American Sniper

 

Chris Kyle, Jim DeFelice und Scott A. McEwen - American Sniper 

 

Das Buch handelt in Ich-Erzähler-Form vom Leben des amerikanischen Snipers Chris Kyle, der im Februar 2013 von einem traumatisierten Soldaten erschossen wurde, dem Kyle helfen wollte. Bradley Cooper als Kyle und Clint Eastwood als Regisseur setzten Kyle mit dem gleichnamigen Film ein Denkmal. Mich hat die Anteilnahme berührt, die die texanische Bevölkerung bei der Überführung an den Tag gelegt haben muss, als Kyles Leichnam nach Austin überführt wurde. Eastwood zeigt das mit Original-Filmschnipseln aus 2013 am Ende seines Films. 

Der Film, aber mehr noch das Buch machen klar, dass wir es mit einer Welt zu tun haben, die dem normalen Europäer mehr oder minder sehr fremd ist, was auch daran liegt, dass der normale Europäer seit Jahrzehnten gewohnt ist, in Konflikten bis zum letzten Amerikaner zu kämpfen. 

Kyle war wohl phänotypisch für eine große Zahl amerikanischer Männer, die sich entschlossen haben, ihrem Land im Militär zu dienen. Gott, Vaterland, Familie, das sind die Leitplanken auch für einen wie Kyle, den zudem ein übergroßer Beschützerinstinkt antrieb. 

Mit seinem Beitritt bei den Seals hatte er offenkundig seine Bestimmung gefunden und entwickelte sich im Irakkrieg zum tödlichsten Scharfschützen der amerikanischen Militärhistorie. Trotz seiner Erfolge trieb ihn aber immer wieder um, dass er vielen vom Feind erschossenen Kameraden nicht hatte helfen können. 

Das wesentlich von Kyle selbst gestaltete Buch zeichnet sich durch einen extrem nüchternen Stil mit kurzen Sätzen und Kapiteln aus. Kyle ist völlig schonungslos, sowohl was seine Sniper-Killorgien angeht, seine Prügeleien und auch die Probleme, die seine insgesamt vier Dienstzeiten im Irak für die Familie bedeuteten. Es wird nicht beschönigt, (vermutlich) nichts verschwiegen, eine große Stärke des Buchs, das nicht als Heldenepos daherkommen möchte, sondern die Geschichte eines nicht un-, aber außergewöhnlichen Amerikaners erzählt. 

Schau ich mich in unserem Land um, dann gibt es bestimmt genügend Leute, die Kyle für einen Psychopathen halten würden. Bock auf Krieg, aufs Töten, Gegner sind ausschließlich Wilde oder schlicht Aufständische, da rollen sich dem Bionaden-Deutschen die Fußnägel hoch. Kyle hat das erkannt und erklärt das damit, dass diese ungeschminkte Kaltschnäuzigkeit, ja Rohheit erforderlich ist, um mit dem fertig zu werden, was man vor Ort sieht und tut. Kyle funktionierte. Man sagte ihm, was zu tun ist und er handelte, hinterfragt wurde nichts, man war vor Ort, um sein Land zu verteidigen, aber mehr noch die Brüder, die das eigene Los teilen mussten. 

Ich habe diesen Opferkult am Rande mitbekommen und war beeindruckt. Das Raumfahrtprogramm der USA, wie es einem in Cape Canaveral vorgestellt wird, kalkulierte Opfer mit ein und jeder an den Projekten Beteiligte wusste und akzeptierte das. Der Irak war nicht der Mond, die Philosophie der Beteiligten wie Kyle war aber identisch. Das muss gemacht werden, koste es was es wolle, Punkt. Man muss das nicht gut finden, aber ich kann das verstehen.

Das massenhafte Töten blieb auch nicht ohne Folgen für Kyle, der unter psychosomatischen Beschwerden litt, wobei "litt" ein viel zu starkes Wort bei diesem Baum von einem Kerl ist. Im Buch setzt er sich aber gleichwohl ebenso schonungslos damit auseinander, was der Krieg und das Töten für ihn und seine Familie bedeutete, die mehrfach kurz davor war auseinanderzubrechen.

Ich bin gespalten, auch weil ich die fast grenzenlosen Rohheiten gegenüber den Frischlingen der Seals nicht verstehe, aber vermutlich ist auch das Tradition. Ich kann wie gesagt verstehen, dass und wie Typen wie Kyle ticken und was sie so wertvoll macht, für mich wäre das aber nichts und ich bezweifle, dass das beim KSK so zugeht.

Kyle wurde dann während der Dreharbeiten zum Film erschossen und im Buch kommt dann noch seine Witwe Taya - natürlich per Übersetzerin - zu Wort, aber auch der Drehbuchautor, der sich intensiv mit Kyle, seinem Charakter, seiner Familie und seinem Leben auseinandergesetzt hatte, als einziger vom Filmteam bei der an sich privaten Trauerfeier dabei war und der Meinung ist, Bradley Cooper bringe Kyle sehr gut rüber. 

Roman Roth liest passabel, allerdings verstärkt seine Vortragsweise das Roboterhafte der Sätze.

Insgesamt keine echte Empfehlung.           

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