Niall Ferguson hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntags-zeitung ein Interview gegeben, das am 30.10.2011 unter dem Titel "Der Westen hat China stark gemacht" veröffentlicht wurde.

Abgesehen von seinen Lösungsvorschlägen zur aktuellen Krise, von denen man schon gar keinen mehr hören mag, weil man den Eindruck hat, die betreffenden Experten hätten Vogeleingeweide inspiziert, äußert sich Ferguson auch zu Deutschland.

Auf die Frage welche Rolle Deutschland nach dem jüngsten EU-Gipfel in Europa wirklich spiele, sagte er, ihn überrasche die jüngste Entwicklung kaum. Deutschland befinde sich in einer machtvollen Position, weil es von Anfang an der Zahlmeister des Systems gewesen sei. Wenn man alles zusammenzähle, sei es mehr als die Zahlungen aus dem Vertrag von Versailles, eine Art deutsche Reparation an Europa.

Es habe sich bestätigt, dass die Währungsunion nur mit einer Zentralisierung von Macht funktioniere, und diese Macht liege nun eben in deutscher Hand.

Allmählich merkten die Leute, dass eine Währungsunion mit den Deutschen immer auf dasselbe hinauslaufe, ob in Ostdeutschland oder in Griechenland: Erst bekämen sie Hilfszahlungen, dann würden sie arbeitslos ...

Aber wenn man Deutschlands Einfluss in der Welt betrachte, gebe es ein Paradox: Je mächtiger Deutschland in der Eurozone werde, desto machtloser erscheine es anderswo in der Welt. In militärischen Belangen sei Deutschland vollkommen unzuverlässig und nutzlos.

Interessanter Blick von außen. Und Erinnerung daran, dass wir seit 1990 neben unseren europäischen Verpflichtungen auch eine Einheit zu verkraften haben. Das kommt mir bei der Billionenjongliererei derzeit eindeutig zu kurz.

30.10.2011



 

Zwischen dem 25. und 29. September brachen in der Krise 185 Banken zusammen. Das war 1857 und Folge der Zahlungsunfähigkeit der Ohio Life Insurance and Trust Company bzw. des hieraus resultierenden Domino-Effekts.

Die sich wiederum daran anschließende Krise der US-Realwirtschaft dauerte bis 1859 und wie wir alle wissen, waren die USA dann pleite und führen bis heute ein Schattendasein, in etwa wie Burkina Faso.

Nota bene - diese Krise, die natürlich auch nach Europa schwappte, inspirierte zwei gewisse Herren namens Marx und Engels zu ihren Theorien, deren praktische Umsetzung wie wir ebenfalls wissen das Paradies auf Erden schuf.

Deshalb - Todgesagte leben länger. Ich glaube an den Kapitalismus, womit angesichts des aktuellen gesellschaftlichen Klimas ICH der Unangepasste bin, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

1.11.2011

 


Warren Buffet gegenüber CNBC: "Ich könnte die Verschuldung in fünf Minuten beenden. Man braucht dazu nur ein Gesetz, welches besagt, dass, sobald das Defizit drei Prozent des Bruttosozialprodukts überschreitet, sämtliche Parlamentsmitglieder von der Wiederwahl ausgeschlossen sind."

Seufz. ;-)

2.11.2011

 

Ich rette die Griechen nicht!

Aufschrei einer gequälten Redakteursseele. 30.10.2011. FAS.

 



Zwischenrufe:

"Die Verehrung des Brüsseler Gebildes ist nicht die Antithese zum deutschen Nationalismus. Sie ist seine Potenzierung ins Kontinentale", sagt der Blogger und FDP-Politiker Daniel Fallenstein und der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman stellt Ende Oktober 2011 fest: "Die bittere Wahrheit ist, dass es immer mehr danach aussieht, als wäre das Euro-System dem Untergang geweiht. Und die noch bitterere Wahrheit ist, dass Europa wahrscheinlich besser dran wäre, wenn der Kollaps eher früher als später kommt".

Steht die deutsche Lemminghaltung in einem Zusammenhang mit der Einschätzung des isländischen Genforschers Kári Stefánsson ebenfalls von Oktober 2011? Stefánsson: "Wenn man sich eine Nation wie die Deutschen ansieht - eine sehr gebildete Nation relativ kluger Menschen - so lebt sie immer noch im Schatten des Zweiten Weltkrieges. Deshalb ist jeder so bemüht, sich politisch korrekt zu verhalten. Deswegen wirkt das Verhalten der Deutschen in vielerlei Hinsicht so unnatürlich. Sie sind katholischer als der Papst und ziemlich verklemmt. Adolf hat sie immer noch fest im Griff."

2.11.2011

 


Offen gestanden wusste ich bisher nicht, was ein Spread ist. Ein Spread ist ein Risikoaufschlag, den ein Land für Staatsanleihen an potentielle Anleger zu bezahlen hat.

Gemessen wird in sog. Basispunkten, wobei ein Basispunkt 0,01 Prozentpunkten entspricht. Benchmark ist Deutschland als wirtschaftlich und finanziell stärkstes Land. Aus diesem Grund wird mit dem Spread der Risikoaufschlag ausgedrückt, den ein Euro-Land im Vergleich zu Deutschland mehr bezahlen muss.

Kritisch wird es ab einem Spread von 100 Punkten, offensichtlich wird ab dort professionellen Anlegern wegen Überschreitung der Hartwährungsgrenze die Hose feucht.

