Mythos

 

 

Stephen Fry - Mythos

 

Stephen Fry ist einer, der mir gelegentlich über den Weg läuft, so wie in seiner Rolle als Mycroft Holmes, Bruder von Sherlock Holmes in der Guy-Ritchie-Verfilmung "Spiel im Schatten". Ich bin Ritchie-Fan und ich bin Fan von Robert Downey Jr., also passte das. Fry spielt Mycroft Holmes so wie man sich einen Engländer dieser Epoche vorstellt, als blasierten, herablassenden Exzentriker mit trocken-ironisch-sarkastischem Humor. Er ist einer von den Zeitgenossen, die man kennt und gelegentlich sieht, aber nicht wirklich zuordnen kann.

Für mich hat sich das jetzt geändert. Fry, ein musisch-kulturelles Multitalent, hat die griechische Mythologie nicht etwa durch den Wolf gedreht, sondern systematisiert. Am Anfang war das Chaos, und was dann erzählt und ausgeschmückt wird, ist teilweise lustig, teils kindisch, aber weit überwiegend sehr informativ. Man bekommt Zusammenhänge zu Sachverhalten erklärt, die bisher ein Inseldasein fristeten. Man kannte mehr oder minder gut, was es mit dieser oder jener auf sich hatte, aber wie was zusammenhing und wer mit wem ins Unterholz kroch, ist in der Regel nicht so klar, jedenfalls bei Mitmenschen wie mir, die sich in der Kindheit und Jugend zwar sehr für griechische Mythologie und Sagen interessierten, aber wieder viel vergessen haben.

Das Buch ist eine gigantische (!) Fleißarbeit, das lässt sich ganz ohne Übertreibung feststellen. Die Entwicklung der Götterwelt wird von Generation zu Generation nacherzählt mit mannigfaltigen Ausflügen in die Peripherie, gelegentlich auch der philosophische Hintergrund gestreift und die Auswirkungen auf unser Denken, insgesamt wird aber alles ums Feuer versammelt und drauflos erzählt. Je länger man hört umso beeindruckter ist man, was Fry da in akribischer Fleißarbeit zusammengetragen hat. Mir gefällt´s, das Buch ist aber sicher Geschmackssache. Man sollte ein gewisses Faible für die Materie haben, sonst wird man bald ermüden.      

Und was soll ich sagen, trotz allen Interesses wurde ich müde und zwar zwei Stunden vor Ende der Gesamtdauer. Die Geschichten verloren zunehmend ihre Vitalität, die sich auch in einer gewissen Kürze ausdrückte, der Fry-Stil wurde dann nach und nach belastender, es wurde ausschweifender und für mich jedenfalls ermüdender. Durch einen Urlaub und andere Umstände tat sich eine zeitliche Lücke auf, nach der ich das Interesse verlor, so dass ich - wie ich zu meiner Schande gestehen muss - abbrach und das Bucht zurückgab, weil ich nicht (mehr) damit rechnete, den Faden (der Ariadne?) noch einmal aufzunehmen. Ich bedauere das, vielleicht beschaffe ich mir das Buch später noch einmal und kann die restlichen zwei Stunden dann auch noch besprechen. 

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