Hauke Friederichs – Funkenflug

 

Ich fand schon Florian Illies „1913“ und Bill Brysons "1927" schön und die Idee, eine Zeit wie ein Diorama auferstehen zu lassen, fasziniert mich.

Friederichs ist Journalist und widmet sich in seinem Buch dem letzten Monat vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges am 1.9.1939. Tag für Tag werden die Ereignisse in jenem meteorologisch schönen, aber auch ereignisreichen August erzählt und die Begrenzung auf einen Monat gibt die Gelegenheit, auch mir bisher unbekannte Dinge zu erwähnen, die Werke über den zweiten Weltkrieg schon aus Platzgründen übergehen müssen oder nur kurz streifen können.

Man erfährt auch interessante persönliche Hintergründe zu Personen wie Ernst von Weizsäcker, Sophie Scholl und Reinhard Heydrich oder etwas über die Quellen, aus denen Propaganda-Monster wie Josef Goebbels schöpften. Von Albert Einstein erfährt man, dass er nicht nur nicht schwimmen konnte, sondern auch ein eher miserabler Segler war, vor allem aber Stalins Säuberungen einschließlich der Schauprozesse verteidigte und damit den erneuten Beweis erbrachte, dass Genies in ihrer eigenen Welt leben und nur eingeschränkt als Weltgewissen taugen.

Hitler, Churchill, Chamberlain, Roosevelt und Stalin, also die big player jener Tage, spielen die hauptsächliche Rolle, aber auch die Erlebnisse der Eheleute Mann und ihrer Kinder Klaus, Erika und Golo werden erwähnt. Es tauchen John F. Kennedy, Unity Mitford, William Shirer, Guy Burgess, die bereits erwähnten Ernst von Weizsäcker, Reinhard Heydrich und Sophie Scholl sowie Hermann Göring und Carl Jakob Burckhardt auf.

Hauptthema natürlich der sich anbahnende Polenfeldzug und die vorausgehenden Provokationen des Nazi-Regimes einschließlich des Überfalls auf Gleiwitz. Sehr intensiv aufgearbeitet werden der Ribbentrop-Molotow-Vertrag zwischen zwei natürlichen Todfeinden, die Indoktrination der allerdings alles andere als kriegswilligen deutschen Bevölkerung durch Goebbels Propagandamaschine und die dann vergeblichen diplomatischen Bemühungen vor allem über den schwedischen Industriellen Birger Dahlerus, den Krieg doch noch zu verhindern.  

Die Sprache ist exakt, sachlich, sehr informativ und unterhaltsam, Olaf Pessler liest auch sehr gut. Ein wirklich gelungenes Werk mit einem ungewöhnlichen, aber geglückten Ansatz. Empfehlung.

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