Kein falsches Wort

 

 

René Pfister - Kein falsches Wort

 

Pfister ist Spiegel-Korrespondent in Washington und das merkt man.

Aber einerlei, entscheidend ist, was einer sagt und nicht, wer es sagt. Pfister hat zur Wokeness und zur pflichtvergessenen, arrogant-abgehobenen Linken ein alles in allem sehr gutes Buch mit klaren und nachvollziehbaren Analysen, aber eben doch auch großen Schwächen geschrieben. Gut fand ich, wie er die teilweise sicher begründeten und begründbaren Thesen und Beweggründe darstellte, die ehedem hinter der Identitätsbewegung standen, ehe sie ins Irrationale, Spalterische und Hasserfüllte abdriftete.

Einer der unfassbaren Fälle, in denen etwa gestandene Medienleute vor einer kleinen, aber umso blutdürstigeren Twitter-Meute einknickten, ist der Fall von John Bennet, ehedem in leitender Funktion u.a. bei der New York Times. Dort ließ er den konservativen Senator Tom Cotton nach den BLM-Ausschreitungen in einem Kommentar namens "Send in the troops" zu Wort kommen. Teile der Redaktion fürchteten, dass das eine besondere Gefährdung auslösen würde, faschistisch, rassistisch, und auch sons istisch sei es überdem. Bennet musste gehen, nachdem ihn Herausgeber und die Chefredaktion fallen ließen. Bennets Fall ist nur einer von mehreren, die Pfister aufrollt und damit deutlich macht, wie groß die Gefahr für die freie Meinungsäußerung in den USA und - abgeschwächt - auch bei uns ist und zwar wohlgemerkt auf Grund der Entwicklungen in der Linken.

Treppenwitz dabei aber der Umstand, dass das was Pfister ausdrücklich geißelt, von seinen Redaktionskollegen gerade gefeiert wurde.

Natürlich handelt Pfister dabei auch die ständigen Übertreibungen in der Rassismus-Frage ab, die befeuert sind durch schräge Figuren wie Ibram X. Kendi, dessen Laubsäge-Philosophie in ihrer Brillanz auf mich wirkt, als habe er sie in einem Waldorf-Kindergarten abgestaubt, aber vermutlich wegen ihrer Primitivität brandgefährlich bleibt.

Das Buch ist sehr verdienstvoll, keine Frage, und ich konnte die Kritik bestens nachvollziehen, kannte allerdings auch schon vieles.

Ärgerlich und damit dem Hörgenuß jedenfalls für mich sehr abträglich sind die ständigen Attacken auf Donald Trump, der als rassistischer, autoritärer Hohlkopf gezeichnet wird. Kann er machen, bleibt damit aber deutlich hinter seinen intellektuellen Fähigkeiten zurück. Die Republikaner sind ebenfalls nur autoritäre "Krawallmacher", und alles in allem völlig inakzeptabel, während Demokraten samt und sonders "Progressive" sind, eine doch stupide Verallgemeinerung, die dem Buch viel von seinem Wert nimmt.

Man hat ständig den Eindruck, die völlig berechtigte Kritik an seiner politischen Heimat macht es für Pfister zur seelischen Erleichterung dringend erforderlich, verbal an anderer Stelle flächendeckend abzukacken. Ich finde das im Ergebnis ärmlich und überlege, das Buch - nur deshalb - wieder zurückzugeben.

 

 

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