Ich bin mit Nina Hagens TV-Glotzer (White Punks on Dope) aufgewachsen, geile Mucke damals.

Ich bin mit Schwarzweiß-Fernsehen, Lembkes Schweinderl und der Umstellung auf Buntfernsehen aufgewachsen.

Und ich mag Fernsehen.

Hier geht´s um meine Highlights und um Zelluloid-Scheiße.

 

1. Grandios bis genial ist die aufwändig produzierte Netflix-Serie "Chernobyl", die drastisch, detailgenau und bestürzend schildert, was uns 1986 in Angst und Schrecken versetzt hat.

10 von 10 Punkten, auch wegen der grandiosen Darsteller.

 

2. Ganz großartig auch die Narcos-Serien Kolumbien und Mexiko im Wesentlichen über Pablo Escobar, das Cali-Kartell, das Sinaloa-Kartell unter Felix Gallardo und über Kiki Camarenas tragische Geschichte, wobei mich etwas stört, dass man nicht erkennt, was wahrheitsgetreu und was aus dramaturgischen Gründen eingefügt oder geändert wurde.

Skript, Regie und Schauspieler sind aber so oder so erste Sahne und wen nicht stört, dass 80% der Gespräche in spanisch (mit deutschen Untertiteln) abgewickelt werden, kommt voll auf seine Kosten.

9 von 10 Sternen.

 

3. Einer meiner absoluten Lieblinge ist "Ausnahmezustand" von Edward Zwick aus 1998, der mit traumwandlerischer Sicherheit die kommenden Ereignisse und unter anderem 9/11 voraussah. Denzel Washington, Annette Bening, Tony Shalhoub und Sami Boujaila sind grandios, nur Bruce Willis übertreibt es mit dem Holzschnittartigen.

10 von 10 Sternen.

 

4. Ich bin ja nun großer Ridley Scott-Fan, der Mann hat sich nur ganz selten verhauen wie bei "Der Counselor". "Der Mann der niemals lebte" ist eines seiner Meisterwerke wie ich finde.

Der zähe, blutige und teils frustrierende im Mittleren Osten auch auf Kosten Unbeteiligter geführte Kampf gegen den Islamismus, in dem mitunter die Grenzen verschwimmen, ist das Thema.  Leonardo DiCaprio geht mir im Privaten mit seinem Gutmensch-Getue zwar schwer auf die Nerven, als Schauspieler gehört er aber zu Recht zur ersten Garde, so wie Russell Crowe als zynischer Boss Ed Hoffman. Sehr gut auch Mark Strong, den ich immer gerne sehe, und Golshifteh Farahani sowie Oscar Isaac. 

10 von 10 Sternen.  

 

5. Ich wollte, es wäre Nacht oder Gene Hackman käme. Das schoss mir unwillkürlich durch den Kopf, als ich mir nachmittags "Antebellum" genehmigte.

Mein Gott!

Der Film ist ein Kind seiner Zeit und diese Zeit ist eine Zeit dummer durchgeknallter Hysterie. Entsprechend ist dieses Machwerk, das kein Klischee auslässt und die üblichen Reflexe bei einer gewissen Klientel triggert. Was hätte man aus dem Plot mit einander überlappenden Zeitebenen machen können! Ich denke nur an "Mississippi Burning" von Alan Parker mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand und einer ganzen Riege weiterer erstklassiger Schauspieler, oder die filmische Blaupause "In der Hitze der Nacht" von Norman Jewison mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates und Lee Grant. "Antebellum" drischt einem stattdessen die Message mit einer Gewalt und öden Plattheit um die Ohren, dass ich mir bei der Hälfte überlegte, ihn wieder abzuschalten. Auf diesen Film mit seinen auch unterdurchschnittlichen Darstellern passt der Spruch, Kunst komme von Können, würde es von Wollen kommen, würde es Wulst heißen. Schrecklicher Schund.

0 von 10 Sternen 

 

6. Im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino ist "The Big Short" mit einer großartigen Riege an erstklassigen Schauspielern wie Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, Brad Pitt, Jeremy Strong und Marisa Tomei sowie Cameos von Margot Robbie, Selena Gomez und Anthony Bourdain. 

Regie führt Adam McKay, von dem auch "Vice" über Dick Cheney ist, ebenfalls ein großartiger Film. Es geht um die Implosion des Immobilienkreditmarkts in den USA, die 2007 dann die gewaltige Weltwirtschaftskrise einleitete und so von Michael Burry von Scion Capital erkannt und vorhergesehen wurde einfach dadurch, dass er hinsah, wie es im Film heißt. Der Film ist einzigartig, weil er mit der nötigen Leichtigkeit und - jawohl - Eleganz komplexe und komplizierte Vorgänge darlegt und erläutert. Das habe ich so noch nie gesehen, ganz großartig.  

10 von 10 Sternen.

Tipp am Rande zum Thema: Toll ist auch "Der große Crash" ("Margin Call") von 2011 mit einem brillanten Kevin Spacey, den ich selten besser gesehen habe. Neben ihm sind auch ganz stark Paul Bettany, Stanley Tucci, Jeremy Irons, Demi Moore, Simon Baker und Zachary "Mr. Spock Vol. 2" Quinto.

 

7. Sidney Lumet gehört für mich bei den Regisseuren zu den Giganten der Zunft. Zu "Die zwölf Geschworenen" muss ich nichts sagen, fantastisches Kammerspiel, ich möchte aber noch einen eher unbekannten Film erwähnen, nämlich "Q & A" (deutsch "Tödliche Fragen") mit Timothy Hutton, Armand Assante und einem Nick Nolte auf dem Höhepunkt seines Könnens.

Hier geht es aber um einen ebenfalls eher unbekannten Film aus dem Jahre 1965 namens "The Hill", der eingedeutscht den dämlichen Titel "Ein Haufen toller Hunde" verpasst bekam, völlig daneben. Ian Bannen, Harry Andrews, Roy Kinnear, Michael Redgrave und vor allem Sean Connery in einer seiner besten Rollen machen aus dem Film unter Lumets Leitung ein Kunstwerk. Es geht um unerträgliche Vorgänge in einem britischen Kriegsgefangenenlager in Afrika während des Zweiten Weltkrieges. Dummheit, Ignoranz, Sadismus und Militarismus sind die Ingredienzen für einen Plot, der in der Katastrophe endet.

10 von 10 Sternen. 

