Ich bin mit Nina Hagens TV-Glotzer (White Punks on Dope) aufgewachsen, geile Mucke damals.

Ich bin mit Schwarzweiß-Fernsehen, Lembkes Schweinderl und der Umstellung auf Buntfernsehen aufgewachsen.

Und ich mag Fernsehen.

Hier geht´s um meine Highlights und um Zelluloid-Scheiße.

 

1. Grandios bis genial ist die Netflix-Serie "Chernobyl", die drastisch, detailgenau und bestürzend schildert, was uns 1986 in Angst und Schrecken versetzt hat.

10 von 10 Punkten, auch wegen der grandiosen Darsteller.

 

2. Ganz fantastisch auch die Narcos-Serien Kolumbien und Mexiko im Wesentlichen über Pablo Escobar, das Cali-Kartell, das Sinaloa-Kartell unter Felix Gallardo und über Kiki Camarenas tragische Geschichte, wobei mich etwas stört, dass man nicht erkennt, was wahrheitsgetreu und was aus dramaturgischen Gründen eingefügt oder geändert wurde. Skript, Regie und Schauspieler sind aber so oder so erste Sahne und wen nicht stört, dass 80% der Gespräche in spanisch (mit deutschen Untertiteln) abgewickelt werden, kommt voll auf seine Kosten.

9 von 10 Sternen.

 

3. Einer meiner absoluten Lieblinge ist "Ausnahmezustand" von Edward Zwick aus 1998, der mit traumwandlerischer Sicherheit die kommenden Ereignisse und unter anderem 9/11 voraussah. Denzel Washington, Annette Bening, Tony Shalhoub und Sami Boujaila sind grandios, nur Bruce Willis übertreibt es mit dem Holzschnittartigen.

10 von 10 Sternen.

 

4. Ich bin ja nun großer Ridley Scott-Fan, der Mann hat sich nur ganz selten verhauen wie bei "Der Counselor". "Der Mann der niemals lebte" ist eines seiner Meisterwerke wie ich finde. Der zähe, blutige und teils frustrierende im Mittleren Osten auch auf Kosten Unbeteiligter geführte Kampf gegen den Islamismus, in dem mitunter die Grenzen verschwimmen, ist das Thema.  Leonardo DiCaprio geht mir im Privaten mit seinem Gutmensch-Getue zwar schwer auf die Nerven, als Schauspieler gehört er aber zu Recht zur ersten Garde, so wie Russell Crowe als zynischer Boss Ed Hoffman. Sehr gut auch Mark Strong, den ich immer gerne sehe, und Golshifteh Farahani sowie Oscar Isaac. 

10 von 10 Sternen.  

 

5. Ich wollte, es wäre Nacht oder Gene Hackman käme. Das schoss mir unwillkürlich durch den Kopf, als ich mir nachmittags "Antebellum" genehmigte. Mein Gott! Der Film ist ein Kind seiner Zeit und diese Zeit ist eine Zeit dummer durchgeknallter Hysterie. Entsprechend ist dieses Machwerk, das kein Klischee auslässt und die üblichen Reflexe bei einer gewissen Klientel triggert. Was hätte man aus dem Plot mit einander überlappenden Zeitebenen machen können! Ich denke nur an "Mississippi Burning" von Alan Parker mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand und einer ganzen Riege weiterer erstklassiger Schauspieler, oder die filmische Blaupause "In der Hitze der Nacht" von Norman Jewison mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates und Lee Grant. "Antebellum" drischt einem stattdessen die Message mit einer Gewalt und öden Plattheit um die Ohren, dass ich mir bei der Hälfte überlegte, ihn wieder abzuschalten. Auf diesen Film mit seinen auch unterdurchschnittlichen Darstellern passt der Spruch, Kunst komme von Können, würde es von Wollen kommen, würde es Wulst heißen. Schrecklicher Schund.

