Hugh Thompson jr.

„Ich gab ihnen einen guten Jungen, und sie machten aus ihm einen Mörder“ klagte eine Mutter, deren Sohn im Vietnam-Krieg diente.

Konkret ging es um das Massaker von My Lai am 16.März 1968. Die Charlie Kompanie der Task Force Barker, einer Anfang 1968 aufgestellten „search and destroy“-Sondereinheit  aus Einheiten der Americal-Division unter Führung von Oberstleutnant Barker hatte den Auftrag, das Dorf Song My, dessen Ortsteile My Lai 1 – 6 genannt wurden, von Vietcong-Kämpfern zu säubern. Die Einheit hatte in den Wochen zuvor durch Sprengfallen und Minen relativ hohe Verluste erlitten.

Befehlshaber der Aktion war Hauptmann Ernest Medina, einer der Zugführer (1st Platoon) Leutnant William Calley. Barker und sein eigener Vorgesetzter Oberst Henderson befanden sich in Helikoptern vor Ort, um das Geschehen von oben zu beobachten.

Die Soldaten der Charlie Kompanie brachten nach Beginn des Einsatzes jeden Vietnamesen um, den sie zu Gesicht bekamen, Männer, Frauen, Kinder jeden Alters. Männer wurden erschossen oder mit Bajonetten erstochen, Frauen wurden vergewaltigt und dann getötet, Männern wurde das Zeichen der Charlie Kompanie in die Haut geschnitten.

Stabsfeldwebel Hugh Thompson jr. war an diesem Tag in einem kleinen Hubschrauber  des Typs Hiller OH-23 eingesetzt, an Bord waren die beiden Bordschützen Glenn Andreotta und Lawrence Colburn.

Thompson entdeckte eine verletzte Vietnamesin, landete und rief nach medizinischer Hilfe. Ein GI erschien und erschoss die Frau. Thompson startete, entdeckte aus der Luft Gräben voller Leichen und funkte unverschlüsselt, dass  ein Massaker stattfinde.

Er landete erneut und traf auf Calley, der ihn aufforderte, wieder zu gehen, das sei seine „Show“.

Kurz darauf bemerkte Thompson fliehende Vietnamesen, darunter Kinder, die von Gis verfolgt wurden. Thompson landete zwischen den Vietnamesen und den Soldaten und forderte seine Bordschützen auf, das Feuer auf die Soldaten zu eröffnen, sollten die Gis auf ihn oder die Vietnamesen schießen. Thompson gelang es, den Zugführer Leutnant Brooks davon abzuhalten, auch diese Vietnamesen zu ermorden und beorderte zwei Kampfhubschrauber herbei, um die Vietnamesen zu evakuieren.

Thompson erstattete nach seiner Rückkehr Bericht, aber nichts geschah. Die Nachrichten wurden unterdrückt, Einsatzberichte gefälscht, obwohl mehr als 500 zivile Vietnamesen umgebracht worden waren. Offiziell war von einem „siegreichen Gefecht“ die Rede.

Nachdem General Westmoreland durch General Abrams ersetzt worden war, wandte sich der Soldat Glen brieflich an Abrams, um ebenfalls auf die Gräuel hinzuweisen. Ein Major Colin Powell untersuchte den Vorgang, kam aber zum Schluss, dass an den Anschuldigen nichts dran sei.

Ins Rollen kam die Sache dann durch einen  Soldaten der Charlie Kompanie, der aber an den Massakern nicht beteiligt gewesen war, aber von seinen Kameraden haarsträubende Dinge erfahren hatte. Er schrieb an 30 Abgeordnete und Pentagonmitarbeiter, aber nur der Abgeordnete Moris Udall antwortete. Es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt unter General Peers, der auch Thompson anhörte. Ins öffentliche Rampenlicht gelangte der Fall, als Seymour Hersh von der Sache Wind bekam.

Es wurden Militärstrafverfahren eingeleitet, Hauptmann Medina wurde verurteilt, allerdings nicht wegen aktiver Teilnahme, obwohl er selbst Morde mit eigener Hand begangen hatte, straffrei blieb Oberst Henderson, Barker war bereits verstorben.

Verurteilt wurde lediglich Leutnant Calley wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil man ihm zahlreiche eigenhändige Morde gerade auch an Kindern nachweisen konnte. 24 Stunden später wandelte Präsident Nixon die Strafe in Hausarrest um, 1975 wurde Calley von ihm begnadigt.

Thompson litt zeitlebens unter dem Trauma, arbeitete in der Veteranenbetreuung und suchte in Vietnam Kontakt zu Überlebenden des Massakers. Er und seine beiden Bordschützen erhielten 1998 für ihren Mut im Angesicht des Wahnsinns die Soldier´s Medal, Andreotta posthum, da er drei Wochen nach dem Massaker fiel.

2006 starb Hugh Thompson jr., ein echter und wahrer amerikanischer Held.

PS: In der exzellenten Dokumentation von Ken Burns „The Vietnam War“ kommt auch ein Soldat zu Wort, der an den Massakern beteiligt war. Auf die Frage, wie so etwas passieren konnte, weiß der Mann nur zu antworten, er wisse es nicht. Wie er damit leben konnte, weiß ich wiederum nicht, Tatsache ist auch, dass einige Soldaten Selbstmord begangen.

 

 

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