 

8. Die Filme mit dem 2013 viel zu früh verstorbenen James Gandolfini leben ganz wesentlich von ihm. Zuerst zu nennen natürlich "Die Sopranos", aber auch "The Drop" mit Tom Hardy ist klasse. Ich finde, er hat eine beeindruckende Präsenz und das nicht nur wegen seiner Wuchtbrummenfigur, die vermutlich auch in direktem Zusammenhang mit seinem Herzinfarkt in Rom stand, der ihn das Leben kostete. Gandolfini konnte brutal, verschlagen, aber auch liebevoll und fürsorglich wirken, ich finde immer noch, er hatte einen ganz speziellen Blick, ein eigentümliches Lächeln und generell das ganz Besondere, das auch schräge Vögel wie Nick Nolte mitbringen.

9 von 10 Sternen.    

 

9. "American Beauty" passt eigentlich überhaupt nicht zu mir und meine Sicht aufs Leben, Lester Burnhams Austicken kann ich nur rational, nicht aber emotional nachvollziehen und ich finde auch, dass die Rolle des Colonel Frank "United States Marines, Sir" Fitts, gespielt vom famosen Chris Cooper mit ganz dickem Pinsel überzeichnet wurde.

Trotzdem schaffen es die Regie und die fantastischen Schauspieler, ganz vorne Kevin Spacey, Annette Bening, Mina Suvari und Thora Birch, aber auch der mir bis dort nicht geläufige Wes Bentley als Ricky Fitts, aus dem Drehbuch eine Art Wachtraum zu machen, der mich jedenfalls mühelos durch die zwei Stunden sagenhaften Filmgenuss trägt.    

10 von 10 Punkten.

 

9. Ich schäme mich nicht, dass mir bei "Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit" wirklich blümerant geworden ist.

Der dänische Regisseur Martin Zandvliet hat ein extrem anrührendes Werk abgeliefert über minderjährige deutsche Wehrmachtssoldaten, die nach der Niederlage im Mai 1945 unter den Knute eines brutalen deutschenhassenden Feldwebels namens Rasmussen die Minen an der dänischen Küste räumen müssen, die die Wehrmacht seinerzeit vergraben hatte. Das geht natürlich nicht ohne schreckliche Unfälle und Katastrophen ab.

Wie Rasmussen dann nach und nach sein Herz für diese Jungen entdeckt, die eigentlich noch Kinder sind, ist berührend, weil grandios gespielt, und er trifft eine einsame Entscheidung als er bemerkt, dass seine Vorgesetzten nie vorhatten, ihr Versprechen einzulösen, die Gefangenen nach der Räumung freizulassen. Imponierend nicht nur Roland Moller als Rasmussen, imponierend auch die jungen und mir unbekannten Schauspieler, die die traumatisierten Kinder spielen.  

10 von 10 Punkten

 

10. "Die fetten Jahre sind vorbei" aus 2004 ist der übelste Dreck, der jemals auf Zelluloid gequält wurde.

Die Besetzung mit Burghart Klaußner, Daniel Brühl und Stipe Erceg ist an sich überdurchschnittlich, das war es aber auch. Es gibt kein Klischee, das man nicht bis zum Erbrechen ausgewalzt hätte, die Rollen sind so eindimensional, dass jeder Scherenschnitt wid attitude Identitätsprobleme bekommen würde. Die Jugendlichen sind klaro mächtig politisch aktiv, aber ebenso mächtig geladen wegen des Unrechts in der Welt, das sich in der lächerlichen Gestalt eines Topmanagers abbildet, dessen karikierende Überzeichnung mich an dunkle Zeiten erinnerte, in denen Juden mit Hakennasen und raffgierigen Blicken abgebildet wurden.

Wenn man etwas positiv bewerten wollte dann den Aspekt, dass der Film Kreaturen wie Luisa Neubauer vorweggenommen hat, bei der Einfalt des Macherteams aber sicher unabsichtlich. Das ist ölig-moralisierender und gewaltverherrlichender Anarchokitsch der allerübelsten Sorte. Mir ist völlig unklar, wie der Film zu seinen guten Bewertungen kommen konnte. Bei mir hat er nämlich

0 von 10 Punkten.    

 

12. "Mr. Bahsch" ist mittlerweile ein Running Gag bei mir und Marina. Gemeint ist der vom Schauspieler Lance Reddick wie eine plötzlich lebendig gewordene Gliederpuppe gespielte Chief Irvin Irving (wer denkt sich nur diese Namen aus?), wenn er den Protagonisten der Serie - den LA PD (Hollywood-Division)-Detective Hieronymus - genannt Harry - Bosch anspricht. 

In der mittlerweile siebten für Prime produzierten Staffel ermittelt Titus Welliver als Bosch gegen böse Buben, wobei jede Staffel ein tragendes und in der Regel mehr als verabscheuungswürdiges Verbrechen beinhaltet, damit allerdings noch andere Handlungsstränge verknüpft werden. Marina und ich mögen die Serie sehr und allein der Vorspann ist eines Oscars würdig. Die Drehbuchschreiber sind ebenso wie die Regie und die Darsteller erste Sahne, wobei Welliver es mit der Coolness mit jeder neuen Staffel zunehmend übertreibt. Vielleicht will er das Älterwerden und die angedeutete Alt-Herren-Plauze kompensieren, aber ich mag mich grandios irren.

Wer spannende, mit leichter Hand und hohem Aufwand hergestellte Serien mit guten Darstellern mag, ist hier goldrichtig.

9 von 10 Sternen.

 

13. Neulich wieder mal angeschaut habe ich "Frau Müller muss weg", eine Melange aus Helikoptereltern, Arschlochkindern, Ich-Wahn und dem verfilmten Lehrer-Eltern-Gag "Nein, Ihr Sohn ist nicht hochbegabt, Sie beide sind nur unglaublich dumm".

Eine gute Riege mit Anke Engelke, Justus von Dohnanyi, Ken Duken, Mina Tander und anderen will in diesem Kammerspiel die Lehrerin ihrer Gören absägen und stellt sie zur Rede.

Bumerangalarm! Natürlich eröffnen sich im Verlauf des ursprünglich ganz anders geplanten Gesprächs dann Abgründe in den Familien und den Charakteren der Kinder und diese Eltern schauen plötzlich in den Spiegel, der mit dem Film auch unserer Gesellschaft vorgehalten werden soll, das wird überdeutlich. Gefallen hat mir, dass sich Sönke Wortmann dem Thema - ungewöhnlich für einen deutschen Film - ohne moralische Aufladung und Pathos genähert hat. Man erkennt vieles wieder und das macht den Film trotz aller Überspitzungen plausibel und nachvollziehbar. Kurzweilig und daher

6 von 10 Punkten.  