0 von 10 Sternen 

 

6. Im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino ist "The Big Short" mit einer großartigen Riege an erstklassigen Schauspielern wie Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, Brad Pitt, Jeremy Strong und Marisa Tomei sowie Cameos von Margot Robbie, Selena Gomez und Anthony Bourdain. Regie führt Adam McKay, von dem auch "Vice" über Dick Cheney ist, ebenfalls ein großartiger Film. Es geht um die Implosion des Immobilienkreditmarkts in den USA, die 2007 dann die gewaltige Weltwirtschaftskrise einleitete und so von Michael Burry von Scion Capital erkannt und vorhergesehen wurde einfach dadurch, dass er hinsah, wie es im Film heißt. Der Film ist einzigartig, weil er mit der nötigen Leichtigkeit und - jawohl - Eleganz komplexe und komplizierte Vorgänge darlegt und erläutert. Das habe ich so noch nie gesehen, ganz großartig.  

10 von 10 Sternen.

 

7. Sidney Lumet gehört für mich bei den Regisseuren zu den Giganten der Zunft. Zu "Die zwölf Geschworenen" muss ich nichts sagen, fantastisches Kammerspiel, ich möchte aber noch einen eher unbekannten Film erwähnen, nämlich "Q & A" (deutsch "Tödliche Fragen") mit Timothy Hutton, Armand Assante und einem Nick Nolte auf dem Höhepunkt seines Könnens. Hier geht es aber um einen ebenfalls eher unbekannten Film aus dem Jahre 1965 namens "The Hill", der eingedeutscht den dämlichen Titel "Ein Haufen toller Hunde" verpasst bekam, völlig daneben. Ian Bannen, Harry Andrews, Roy Kinnear, Michael Redgrave und vor allem Sean Connery in einer seiner besten Rollen machen aus dem Film unter Lumets Leitung ein Kunstwerk. Es geht um unerträgliche Vorgänge in einem britischen Kriegsgefangenenlager in Afrika während des Zweiten Weltkrieges. Dummheit, Ignoranz, Sadismus und Militarismus sind die Ingredienzen für einen Plot, der in der Katastrophe endet.

10 von 10 Sternen. 

 

8. Die Filme mit dem 2013 viel zu früh verstorbenen James Gandolfini leben ganz wesentlich von ihm. Zuerst zu nennen natürlich "Die Sopranos", aber auch "The Drop" mit Tom Hardy ist klasse. Ich finde, er hat eine beeindruckende Präsenz und das nicht nur wegen seiner Wuchtbrummenfigur, die vermutlich auch in direktem Zusammenhang mit seinem Herzinfarkt in Rom stand, der ihn das Leben kostete. Gandolfini konnte brutal, verschlagen, aber auch liebevoll und fürsorglich wirken, ich finde immer noch, er hatte einen ganz speziellen Blick, ein eigentümliches Lächeln und generell das ganz Besondere, das auch schräge Vögel wie Nick Nolte mitbringen.

9 von 10 Sternen.    

 

9. "American Beauty" passt eigentlich überhaupt nicht zu mir und meine Sicht aufs Leben, Lester Burnhams Austicken kann ich nur rational, nicht aber emotional nachvollziehen und ich finde auch, dass die Rolle des Colonel Frank "United States Marines, Sir" Fitts, gespielt vom famosen Chris Cooper mit ganz dickem Pinsel überzeichnet wurde. Trotzdem schaffen es die Regie und die fantastischen Schauspieler, ganz vorne Kevin Spacey, Annette Bening, Mina Suvari und Thora Birch, aber auch der mir bis dort nicht geläufige Wes Bentley als Ricky Fitts, aus dem Drehbuch eine Art Wachtraum zu machen, der mich jedenfalls mühelos durch die zwei Stunden sagenhaften Filmgenuss trägt.    

10 von 10 Punkten.

