Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Das mag sich der  Noch-NRW-Innenminister Wolf (FDP) gedacht haben, als er seinen Polizeibeamten verboten hat, Deutschland-Embleme während der WM zu tragen. Das könnte Fans anderer Nationen provozieren.

"Fans anderer Nationen", die die WM sehen wollen und deshalb nach Deutschland reisen, sind entweder irgendwo entsprungen oder mit Alitalia geflogen, bei denen ist eine Verspätung von vier Jahren nicht ungewöhnlich.

Aber mal ehrlich. Wenn das Verbot schon im Zusammenhang mit Fußballfans gesehen wird, dann kann man voraussetzen, dass die Zielgruppe - die angeblich provozierten "Fans anderer Nationen" - schon länger hier lebt, ferner vom Stattfinden einer FUSSBALL-WM irgendwo auf der Welt Kenntnis hat und auch davon, dass die deutsche Nationalelf daran teilnimmt.

Hinzu kommt, dass etwa jedes zehnte Privatfahrzeug derzeit mit einer oder mehreren Fähnchen an den Seitenscheiben herumfährt. Unterstelle ich, dass auch Fußballfans nötigenfalls in Gruppenleistung eins und eins zusammenzählen und bei Bedarf vorgeblich provozierende Amtsträger in grün (oder blau) auch fragen können, dann erscheint mit der Ukas des Innenfuzzis als mächtiger Rückfall in längst untergegangen geglaubte Zeiten und als ebenso mächtiger Hofknicks vor der Pest unserer Zeit - der political correctness.

12.6.2010

 

Ich habe mir gedacht, was soll das Gewese um diese Vuvuzelas, es ist doch schön, wenn man mal folkloristische Elemente im Stadion nicht nur sieht, sondern auch hört, das mutet doch besser an als Fangesänge, in denen es nur um die Vornahme überwiegend verbotener oder geächteter sexueller Handlungen an gegnerischen Spielern oder den Unparteiischen geht. Und auf das Gepfeife, wenn die deutsche Nationalhymne gespielt wird, kann ich eigentlich auch verzichten.

Dachte ich.

Jetzt habe ich fünf Spiele à 90 Minuten erlebt und ich wünsche mir ohrenbetäubendes Gepfeife bei der deutschen Nationalhymne (zur Not würde ich auch selbst pfeifen) und rassistische und nationalistische Fangesänge zurück. Das ist ja in der Tat nicht zum Aushalten mit dem Getröte.

Ein Spiel lebt ja auch von der Soundkulisse, dem kollektiven Schreien oder Stöhnen, wenn die eigenen Jungs getroffen oder mal wieder eine Hundertprozentige vergeigt haben. Auch das Pfeifen, wenn La Ola an der Haupttribüne aufläuft und verebbt, gehört dazu. Mit den Tröten hört man nichts außer dem Schlussrambo aus dem fünftklassigen Thriller "Der tödliche Schwarm". Schade.

 13.6.2010

 

Rote Karte für die Glatze. Nein, Barthez wurde nicht eingewechselt. Das ist vielmehr ein Slogan für ein Produkt aus dem Hause Alpecin. Natürlich ist nicht weiter verwunderlich, dass ausgerechnet mir diese Werbekiste auffällt, ich find´s aber letztlich schon unheimlich peinlich, wie die Alpecinisten geschmacksmäßig den WM-Zug verpassen. Ist auch unlogisch - wenn "Rote Karte für die Glatze", dann befand sie sich ja schon auf dem Spielfeld, ich dachte, wir wollten sie erst gar nicht drauflassen. Aber wahrscheinlich hab ich die Message nicht richtig gecheckt. Vielleicht erklärt mir einer mal diesen Müll.

14.6.2010




Hey, es hat länger gedauert als erwartet – der Firlefranz ist zurück. Das was England gegen die USA geboten habe, sei nichts, was mit Fußball zu tun habe, moserte der Kaiser.

Man möchte mit Woody Allen fragen, ob er aus dem Glas getrunken hat, das immer der Dorftrottel benutzt. Die Engländer warten unter Umständen im Achtelfinale und sind sicher dankbar für solche Schützenhilfe beim Aufheizen. Glücklicherweise kann man sich insoweit auch auf Rooneys Wayne verlassen, der gerne Deutschland im Achtelfinale vernichten möchte.

17.6.2010

 

Yoann Gourcuff ist bretonischer Mittelfeldspieler der Bleus und bei den übrigen blauen Jungs unbeliebt wie man hört. Grund: Gourcuff liest gern mal ein Buch. Also Anlass genug für die weniger bemittelten Mannschaftskollegen mit den dicken Schenkeln und den dicken Daumen (Stichwort Playstation) den Literaturliebhaber zu mobben.

17.6.2010

 

Im Radio wird nach einem neuen Namen für Jogis Jungs gesucht. "Schlandjäger" ist derzeit der Favorit. Ich hoffe nicht, dass das ab übermorgen zu "Negerküsse" wechselt.