 

14. Ich stand als junger Mann fassungslos vor der Tatsache, dass und wie hunderttausende Deutscher im Dritten Reich einfach das umgesetzt haben, wozu man sie anwies. Auf die singulären Verbrechen meines Heimatlandes will ich hier nicht eingehen, sondern mit der Lupe hinschauen.

Mit dem Alter kommt der Verstand und die Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit, weshalb ich bis heute Günter Grass seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS nachsehen kann, nicht aber seine eitlen und - typisch teutonisch - moralisch überhöhten Vernichtungsfeldzüge gegen Andersdenkende. Ich lernte auch, wie das Regime auf den Mann von der Straße gewirkt haben musste. Man muss einfach sehen, dass ungeachtet der Gründe gerade anfangs alles prosperierte, es wurden weiter Kinder geboren, Ehen geschieden und die Gefechte des täglichen Lebens ausgetragen. Daher begann ich mich nach Studium der großen Zusammenhänge zunehmend dafür zu interessieren, wie sich die Schuldverstrickung für die einzelne Person darstellte, für ihre Familien und vor allem ihre vielleicht heute noch lebenden Kinder und Enkel.

Dabei stolperte ich auf Prime über die Dokumentation "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" aus 2005. Malte Ludin, der den Film gemacht hat, ist der Sohn von Hanns Ludin, während der Besetzung Repräsentant des Deutschen Reichs in der Slovakei. Ludin war an Kriegsverbrechen, insbesondere der Deportation von Juden beteiligt, wurde von amerikanischen Truppen nach seiner Flucht in den Westen gefangengenommen, später an die Slowakei ausgeliefert und dort 1947 gehängt.

Im Film kommen Malte Ludin als Erzähler selbst zu Wort, ferner seine noch lebenden Schwestern, Ludins Schwager und Nichten und Neffen, die 1998 verstorbene Mutter äußert sich über Super 8-Filmschnipsel. Der auch stilistisch ungewöhnlich gemachte Film ist ein sehr privater und persönlicher Einblick in eine Familie, die tief gespalten ist durch den Vater, seine Verbrechen, aber auch durch seinen Tod.  Für mich auch wegen der offen zu Tage tretenden Nachwirkungen einer unseligen Zeit extrem interessant und anrührend, daher

9 von 10 Punkten.

 

15. Ich weiß, ich trage Eulen nach Athen, aber ich erwähne es trotzdem - geht´s dir schlecht und fühlst du dich schlapp, nimm dir eine Auszeit von 136 Minuten und schau von der ersten bis zur letzten Minute "Forrest Gump", dieses wunderbare Märchen vom reinen Toren aus dem fiktiven Städtchen Greenbow in Alabama.

Die Vorlage ist ein 1986 erschienener Roman des 2020 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Winston Groom. Der fabelhafte Robert Zemeckis drehte den Film 1994 und sammelte einige von Hollywoods Besten für die Besetzung. Tom Hanks ist wieder einmal wunderbar, ganz toll aber vor allem auch Gary Sinise als später geläuterter "Lieutenant Dan". Robin Wright als vom Leben verletzte, unstete "Jenniiieee", Sally Field als gluckige Mama Gump und Mykelti Williamson als einfältiger herzensguter Bubba sind kongenial, wobei ich mich frage, wie Williamson das mit der Unterlippe so oft und so lange ausgehalten hat. 

Der Film ist nicht umsonst eingeschlagen wie eine Bombe, eine wunderschöne, fantasievolle, herzerwärmende Erzählung mit vielen, teils urkomischen Episoden. Grandios auch die Tricktechnik von 1994, die möglich machte, dass Gump die Präsidenten Kennedy, Johnson und Nixon sowie John Lennon, Dick Cavett und Gouverneur George Wallace treffen konnte. Ein ganz großer Film, daher hier

10 von 10 Punkten.

 

16. Man nenne mich einen ketzerischen Banausen, aber bei praktisch allen Quentin Tarantino-Filmen frage ich mich etwa nach der Hälfte, was zum Teufel das soll. Handwerklich sicher nicht schlecht und üblicherweise mit einer erstklassigen Riege von Schauspeilern besetzt, spekuliere ich gähnend zwischen Satire, Klamotte und Aufarbeitung abseitiger persönlicher Obsessionen des Regisseurs dümpelnd. Oder ist der Mann bei Gott einer der letzten Eulenspiegel? Who knows? Bei mir hat er vorerst

3 von 10 Punkten...

... wohingegen Guy Ritchie, den ich früher nur als der Madonna ihr Mann wahrgenommen und für ein mutmaßlich arbeitsloses Ex-Unterwäschemodel gehalten habe, bei mir die volle Punktzahl bekommt. Ritchie kann das was Tarantino nicht kann, ich vergöttere seine Filme, auch wenn ich - das gehört zur Wahrheit - mit den falschen Augen an "The Gentlemen" herangerückt bin. Auch bei Ritchie geben sich die Big Player für eine Nebenrolle die Klinke in die Hand und ich weiß warum. Kino at its best.  

 

17. Jeder kennt doch das Geräusch, das Gabelforken auf Tellern erzeugen, oder? Eben. Und genau so ist Milla Jovovich. Schade um jeden Millimeter Zelluloid.

0 von 10 Punkten. 

 

18. "Nach Richard waren die Männer in meinem Leben nur da, um mir den Mantel hinzuhalten und die Tür zu öffnen. Alle Männer nach Richard waren wirklich nur Gesellschaft". Ich habe schon viele Liebeserklärungen gehört und gelesen, aber diese hier fand ich immer unübertroffen, so spricht man über die Liebe seines Lebens ohne Pathos, Kitsch und Schwulst, so sehr mich auch die anderen Männer dauern, aber sie wussten sicher, auf was sie sich einließen. Die Rede ist natürlich von Elisabeth Taylor und Richard Burton, für mich seit jeher DAS Schauspiel-Paar des 20. Jahrhunderts, auch wenn die Konkurrenz wie Lauren Bacall und Humpty-Dumpty ihnen schwer auf den Fersen ist. Was leben wir in traurigen Zeiten, wenn die Hand von Ben Affleck und der Hintern von Jennifer Lopez Schauspielglamour imitieren müssen. Aber ich schweife ab.