 

9. Ich schäme mich nicht, dass mir bei "Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit" wirklich blümerant geworden ist. Der dänische Regisseur Martin Zandvliet hat ein extrem anrührendes Werk abgeliefert über minderjährige deutsche Wehrmachtssoldaten, die nach der Niederlage im Mai 1945 unter den Knute eines brutalen deutschenhassenden Feldwebels namens Rasmussen die Minen an der dänischen Küste räumen müssen, die die Wehrmacht seinerzeit vergraben hatte. Das geht natürlich nicht ohne schreckliche Unfälle und Katastrophen ab. Wie Rasmussen dann nach und nach sein Herz für diese Jungen entdeckt, die eigentlich noch Kinder sind, ist berührend, weil grandios gespielt, und er trifft eine einsame Entscheidung als er bemerkt, dass seine Vorgesetzten nie vorhatten, ihr Versprechen einzulösen, die Gefangenen nach der Räumung freizulassen. Imponierend nicht nur Roland Moller als Rasmussen, imponierend auch die jungen und mir unbekannten Schauspieler, die die traumatisierten Kinder spielen.  

10 von 10 Punkten

 

10. "Die fetten Jahre sind vorbei" aus 2004 ist der übelste Dreck, der jemals auf Zelluloid gequält wurde. Die Besetzung mit Burghart Klaußner, Daniel Brühl und Stipe Erceg ist an sich überdurchschnittlich, das war es aber auch. Es gibt kein Klischee, das man nicht bis zum Erbrechen ausgewalzt hätte, die Rollen sind so eindimensional, dass jeder Scherenschnitt wid attitude Identitätsprobleme bekommen würde. Die Jugendlichen sind klaro mächtig politisch aktiv, aber ebenso mächtig geladen wegen des Unrechts in der Welt, das sich in der lächerlichen Gestalt eines Topmanagers abbildet, dessen karikierende Überzeichnung mich an dunkle Zeiten erinnerte, in denen Juden mit Hakennasen und raffgierigen Blicken abgebildet wurden. Wenn man etwas positiv bewerten wollte dann den Aspekt, dass der Film Kreaturen wie Luisa Neubauer vorweggenommen hat, bei der Einfalt des Macherteams aber sicher unabsichtlich. Das ist ölig-moralisierender und gewaltverherrlichender Anarchokitsch der allerübelsten Sorte. Mir ist völlig unklar, wie der Film zu seinen guten Bewertungen kommen konnte. Bei mir hat er nämlich

0 von 10 Punkten.    

 

12. "Mr. Bahsch" ist mittlerweile ein Running Gag bei mir und Marina. Gemeint ist der vom Schauspieler Lance Reddick wie eine plötzlich lebendig gewordene Gliederpuppe gespielte Chief Irvin Irving (wer denkt sich nur diese Namen aus?), wenn er den Protagonisten der Serie - den LA PD (Hollywood-Division)-Detective Hieronymus - genannt Harry - Bosch anspricht. 

In der mittlerweile siebten für Prime produzierten Staffel ermittelt Titus Welliver als Bosch gegen böse Buben, wobei jede Staffel ein tragendes und in der Regel mehr als verabscheuungswürdiges Verbrechen beinhaltet, damit allerdings noch andere Handlungsstränge verknüpft werden. Marina und ich mögen die Serie sehr und allein der Vorspann ist eines Oscars würdig. Die Drehbuchschreiber sind ebenso wie die Regie und die Darsteller erste Sahne, wobei Welliver es mit der Coolness mit jeder neuen Staffel zunehmend übertreibt. Vielleicht will er das Älterwerden und die angedeutete Alt-Herren-Plauze kompensieren, aber ich mag mich grandios irren.

Wer spannende, mit leichter Hand und hohem Aufwand hergestellte Serien mit guten Darstellern mag, ist hier goldrichtig.

9 von 10 Sternen.

