Jetzt geht es los. Der Euro sollte ja alle Staaten auch psychologisch verbinden, ein Europa der Vaterländer, nie wieder Zwist oder Krieg.

Abgesehen davon, dass Europa seine Unschuld insoweit bereits verloren hat als es mehr oder minder tatenlos dem Schlachten auf dem Balkan mit hunderttausenden Toten vor nicht einmal 20 Jahren zuschaute und erst reagierte, als die Amerikaner sagten, es ist Schluss, wird deutlich, was man anderen Orts darunter versteht.

Keiner hat ein Patentrezept, aber Jacques Attali, französischer Ökonom, meinte nun sagen zu müssen: "Europa hat sich zweimal selbst umgebracht während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Heute ist es wieder Deutschland, das die Waffe für den kollektiven Selbstmord in der Hand hält."  

Der UMP-Abgeordnete Jacques Myard sekundierte: "Deutschland trägt die volle Verantwortung für das Scheitern des Systems. Nach der Obsession mit der restriktiven Geldpolitik, will man uns nun ein Haushaltsdiktat aufzwingen, den deutschen Schlag-stock. Das ist das Ende der nationalen Demokratien. Frankreich muss sich von Deutschland distanzieren.".

Die unselige Vergangenheit wird also auch noch mit kriegerischer Diktion heraufbeschworen, um den ungebremsten Einsatz der EZB-Notenpresse durchzusetzen. Mich stößt das ab.

Es wird deutlich, dass die Firnis auf der immer wieder groß gefeierten Völkerverständigung über den Gräbern verflucht dünn ist.

Man will Schulden, Schulden und noch mal Schulden machen und zwar neue, koste es was es wolle und dabei ist es einem dann auch mal egal, wieviel Prozellan zerschlagen wird, wie entlarvend so etwas wirkt und an welche Lunte man das Streichholz legt.

Die "Welt" weist süffisant darauf hin, dass es gerade Attali war, der die Regierung Mitterand beriet und so dafür sorgte, dass die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs heuer mehr als wacklig ist, also sollte man zumindest hierzulande vorsichtig sein mit Tipps und Ratschlägen aus dieser Ecke.

Wie tief die Panik sitzt, zeigt auch der Umstand, dass man die von Frau Merkel geforderten harten Spar- maßnahmen in den taumelnden Staaten ablehnt, die Devise lautet, erst mal her mit der Kohle, der Rest wird dann schon irgendwie.

Dazu passt, dass der Freiburger Ökonom Lüder Gerken, Vorsitzender des Freiburger Centrums für Europäische Politik dringend vor dem ungehemmten Einsatz der Notenpresse bzw. einem eben solchen Ankauf von Ramschanleihen warnt und eine Inflation bis 10% fürchtet, die von den meisten Regierungen in Kauf genommen würde, Hauptsache, es regnet Mäuse.  Die Hoffnung sei, dass die Deutschen nicht allzu sehr aufmuckten.

Zu den Eurobonds meinte Gerken „Damit würden die Anreize in den hilfsbedürftigen Staaten deutlich gesenkt, sich zu reformieren und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen“ und damit steht er in einer langen Schlange von Fachleuten, die das schon seit jeder prognostizieren.

Es ist klar geworden, dass es hier nicht mehr um Europa, sondern nur noch um den (deutschen) Bimbes geht. Im Sturm merkt man, aus welchem Holz der Hauptmast gemacht ist. Es scheint so, als hätten wir uns einen extrem wurmstichigen zugelegt.

Aber - es gibt auch andere Partner nach dem Motto "a friend in need is a friend indeed".

In Person gemeint hier der polnische Außenminister Sikorski, der aktuell auf die Frage, ob auch er einen deutsche Hegemonie heraufziehen sehe, Folgendes sagte: "Es ist in unserem Interesse, dass Deutschland in der EU mit seinem Gewicht im Rahmen von Institutionen agiert, auf die auch wir Einfluss haben. Im Moment empfinden wir Solidarität mit Deutschland, aber dabei geht es derzeit nicht um die Verteilung von Macht. Es geht um die Kultur des Wirtschaftens. Und da teilen wir die Anschauung, Geld solle ein beständiger Wertgegenstand sein und nicht ein Mittel, um Verantwortung von sich abzustreifen. Es freut uns, dass die Deutschen uns da näherstehen als manchen Mitgliedern der Euro-Zone". Ich nenne das Backpfeifen nach Paris schicken.

Also, standhaft bleiben, Anschela! 

