich am Klang eines Acht- oder Zwölfzylinders. Die Retterfraktion macht es in 99% aller Fälle auf ihre Art nämlich nicht anders. 

 

 

Kapitel 10 Mundwinkel und Freunde

Heute morgen auf dem Weg ins Büro sah ich wieder einmal routinemäßig in den Rückspiegel meines Fahrzeugs und stellte fest, dass meine Mundwinkel dabei sind, sich in grabenartiger Vertiefung Richtung Kinn zu bewegen. Beide, also ist das ein allgemeiner Trend und kein Hinweis auf einen Schlaganfall, eine echte Alternative in dem Alter, in dem ich mich befinde.

Man schaut sich ja sicher mindestens 20 mal pro Tag irgendwo in einer spiegelnden Fläche an, aber es ist wie bei der Frage, ob deine Uhr Zahlen oder Striche auf dem Zifferblatt hat. Absolut sicher beantworten kann das nur jemand mit einer Digitaluhr. 

Woher kommt das mit den Mundwinkeln, wenn man doch denkt, man sei ein lustiger Gesell, der überwiegend mit einem Lied auf den Lippen durchs Leben geht? Ich glaube, das hat mit den Erfahrungen zu tun, die man mit zunehmendem Alter schon rein quantitativ gesehen mit anderen Menschen macht. Advokaten sind besonders betroffen. Du kannst Optimist sein wie du willst, die Leute sorgen für deine Mundwinkel und da hilft es nichts, wenn man sich eines großen Freundeskreises sicher glaubt.  Ich registriere nämlich, dass immer mehr Leute den Unterschied zwischen "Freunden" und "Bekannten" nolens volens bis zur Unkenntlichkeit verwischen, was kein Wunder ist in Zeiten von Facebook-"Freunden". Es ist ganz einfach. Bekannten darf man keinesfalls trauen, weil man ihnen alles zutrauen muss. Ich verzichte auf den zu erwartenden Schmus, was einen wahren und echten Freund ausmacht, das definiert jeder eh selbst.

Die einzige Wahrheit und gleichzeitig der Vorteil des Älterwerdens ist der Umstand, dass die Freunde mit dem Alter weniger werden. Nicht notwendig weil sie versterben, sondern weil sie auf den Status von Bekannten, in Einzelfällen auch von Feinden zurückfallen, nachdem sie gewogen und für zu leicht befunden worden sind.

Das Alter befähigt einen auch mit dem damit verknüpften Verlust umzugehen, vor dem man - ebenfalls eine Segnung des Alters - keine Angst (mehr) hat, schon allein deshalb, weil Angst ganz generell mit den Jahren zunehmend die Biege macht. Und das bedeutet, dass die genannten Mundwinkel natürlich Scheiße aussehen, den Benefit, den sie zum Ausdruck bringen aber nicht aufzehren können.

 

Kapitel 11 Matthias Matussek

Der hat auch zur Feder gegriffen, etwas später als ich, mit 66. 

 

 

Kapitel 12 Was nicht mehr kommt

Ich kann mich noch sehr gut erinnern an diese Gedanken, ach das mache ich später mal (wenn es sehr wahrscheinlich war) oder schaun mer mal (wenn es weniger wahrscheinlich war). Jetzt schaust du deine Bucket List an und freundlich ausgedrückt kann man sagen, sie ist sehr kurz. Klar kann ich viele Dinge noch machen wenn die Knochen mitspielen, aber ich werde nie in den Weltraum fliegen, was Nic und Henne vermutlich auch nicht, Marius vielleicht in vorgerücktem Alter können wird, weil sich irgendwann ein zweiter Michael O´ Leary findet, der mit ausrangierten chinesischen Shuttles einmal um die ganze Welt für zweiundzwanzichfuffzich anbietet. Ich werde nicht mehr erleben, dass man Krebs heilt, Gelähmte wieder gehen können und endlich niemand mehr verhungern muss, weil er zu wenig zu essen hat. So was meine ich, dieses festgetackert sein in einer bestimmten Zeitspanne, von der man weiß, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft jedenfalls für einen selbst zu Ende geht. 

 

 

 

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