 

13. Neulich wieder mal angeschaut habe ich "Frau Müller muss weg", eine Melange aus Helikoptereltern, Arschlochkindern, Ich-Wahn und dem verfilmten Lehrer-Eltern-Gag "Nein, Ihr Sohn ist nicht hochbegabt, Sie beide sind nur unglaublich dumm". Eine gute Riege mit Anke Engelke, Justus von Dohnanyi, Ken Duken, Mina Tander und anderen will in diesem Kammerspiel die Lehrerin ihrer Gören absägen und stellt sie zur Rede. Bumerangalarm! Natürlich eröffnen sich im Verlauf des ursprünglich ganz anders geplanten Gesprächs dann Abgründe in den Familien und den Charakteren der Kinder und diese Eltern schauen plötzlich in den Spiegel, der mit dem Film auch unserer Gesellschaft vorgehalten werden soll, das wird überdeutlich. Gefallen hat mir, dass sich Sönke Wortmann dem Thema - ungewöhnlich für einen deutschen Film - ohne moralische Aufladung und Pathos genähert hat. Man erkennt vieles wieder und das macht den Film trotz aller Überspitzungen plausibel und nachvollziehbar. Kurzweilig und daher

6 von 10 Punkten.  

 

14. Ich stand als junger Mann fassungslos vor der Tatsache, dass und wie hunderttausende Deutscher im Dritten Reich einfach das umgesetzt haben, wozu man sie anwies. Auf die singulären Verbrechen meines Heimatlandes will ich hier nicht eingehen, sondern mit der Lupe hinschauen. Mit dem Alter kommt der Verstand und die Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit, weshalb ich bis heute Günter Grass seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS nachsehen kann, nicht aber seine eitlen und - typisch teutonisch - moralisch überhöhten Vernichtungsfeldzüge gegen Andersdenkende. Ich lernte auch, wie das Regime auf den Mann von der Straße gewirkt haben musste. Man muss einfach sehen, dass ungeachtet der Gründe gerade anfangs alles prosperierte, es wurden weiter Kinder geboren, Ehen geschieden und die Gefechte des täglichen Lebens ausgetragen. Daher begann ich mich nach Studium der großen Zusammenhänge zunehmend dafür zu interessieren, wie sich die Schuldverstrickung für die einzelne Person darstellte, für ihre Familien und vor allem ihre vielleicht heute noch lebenden Kinder und Enkel. Dabei stolperte ich auf Prime über die Dokumentation "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" aus 2005. Malte Ludin, der den Film gemacht hat, ist der Sohn von Hanns Ludin, während der Besetzung Repräsentant des Deutschen Reichs in der Slovakei. Ludin war an Kriegsverbrechen, insbesondere der Deportation von Juden beteiligt, wurde von amerikanischen Truppen nach seiner Flucht in den Westen gefangengenommen, später an die Slowakei ausgeliefert und dort 1947 gehängt. Im Film kommen Malte Ludin als Erzähler selbst zu Wort, ferner seine noch lebenden Schwestern, Ludins Schwager und Nichten und Neffen, die 1998 verstorbene Mutter äußert sich über Super 8-Filmschnipsel. Der auch stilistisch ungewöhnlich gemachte Film ist ein sehr privater und persönlicher Einblick in eine Familie, die tief gespalten ist durch den Vater, seine Verbrechen, aber auch durch seinen Tod.  Für mich auch wegen der offen zu Tage tretenden Nachwirkungen einer unseligen Zeit extrem interessant und anrührend, daher

9 von 10 Punkten.

 

