Wie ich heute mal bei der Terrorabwehr versagt habe


Nächstes Jahr geht´s seit langem mal wieder nach Übersee und dafür braucht man einen Reisepass. Ein Bild war vorhanden und zwar das Bild, auf dem der Mann mit Mond aus meinem Perso lächelt. 


Den letzten Reisepass habe ich verlegt, er war auch abgelaufen. Das führte beim Passamt zunächst einmal zu seelischer Schieflage, einem ehrfurchtsgebietenden Stirnrunzeln, einem Kontrollanruf bei der ursprünglich ausstellenden Behörde und einer Verlustanzeige, die den Hinweis auf einen „Anhalt für Missbrauch“ enthielt.


Der Ablauf beim „Neuen“ ist dann so, dass ein DIN A 4-Blatt ausgefüllt und mit dem Lichtbild versehen wird. 

Das Ganze wird gescannt und wenn die Visage vom System akzeptiert wird, gibt man noch zwei Fingerabdrücke ab, sicher ist sicher.


Nach dem Scannen meines Lichtbildes streikte das System. 
Grund war wohl, dass ich mir erlaubt hatte, den Hauch eines Lächelns auf mein Antlitz zu zaubern. 

Terrorabwehr ist aber eine ernste Sache und wo kämen wir hin, wenn jeder Hesselbach-Redneck das mit einem dämlichen Grinsen unterliefe. 


Ich schätze, es geht aber auch nur einfach darum, die Mimik dem strengen Verdacht anzupassen, unter dem man generell auch als Normalbürger steht, der aktuell nicht notwendig mit einem Drohnenangriff zu rechnen hat. Von daher ebenso nachvollziehbar wie der „Anhalt auf Missbrauch“ im Verlustfall.


Kurz, ich wurde verbeschieden, dass mir die Einreise verweigert werden könnte und da ich nicht zwei Wochen wie Viktor Navorski aka Tom Hanks im Warteraum des örtlichen Flughafens verbringen wollte, schickte ich mich drein und begab mich umgehend zum Fotografen Harder in der Oberkircher Hauptstraße, um neue Bilder anfertigen zu lassen.


Die Aufforderung des Fotografen, eine etwas nettere Miene aufzusetzen, wies ich barsch zurück, hier gehe es um Terrorabwehr, da sei jede Fröhlichkeit völlig fehl am Platze.


Man kann sich ja anstrengen wie man will, dem Gesicht auf dem Foto – jedenfalls meinem - ist die Vorgeschichte deutlich anzusehen. 

Was der Fotograf da aus dem Drucker fischte, hätte auf jeden Fall für eine 1b-Rolle in „Hooligans 3“ gereicht und wäre auch im strunzdummen besoffenen Mob von Heidenau nicht weiter aufgefallen. 


Ich war allerdings überzeugt, damit jede Einreisebehörde der Welt günstig zu stimmen und hinreichend zum Ausdruck gebracht zu haben, dass auch ich dem internationalen Terrorismus die Stirn zu bieten gewillt bin.


Zurück beim Passbeamten wurde wieder gescannt und wie sich zeigte, hatte sich das System auf mich eingeschossen. 

Links fehlten zwischen meinem Ohr und dem Bildrand 0,01 mm.

Widerstand war zwecklos. 

Auch mein Hinweis darauf, dass es bei mir schon lange Jahre nicht mehr zu einer Saddam-Hussein-Matte reicht und ich auch keine Mullah-Omar-Matratze spazieren tragen würde, fruchteten nicht. Bild also eingepackt und zurück zum Fotografen.


Der bemerkte bad vibes, goutierte meinen Hinweis darauf, dass „diese Arschgeigen in ihrer Terrorhysterie jetzt völlig durchdrehen“ mit einem eher neutralen Grunzen und zentrierte das Ganze. Dann händigte er mir alles wieder aus.


Zurück beim Passbeamten widerstand ich zunächst dem jähen Impuls, ihm das Du anzubieten, da wir ja nun schon einige Zeit miteinander verbracht und gewissermaßen gemeinsam die Sicherheitsschäfchen gehütet hatten. 

Er war aber nach seiner spaßigen Ouvertüre, mich danach aber nicht mehr sehen zu wollen, jetzt aber mindestens genauso gespannt darauf wie ich, welche Eröffnung der Computer in der Passpartie jetzt wählen würde.


Mit der letzten Initiative hatten wir ihn aber schmachmatt gesetzt, er musste widerstrebend einräumen, dass jetzt alle Voraussetzungen erfüllt waren, auch wenn er insgeheim bedauert haben mag, dass eine Ablehnung allein aus Gründen der Physiognomie – noch – nicht möglich war. 


Nach Abnahme der Fingerabdrücke und einem abschließenden high five trollte ich mich. In drei Wochen ist der Neue da. Mal sehen.

August 2015

 

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