29.11.2011

 


Das Herumdoktern an Symptomen geht weiter, dieses Mal in noch größerem Rahmen.

Nachdem allein Italien 2012 einen Refinanzierungs-bedarf von knapp 310 Milliarden Euro haben wird, das Meiste davon in den ersten Quartalen und keiner weiß, wie die (oder besser wir) das bezahlen soll(en), soll jetzt der IWF angepumpt werden, womit die ohnehin mit bloßem Auge nicht mehr erkennbare Glaubwürdigkeit EUROpäischer Finanzpolitik den nächsten massiven Kratzer erhält und sich die vielbeschworene "Feuerkraft" der Euromaßnahmen auf das "Puff" eines Silvesterknallfroschs reduziert. 

Herr Draghi weigert sich mit Blick auf die offenkundigen zusätzlichen Risiko derzeit im Übrigen noch, weiter massiv Anleihen über die EZB zu kaufen und hält das zu recht für Teufelszeug, denn dabei geht es wie nun mehrfach erwähnt nicht mehr um Problemlösung, sondern um Zeit, die mit einem zwar langsam wirkenden, am Ende aber gleichwohl tödlichen Gift erkauft wird.

Siehe hierzu auch den Zwischenruf von Jörg Eigendorf.

29.11.2011

 


Der SPD-Parteitag ist rum und mich beschleicht das Gefühl, man hat Helmut Schmidt nur deshalb eingeladen und eine Rede halten lassen, damit man nachher sagen kann, schaut mal, der Helmut Schmidt hat´s gesagt und dann muss es ja stimmen.

Mich stimmt traurig, dass ein von mir vor nicht allzu langer Zeit sehr geschätzter elder statesman offensichtlich seinem Alter Tribut zollt und von der SPD, die ihn seinerzeit in die Wüste geschickt hat, jetzt heuchlerisch als Feigenblatt mißbraucht wird.

Denn was Mr. Steinmeier auf die Frage, welches tatsächliche Krisenmanagement  die SPD zu bieten habe, zu antworten wusste, ließ erkennen, dass man dort keine belastbaren Antworten hat.

Jedenfalls nichts, was nicht mit Geld-Schaufelei in ein riesiges schwarzes Loch zu tun gehabt hätte, abgesichert durch heilige Rückzahlungsversprechen genau der (im Wesentlichen) südeuropäischen Politiker, die die Krise überhaupt erst heraufbeschworen haben und sicher in Ruhe  ihre fremdfinanzierte Rente verzehren, wenn es denn in 20 - 25 Jahren zum Schwur kommt.

Die SPD in der aktuellen Form fällt als Alternative zu Merkel eindeutig aus und verrät alles, was sie in Sonntagsreden für die Zukunft unserer Kinder verspricht.

P.S.: Jan Fleischhauer in "spiegel-online" am 14.11.2011:

"Woher kommt eigentlich diese Helmut-Schmidt-Begeisterung? Ist es der Respekt vor dem Durchhaltevermögen des Altkanzlers, der im Dezember 93 Jahre alt wird? Die Freude über ein vertrautes Gesicht in einer sich immer schneller wandelnden Zeit? Die heimliche Bewunderung für das Kettenrauchertum? An seinen Einlassungen zur aktuellen politischen Lage kann es jedenfalls nicht liegen, daß Schmidt bei den Deutschen in so hohem Ansehen steht - es sei denn, man kommt zu dem Schluß, daß sie an kognitiver Dissonanz leiden, wie die Psychologie einen Zustand nennt, in dem Gefühltes, Gehörtes und Erlebtes komplett aus- einanderfallen". 

5.12.2011

 


Transparency International bestätigt die Einschätzung, dass es mit dem Geldpumpem allein nicht getan ist. Um die Augias-Ställe auszumisten, von deren Geruch zu viele zu lange profitiert haben, wird es Jahrzehnte benötigen, die wir nicht haben.

1.12.2011

 


Die Drohung einer Herabstufung Deutschlands durch S&P kommt zum richtigen Zeitpunkt. Sie signalisiert, dass sich auch Deutschland bei der Euro-Rettung nicht überheben darf.

6.12.2011

 


Die OECD hat die Verwaltung Griechenlands getestet. Mit einem vernichtenden Ergebnis. Das Land ist auf absehbare Zeit verloren, da kann im Parlament beschlossen werden was will.

Habe ich keine Lunge, kann ich auch nicht atmen, so sehr ich mich bemühe.

Man hat nach der Einführung des Euro Jahre billiges Geld verballert ohne einen Gegenwert zu schaffen. Man fasst es nicht.

