Die Heilung der Welt

 

Ronald D. Gerste - Die Heilung der Welt

 

Gerste ist Arzt und Historiker aus Magdeburg. Da ich ohnehin gute medizinhistorische Literatur liebe, kam mir das Buch gerade recht und ich habe die Investition keinesfalls bereut, im Gegenteil.

John Snow, Joseph Lister, mein persönlicher Held Ignaz Semmelweis, Henri Dunant, John Collins Warren, Florence Nightingale, Robert Koch, Louis Pasteur, Wilhelm Röntgen, Emil von Behring, Paul Ehrlich, Sigmund Freud, William Halsted und viele mehr werden in ihre Zeit eingebettet vorgestellt, man erfährt auch einiges über die sie begleitenden kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Umstände, was das Buch sehr lebendig macht, auch wenn es nicht sehr in die Tiefe geht. Eingestreut werden kurze Berichte über persönliche Schicksale wie das von Joseph Merrick und Adele Bloch-Bauer, eine gute Idee.

Der Titel des Buchs ist ergänzt um die Formulierung "Das Goldene Zeitalter der Medizin 1840 - 1914" und in der Tat muss man zur Kenntnis nehmen, dass in diesem Zeitraum Fortschritte erzielt wurden, die nur verblüffend sind und praktisch alles bisher als unabänderlich Hingenommene, vor allem extreme Schmerzen bei Operationen, Sepsis und vieles mehr, über den Haufen warfen. Deutlich wird auch, wie jung letztlich die Entdeckungen sind, die einen Krankenhausaufenthalt nicht mehr zum tödlichen Risiko, sondern zur Routine werden ließen, und wie lange Menschen sterben und leiden mussten, ehe die Medizin greifbare und nachhaltige Fortschritte machte. 

Ich hänge Ciceros Spruch an, man bleibe immer ein Kind, wenn man nicht wisse, was sich vor seiner eigenen Geburt abgespielt habe und daher sollte einem gewissen Teil der Bevölkerung, der beispielsweise Impfungen kategorisch ablehnt, Werke wie das von Gerste zur Pflichtlektüre gemacht werden. 

Gerd Heidenreich liest wie immer gut, so dass das Buch für den Interessierten eine echte Kaufempfehlung ist. 

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