CSS

 

 

Gabor Steingart heute im Morningbriefing:

HeidelbergCement, seit vergangenem Jahr bekannt als HeidelbergMaterials, gilt als das schmutzigste Unternehmen im Dax. Denn der Zementhersteller verursacht einen jährlichen CO2-Ausstoß von rund 75 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Schadstoffe, die alle Autos auf Deutschlands Straßen im Jahr absondern.

Bis 2050 will der Baustoffkonzern – weltweit die Nummer 1 bei Zuschlagstoffen und Transportbeton sowie Nummer 2 bei Zement – klimaneutral werden. Eine neue Technologie soll dabei das ausgestoßene CO2 einfangen und unter der Erde versiegeln. Carbon Capture and Storage, kurz CSS, nennt sich das Verfahren, welches auch Wirtschaftsminister Robert Habeck bereits in einem norwegischen Zementwerk besichtigt und für gut befunden hat: "Ich will das CO2 lieber im Boden als in der Atmosphäre haben."

Wie die Klimaneutralität bei HeidelbergMaterials Einzug finden soll, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Dominik von Achten, im Pioneer Podcast. Im Gespräch mit Pioneer-Chefredakteur Michael Bröcker liefert er Einblicke in den CO2-Ausstoß bei HeidelbergMaterials: "Ein Drittel der Emissionen kommt aus dem Energieverbrauch. Zwei Drittel sind im Grunde eine prozessbedingte Emission, die wir nicht vermeiden können. Wenn Kalkstein gebrannt wird, dann machen wir aus CaCO3 CaCO und eben CO2. Diese chemische Formel ist seit Jahrhunderten gültig."

Die energiebedingten Emissionen könnten mit dem Verzicht auf fossile Energieträger vermieden werden. Schadstoffe aus den chemischen Prozessen müssten jedoch eingefangen und im Boden verstaut werden.

Die CCS-Technik ist in Deutschland unter Umweltschützern umstritten. Das läge an mangelnder Aufklärung, findet Dominik von Achten: "Die Norweger haben die Akzeptanz in der Gesellschaft dadurch bekommen, dass sie sehr offen und transparent mit der Verhaltensweise des CO2 unter der Erde umgegangen sind. Das Thema ist klar beherrschbar."

Ob es nicht besser wäre, sich nach ganz neuen, CO2-freien Baustoffen umzusehen, will Bröcker von dem Zement-CEO noch wissen: "Beton ist nach Wasser der zweit-meistgenutzte Stoff weltweit. Es werden jährlich 4,5 Milliarden Tonnen Zement produziert. Ja, es wird auch andere Baustoffe geben, aber wir haben natürlich eine riesige installierte Basis weltweit, wo wir schlecht beraten wären, die einfach über Bord zu werfen, wenn es technisch möglich ist, das CO2 zu vermeiden."

Fazit: Man muss diesem Manager und seinem Denkansatz nicht zustimmen. Aber man sollte ihm zuhören.

17.1.2023

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