"Die Katze auf dem heißen Blechdach" könnte ich mir jeden zweiten Tag reintun, der junge Paul Newman und eine unfassbar schöne Liz Taylor machen den der Zeit geschuldet leicht holzschnittartigen Film nach Tennessee Williams´ Roman zu einem echten Erlebnis. In "Cleopatra" erinnert mich Taylor entfernt an eine Mischung aus Drag-Queen und Puffmutter, sie platzt auch fast aus der Couture und deshalb bin ich auch kein großer Fan des Films. Bemerkenswert an ihm ist sicher der Aufwand, der betrieben wurde, der Umstand, dass Taylor und Burton dort ihre Liebe entdeckt haben sollen und Burtons legendäre O-Beine, durch die wie man damals sagte, ein Hammel durchrennen konnte.

Worum es mir hier aber wirklich geht, ist die Verfilmung von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" unter der Regie des fabelhaften Mike Nichols. In der Nebenrolle auch einer meiner Favoriten, George Segal. Wie es sich George und Martha besorgen ist grandios, vor allem Taylor als ordinäre Schlampe ist großartig. Böse Zungen sollen behaupten, so soll es auch im wirklichen Leben gelegentlich zwischen den beiden zugegangen sein. Egal, sie sind beide tot und ich wünsche ihnen, dass sie nun in Ewigkeit zusammen sein können. Ihre Albee´sche Beschimpfungsorgie, die damals mächtig Wind machte, hat bei mir

10 von 10 Punkten.        

 

19. Ich bin jetzt hier schon mehrfach übern Teich nach Hollywood gereist, um Typen zu erwähnen, die einen Film allein tragen. Warum in die Ferne schweifen?

Der 1971 in Wiesbaden verstorbene, in Sachsen geborene Werner Peters ist nämlich auch so einer. Ich habe früher einiges von Heinrich Mann gelesen und da lag nahe, sich auch den 1951 unter der Regie des Könners Wolfgang Staudte entstandenen DEFA-Schinken "Der Untertan" reinzutun. Der Film ist eines meiner Goldstücke, durchweg sehr gut besetzt mit großartigem, Schnitt und ebensolcher Kameraführung. Die moralische Rektoskopie ganz am Ende, wenn es gegen den Kapitalismus geht - geschenkt, die DDR war eben die DDR.

Peters gibt den komplexbeladenen, feigen, kleinkarierten und kleinbürgerlichen Gernegroß derart genial, dass jede Neuverfilmung scheitern MUSS. In etwa wie im Fall des Klassikers "Im Westen nichts Neues" von Lewis Milestone mit Lew Ayres in der Rolle des Paul Bäumer und einem grandiosen Louis Wolheim als Kat. 1979 versuchte man sich daran mit "John-Boy" Richard Thomas sowie dem großen Ernest Borgnine, scheiterte aber jämmerlich. Nein, Staudtes Film über den deutschen Untertan, den ich heute in schauerlicher Wiederkehr rund um mich herum wiederentdecke, ist im besten Sinne des Wortes großes Kino und bekommt bei mir daher

10 von 10 Punkten.        

 

20. Ich mochte Clint Eastwood nicht, diese Coogan" und "Dirty Harry"-Streifen waren mir so egal, dass ich noch nie einen gesehen habe. Dann wurde Eastwood alt und begann sich zu häuten. Darunter kam etwas zum Vorschein, das ich heute bewundere.

Eastwood dreht Filme und spielt in einigen von ihnen auch selbst mit. Grandios (überwiegend) bis na ja (sehr selten). Ich habe mich lange gefragt, was die Filme, die ja völlig unterschiedliche Zeiten und Sachverhalte betreffen, eigentlich verbindet und ich glaube, ich weiß jetzt was es ist. Eastwood versucht Einblicke in die amerikanische Seele, er untersucht sie von allen Seiten, dreht und wendet sie und scheut sich auch nicht davor, ihre dunklen, brutalen Seiten zu verdeutlichen.

Ein großer Mann, den ich verehre, der tolle Filme dreht und daher bei mir

10 von 10 Punkten hat.

PS: Und hier kann man sehen wie Tom Hanks die Arbeit mit Eastwood beschreibt, urkomisch.  

 

21: Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken. Eastwoods frühe Filme sind häufig von Don Siegel gedreht worden. Der hat aber echte Klassiker und vor allem Filme gedreht, die mich heute noch begeistern.

"Haben und Nichthaben" gehört in jede halbwegs zivilisierte Videothek, "The Shootist", der Abgesang auf den alten Western  mit einem großartigen alternden Duke, "Die schwarze Windmühle" mit Michael Caine, auch einem meiner ganz großen Helden, und - jawohl - "Die Körperfresser kommen" mit Donald Sutherland, ganz großer Held Vol. 2 in diesem Beitrag, weil die Körperfresser für mich das Genre auf eine neue grandiose Ebene hievten. Alles Filme, die man unbedingt gesehen haben sollte, aber weil Siegel meines Erachtens auch echten Schrott gedreht hat, gibt es bei mir

7 von 10 Punkten. 

 

22. "1917" von Sam Mendes ist so, wie ein Kriegsfilm sein sollte.

Ein Kriegsfilm ist ein Film, der vom Krieg handelt, weshalb es keiner weiteren Zusätze wie "Anti" bedarf, man versteht dann auch so, was einem Produzent und Regisseur sagen wollen. Mendes verweist am Ende im Abspann auf seinen aus Trinidad stammenden Großvater Alfred H. Mendes, der wie man lesen kann 1897 geboren und 1991 gestorben, minderjährig in den Krieg zog und auf dessen Erinnerungen sich der Film - auch - bezieht.

Mendes schildert das Grauen authentisch, ohne der manchen Filmen eigenen Neigung gewisser Regisseure zu erliegen, das Ganze möglichst blutig darzustellen, um das Grauen und die Trostlosigkeit des Krieges plastisch zu machen. Das hat Mendes nicht nötig, auch wenn er sich nicht dieser kühlen Grundstimmung bedient, wie sie Christopher Nolan in "Dunkirk" einsetzt.

Apropos: Von Nolan ist ein anderes Meisterwerk namens "Interstellar", das mich schaudern ließ. Die stärksten Szenen hat der Film für mich aber nicht bei der Jonglage mit Zeit, Raum, Tesserakten (die ich vorher gar nicht kannte) und Schwarzen Löchern, sondern dort, wo er das "die-Erde-ist-doch-eine-Scheibe"-Denken der neuen Generation aufspießt. Man wollte ein Ziel erreichen und hat die Geschichte einschließlich wissenschaftlicher Erkenntnisse umgeschrieben, was besonders schön zum Ausdruck kommt, als Cooper mit dem Lehrkörper in Sachen missratener Tochter disputiert. Ich erkenne da so viel wieder, ganz groß gemacht von Nolan. Auch das eine unbedingte Empfehlung.

