Integration

 

Hamed Abdel-Samad - Integration

Ich bin ein großer Fan Abdel-Samads und seiner Überzeugungen. Er schont nichts und niemanden, ein echter Vorkämpfer für die Meinungsfreiheit, die er ungeachtet persönlicher Vorlieben und Neigungen und ungeachtet der eigenen Sicherheit unbarmherzig exekutiert. Das ist gerade mir sehr sympathisch, weil wir zunehmend verlernen, Situationen kühl zu analysieren und dann zu sehen, zu welchen Schlüssen das fast zwingend führen muss. Viel zu früh greifen heute Sentiments bereits auf der Ebene der kühlen Analyse ein und verhindern als unliebsam angesehene Ergebnisse.

Abdel-Samad schildert den Zwiespalt von Immigranten an seiner eigenen Genese. Aus Ägypten stammend reiste er nach Deutschland ein, studierte und war hin- und hergerissen zwischen seinem Glauben und den Chancen und Zumutungen einer offenen Gesellschaft wie der Deutschlands. Diese Zerrissenheit führte dazu, dass er für ein Jahr nach Japan ging, wo er wegen der Offenheit einerseits und den strengen Geboten an Immigranten andererseits eine trotz auch muslimischer Einwanderung friedliche Gesellschaft erlebte, die er aber als konfliktscheu bezeichnet, was dazu führte, dass er Deutschland vermisste und daher zurückkehrte.

Sehr interessant sind seine wie immer klaren Gedanken zur Frage, wie sich wer in was integrieren muss, wie wichtig fördern und fordern ist, was das Deutschsein ausmacht und wie es um das Innenleben derer bestellt ist, die hier einreisen. Klar sind auch seine Forderungen an die Noch-Mehrheitsgesellschaft, sich selbstbewusster zu geben und damit einen entscheidenden Anreiz zu setzen für "Neu-Deutsche", das Land samt seiner Bewohner und Werte anzunehmen. Gruselig sind seine Sätze, wenn er offenlegt, dass und wie sich selbst hinter "Musterintegration" feindlich gesinntes Gedankengut verbirgt. Es wird deutlich, dass der konservative Islam der entscheidende Hindernisgrund für das ist, was Abdel-Samad, nach wie vor unter Polizeischutz lebend, als notwendig erachtet für ein friedliches Zusammenleben und damit für die Integration. Daher hält er auch die etablierte Immigrationsindustrie für kontraproduktiv, da sie von dem lebt, was angeblich ist und absterben würde, hätte das Erfolg, für das sie angeblich antritt.

Nicht ganz so gelungen finde ich die Diskreditierung härterer Analysen wie die von Thilo Sarrazin, von dem er als "Schreibtischtäter" spricht, eine ganz und gar unangemessene Bezeichnung, mit der Abdel-Samad nur sich selbst schadet.

Was das Buch aber so wertvoll macht ist der Versuch des Autors, größtmögliche Neutralität und Äquidistanz zu allen Lagern zu halten. Lebendig wird das Ganze, weil Abdel-Samad nicht Studien herunterleiert, sondern bewusst das Gespräch mit den Menschen gesucht hat und nun berichtet, um wie er sagt die Grundstrukturen offenzulegen, was Menschen im Zusammenhang mit der Integration bewegt. 

Natürlich hat man auch als Biodeutscher die Dusche zu ertragen, was die Mehrheitsgesellschaft alles falsch gemacht hat, auch wenn mich bei diesen Vorwürfen nach und nach der Gedanke beschlich - ok, mag sein, dass das in Deutschland nicht glatt gelaufen ist mit den "Gastarbeitern" und ihren Kindern und Enkeln, aber man muss sich fragen, in welcher westlich ausgerichteten Gesellschaft mit einer nennenswerten islamisch sozialisierten Minderheit es keine Probleme gegeben hat oder gibt. Ich kenne keine und damit ist das wohl a) kein ureigenes Problem der deutschen Bevölkerung und b) eine Hypothek, mit der sich der Islam befassen müsste, was er aber nicht tut. Auch wenn man hier zu recht einwenden kann, wenn es überall ein Problem gibt, kann das nicht heißen, den Dingen ihren Lauf zu lassen und nichts zu verändern, aber klar ist, dass am Anfang das Ei stand und auf dem ist aufgemalt Islam.   

In diesem Zusammenhang ärgerte ich mich auch mit der Boshaftigkeit, mit der der Autor im Übrigen wenig differenziert auf Thilo Sarrazin herumdrischt, der lange bestehenden Ressentiments ein Ventil verpasst habe, was teilweise sicher stimmt. Abdel-Samad lässt dabei aber Zweifel aufkommen, ob er das Buch überhaupt gelesen hat. Seiner Schlussfolgerung gebe ich dann aber wieder recht - das Buch hätte der Nussknacker sein können, echte Probleme anzugehen, stattdessen hat sich alles in den jeweiligen Schützengraben zurückgezogen und mit dem Feuern begonnen, eine vertane Chance.

Erschreckend sind seine Schilderungen aus den Milieus in Dänemark, Berlin und anderswo. es scheint in vielen Bereich schon fünf nach zwölf zu sein und ein ums andere Mal wird die unheilvolle Macht der Community deutlich, die den Einzelnen gängelt, bedroht, erstickt und wenn es sein muss ermordet. Hier bestätigt sich mein Bild vom Islam als Lebensentwurf, der es nirgends schafft oder geschafft hat, menschenwürdige Verhältnisse für alle und offene Gesellschaften zu entwickeln, für mich eine riesige Sackgasse und die Bedrohung der freien Welt auch in den kommenden Jahrzehnten.   

to be cointinued     

Hier geht´s zur Übersicht Ebene #1