Aktuell beträgt der Spread für italienische Anleihen 452 Basispunkte, so hoch wie noch nie seit Gründung der europäischen Währungsunion,  für spanische Anleihen 379 und für belgische 262 Punkte.

Nun scheinen auch die Franzosen die 100-Punkte-Grenze gerissen zu haben, anders als Deutschland, das ebenso als solide gilt wie die Niederlande, Finnland, Österreich, Luxemburg, Estland, Slowenien und die Slowakei, interessanterweise wesentliche Vertreter der von Olaf Henkel propagierten Nord-Euro-Zone.

Frankreich hat zwar noch das Triple-A-Rating, allerdings steigt wie erwähnt der Spread, im Übrigen rechnet man für das Land für 2012 mit einem Leistungsbilanzdefizit von mehr als zwei Prozent, weshalb die Märkte wie man liest Frankreich ganz allmählich zu den Weich-Euro-Staaten zählen.

Na, irgendwer wird ja dann schon das Licht ausmachen, gell mon cher Michel?!

2.11.2011

Nachtrag 9.11.2011: Erstmals seit 1999 liegt der Spread italienischer Staatsanleihen gegenüber bundesdeutschen bei über 500 Basispunkten, in der Spitze sogar bei 560, was übersetzt heißt, dass Rom 5,6% mehr Zinsen bezahlen muss als Deutschland.

Nach Meinung der Auguren bedeutet ein Überschreiten von 7% Rendite bei Staatsanleihen wie bei Griechenland, Irland und Portugal einen Platz auf dem wärmenden Bänkchen unter dem Schirm. Da Italien aber viel zu fett für´s Bänkchen ist, wird das zusammenkrachen, sollte es soweit kommen und na ja, man ist schon bei 7,5% bei zehnjährigen Anleihen. Die Spirale dreht sich.

Fällt Italien als Geberland aus (Haftungsanteil 10%), müssen die Anderen, vornehmlich natürlich Deutschland und Frankreich ihre Bürgschaften und damit die Haftung erhöhen. Frankreich zittert aber bekanntlich um sein AAA-Ranking.

Kommt es jetzt zur Erhöhung des Haftungsbeitrages kann das Ranking futsch sein, was deren Rendite (und damit die Schulden) wahrscheinlich auch treibt. Die Italiener müssen dieses Jahr noch ca. 38.000.000.000,00 Euro bedienen, kommendes Jahr sind es dann 307.000.000.000,00 Euro.

Da spielt es dann nur noch eine untergeordnete Rolle, dass Signore Berlusconi esb geschafft hat, Italien in puncto Wirtschaftsfreundlichkeit noch hinter die Mongolei und Sambia auf Rang 87 zu kutschieren, aber immerhin stehen sie noch vor den Griechen.  Na also, geht doch.

Nachtrag 16.11.2011: Nun erwischt es auch die finanziell solideren Länder wie Finnland, Österreich und die Niederlande. Für Österreich betragen die Risikoaufschläge aktuell  knapp 1,9%, sehr beunruhigend.

Die EFSF hatte selbst 10jährige Anleihen ausgegeben, die allerdings mit einem Spread von 200 Basispunkten angeboten werden mussten, weil sich die Anleger zierten und der Verkauf läuft trotzdem schleppend. Dieser Spread ist deshalb beunruhigend, weil nach Auffassung von Leuten, die sich damit auskennen, der Spread nicht höher liegen dürfte als die durchschnittliche Rendite der Euro-Länder mit AAA-Rating.

Niall Ferguson meinte angesichts der Entwicklung, EZB-Chef Draghi müsse jetzt die Notenpresse anwerfen um Anleihen zu kaufen oder er werde der letzte Chef der EZB sein.

Dem entgegnen Fachleute, hier würde von der EZB unzulässigerweise Politik gemacht und im Übrigen heize das die Inflation an. Wen die trifft weiß man ja. Prima Aussichten.

Nachtrag 22.11.2011: Am 17.11.2011 übersprang die Rendite für 10-jährige spanische Anleihen die 7%-Marke, was im Falle Griechenlands zu einem Rettungseinsatz führte. Der Zinssatz fiel in der Folge, weil die EZB spanische Anleihen aufkaufte, blieb jedoch deutlich über 6%.

Das Land ist massiv verschuldet und hat eine Arbeitslosenquote von 20%. Gestern nun erklärte die neue spanische Regierung Rajoy, sie könne sich "nicht länger mit 7 Prozent finanzieren".

Der Ruf nach einem bail-out ist also der erste Schritt Spaniens unter den Rettungsschirm. Die Reise nach Jerusalem ist offensichtlich in vollem Gange.

Nachtrag 28.11.2011: Italienische Papiere liegen aktuell bei einer Rendite von 7,3% und liegen 500 Basispunkte über den bundesdeutschen. Die Nothilfe des IWF für Italien war offensichtlich eine Luftnummer.

Nota bene - Italien hat massiv Sicherungszusagen bei der Gründung der EFSF erteilt.

Spanische Anleihen eröffneten heute bei 6,73%.

Und nun hat heute die OECD eine Rezession in Griechenland (Rückgang BIP 2012 - 3,0%), Portugal (Rückgang BIP - 3,2%) und Italien (Rückgang BIP 2012 - 0,5%) prognostiziert.

 

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