15. Ich weiß, ich trage Eulen nach Athen, aber ich erwähne es trotzdem - geht´s dir schlecht und fühlst du dich schlapp, nimm dir eine Auszeit von 136 Minuten und schau von der ersten bis zur letzten Minute "Forrest Gump", dieses wunderbare Märchen vom reinen Toren aus dem fiktiven Städtchen Greenbow in Alabama. Die Vorlage ist ein 1986 erschienener Roman des 2020 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Winston Groom. Der fabelhafte Robert Zemeckis drehte den Film 1994 und sammelte einige von Hollywoods Besten für die Besetzung. Tom Hanks ist wieder einmal wunderbar, ganz toll aber vor allem auch Gary Sinise als später geläuterter "Lieutenant Dan". Robin Wright als vom Leben verletzte, unstete "Jenniiieee", Sally Field als gluckige Mama Gump und Mykelti Williamson als einfältiger herzensguter Bubba sind kongenial, wobei ich mich frage, wie Williamson das mit der Unterlippe so oft und so lange ausgehalten hat. Der Film ist nicht umsonst eingeschlagen wie eine Bombe, eine wunderschöne, fantasievolle, herzerwärmende Erzählung mit vielen, teils urkomischen Episoden. Grandios auch die Tricktechnik von 1994, die möglich machte, dass Gump die Präsidenten Kennedy, Johnson und Nixon sowie John Lennon, Dick Cavett und Gouverneur George Wallace treffen konnte. Ein ganz großer Film, daher hier

10 von 10 Punkten.

 

16. Man nenne mich einen ketzerischen Banausen, aber bei praktisch allen Quentin Tarantino-Filmen frage ich mich etwa nach der Hälfte, was zum Teufel das soll. Handwerklich sicher nicht schlecht und üblicherweise mit einer erstklassigen Riege von Schauspeilern besetzt, spekuliere ich gähnend zwischen Satire, Klamotte und Aufarbeitung abseitiger persönlicher Obsessionen des Regisseurs dümpelnd. Oder ist der Mann bei Gott einer der letzten Eulenspiegel? Who knows? Bei mir hat er vorerst

3 von 10 Punkten.

 

17. Jeder kennt doch das Geräusch, das Gabelforken auf Tellern erzeugen, oder? Eben. Und genau so ist Milla Jovovich. Schade um jeden Millimeter Zelluloid.

0 von 10 Punkten. 

 

18. "Nach Richard waren die Männer in meinem Leben nur da, um mir den Mantel hinzuhalten und die Tür zu öffnen. Alle Männer nach Richard waren wirklich nur Gesellschaft". Ich habe schon viele Liebeserklärungen gehört und gelesen, aber diese hier fand ich immer unübertroffen, so spricht man über die Liebe seines Lebens ohne Pathos, Kitsch und Schwulst, so sehr mich auch die anderen Männer dauern, aber sie wussten sicher, auf was sie sich einließen. Die Rede ist natürlich von Elisabeth Taylor und Richard Burton, für mich seit jeher DAS Schauspiel-Paar des 20. Jahrhunderts, auch wenn die Konkurrenz wie Lauren Bacall und Humpty-Dumpty ihnen schwer auf den Fersen ist. Was leben wir in traurigen Zeiten, wenn die Hand von Ben Affleck und der Hintern von Jennifer Lopez Schauspielglamour imitieren müssen. Aber ich schweife ab. "Die Katze auf dem heißen Blechdach" könnte ich mir jeden zweiten Tag reintun, der junge Paul Newman und eine unfassbar schöne Liz Taylor machen den der Zeit geschuldet leicht holzschnittartigen Film nach Tennessee Williams´ Roman zu einem echten Erlebnis. In "Cleopatra" erinnert mich Taylor mich entfernt an eine Mischung aus Drag-Queen und Puffmutter, sie platzt auch fast aus der Couture und deshalb bin ich auch kein großer Fan des Films. Bemerkenswert an ihm ist sicher der Aufwand, der betrieben wurde, der Umstand, dass Taylor und Burton dort ihre Liebe entdeckt haben sollen und Burtons legendäre O-Beine, durch die wie man damals sagte, ein Hammel durchrennen konnte. Worum es mir hier aber wirklich geht ist die Verfilmung von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" unter der Regie des fabelhaften Mike Nichols. In der Nebenrolle auch einer meiner Favoriten, George Segal. Wie es sich George und Martha besorgen ist grandios, vor allem Taylor als ordinäre Schlampe ist großartig. Böse Zungen sollen behaupten, so soll es auch im wirklichen Leben gelegentlich zwischen den beiden zugegangen sein. Egal, sie sind beide tot und ich wünsche ihnen, dass sie nun in Ewigkeit zusammen sein können. Ihre Albee´sche Beschimpfungsorgie, die damals mächtig Wind machte, hat bei mir

10 von 10 Punkten.        