8.12.2011

 


Eine Insiderinfo: Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg auf die Frage, ob Italien ausreichend auf den Beitritt zur Euro-Zone vorbereitet gewesen sei:

"Italien hat damals noch besser ausgesehen. Tatsache ist, dass Berlusconis Regierung fehlenden Reformeifer zu verantworten hat. Berlusconi hat leider - halten Sie sich ihre Ohren zu (Schwarzenberg zu seinen Mitarbeitern gewandt, Anm.) - diesen Zeitraum durchgebumst, anstatt ihn für Reformen zu nutzen". 

6.12.2011

 


Ein bemerkenswertes Interviewe mit Prof. Issing vom vergangenen Sonntag. Issing war von 1998 bis 2006 Chefvolkswirt der EZB und steht außerhalb des Tagesgeschäfts, sieht man mal davon ab, dass er sein aktuelles Buch verkaufen will.

Typisch für seine Auffassung folgende Antwort auf die Frage nach einem stärkeren Eingreifen durch die EZB:"... Nein, das wäre absolut kontraproduktiv. Zum Kern einer Währungsunion stabilen Geldes gehört die Bedingung, dass die Zentralbank nicht die Regierungen finanziert. Alles andere wäre ein Verstoß gegen fundamentale Regeln der Währungsunion. Wenn die Notenbank diesen Weg ginge, wem kann man dann noch vertrauen? ".

7.12.2011

 


J´accuse. Sagt Prof. Sinn. Eine Analyse, die sich gewaschen hat. Und niemand wird später sagen können, DAS habe ich nicht gewusst.

8.12.2011

 


In meiner kleinen Vortstellungswelt hat sich Jörg Asmussen bereits neue Anzüge in dunklen, gedeckten Farben gekauft, um als EZB-Chefvolkswirt staatstragend durch seine schmale Brille schauend in den großen Fußstapfen von Otmar Issing und Jürgen Stark zu wandeln.

Vorbei.

Chefvolkswirt wird Peter Praet, ein Belgier und wie man hört eine "Taube", also der Fraktion zugehörig, die es mit der Preisstabilität nicht so genau nimmt, was für Otto Normalverbraucher wohl bedeutet, dass die Notenpresse heißläuft.

Damit wird die EZB vom Italiener Draghi geleitet, gefolgt von dem Portugiesen Constancio als Vizepräsident und den weiteren Direktoriums-mitgliedern Praet, Coeuré (Frankreich) und Gonzàlez-Paramo (Spanien).

Das Direktorium besteht also im Wesentlichen oder besser praktisch ausschließlich aus Vertretern der Länder, die als angeknockt zu gelten haben und in der Vergangenheit nicht durch besondere Disziplin (haha) aufgefallen sind.

Asmussen gehört dem Direktorium auch an und zwar wohl als "zbV", anders kann ich seinen Aufgabenbereich nicht beschreiben:

Er vertritt die Notenbank bei internationalen Treffen (übersetzt: ist physisch anwesend, hat aber nichts zu sagen und zu entscheiden) und begleitet Draghi bei wichtigen Gipfeln (übersetzt: s.o. + Platz am Katzentisch).

Die deutsche politische und sonstige Avantgarde gerät angesichts dieser Entwicklung geradezu ins Schwärmen. Ein "kluger Kompromiss", Deutschland sei "dicht an den Entscheidungen dran", das sei "keine Kehrtwende in der Krisenpolitik".

Mein Gott!

Bisher hieß es immer, wir müssen alles dafür tun, dass sich die deutsche Stabilitätspolitik transeuropäisch durchsetzt, es bedürfe Schuldenbremsen und und und.

Und nun gelingt es nicht einmal, einen deutschen Erbhof wieder mit einem Deutschen zu besetzen, der für dieses Amt nach den mir zur Verfügung stehenden Quellen eindeutig vorgesehen war, man hatte sogar darüber spekuliert, was vom EZB-Chefvolkswirt Asmussen zu erwarten sei.

Für welches Zugeständnis der anderen Länder hat man diese fette Kröte  geschluckt?

Etwa für die pflaumenweiche Einigung neulich, bei der man nachher konzedieren musste, dass die angeblich beinharten Sanktionen bei Verfehlungen einzelner Länder so gar nicht durchsetzbar sind?

Herr Henkel, sehen Sie zu, dass die Herren Kirchhof und Sinn alsbald einen Aufnahmeantrag bei den Freien Wählern unterzeichnen.

6.1.2012

Hier geht´s zur Sitemap.