OEB ist die Abkürzung für Olde English Bulldog.

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Um es gleich am Anfang ganz klar zu sagen: Das ist kein Hund für Männer mit verkümmertem Geschlechtsorgan oder eben solchem Ego. Der OEB erinnert äußerlich entfernt an einen Kampfhund, ist aber in Wirklichkeit der Stier Ferdinand himself oder Charlie Brown gefangen im Körper eines Gladiators.

Unser Charlie Brown heißt Michel.

 

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So hieß er schon bei seiner Züchter-Mama Frau Lemke aus der Nähe von Horb von der Zucht "Blackforest Bulls" und dabei haben wir es belassen, es passt auch.

Und hier haben wir den besten Freund unseres Michel, unseren Sohn Marius.

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Das ist kein Zufall.

Marius war gerade mal knapp 3 1/2 Jahre alt, als Michel im Januar 2017 zu uns kam, und bei dieser Ausgangssituation muss man sehr genau überlegen, wen man sich da ins Haus holt, den wer kann schon garantieren, dass ein Hund nie allein mit einem Kleinkind ist? Wir haben vorab viel gelesen und recherchiert, wirklich fragen konnte man niemanden oder kennen Sie einen OEB-Eigner? Eben. 

Kurz etwas zur Geschichte.

Die Englische Bulldogge war bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts eine furchtlose, starke Kampfmaschine mit einem Herz aus Gold, weil dieser Hund sehr genau zwischen Mensch und Tier zu unterscheiden wusste und daher im viktorianischen England gerade als Begleiter für Kleinkinder sehr beliebt war.

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Eine Englische Bulldogge heute wäre für uns aber nie in Betracht gekommen, nach meiner etwas verschwommenen Erinnerung hatte meine Tante aus Rastatt eine namens Judy, eine Wurst auf Beinen, die zum Gotterbarmen geschnauft, geröchelt, geschnarcht und gefurzt hat. Die Englische Bulldogge heute ist ein Jammer, ein Schatten großer Tage, seit 1835 das Bullenbeißen verboten wurde, sie ist degeneriert, geplagt von Knochendefekten und eingeschränkter Möglichkeit, durch die Nase zu atmen, ganz furchtbar.

Ein Amerikaner namens David Leavitt beschloss vor etwa 40 Jahren, diesen Missstand nicht mehr hinzunehmen.  Ab 1971 wurden verschiedene Rassen, unter anderem der American Bulldog, der Bullmastiff und der American Staffordshire Terrier eingekreuzt, wobei Leavitt peinlich genau darauf achtete, dass nur wesensfeste und charakterlich einwandfreie Tiere zur Zucht herangezogen wurden.

Eines der Ergebnisse ist unser Michel.

Unsere Recherchen ergaben, dass diese Hunde eine sehr hohe Reizschwelle haben, sehr freundlich und tolerant auch gegenüber anderen Hunden sind, Menschen und insbesondere Kinder sehr lieben, möglichst immer im Mittelpunkt stehen wollen, für ihr Leben gern spielen, aber einen gewissen Eigensinn mitbringen, was eine konsequente Hand erfordere. Das Zusammenleben mit Kleinkindern und auch Babys bereite überhaupt keine Probleme, die OEB seien ausgesprochene Familienhunde.  

Das schien zu passen und so nahmen wir Kontakt mit Frau Lemke auf, die uns nach Horb einlud, es sei gerade ein Wurf soweit, dass an einen Verkauf gedacht werden könne.

 

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Vor Ort waren wir wirklich baff, als wir die Kleinen sahen, knuddelige kleine Kerle, ihre Mutter war in den Nachbarraum verbracht worden. Warum, merkte ich dann. Frau Lemke bot uns an, die Frau Mama ebenfalls vorzustellen, wir nahmen an, Frau Lemke öffnete die Tür und der Türrahmen verdunkelte sich, als eine nicht besonders große, aber extrem bullig-massige Hundedame mit wedelndem Schwanz auf uns zugewalzt kam.

Ich kann nur sagen, das muss man wollen. Und wir wollten.

Wie es sich gehört, mussten wir zunächst unverrichteter Dinge nach Hause fahren, was uns angekündigt worden war. Einige Zeit später - am 14. Januar 2017 - kamen wir bei widrigsten Wetterumständen

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wieder und dieses Mal durfte Michel mit. By the way - Frau Lemke ist nur zu empfehlen. Sie ist nach unserem Eindruck wirklich kompetent und persönlich sehr nett, aber auch mit der nötigen Energie ausgestattet, die man benötigt, wenn man erfolgreich und unangefochten einer Horde Raufbolde vorstehen will. 

DIE Heimfahrt wurde lang und überwiegend mit geöffneten Fenstern durchgeführt, weil der Kleine vor lauter Angst und Abschiedsschmerz  den gesamten Käfig vollgemacht hatte und unmittelbar nach Ankunft ...

 

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die erste Dusche seines Lebens über sich ergehen lassen musste, was er mit dieser stoischen Ruhe erledigte, die ihn auch seither auszeichnet.

Dann war gegenseitiges Kennenlernen angesagt ...

 

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Und am nächsten Tag gingen zwei ab dort ziemlich beste Freunde spazieren.

Seither ist der dicke Kerl nicht mehr wegzudenken, auch wenn die ersten Wochen sehr anstrengend waren, was am harten Winter lag. Rausgehen mit dem Kleinen war problematisch bei der Kälte, weshalb ich jedem nur raten kann, niemals einen 10 Wochen alten Welpen in den Wintermonaten zu kaufen. 

