Nachmittage

 

 

Ferdinand von Schirach – Nachmittage

 Nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte, dachte ich bei mir, oh mein Gott, ich schreibe nie wieder eine Zeile. 

Elegante, prägnante Sprache, elegante, unterhaltsame Plots, gelegentlich Knalleffekte wie von Martin Suter, von Schirach ist ein begnadeter Erzähler, von dem ich bisher nichts gelesen hatte und dessen Namen ich nur allgemein kannte von der filmischen Umsetzung eines seiner Werke mit Moritz Bleibtreu, gesehen habe ich das bislang aber auch noch nicht. 

Das Buch ist eine Sammlung verschiedener teils fiktiver, teils wohl autobiografischer Kurzgeschichten, und ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen. 

Gegen Mitte des Buches beschlich mich dann aber nach und nach das Gefühl, es wiederhole sich das Grundgerüst und es fiel auf, wie sehr sich der Autor in den von ihm geschildeten Drittpersonen spiegelte, allesamt aktuell oder ehemalige Genies mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Das wirkte gelegentlich ansatzweise wie die Aufarbeitung tiefsitzender Komplexe. Die Größe der Geschichten befleckte das nur marginal, es fiel mir aber auch. Ich habe mir daher von Schirachs auf der hinteren Klappe abgebildetes Gesicht angeschaut und sah meine Vermutung bestätigt, als ich die verletzlichen, leicht melancholischen Augen von Schirachs sah. 

Natürlich googelte ich zum Background seinen ja alles andere als unbekannten Namen und sah, dass Baldur von Schirach sein Großvater, Heinrich Hoffmann sein Urgroßvater war. Laut Wikipedia schämte er sich für seine auch nach dem Krieg anmaßende Großmutter, sein Verhältnis zu seinem Großvater erläuterte er in einem Interview mit dem Spiegel 2011, das sich aber leider hinter der Bezahlschranke befindet. 

Ferdinand von Schirach hat seinen exzellenten Ruf zu Recht, ich war und bin begeistert von seinem Können und werde mir ganz sicher noch weitere Bücher von ihm kaufen. Klare Kaufempfehlung. 

 

 

 

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