Den Mann betrachtet man immer nur durch ein Vexierglas und je nach Tönung des Glases sieht man etwas Unterschiedliches. Weder kann ich den Verlautbarungen aus seinem Umfeld, noch den mit Erziehungsauftrag und Sendungsbewusstsein oder einfach nur mit Hass berichtenden Medien trauen. Fakt ist aber - mich erfasst eine instinktive Ablehnung, wenn ich Höcke betrachte oder ihm zuhöre.

Da das aber kein Maßstab sein kann, sollte man den Dingen auf den Grund gehen.

Die NZZ hat 2017 die Mehrschichtigkeit Höckes untersucht, hier der Artikel. Bullerbü und Demagogie, interessant als Einstieg.

Wenn man sich Höcke nähert, dann muss man auch einmal unterstellen, er sei so wie er in den Medien und von der politischen Konkurrenz dargestellt wird. Damit wäre er inakzeptabel und die Partei, die ihn in ihren Reihen duldete und/oder ihn als "Seele der Partei" bezeichnet, unwählbar. Damit wird man sich befassen müssen, stimmt diese Zuschreibung oder stimmt sie nicht.

Und wenn sie stimmt, was hätte das für Auswirkungen auf den Umgang mit den Kollegen von der anderen Seite des Hufeisens? Das ist kein whataboutism, das ist die Frage nach der Legitimation des Kampfes gegen Totalitarismus, den wir doch alle führen, oder? 

Joel Hoffmann hat in einem Beitrag in BaZ-Online folgenden Satz formuliert: "Statt sich nach rechts deutlich abzugrenzen, schwadronieren viele Bürgerliche von Linksextremismus und setzen diesen auf dieselbe Stufe wie Rechtsextremismus. Das ist nicht nur eine billige Ausrede, sondern auch unredlich: Rechtsextremes Gedankengut ist per se ausgrenzend bis eliminatorisch. Linksradikal hingegen ist zuerst einmal die Ablehnung des Kapitalismus. Nicht alle Linksradikalen sind menschenverachtend, Rechtsradikale hingegen immer.". Ich teile diese Auffassung nicht, denn wenn ich mich mit Linksradikalen handgemein mache, dann färben deren Umsturzpläne und Verbrechen auch auf mich ab, da muss ich nicht selbst Mordlust haben und wenn die Relativierung von Gulags nicht "menschenverachtend" ist, dann weiß ich nicht, ganz abgesehen davon, dass Linkesextreme die Hoffmann´sche "Ablehnung des Kapitalismus" durchaus unterschiedlich artikulieren. Stalins Säuberungen, der Holodomor waren im Ergebnis auch Ausdruck der "Ablehnung des Kapitalismus". 

Das führt bei uns beispielsweise zu Janine Wissler, immerhin Fraktionsvorsitzende der Linken in Hessen. Sie ist Mitglied der trotzkistischen Gruppe marx21, die den Parlamentarismus ablehnt und lauernd meint, der Kapitalismus könne nicht durch Parlamentsbeschlüsse überwundern werden. Das interessiert hier niemanden, im Gegenteil, in Thüringen hat sich gestern die CDU zum Steigbügelhalter der Linken gemacht und Bodo Ramelow samt seiner Linken die Unterstützung bei der nächsten Abstimmung im Parlament zugesagt. Wie gehe ich damit um?

Es ist richtig, den Background von Björn Höcke auszuleuchten, man darf aber bei der Ausleuchtung des Totalitarismus nicht auf halbem Wege stehenbleiben.

22.2.2020

 

 

Jetzt ist es soweit. Höckes "Flügel" wird überwacht. Zu recht wie man hier liest. Höcke und sein "Flügel" sind verfassungsfeindlich.

Das Problem bei Höcke und Seinesgleichen ist nicht, dass das Dritte Reicht wiederkommt, das Problem ist, dass er den kulturellen und gesellschaftlichen Grundkonsens der bundesrepublikanischen Gesellschaft in Sachen Nationalsozialismus - einen Grundpfeiler des Gemeinwesens Bundesrepublik - in Frage zu stellen scheint und das ist inakzeptabel.

Bayern-Söder meint aktuell, Höcke werde die AfD übernehmen. Wenn das geschieht war es das mit der Partei, die Fahrt muss unbedingt in die entgegengesetzte Richtung gehen.

14.3.2020

 

 

Der Mann ist tatsächlich ein Brechmittel und Spaltpilz. Aktuell hat er auf einer umjubelten Veranstaltung erklärt, er wolle (innerparteiliche) Gegner aus dem liberalkonservativen Lager  "ausschwitzen", ein besonders gelungenes Wortspiel. Des Weiteren hat der Saubermann unter Umständen klebrige Finger. Die AfD, für die aktuell auch kein einigermaßen vorzeigbarer Kandidat antreten will/wird, ist am Scheideweg und wenn es so weitergeht auf dem Weg in die berechtigte Bedeutungslosigkeit.

20.3.2020

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