Die AfD war für mich ehedem die Hoffnung auf eine bürgerlich-konservative Opposition, die das zutiefst bigotte, kalte und autokratische Merkel-Regime aufmischen und wenn möglich beenden kann und sei es nur als Schuhlöffel in Form der Unterstützung eines konservativen Nachwuchspolitikers aus der CDU.

Der Umgang mit der WerteUnion durch die Union selbst, exekutiert etwa durch einen schwabbeligen europaparlamentarischen Ein-Mann-Sektempfang mit Häppchen namens Brok, und der Umstand, dass in Sachen hoffnungsvoller Nachwuchs in der Merkel-CDU nichts anderes als Friedhofsruhe und Arschkriecherei herrscht, hat diese Hoffnung zerstört.

Friedrich Merz ist der Christian Lindner der CDU, ich traue ihm niemals das zu, was beispielsweise Gerhard Schröder auf Grund seiner besseren Einsicht mit der SPD und Helmut Kohl bzw. vor ihm schon Helmut Schmidt mit der Gesellschaft angestellt haben – auf die Richtigkeit und Überlegenheit ihrer Argumente zu hoffen (sie hatten nämlich anders als Merkel heute welche) und daran festzuhalten. Merz hat immer wenn es wirklich ernst wurde das Hasenpanier ergriffen, er ist für mich ein Maulheld. Und Lindner hat alles was an Hoffnung keimte spätestens mit seinem erzpeinlichen Kotau im Bundestag zunichte gemacht. Es ist wie mit Guido "ein einfacheres, gerechteres und niedrigeres Steuersystem-haha" Westerwelle. Wenn es darauf ankommt, liefern sie nicht. Jedenfalls nicht an den Bürger. 

Die SPD wiederum, sowieso schon fast auf dem Abstellgleis, behandelt über ihren durchgeknallten und völlig verantwortungslosen Generalsekretär namens Klingbeil im Geiste eines Raed Saleh schon die FDP als "nicht mehr zur Mitte" gehörend, also in die Nähe des politischen Extremismus´ rückt. Klingbeil ist zu verbohrt und geistig zu überfordert um zu erkennnen, dass er für den vermeintlichen kurzfristigen politischen Vorteil die Spaltung der Gesellschaft im Namen des Kampfes gegen die Spaltung der Gesellschaft weiter vorantreibt. 

Ausschlaggebend für meine Kehrtwende in Sachen AfD war nicht „Hanau“, aber es war das Tüpfelchen auf dem I. Die AfD hatte keinerlei Konzept für die Situation und die zu erwartenden sattsam bekannten Ritualreaktionen speziell der politischen Konkurrenz und des schaurigen Großteils unserer Medien, obwohl nach „Halle“ immer mit einem Anschlag zu rechnen war, den man ihr in die Schuhe schieben würde, so falsch das auch wäre. Die Reaktionen waren hilflos bis peinlich und ich habe zuvor schon länger den Willen und die Absicht vermisst, mit dem unzweifelhaft vorhandenen Rechtsaußen-Gesocks tatsächlich aufzuräumen. Es war dann ein "Missverständnis", ein "Malbuch" zuviel und natürlich hat die AfD schon über die Wortwahl an der Spaltung der Gesellschaft mitgewirkt und Taten selbst instrumentalisiert.

 Es wirkte schließlich alles zu halbherzig nach dem Motto, aus der Kloake gibt´s aber halt auch Stimmen.

In diesem Augenblick kann ich auch nicht nur auf die Aasgeier aus der Ex-SED zeigen, das ist schlicht zu wenig.

Die haben schon wegen der Vorfeld-Organisation Antifa und dem zunehmenden Einfluss der Stalinisten deutlich größeres Gefährdungspotential als die AfD, aber das ist letztlich kein wirkliches Argument der AfD weiter die Stange zu halten und zu hoffen, dass sie die bürgerlich-konservative Kraft wird, die dieses Land angesichts der stetig nach links und in den Niedergang kreiselnden ehemaligen Volksparteien dringend nötig hätte.

Es fehlt der AfD auch eindeutig an der intellektuellen Brillanz. Die AfD hat zu oft bewiesen, dass sie es nicht kann. Die Malbuchaktion in NRW - eine Aktion von vielen mit einem derartigen Gehalt - war dann zu viel des Spießig-Dümmlichen, jedenfalls für einen bürgerlichen Wähler.

Nein, ich bin erst mal durch mit der AfD, sie ist keine wirkliche Alternative geworden und das bedauert niemand mehr als ich. Der Kurs des Vagen, Raunenden und Wabernden, der ständigen Missverständnisse muss scheitern, nur die klare und glaubwürdige Abgrenzung nach rechtsaußen kann die Partei retten. Das müssen die aber mit sich ausmachen.

Das ändert nicht das Geringste daran, dass der Umgang mit ihr ein Skandal und die größte Vernichtungsaktion gegen einen demokratisch gewählten politischen Gegner ist, den dieses Land jemals gesehen hat.

Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung, jedenfalls der Großteil der Blöker "vier Beine gut, zwei Beine schlecht, mäh" hat sich als unfähig erwiesen, das Wesen der Freiheit und die Reichweite des bekannten Voltaire´schen Wortes zu erfassen. Aussitzen, weghören, wegsehen, mitmarschieren ist eine urdeutsche Tugend. Ich bin da fast soweit wie Anabel Schunke "Ich habe dieses Land satt".

Der Umgang mit der AfD ist aber auch symptomatisch für die Ära Merkel, für ihre Person und für die völlig außer Rand und Band geratenen Medien dieses Landes, denen ich wünsche, sie erleiden weiter die verdienten Einbrüche bei den Auflagen und das Schicksal der BBC wie es sich abzeichnet. Eine Grundversorgung mit Nachrichten, der Rest ist Abo und dann kann sich jeder keinen Millimeter nach rechts preisgebende Bessermensch gegen Bezahlung die Restle & Friends reinziehen wenn er möchte, ich bin dann endlich raus.

Bedeutet dreierlei:

- ich bin ab sofort politisch heimatlos und weiß nicht, was ich wählen soll,

- ich mache die Höcke-Seite aus persönlichem und nachlaufendem Interesse fertig,

- was ich ab hier schreibe, wird geschrieben aus der Position kritischer Distanz, weil die AfD ab sofort für mich eine Partei ist wie jede andere, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

22.2.2020

 

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