21.06.2010

 

Schlechtes Omen? Fandalen mutmasslich eines anderen Stammes haben die Fahne (oder um es mit Marina zu sagen: Das Feehnchen) an der Scheibe meines Wagens massakriert, als ich gerade in der Kneipe über Gott und die Welt schwadronierte. Liebe Menschen beschafften Ersatz für mich, der heute bei 80 km/h den Abgang machte und hoffentlich niemanden harpunierte. Was heißt das jetzt fürs Ghana-Spiel?

21.6.2010



Jaaaaa!!! Leute, ES KANN NICHTS MEHR PASSIEREN, Viertelfinale here we come. Und das vier Stunden und 50 Minuten vor dem Achtelfinale gegen England?

Yes sir, denn die Ticker haben es gebracht: Paul hat auf einen deutschen Sieg gegen England getippt, hoooraaay!!

Wir erinnern uns - Paul sieht in etwa aus wie Wayne Rooney mit Rastalocken. Es handelt sich dabei um einen Tintenfisch aus dem Sea Life Aquarium in Oberhausen, dem man in zwei verschiedenen und mit den jeweiligen Landesflaggen der Kontrahenten verzierten Behältnissen Futter vorsetzte. Getippt war dann auf den Sieg der Mannschaft, aus deren Behältnis Paul futterte.

Paul tippte die Vorrunde der deutschen Mannschaft mit traumwandlerischer Sicherheit richtig und jetzt eben.... Ich melde mich. Später.

27.6.2010

 


Die WM hat endlich ihren handfesten Skandal! TV Globo hat in einem spektakulären Scoop enthüllt, dass Jogi Löw während der Spiele seiner Himmelsstürmer in der Nase popelt und die Fundsachen dann vertilgt.

Hökschde Konzentration eben. Und ob man besser fährt mit einem Trainer à la Maradona, der während des Spiels so wirkt wie ein Neandertaler, der zum ersten Mal ein Kettenkarrussel sieht, muss sich noch erweisen.

30.6.2010

 


"...oder diesen, wie heißt er noch mal..." Müller, Herr do Nascimendo, Thomas Müller. Unsere Elf erfuhr (fast) höchste Weihen.

Pelé hat sich zu Wort gemeldet und den deutschen Offensivfußball bei der aktuellen WM über den grünen Klee gelobt. Özil oder dieser, wie heißt er noch mal, seien Spieler für tollen Offensivfußball. Allerdings sei das Team noch etwas zu unerfahren für den Titel  und damit kein wirklicher Gegner für seine Brasilianer, deren Konterspielweise er aber ablehnt.

Nun gut, wir denken von Spiel zu Spiel und im Augenblick haben wir Maradonas Argentinier vor der Brust und wenn es übrigens nach Paul geht, werden diese Jungs nach dem Spiel am Samstag direkt und tellerfertig an Maredo geliefert werden.

Jawohl - mein Freund Paul hat wieder auf Deutschland getippt, auch wenn er sich über eine bange Stunde Zeit ließ, um die Muschel aus dem richtigen Behältnis zu angeln. Vielleicht müssen wir ja auch in die Verlängerung wie Christian Wulff.

Und wenns nix wird, dann holen wir uns bei Aldi eben tiefgefrorene Tintenfischringe oder wir schalten die Glotze ab, wenn Bundespräsident Gauck seine Antrittsrede hält. Rache muss (dann) sein.

30.6.2010



Jo(han) is´ denn scho Wäihnachten? Der holländische Firlefranz Johan Cruyff verteilt Motivationspräsente an die Brasilianer, Gegner der Niederländer im Viertelfinale morgen. "Ich würde niemals ein Ticket bezahlen, um ein Spiel dieser brasilianischen Mannschaft zu sehen. Sie haben talentierte Spieler, aber sie spielen auf eine Weise, die sehr defensiv und uninteressant ist. Es ist eine Schande!". Mit Ausrufezeichen! Unforced error. Game, set and match Brasil?

1.7.2010

 


OH NEEEIN! Paul hat auf Spanien morgen abend getippt. Aber - noch ist nichts verloren. Wie gut unterrichtete Kreise (= die BILD-Zeitung) verlauten lassen, hatte Octopussy bereits 2008 auf einen Finalsieg der Deutschen gegen Spanien getippt und wie das ausging weiß man ja.

Mit ein bisschen Gespür für Analogien und ähnlichen Quatsch kann man die Prognose also in seinem Sinne auslegen. Nur - mir geht´s bauchtechnisch so ähnlich wie Paulchen - vorgestern hatte ich maritime Krabbelviecher im "Engel" In Oberschopfheim, was ich auch schon mal besser vertragen habe, und ehrlich gesagt habe ich für morgen einfach ein Sch... Gefühl.