Aber nun mehr vom Kriege.  

Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie es den Soldaten seinerzeit tatsächlich ergangen ist. Ich kann nur versuchen, zu denken und zu fühlen, wie es gewesen sein könnte, und so wie Mendes das umsetzt, kommt es dem eigenen Empfinden sehr nahe. Ich mag Regisseure, die einen gewissen Zeitabschnitt unserer aller Geschichte so auferstehen lassen können, dass man in ihren Bann gezogen wird und glaubt, so müsse es tatsächlich gewesen sein. Die Hauptdarsteller sind durchweg sehr gut, die Bauten wirklich unglaublich gut, Gleiches gilt für die Kameraführung. Eine grandiose Leistung, daher bei mir

10 von 10 Punkten.

 

23. Nick Nolte schien Geld zu benötigen. Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb er die Rolle des Stephen Katz in dem 2015 gedrehten Schinken "Picknick mit Bären" übernommen hat, eine schlechte, weil hölzerne, unlustige und scherenschnittartige Verfilmung eines Beststellers von Bill Bryson. Ich nehme an, Bryson wollte uns verulken, als er die Besetzung seines Parts mit Robert Redford akzeptiert hat, ich nehme doch an, man hat ihn vorher gefragt. Man muss sich nur Bilder mit Bryson feat. B-Wampe anschauen, um den Treppenwitz zu verstehen.

Ich habe mir etwa 45 Minuten des Films reingezogen, weil ich einige Bryson-Werke wirklich mag, und ich hatte den Eindruck, a) man hat Nick Nolte genommen, nicht weil er Nick Nolte war, sondern weil man einen zweiten bekannten Namen benötigte, möglichst von einem, der am Ende und damit im Zweifel billig ist, und b) die Filmcrew  führte ganz zweifellos die ganze Zeit eine mobile Stroke Unit und ein Sauerstoffzelt mit. Ich hatte fortwährend reale Angst um Nolte, denn er ist im Film fettbäuchig, heruntergekommen und hat eine rote Gesichtsfarbe, die kein Genie aus der Maske so hinbekommt, ich muss befürchten, es war beim Dreh seine echte.

Aber vom Film wollte ich gar nicht erzählen, der bekäme bei mir drei Punkte, mir geht´s um Nolte. Nolte ist auch einer aus der Riege echter Hollywood-Kanten, die es heute kaum noch gibt, und ich werde seine Darstellung des sadistischen, gestörten Michael Brennan in "Tödliche Fragen" nie vergessen. Fantastische Leistung auch heute noch und der Film ist über 30 Jahre alt.

Nolte bekommt für sein großartiges Talent und seine Fähigkeiten

9 von 10 Punkten.         

 

24. Public Broadcasting Service (PBS) ist eine nichtkommerzielle Senderkette in den USA und hat eine der beeindruckendsten Dokumentationen auf die Beine gestellt, die ich jemals gesehen habe. Ken Burns - der übrigens auch eine mehr als sehenswerte mehrteilige Doku über den Amerikanischen Bürgerkrieg produziert hat, die bei Arte lief und bei YouTube nach wie vor läuft - und Lynn Novack sind die Schöpfer von "The Vietnam War", eine Doku, die diesen schrecklichen Krieg aus praktisch allen Perspektiven beleuchtet und chronologisch und in allen Facetten aufarbeitet. Unglaublich gut und daher bei mir

10 von 10 Punkten. 

 

25. Einer meiner absoluten Lieblinge ist auch "Watchmen - die Wächter", den Zack Snyder 2009 auf Zelluloid bannte. Jackie Earle Haley (als Rorschach), Jeffrey Dean Morgan (als der Comedian), Matthew Goode (als Ozymandias) und Billy Crudup (als Dr. Manhattan) sind großartig, Patrick Wilson wie immer gut und Malin Akerman in diesem Film nichts anderes als heiß. Ich darf das sagen, ich bin ein alter weißer Mann und damit sowieso fett.

Die Story ist so abgefahren und irre, dass ich mir hier alles verkneife und nur dringend rate, den Schinken anzuschauen. Vorlage ist ein Comicroman und es geht um teils mächtig abgehalfterte ehemalige Superhelden, neue oder immer-noch-Superhelden, den Vietnam-Krieg, die Gefahr eines Atomkrieges, die Weltherrschaft und insgesamt um derart abgefahrenen Mist, dass ich jedes Mal jede Minute genieße und die Mimen bedauere, die uns ansonsten als Superhelden verscheuert werden.

10 von 10 Punkten.

 

26. Ich vergebe nochmals 10 von 10 Punkten für zwei große alte weiße Männer für ihr Lebenswerk und zwar aus gegebenem Anlass. Sir Michael Caine hat seine grandiose Schauspielkarriere aus Altersgründen beendet und Alec Baldwin ist von einem heimtückischen Schicksal im Herbst der Karriere hinterrücks erwischt worden, als er am Set seines neuen Films versehentlich die Kamerafrau Halyna Hutchins mit einer Requisitenwaffe erschoss. Ich habe Baldwin als Schauspieler immer gemocht, er hatte einen eigenen Stil so wie Sir Caine und er war ganz sicher der Talentierteste des Baldwin-Clans. Ich hoffe er, seine Familie und die Familie Hutchins kommen irgendwann mit dem schrecklichen Unfall klar.  

 

27. Hugh Grant ist für mich ein filmischer Luftzug, natürlich kennt man "Notting Hill" und "Vier Hochzeiten und ein Todesfall". Von letzterem Film sind mir nur die großen Zähne von Andie MacDowell, das Auden-Gedicht, die unfassbare Eselei, sich nicht für die unglaublich schöne Kristin Scott-Thomas zu entscheiden, und das Zitat "Sein Rezept für Ente à la Banane nimmt er zum Glück mit ins Grab" in Erinnerung.

Ich bin kein Hugh Grant-Fan. Mit einer Ausnahme. Der Film "Der Engländer, der auf auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" von Christopher Monger  ist ein absoluter Hit.

Grant ist hier wirklich gut, allerdings sind ihm auch großartige Charaktere wie der unvergleichliche Colm Meaney in einer seiner Paraderollen als Morgan, der Bock,  und Ian McNeice zur Seite gestellt. Es geht um trockene Landvermesserei, aber auf eine Weise, die mir jedenfalls unvergleichliches Vergnügen  bereitet hat.

 

28. Robert Duvall ist 91 geworden. Ich vergebe hier

10 von 10 Punkten

für das Lebenswerk eines Schauspielers, der in der öffentlichen Wahrnehmung nie in der absolut vordersten Linie stand, aber Filme mit seiner unvergleichlichen Kunst aufwerten konnte, dass es mir stellenweise den Atem raubte. Ein ganz ganz Großer. 

