off topic, mag sein, es muss aber trotzdem raus: Die EU-Kommission erhöht mitten in der Monsterkrise die Gehälter der knapp 50.000 EU-Beamten, mit denen sich bei der EU niemand wirklich anlegen will, vor allem nicht die Abgeordneten. Eine "Ausnahmesituation", die eine Aussetzung der Erhöhung rechtfertigen würde, sieht man dort nicht.

Da man aber etwas optische Retusche betreiben musste, kürzte man bei denen, die sich am wenigsten wehren können, dem Büro- und Sekretariatspersonal die Grundgehälter um 18% und erhöhte die wöchentliche Arbeitszeit ohne  Lohnausgleich. Die Großkopfeten blieben also vollkommen ungeschoren.

Es geht aber nicht nur um das Ob, sondern auch um das Wie. Und den status quo.

Das Besoldungssystem der EU umfasst 16 Stufen. Die Stufen 15 und 16 sind den sog. Generaldirektoren vorbehalten, von denen es ca. 50 gibt. Gleichzeitig gibt es aber 508 Personen, die wie Generaldirektoren bezahlt werden. Nein, da fehlt kein Komma.

Warum ich das erwähne? In Zeiten der Krise muss man schauen, wer den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Die EU jedenfalls nicht. Die EU hat erkennbar das durchlaufen, was wohl jeder nicht wirklich kontrollierter Institution passiert - sie entfernt sich von ihrem ursprünglichen Zweck, verfettet, verödet geistig und moralisch und betreibt l´art pour l´art.

Ein Beispiel gefällig: Die Kommission plant, Fahrzeuge künftig jedes Jahr zum TÜV zu schicken. Es spielt keine Rolle, dass technische Defekte bei Verkehrsunfällen praktisch überhaupt keine Rolle spielen. Für den EU-Bürger wird das aber eine weitere völlig sinnlose Gängelei und Geldausgabe bedeuten.

8.1.2012


 

Die Reise nach Eurosalem anno 2012. Wer bleibt´n jetzt für die Zeche ( = rhetorische Frage)?

15.1.2012


Nachtrag 16.1.2012: Was jaulen jetzt alle wieder auf, nachdem S & P u.a. Frankreich das Triple-A entzogen hat. Von den USA angezettelter Währungskrieg wird da gemutmaßt, getreu dem uralten Motto des cleveren Diebes: Haltet den Dieb.

Abgesehen davon, dass ausgerechnet S & P den USA im August 2011 den Triple-A-Status entzogen hatte, waren es doch die heute aufheulenden Politiker, die zum Einen die Kohle verpulvert und zum Anderen den Finanzinstituten insoweit strikte Vorgaben zum Portfolio erteilt haben, als sie sich an den Ratings zu orientieren hatten.

Das was damals richtig war, ist heute Teufelszeug made in USA und überhaupt, was soll denn falsch an der Einschätzung sein, die noch weiter an Fahrt gewinnende französische Talfahrt ist doch seit Monaten zu beobachten?

Unberücksichtigt bleibt auch der Umstand, dass das Ratingwesen nur (auch pekuniär) funktioniert, wenn die Agenturen hinreichend glaubwürdig bleiben und das bleiben sie nur, wenn sie sich nicht allzu offensichtlich vor einen bestimmten Karren spannen lassen.

Und jetzt ... Schlussrambo: Wenn man einen Krieg anzettelt, dann doch wohl mit allen verfügbaren Kräften; warum also bei Zeus´ fettem Arsch behält beispielsweise Frankreich seinen Triple A-Status bei Moody´s?

Nö, hier feiert mal wieder der Sündenbock fröhliche Urständ´. Wie schon so oft gesagt in dieser Krise - köpf´ den Boten, dann bist du das Problem los, auf diesem Niveau läuft die Krisenbewältigung made in Europe. Au weia.

Letztendlich freue ich mich sogar. Der Druck auf die deutsche Regierung wird zunehmen, das 1a-Rating der EFSF bzw. des ESM zu sichern, was bedeutet, dass die Garantien durch die vier verbleibenden Triple- A-Staaten steigen müssen. Ich hoffe, das holt den einen oder anderen eurobesoffenen Parlamentarier aus seinen Blütenträumen, denn wir nähern uns dem Punkt, an dem die deutschen Heizer die Kohle-schaufeln wegschmeißen werden.




