La Lista, also die Liste ist das Ergebnis offener Baustellen, die wir vor Ort entdeckt haben.

Wir sehen die Sache so: Wir mieten uns in einem möglichst am See gelegenen kleineren, preiswerten Hotel ohne Schnickschnack und Pomp ein, frühstücken dort, verpflegen uns über den Tag selbst und gehen abends irgendwo essen.

Klingt einfach, ist es aber nicht, denn es treten als schmerzhaft empfundene Versäumnisse auf in allen möglichen, teils dunklen Lebenslagen.

Erforderlich ist also ein persönlicher Schlieffen-Plan, um sich den so strukturierten Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und allen denkbaren Fährnissen vorzubeugen.

Die Liste enthält eigentlich Selbstverständlichkeiten. Man wundert sich aber doch, was man gleichwohl daheim vergessen kann.

Das führte zur 2019 aus der Taufe gehobenen Liste, die diejenigen Gegenstände enthält, die man einpacken sollte, wenn man den Urlaub so organisieren will wie wir.

Sie wird auch ständig aktualisiert.

Also:

Wir empfehlen eine Nackenrolle.

Laufen ist anstrengend und aus irgendeinem nur unserem Schöpfer bekannten Grund befällt uns vor Ort gelegentlich eine bleierne Müdigkeit, die eine Siesta im Bett erforderlich macht. Italienische Betten, jedenfalls die die wir kennengelernt haben, sind ausgestattet mit einer dünnen Bettdecke (Verstärkung befindet sich in der Regel im Schrank) und einem anämisch daher kommenden Kopfkissen. Man haut sich also beim Lesen in der Falle immer den Kopf am rückwärtigen Bettrahmen an, daher die Rolle.

Wir empfehlen einen separaten Kopfkissenbezug.

Die Bettwäsche ist zumindest in den von uns frequentierten Hotels immer sauber, aber man weiß nie, wer vorher wie lange in die Kissen gesabbert hat, daher der separate Bezug. Nicht schön, ist aber so.

Wir empfehlen auch separates Klopapier.

Wenn wir schon bei eher düsteren Themen sind, dann darf der Hinweis auf die Versorgung mit Klopapier à la italienne nicht unerwähnt bleiben. Zumindest im „Aquadolce“ zu Pallanza hat man es mit einem quadratischen Kasten mit einzelnen Blättchen zu tun. Der Kasten ist nicht einsehbar und man spielt rektal gesehen russisches Roulette, wenn man darauf vertraut, dass der Nachschub vom Zimmerservice immer gewährleistet wird, also Vorsorge treffen.

Wir empfehlen Immodium.

Wir hatten bislang Glück, nur ein intestinales Wetterleuchten nach dem Genuss einer deftigen Portion Spaghetti Carbonara in der Pizzeria Bolongaro trübte kurz den Aufenthalt, aber sicher ist sicher, vor allem, wenn man vorhat, mit der Fähre die Borromäischen Inseln unsicher zu machen. Das war´s dann aber auch mit den eher dunkel gefärbten Empfehlungen.

Wir empfehlen Schnakenspray.

Fliegendes Ungeziefer ist trotz Seelage zumindest in Verbania kein wirkliches Problem. Mir ist aber nachts ein Insekt am Ohr vorbeigebrummt, das mich lebhaft an den Eindruck erinnerte, den mein in seiner Jugend als Flakhelfer wirkender Vater über den Anflug feindlicher Bomberverbände vermittelte. Der Stich blieb aus, aber schaden kann Vorsorge auch hier nicht.

Wir empfehlen Wasser und Wein in Flaschen, jeweils aber mit Schraubverschluss.

Nachts kann einen der Durst nach ausgiebigen kulinarischen Genüssen quälen und in den Häusern mit weniger als fünf Sternen fehlt das Wasser gelegentlich im Zimmer und wer will schon aus dem Hahn süffeln? Und was gibt es Schöneres als einen letzten Absacker auf oder am Balkon mit Blick auf den nächtlichen See?

Wir empfehlen ein Fernglas.

Das erklärt sich von selbst. Man ist immer irgendwo, wo etwas Schönes aus der Ferne herübergrüßt.

Wir empfehlen einen Picknick-Korb mit Tellern, Weingläsern und mindestens einem mittelgroßen sehr scharfen Messer. Egal ob man am See oder auf dem Zimmer sitzen will, Italien hat großartige Käse-. und Wurstsorten zu bieten, auch das teilweise in den Bäckereien angebotene knusprige Brot ist wirklich gut. Mit einem Picknick-Korb lässt man sich nieder wo man will und spachtelt.

Wir empfehlen Spüli.

Auch das erklärt sich von selbst (s.o.spachteln).

Wir empfehlen einen kleinen Sprachführer italienisch und eine gedruckte Umgebungskarte.

Wer nicht fließend italienisch spricht, sollte sich wappnen für kurze Konversation mit Verkäufern oder Kellnern, um hässlichen Missverständnissen vorzubeugen. Natürlich ist heute jeder mit elektronischen Geräten unterwegs und kann googlemaps bedienen, aber eine Übersichtskarte, die man einfach wie früher auseinanderfaltet hat unschätzbare Vorteile gegenüber einem kleinen Smartphone-Bildschirm.

Wir empfehlen einen Rucksack.

Der sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber wir haben ihn nun schon zum zweiten Mal vergessen, also rauf auf die Liste.

 

 

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