Die Hypo Real Estate (HRE) ging aus der bayrischen HypoVereinsbank (später von der italienischen Unicredit geschluckt) hervor und ihr Vorstandsvorsitzender hieß Georg Funke.

Die HypoVereinsbank hatte jede Menge Schrottimmobilien kreditiert und dieser Müll musste aus den Bilanzen, weshalb die HRE gegründet wurde. Die HRE hat vom Staat bis heute Garantien und Gelder in dreistelliger Milliardenhöhe bekommen, damit sie nicht zusammenbricht, denn auch sie ist "systemrelevant".

Funke hatte die HRE übrigens als Holding initiiert, d.h. sie selbst hatte keine Lizenzen, die hatten nur ihre Tochterunternehmen. