Rainer Stadler - Vater Mutter Staat

Stadler schreibt für das SZ-Magazin, schon mal ein Grund für mich, der Sache mit etwas Distanz zu begegnen. Dazu besteht aber kein Anlass. Der Untertitel des Buches lautet "Das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung - wie Politik und Wirtschaft zerstören", harter Tobak also, Systemkritik inklusive.

Ich gehe mit Stadlers Thesen nicht immer konform, Fakt ist aber, dass es eine Koalition gibt, die die Familie bzw. deren Mitglieder auf okönomische Rechengrößen reduziert. Stadler zitiert dabei aus den sechsten bis achten Familienberichten und lässt vor allem Rürup zu Wort kommen. Griffig seine These zur Untermauerung: Man spreche in diesen Kreisen nicht davon, Arbeit als Hindernis für Kinder umzugestalten, sondern begreift umgekehrt Kinder als Hindernis für die Erwerbstätigkeit speziell für Frauen. Die Wortwahl entlarve bereits. Klar winkt hier immer wieder die Kapitalismuskritik, das ist aber nie aufdringlich und vor allem lässt Stadler an den sozialistischen Gegenmodellen auch kein gutes Haar, im Gegenteil.

Speziell bei den Ausführungen zum Stress für Kinder in Kitas - also dem deutlich erhöhten Ausstoß von Cortisol - wird deutlich, dass der Autor Zustände wie in den Horten der DDR auf keinen Fall will. Stadler macht klar, dass sich alle Experten einig sind über das grundsätzliche Bestehen von auf der Hand liegenden Risiken für die Kinder bei einer aushäusigen Betreuung, Streit besteht allenfalls beim Grad dieser Risiken. Stadler hält das für schizophren, wenn man sich überlegt, welcher Affenzirkus angestellt wird, wenn in chinesischem Spielzeug Spuren eines potentiell gefährlichen Stoffs gefunden werden, aber kaum ein Elternteil nüchtern über das Risiko einer Kita-Betreuung reflektiert. 

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