 

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OEB haben den ihnen nachgesagten eigenen Kopf und sind sehr intelligent. Sie müssen sich unterordnen wollen, was sie nur tun, wenn sie ihren Rudelführer akzeptieren und ihm vertrauen. Auf überzogene Strenge reagieren sie mit Verweigerung und Widerstand, Handgreiflichkeiten sind ein no go. Leitet man sie konsequent und nachdrücklich an und respektiert man ihr Wesen, dann hat man binnen weniger Monate einen treuen Gefährten, der - je nach aktuellem Objekt der Begierde mehr oder weniger schnell -  auf die Kommandos hört und das ganz ohne Hundeschule. Ich habe die Veränderung bei Michel gespürt, kann sie aber zeitlich nicht exakt festmachen.

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Anfangs hörte er, weil er es musste, ich ließ ihm keine Alternative und machte immer klar, dass es nur nach meiner Nase gehen konnte. Ich schätze, im Alter von etwa 1 - 1 1/2 hat Michel dann verinnerlicht, dass ich der unangefochtene Boss bin und es daher auch aus seiner Sicht ok ist, auf meine Kommandos zu hören. Das macht(e) es auch für Marina leichter, auf die er zunehmend besser hört, was etwas gedauert hat, weil sie nicht diesen schneidenden Feldwebelton am Leib hat wie ich und insgesamt auch ansonsten ein deutlich besserer Mensch ist.

Michel hat ein Herz aus Gold, ist sehr stark, absolut friedlich, liebt Kinder ...

 

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und ist freundlich-ruhig gegenüber Artgenossen.

Er will ständig gestreichelt und geherzt werden und ist unglücklich, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Alleinsein ist schlimm für ihn, sein liebster Platz ist mitten in "seinem Rudel". Das führt dazu, dass er praktisch IMMER im Weg herumsteht und einen mit seinen Seehundaugen feucht und treuherzig anschaut. Und wenn sich Alleinsein nicht umgehen lässt, wandert ein Schuh in sein Körbchen, das durch den vertrauten Maukengeruch Trost spendet, sie sind sensible Seelchen, diese OEB.

Spielen ist nicht denkbar ohne ihn, da müsste man ihn schon wegsperren, allerdings erledigt er das dann auch wie ein Linebacker. Kinder sollten also nicht zu zartbesaitet sein, denn bei der Spielerei vergisst der Hund gelegentlich mal seine Körperkräfte und rennt ein Kind einfach um, ohne es zu wollen. Marius läuft er auf Schritt und Tritt hinterher und hält auch beim Spielen draußen mehr oder minder immer in seiner Nähe auf. Ansonsten macht er in unregelmäßigen Abständen seinen Rundgang durchs Haus und schaut bei allen nach, ob alles in Ordnung ist.

Ums Haus herum ist er wachsam, ob er aber wirklich zum Wachhund taugt, müssen wir hoffentlich nie herausfinden. Er sortiert Gäste vermutlich nach Geruch, denn in 99% der Fälle freut er sich wie Hulle, wenn jemand kommt. Die restlichen 1% - zumeist Paketzusteller, die die Pakete besser über das Törchen reichen - knurrt er auch mal an. Sein - seltenes - Bellen ist sonor und voluminös. 

Ein Problem war anfangs die Furzerei. Man saß mit Freunden und Verwandten zusammen und plötzlich reagierten alle im Raum, als habe man Senfgas freigesetzt. Der Gestank ist wirklich bestialisch. Wir haben daraufhin mit Futter experimentiert und insbesondere das BARFen  ganz schnell gelassen, eine grässliche Schweinerei. Michel bekommt nach vielen Versuchen jetzt Bosch Adult Lamm und Reis, das Marina über Fressnapf bezieht. Es scheint das einzige Futter zu sein, dass seinem Verdauungstrakt gut zu tun scheint, die Furzerei hält sich absolut in Grenzen. Wer also vor diesem Problem steht - nicht verzweifeln, einfach Futter testen.

Und man darf nicht denken, der Hund sei krank, wenn er 16 Stunden am Tag schläft.

 

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Wir nehmen es als gottgegeben, dass der Hund morgens etwa 2-3 Stunden länger schläft als wir.

Bewegung. Ich bin tendenziell  phlegmatisch, wir haben aber ein Grundstück mit etwa 56 ar. Einen gewissen Teil haben wir wegen eines soziopathischen Nachbarn eingezäunt. Michel hat also immer die Möglichkeit, draußen herumstromern. Marina geht mit ihm morgens auch in die Felder, wo Michel Stöckchen jagt. Abends ist Toben mit seinen Nachbar-Kumpels Hadschi und Sammy auf der zum Grundstück gehörenden unteren Wiese angesagt.

 

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Michel ist trainiert und hat kein Gramm Fett am Leib. Unser Tagesprogramm reicht, der Hund ist kein Dauerläufer, muss sich aber austoben können. Im Frühsommer 2018 hatte ich einen meiner seltenen Energieanfälle und bin durchaus auch bei 30° und drüber bergauf/bergab durch die Wälder rund um unser Anwesen gewandert, Michel im Schlepptau. Da hat er dann schon mal schlapp gemacht und ich habe abgekürzt.

 

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Ich schätze fünf bis sechs Kilometer bei unterschiedlichen Höhenlagen ist das, was er machen kann, mit einem Nurmi auf vier Pfoten könnte ich auch nichts anfangen, der Hund würde wegen Unterforderung leiden. So ist das aber bestens im Lot.   

Kurz - der Hund ist so wie man angekündigt hat und wir uns das gewünscht haben. Dieser Hund ist uns derart ans Herz gewachsen, dass ich jetzt schon feuchte Augen bei dem Gedanken bekomme, dass er irgendwann in den Hundehimmel abberufen wird.   

 

 

to be continued ...

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