 

29. Chinas Filmindustrie teilt derzeit das Schicksal von Napoleon Bonaparte bei Waterloo und das der chinesischen Autoindustrie, als die einen Übernahmeversuch mittels Coladosen auf Rädern mit so schönen Namen wie "Landwind" unternahm und bereits beim ersten Crashtest jämmerlich scheiterte.

Der "Landwind" der chinesischen Autobauer ist der Schinken "800" für die chinesischen Filmemacher. Ich habe nichts gegen Propagandaschmiere, aber das geht gar nicht, auch wenn die Technik anders als beim "Landwind" nicht übel ist. Das war es aber auch.

1 von 10 Punkten  

 

30. Der Dokumentarfilm "Blackfish" gibt Einblick in eine Gewerbe, das mit Sommer, Wasser und jeder Menge Fun verknüpft wird, in Wirklichkeit aber ein beinhartes, brutales, denkende und fühlende Wesen quälendes Nogo ist - die Seaworld-Parks und ihre anämischen Geschwister überall auf der Welt.

Erzählt wird die Geschichte der Orcas in Gefangenschaft, vor allem die des "Killer"-Wals Tilikum, der drei Betreuer getötet hat. Erzählt wird u.a. auch die Reaktion der Betreiber, nachdem die Betreuerin und Trainerin Dawn Brancheau von dem Tier getötet worden war, eine Reaktion, die an die skandalöse Reaktion von Boeing erinnert, nachdem binnen fünf Monaten zwei 737 Max abgestürzt waren. Eine hochinteressante, exquisit gemachte Dokumentation, die u.a. auf Netflix gezeigt wird und bei mir

10 von 10 Punkten bekommt.  

 

31. "Manhunt Unabomber" ist eine Netflix-Produktion über die Jagd auf Ted Kaczynski, den Unabomber.

Paul Bettany spielt Kaczynski, seine Jäger sind Sam Worthington, der einen jungen, begabten FBI-Profiler spielt und Chris Noth als sein Chef sowie Jeremy Bobb als bulldoggenartiger Stan Cole. Ich fand die Serie wirklich gut, die Darsteller waren prima, die Dramaturgie trotz der schweren Kost ebenso. Ich will nicht sagen, dass mich am Ende angesichts der brutalen Worte des Judges so etwas wie Mitleid für Kaczynski beschlich, aber sie muteten in einer gewalttätigen Welt auch angesichts der in der Serie gezeigten Taten etwas ungewöhnlich an.

Ich weiß jetzt, woran das lag. Ich habe nämlich jetzt die dazugehörige Dokumentation mit dem selten dämlichen Titel "Die verrückte Wahrheit über den Unabomber" ("Watch Unabomber - in his own words" im Original) gesehen. Es blieb nichts übrig vom leicht zuckrigen Image des Henry Thoreau auf Speed, von der von Dritten gepeinigten Seele, es blieb das Bild eines sadistischen, ichbezogenen, skrupellosen, unbarmherzigen, kleinkarierten, ekligen Losers mit hohem IQ, zu dem die vorerwähnten Worte des Richters sehr wohl passten. Warum man diesem Psychopathen im Film ein wenn auch dünnes gesellschaftsinduziertes Dropout-Mäntelchen überstülpen musste, ist mir völlig unklar.

In der Dokumentation kommt Kaczynski öfters selbst zu Wort, es wird auch aus seinen Tagebuchaufzeichnungen zitiert und zwar so, dass einem speiübel wird. Es wird die gesamte jahrzehntelange Chronologie aufgerollt, sehr gut gemacht und sehr informativ. Kaczynski stolperte übrigens über ein zutiefst menschliches und damit gerade für ihn peinliches, weil erzspießiges Motiv, den eigenen Namen in der Zeitung zu sehen. In seinem in der Washington Post veröffentlichten "Manifest" gegen die Industriegesellschaft erkannte ihn seine Schwägerin wieder und nachdem die Protoversion dieses Pamphlets in der brieflichen Korrespondenz mit Mutter Kaczynski auftauchte, war der Sack zu.

Dieses Manifest, das auch in der Dokumentation von verschiedenen Seiten gelobt wird, wirkt auf mich schon anhand der Fragmente, die man in den Filmen mitbekommt, ermüdend und wenig geistreich. Kaczynski machte das, was er anderen vorwarf, nur von der anderen Seite des Gartenzauns her - er glaubte an eine Art Determiniertheit der Industriegesellschaft und nicht daran, dass ein System zwangsläufig nur so gut sein kann wie die Eingaben, die man tätigt. Die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Menschen spielte für ihn offensichtlich keine Rolle, vermutlich hätte das bei seinen pechschwarzen Schlussfolgerungen auch nur gestört, er versagt daher ebenso wie beispielsweise Karl Marx. Man kann das anregend finden, ich finde es öde.

Überhaupt nicht öde waren die beiden filmischen Werke, bei denen ich für die gespielte Fassung 7 Punkte und für die Dokumentation 9 Punkte, insgesamt also

8 Punkte vergebe.            

PS: Apropos düster und morbide - eine Empfehlung ist auch die Netflix-Serie "Mindhunter", die in den 70ern spielt und die ersten zaghaften Versuche des FBI schildert, mittels psychologischer Ansätze in die Gedankengänge von Serienmördern einzudringen und die Ergebnisse in die Fahndungsarbeit und vor allem auch die Früherkennung einzuarbeiten.

Ein junger Agent, der äußerlich wirkt wie Herr Macron, interviewt mit einem älteren und erfahrenen Kollegen Serienmörder und die beiden helfen mit ihren neu erworbenen Erkenntnissen auch bei Mordfällen. Wirklich gut gemacht und die beiden Protagonisten, gespielt von Jonathan Groff und Holt McCallany machen das richtig gut. Regie führt gelegentlich David Fincher!

 

32. Ich liiiieebe den Film "Tenet" und ich bin einer der wenigen weit und breit, ich weiß.

Der Film trennt die Spreu vom Weizen. Er schafft drei Gruppen - die, die den Film kapiert haben (die kleinste Gruppe), die, die behaupten, ihn kapiert zu haben und tatsächlich gescheitert sind (die größte Gruppe) und die, die ihn auch nicht kapiert haben und das auch so zugeben. Dazu gehöre ich. Ich habe immer gedacht, nicht zu den Blödesten im Land zu gehören, aber das Teil hat mich auf eine Weise geerdet, die ich nicht für möglich gehalten hätte. So muss es dem Neandertaler gegangen sein, als er seinem ersten Homo sapiens begegnet ist.