Karikatur aus der FTD v. 1.12.20

 


Und noch ´n Gedicht. Beliebt ist ja auch, den deutschen Export zu bremsen, der soll etwas Parasitäres haben und Nachbarländer an die Wand nageln.

Die Lohnstückkosten (Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität) haben zwischen 1999 und 2007 in Deutschland geschwankt, sind aber im Ergebnis 2007 gegenüber 1999 praktisch konstant geblieben. In anderen Ländern war das anders, in Portugal stiegen sie um 10%, in Spanien um 20% und in Griechenland um mehr als 40%.

Allerdings waren die Lohnstückkosten nach der Wiedervereinigung in Deutschland bis 1996 rasant gestiegen, um anschließend abzusacken. Ab 2008 sind sie wieder stark gestiegen, weil man - clever - trotz Nachfrageflaute nicht entließ.

So, und wenn man jetzt sieht, wo wer steht, dann kann man sich das mit der Exportbremse ja noch mal überlegen.

17.1.2012

Nachtrag 24.1.2012: Und immer wenn du denkst es geht nicht schräger, meldet sich jemand von den Vereinten Nationen zu Wort. In diesem Fall die International Labour Organization (ILO), von der ich bis heute noch nie etwas gehört hatte, was aber an mir liegt.

Ein Blick auf die Homepage zeigt, dass dort ernste weltumspannende und auch mich berührende Probleme wie Kinder- und Jugendarbeit, soziale Standards permanent auf der Agenda stehen.

Wie erfolgreich die Arbeit dort ist, weiß ich nicht, ich finde aber angesichts der grassierenden Ausbeutung in Afrika und Asien - die Sklaverei ist mitnichten ausgerottet - sollte man andere Themen haben als die Frage, ob deutsche Löhne schuld sind an der Eurokrise, abgesehen davon, dass man diese Frage sofort mit nein beantworten kann.

Was reitet Leute, die angesichts dramatischer Schieflagen beim Arbeitsschutz und erwähnter sozialer Standards auch nur einen Moment manpower und sonstige Kapazitäten für die Eurokrise abzuziehen, auf der schon Institutionen wie EZB, IWF und was weiß ich noch wer herumkrabbeln?

Sollte hier eine Steilvorlage für interessierte politische Kreise geschaffen werden, um beispielsweise die unbotmäßigen Deutschen (keine Finanzierung mit der Notenpresse) zu sanktionieren?

Nicht undenkbar, wenn man sich vergegenwärtigt, wer sich gelegentlich hinter vorgeblich hehren UN- Einrichtungen wie beispielsweise dem Menschenrechts-Rat alles  versteckt und ungefragt andere Länder der Verletzung von Menschenrechten zeiht, ohne selbst zu wissen, wie man Grundrechte überhaupt schreibt. 

Bis jetzt heißt es noch all quiet on the western front, ich warte, wer wann aus der Deckung kommt.

Nachtrag 30.1.2012: In den Hintergrund gerückt ist der Umstand, dass S&P ja insgesamt 9 (in Worten neun) Euroländer herabgestuft hatte, der größte Schock war natürlich der Verlust des Triple-A Frankreichs. Als Folge stiegen aber nicht wie erwartet die Zinsen. Das lag an einem sog. Tender der EZB.

Unter Tender habe ich immer was mit Schiffen verstanden, bis ich jetzt von Dr. Google erklärt bekam, es handle sich dabei um eine Refinanzierungs-möglichkeit europäischer Banken.

Banken erhielten in der Folge der Herabstufung billige Kredite der EZB (3-Jahres-Tender) und so entsprach das, was bestimmte Euro-Länder für neues Geld bezahlen mussten, offensichtlich nicht dem, was ihrerm Rating angemessen gewesen wäre. Das gibt etwas Luft, aber wie lange und woher stammen die von der EZB herausgegebenen Sterntaler?

 

 


"Die westliche Welt leidet an einer Krankheit, die aus dem Glauben kommt, an das Ende der Geschichte gelangt zu sein. Wenn man sich aber am Ende der Geschichte wähnt, hat man keinen wirklichen Feind, existiert kein wirkliches Risiko mehr. Diese rosarote Brille ich gefährlich. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für die Finanzwirtschaft"

André Glucksmann am 1.12.2011 in der "Welt".

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