 

19. Ich bin jetzt hier schon mehrfach übern Teich nach Hollywood gereist, um Typen zu erwähnen, die einen Film allein tragen. Warum in die Ferne schweifen? Der 1971 in Wiesbaden verstorbene, in Sachsen geborene Werner Peters ist nämlich auch so einer. Ich habe früher einiges von Heinrich Mann gelesen und da lag nahe, sich auch den 1951 unter der Regie des Könners Wolfgang Staudte entstandenen DEFA-Schinken "Der Untertan" reinzutun. Der Film ist eines meiner Goldstücke, durchweg sehr gut besetzt mit großartigem, Schnitt und ebensolcher Kameraführung. Die moralische Rektoskopie ganz am Ende, wenn es gegen den Kapitalismus geht - geschenkt, die DDR war eben die DDR. Peters gibt den komplexbeladenen, feigen, kleinkarierten und kleinbürgerlichen Gernegroß derart genial, dass jede Neuverfilmung scheitern MUSS, in etwa wie die Neuverfilmung des Klassikers "Im Westen nichts Neues" von Lewis Milestone mit Lew Ayres in der Rolle des Paul Bäumer und einem grandiosen Louis Wolheim als Kat. 1979 versuchte man sich daran mit "John-Boy" Richard Thomas sowie dem großen Ernest Borgnine, scheiterte aber jämmerlich. Nein, Staudtes Film über den deutschen Untertan, den ich heute in schauerlicher Wiederkehr rund um mich herum wiederentdecke, ist im besten Sinne des Wortes großes Kino und bekommt bei mir daher

10 von 10 Punkten.        

 

20. Ich mochte Clint Eastwood nicht, diese Coogan" und "Dirty Harry"-Streifen waren mir so egal, dass ich noch nie einen gesehen habe. Dann wurde Eastwood alt und begann sich zu häuten. Darunter kam etwas zum Vorschein, das ich heute bewundere. Eastwood dreht Filme und spielt in einigen von ihnen auch selbst mit. Grandios (überwiegend) bis na ja (sehr selten). Ich habe mich lange gefragt, was die Filme, die ja völlig unterschiedliche Zeiten und Sachverhalte betreffen, eigentlich verbindet und ich glaube, ich weiß jetzt was es ist. Eastwood versucht Einblicke in die amerikanische Seele, er untersucht sie von allen Seiten, dreht und wendet sie und scheut sich auch nicht davor, ihre dunklen Seiten zu verdeutlichen. Ein großer Mann, den ich verehre, der tolle Filme dreht und daher bei mir

10 von 10 Punkten hat.

PS: Und hier kann man sehen wie Tom Hanks die Arbeit mit Eastwood beschreibt, urkomisch.  

 

21: Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken. Eastwoods frühe Filme sind häufig von Don Siegel gedreht worden. Der hat aber echte Klassiker und vor allem Filme gedreht, die mich heute noch begeistern. "Haben und Nichthaben" gehört in jede halbwegs zivilisierte Videothek, "The Shootist", der Abgesang auf den alten Western  mit einem großartigen alternden Duke, "Die schwarze Windmühle" mit Michael Caine, auch einem meiner ganz großen Helden, und - jawohl - "Die Körperfresser kommen" mit Donald Sutherland, ganz großer Held Vol. 2 in diesem Beitrag, weil die Körperfresser für mich das Genre auf eine neue grandiose Ebene hievten. Alles Filme, die man unbedingt gesehen haben sollte, aber weil Siegel meines Erachtens auch echten Schrott gedreht hat, gibt es bei mir

7 von 10 Punkten. 

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