Bei meinen Grübeleien während der langen zwei Stunden dachte ich manchmal über eine Eulenspiegelei nach, die ich immer vermute, wenn ich einen Film nicht kapiere, aber die wollte Christopher Nolan sicher nicht abliefern, hat er ja auch bei "Interstellar" nicht, ein weiterer Film, den ich ...

Im Übrigen ist der Film atmosphärisch gut, aufwendig gemacht und da spielen Leute wie Michael Caine mit, wow. Nur Denzel Washingtons Sohn überzeugte mich nicht, vielleicht lag´s an dem dämlichen Bart, mir kam er gegenüber der Rolle, die er verkörpern sollte, deutlich geschrumpft vor, aber das ist Geschmackssache.

Mich dazu zu bringen, einen Film zu verschlingen, den ich nicht verstehe, das ist erste Klasse, daher von mir

10 Punkte.    

 

33. Eine wirklich großartige und zu Herzen gehende Dokumentation ist "It must schwing" aus 2018 über das von den beiden während der Nazizeit ausgewanderten deutschen Juden Alfred Lion (ehemals Löw) und Francis Wolff 1939 gegründete Plattenlabel Blue Note Records. Die beiden waren dem Jazz geradezu verfallen, und von Lion ist die Formulierung "it must schwing" in diesem seltsamen und zeitlebens nie abgelegten deutsch eingefärbten Englisch, mit der er klarstellte, was seiner - übrigens immer zutreffenden - Auffassung  nach eine gute Aufnahme ausmachte. Sie revolutionierten auch dank brillanter Mitarbeiter die Aufnahme- , später auch der Covertechnik und sorgten mit ihren Produktionen vorwiegend schwarzer Jazzmusiker für zunehmende Akzeptanz dieser Musik und damit auch der Künstler in der breiten Öffentlichkeit, lange vor der Bürgerrechtsbewegung und in für Schwarze mehr als schlimmen Zeiten.

Wer ein Herz für Jazz hat, wird sich an den auftretenden Zeitzeugen wie Wayne Shorter, Sonny Rollins, Herbie Hancock, Ron Carter, George Benson und vielen mehr erfreuen, die aus dem Nähkästchen plaudern und beweisen, was für außergewöhnliche Menschen Lion und Wolff gewesen sein müssen. Zu sehen sind Schnipsel mit Art Blakey, Thelonious Monk, Bud Powell, John Coltrane, Charlie Parker, Lee Morgan und anderen Riesen der Szene. Schlüsselszenen im Leben der beiden Labelgründer, von denen Lion auch immer wieder per Einspieler zu Wort kommt, werden im Comic-Stil wiedergegeben, so dass das Ganze nicht nur ungeheuer interessant, sondern auch kurzweilig ist und daher bei mir 

10 von 10 Punkten hat. 

 

34. Auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen - ich mag den wie so oft aus der Comic-Welt herübergewanderten Streifen "Constantine" mit Keanu Reeves, den ich allerdings eher als Darsteller denn als Schauspieler bezeichnen würde. Wie man liest, muss er privat aber ein toller Typ sein.

Der Film ist zunächst einmal ein machtvolles, über zwei Stunden währendes Plädoyer gegen die Tabakindustrie. John Constantine, so heißt Reeves in dem Streifen nämlich, ist nicht nur ein Exorzist, sondern auch Kettenraucher und das hat mächtig Pulmonalkarzinome in der vergänglichen fleischlichen Hülle unseres Helden ausgelöst, sicheres Ende inklusive. Darüber hinaus verspürt man kurz den Drang, mal wieder eine Kirche aufzusuchen, wenn man so sieht, was da an schrägen Vögeln aus der Hölle aufgeboten wird.

Ich finde die Story samt Tricks wirklich cool und die Besetzung ist erstklassig. Neben Reeves treten Tilda Swinton, Peter Stormare, Pruitt Taylor Vince, Djimon Hounsou und andere bekanntere Filmgesichter auf. Ein wirklich schöner Schinken für den Zustand, in dem man sich nur berieseln lassen will, aber keinen Bock auf dämliche Streifen wie "Die fantastischen Vier" oder "Van Helsing" hat.

8 von 10 Punkten. 

 

35. Der Underdog fordert den fiesen Weltkonzern heraus, der auch noch vertreten wird von einer schmierigen Riege reicher und korrupter Advokaten. Wir kennen den Plot alle, meistens ist es ein überfordert wirkendes Mäuschen oder ein braves Landei, das es mit den Bösen aufnimmt, in der Regel gesellt sich ein saufender, aber natürlich genialer Kleinstadtanwalt dazu. In den ersten 60 Minuten geht für die Guten erst einmal alles schief, ehe sie im Showdown den Schurken zeigen, was eine Harke ist. Tusch, Applaus, Vorhang, gähn.

Um dieses Thema geht es auch bei "Michael Clayton", aber viel viel besser gemacht, was auch an der erstklassigen Schauspielerriege liegt. Aufgeboten werden George Clooney, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Sydney Pollack, Michael O´Keefe und viele andere Könner, Regie führt Tony Gilroy, von dem auch das Drehbuch ist. 

Tom Wilkinson ist wieder einmal nichts anderes als genial, ebenso Tilda Swinton, der schöne George macht das auch wirklich sehr gut, seine Mittel sind aber limitiert. Sydney Pollack spielt Clooneys Chef wie immer mit diesem leicht sinistren, undurchschaubaren Stil, den er meisterhaft beherrscht. Groß macht den Film für mich aber, dass die Rollen zwar klar verteilt sind, gut gegen böse kämpft, aber wie im Leben üblich sehr viele Grautöne vorherrschen und einem Moralvorlesungen sehr weitgehend erspart bleiben. Das Ende soll nicht verraten werden. Ich schaue mir den Schinken jedenfalls wirklich gerne an, weshalb er bei mir

9 von 10 Punkten hat.   

 

36. "Beasts of no nations" ist ein Film über schwarzafrikanische Kindersoldaten, von dem ich dachte, er sei eine Netflix-eigene Produktion, was aber wohl nicht stimmt. Es geht um den kleinen Agu, der in den Wirren eines Bürgerkriegs in einem afrikanischen Staat den Eltern entrissen und von einem gewissenlosen Söldner - überzeugend gespielt von Idris Elba - zu einem weiteren kleinen Soldaten der Soldateska ausgebildet wird, die Elba anführt.