6.7.2010

 


Nicht nur die Kopffüssler haben offensichtlich die Peilung verloren, auch die Kickfüssler scheinen sich zu ver(w)irren. Anders ist es nicht zu verstehen, dass Philip Lahm vor dem entscheidenden Halbfinale und völlig unforced eine Diskussion darüber beginnt, wer NACH der WM die schöne schwarz-rot-goldene-Blindenbinde am Arm aufs Feld tragen darf.

Selbst wenn ich mal unterstelle, dass sich Michael Ballack mehr als einmal als Herrscher aller Reußen geriert hat, zu einem dämlicheren Zeitpunkt hätte diese Diskussion nicht kommen können.

6.7.2010 

 


David Spiegelhalter ist depressiv. Herr Spiegelhalter ist einer der bekanntesten Statistiker Großbritanniens und nutzt seine Profession  unter anderem dazu, britische Kiddies vor den Gefahren des Glückspiels zu warnen. Ob mit Erfolg oder nicht, weiß ich nicht; ich weiß aber, dass Herr Spiegelhalter jetzt depressiv ist. Wegen Paulchen.

Die reihenweise richtigen Voraussagen sind nichts, was der gelehrte Statistiker künftig seinen spielsüchtigen Teens verkaufen könnte, also hat er via "Times" seinem Ärger über den Nostrakrakus aus Oberhausen  Luft gemacht und einen Fluch über den Ärmelkanal geschickt, übrigens just über den Ärmelkanal, aus dem man Paul angeblich gefischt hat, was by the way auch der Grund ist, warum manche Engländer  in ihrem grenzenlosen (aber verständlichen) Schmerz von "Verräter" sprechen.

12.7.2010

 


Es ist der Montag nach dem Finale.  Es ist der Montag nach dem Finale. Es ist der Montag nach dem Finale. Montag nach dem Finale. Das bedeutet dann wohl, dass in Südafrika endgültig niemand mehr Fussball spielt und Steffen Simon dazu verbale Diarrhöe serviert, jedenfalls nicht bei der  "FIFA WM 2010 in Südafrika", die ich mir auf ARD und ZDF, in schmerzvollen Ausnahmefällen auch auf RTL anschauen konnte.

Nichts. Kein Fussball mehr. Es ist der Montag nach dem Finale. Leere. Wann fängt noch mal die Bundesliga an?

12.7.2010



 Offen gestanden sehe ich keinen Unterschied zwischen vielfach angefeindeten Politikern und der aktuellen deutschen Nationalmannschaft. Beide bemühen in Sonntagsreden immer die Leistungen und die Schaffenskraft des Böörgers draußen im Looonde, nur wenn´s drauf ankommt, sind sie schneller weg als eine Kakerlake wenn das Licht angeht.

So geschehen bei der Rückkehr des WM-Teams. In der Halle warteten Hunderte begeisterte Fans, um ihre Idole zu begrüßen und zu beglückwünschen. Die hatten aber nichts Besseres zu tun, als sich aus dem Hinterausgang zu stehlen und in verdunkelten Bussen ohne Gruß und Kuss davon zu rauschen.

Ärmlich - und ich habe noch die Erklärungen von Lahm, Schweinsteiger & Co. im Ohr, wie froh und stolz die Mannschaft sei ob der Begeisterung auf den Fanmeilen und überall im Land. Natürlich sind die Jungs fertig, aber die halbe Stunde hätten sie auch noch gehabt. Für mich bleibt ein schaler Geschmack.

13.7.2010

 

Und (fast) zum Schluss noch mal ein fachkundiger Kommentar von einem, der es genau wissen muss(te) - Felix Magath, Shootingstar der letzten zwei Jahre, kurz vor der WM: "Für den Gewinn des Titels fehlt der deutschen Mannschaft die nötige Reife. Weltmeister werden die Engländer".

13.7.2010

 


"Wir liquidieren den Nazikraken" - mit diesen Worten steckte ein argentinischer TV-Moderator einen völlig arglosen Kollegen unseres Okrakels in den Mixer. Was für eine Verschwendung.

Der Krake hat(te) neun Gehirne und damit ganz offensichtlich mehr zu bieten als die gesamte Mannschaft des TV-Senders, bei dem es derartiger Schund ohne Probleme auf die Mattscheibe schafft. Denn wie lange müssen die gebraucht haben, um diesen wunderbaren, genialen und preisverdächtigen Coup auszuhecken; meines Wissens sind die kickenden Pampasstiere nämlich schon so lange wieder daheim, dass sie bereits nicht  mehr wissen, wo Südafrika  eigentlich liegt.

Und ist das gesammelte Werk argentinischen Humors am Ende deutlich dünner als das deutsche?

Wieviel angenehmer doch die Idylle im spanischen  Carballino. Dort hat man Paulchen nun zum Ehrenbürger ernannt. Olé!

14.7.2010

 

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