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Im April 2019: Ich bin kein Organspender und ich werde auch keiner. Diese Entscheidung ist Ausfluss meines verfassungsrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrechts. Ich spreche hier nicht von einer Organspende an Angehörige, die ich auf Grund eines selbstbestimmten Entschlusses tätige, ich spreche natürlich vom klassischen Fall einer Organspende bei einer letal verlaufenden Krankheit im Endstadium oder nach einem Unfall mit dem Ausfall meiner Hirnfunktionen.

Auch wenn ich unterstelle, dass in den Kliniken abgesehen von seltenen Einzelfällen verantwortlich mit der Thematik umgegangen wird,  bin ich ausdrücklich dagegen, dass bei oder nach meinem Tod Organe meines Körpers entnommen werden. Das Risiko, selbst vergeblich auf Spenderorgane zu warten gehe ich bewusst ein.

Ich hatte einen Organspenderausweis und habe ihn vernichtet, nachdem ich mich mit der Materie befasst habe. Ungeachtet dessen gehört zur Würde meines Todes auch, dass ich abgesehen von den Folgen von Unfall oder Krankheit unversehrt gehe.

Ich bin Subjekt, nicht Objekt.

Ich frage mich, ab wann ich auf dem OP-Tisch vom Patienten zum Spender werde, der Arzt vom Heiler zum Lieferanten des Transplantationsmarktes wird

Und es ist ein Markt. Egal was mir von Nächstenliebe, Lebensrettung und gesellschaftlicher Verantwortung gesagt wird. Es wird mir ohnehin zu wenig über das Verfahren selbst gesprochen und wo Schweigen herrscht, werde ich misstrauisch.

Einem Toten kann man keine Organe entnehmen, die würden das Schicksal der Person teilen. Also bedarf es der Definition des Zustandes, an dem man von Tod im Sinne der Transplantationsmedizin sprechen kann. Das ist der Hirntod.

Je mehr ich mich damit befasse, um so unsicherer werde ich.

So ist die Definition von Hirntod nicht länderübergreifend identisch. In der Schweiz beispielsweise wird das deutlich laxer gesehen als in Deutschland, weshalb man besser nicht beim Shoppen in Basel umfällt. Dort gilt man 10 Minuten nach Stillstand des Herzkreislaufsystems als hirntot, reicht, weitere Überprüfungen nicht mehr nötig. So etwas kann in seltenen Ausnahmefällen auch fatal schiefgehen und belegt, dass unabhängig von der Definition der Hirntod nichts Endgültiges sein muss.

Und die Experten streiten, ob der Hirntod als Kriterium tauglich ist. Es gibt Stimmen die sagen, es würde niemand spenden, wenn er wüsste, worauf er sich einlässt.

Eingewandt wird auch, dass der Donor letztlich anders behandelt wird als beispielsweise ein Embryo oder Fötus, dessen Bewusstsein zweifelsohne auch nicht existiert, gleichwohl unter dem Schutz des Gesetzes steht.  

Dann lese ich unter anderem, dass man den angeblich doch Hirntoten Fentanyl geben soll, ein unglaublich potentes Schmerzmittel. Ich verstehe das nicht, denn das Zentrum meiner Gefühle und Empfindungen, das Hirn, ist doch angeblich tot?

Irgendetwas stimmt hier nicht und je mehr von Lebensrettung und Pflicht die Rede ist, um so mehr beschleicht mich das Gefühl, hier sollen mit der großen moralischen Keule alle Bedenken zum Schweigen gebracht werden.

Ich glaube, dass diese Bedenken auch gerechtfertigt sind, vergegenwärtigt man sich, was einem alles versprochen wurde bei Themen wie Energiepolitik, Umwelt, Euro und Immigration. Etwa 80% der Versprechen und Ankündigungen sind gebrochen worden oder  haben sich nicht bewahrheitet und dann soll ich diesen Menschen trauen in einer derart existentiellen Frage wie dem eigenen Tod?

 

Die Gesetzeslage in Deutschland wird sich verändern, Zeit sich mit dem Thema zu befassen und zwar auch im Hinblick auf Alternativen. Ich werde es nicht mehr erleben, ich hoffe aber, dass die Stammzellentherapie dereinst in der Lage sein wird, erkrankte und/oder zerstörte Organe zu ersetzen. Ich vertraue dabei auf den Einfallsreichtum und die Innovationskraft des Menschen. 

 

 

 

 

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