Das ist alles stellenweise kaum auszuhalten, schwach ist aber wie ich finde, dass Agu gerade am Ende trotz der vielen schlimmen Erlebnisse eher als kleiner Dschungelphilosoph rüberkommt denn als missbrauchtes und traumatisiertes Kind. Wir kennen die Rückkehr zum Kindsein beispielsweise aus dem Buch "Der Herr der Fliegen" und das kam mir eindeutig nachvollziehbarer und weit gelungener vor als die Abschlusserklärungen von Agu. Eine verpasste Chance wie ich finde und daher bei mir

6 von 10 Punkten.  

 

37. Endlich ist die dritte Staffel von "The Boys" heute freigeschaltet, jeden Freitag gibt´s eine neue Folge, was schade ist, weil ich sonst bis morgen früh durchgeschaut hätte.

"The Boys" ist eine Amazon-Produktion und das Anarchischste, Perverseste, Irrste, Schrillste, Abgefahrenste, Brutalste und Lustigste, das ich seit langem gesehen habe. Ich verstehe, dass viele bei dieser Serie Ekel und Grusel befällt, aber die Message von den Superstars, ihren Abgründen und der Manipulierbarkeit von Leuten hinter den Gewaltorgien ist Meilen besser als man sonst im Popcorn-Kino verpasst bekommt. Tricks, Schauspieler, allen voran Karl "sei keine Fotze" Urban, eine Verbalkloake, dass es kracht, Drehbuch, alles erste Sahne und daher bei mir

10 von 10 Punkten. 

 

38. Eine Fernsehserie namens "Diener des Volkes", bei der es um Politiker geht, kann nur eine Satiresendung sein. Eine Serie dieses Namens gibt es tatsächlich und sie ist in der Tat als "Comedyserie" adressiert worden, hergestellt von Filmschaffenden aus der Ukraine. Kracher bei der Story, in der der vielzitierte "kleine Mann von der Straße" auf den Präsidentenstuhl des Landes katapultiert wird, ist natürlich der Hauptdarsteller, Wolodymyr Selenskyi vor seiner steilen und wirklichen Polikerkarriere.

Aus einem morbiden Interesse heraus haben Marina und ich uns den Beginn der ersten Folge der ersten Staffel angeschaut und was wir sahen, war mehr als wir ertragen konnten. Drehbuch, Dialoge, Schauspieler samt und sonders unterirdisch, und als Comedy kann das nur einer bezeichnen, der seit 70 Jahren kein TV mehr geschaut hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bewundere Herrn Selenskyi für seine Standhaftigkeit im Krieg gegen den durchgeknallten Zar Vlad. I., aber diese Serie ist eine monströse Zumutung und hat daher bei mir

0 von 10 Punkten.

 

39 Und wieder hat einer meiner ganz Großen das Zeitliche gesegnet. Ray Liotta ist 67jährig friedlich im Schlaf gestorben, ein echter Verlust wie ich finde, er gehört zu denen, die mich zu einem Film überreden können, nur weil sie dort mitmachen. Liottas Name ist sicher nicht jedem geläufig, viele dürften eher sein narbiges Gesicht mit den kalt wirkenden Augen kennen, er war auch sehr oft auf Gangsterrollen abonniert, konnte aber natürlich viel mehr.

Marina und ich haben eben wieder mal "Blow" von Ted Demme mit Johnny Depp und Penelope Cruz (was finden die Leute in Gottes Namen nur an Franka Potente?) über den Drogenbaron George Jung gesehen und Liotta spielte Jungs Vater derart anrührend und intensiv, dass er für mich der Darsteller des Films ist. Grandios ist er auch in seinen Gangsterrollen gewesen, beispielsweise gemeinsam mit dem ebenfalls großartigen Michael Shannon in "The Iceman" über den Killer Richard Kuklinski oder - unvergessen - seine Rolle in "Goodfellas" an der Seite von de Niro und Pesci.

Für dieses Gesamtkunstwerk gibt´s bei mir 

9 von 10 Punkten.

  

40. Ich weiß nicht, wie Adam McKay privat so drauf ist, ich habe nach seinen letzten drei Filmen aber eine gewisse Ahnung, wie er wählt. Egal. Diese drei letzten Filme waren absolute Krache, als da wären "The Big Short" = Weltklasse, "Vice" = wow und "Don´t look up", um den es hier geht. Bunt, technisch herausragend und hemmungslos entlarvend, vor allem grandios besetzt mit Leo diCaprio, Jennifer Lawrence, Mery Streep, Cate Blanchett, die ich fast nicht erkannt hätte, Ron Pearlman, Jonah Hill und und und.

Bei dieser Netflix-Produktion geht es um einen steinernen Planetenkiller, der aus dem All auf die Erde zuschwebt und dort die absurdesten vor allem medial gepushten Reaktionen auslöst, die, wenn man ehrlich ist, vor 20 Jahren noch so abseitig gewirkt hätten, dass man von gröbster Überzeichnung gesprochen hätte, man heute aber das ebenso ungute wie unbestimmte Gefühl hat, angesichts des intellektuellen Zustandes der Bevölkerung unseres Heimatplanets könnte es im Fall der Fälle GENAU SO zugehen.

Den einen Punkt Abzug gibt es von meinem Dickdarm, der sich darüber beschwert hat, dass sich bei Betrachten des Films dort gelegentlich der moralische Zeigefinger bewegt habe, weil doch einiges im Film auf Klimawandel und Donald Trump zeigte. Ich fand es trotzdem herrlich, weshalb ich hier auch

9 von 10 Punkten vergebe.     

 

41. 200 Millionen Dollar hat Netflix für "The Gray Man" ausgegeben und jeder dieser Bucks wurde die Toilette hinuntergespült. Ich werde künftig einen riesigen Bogen machen, wenn ich lese, Regie würden "die Brüder Russo" führen. Was für ein Mist. Absolut vorhersehbare Handlung, Chris Evans spielt, als wolle er Jack Nicholson als Joker in "Batman" parodieren, Ryan Gosling agiert so ambitioniert wie ein Postler drei Tage vor der Pensionierung im Amt und Billy Bob Thornton könnte sein Kollege im Postamt sein, zwei Tage vor der Pensionierung. Die Besetzung wäre also gut, dazu noch Ana de Armas und ein gewisser Regé-Jean Page, der angeblich als neuer Bond gehandelt wird, es aber ebenso wenig könnte wie Gosling, insbesondere nach Daniel Craig. Gruselig, null Punkte werden nur wegen der Effekte umgangen, daher hier

1 von 10 Punkten. 

 

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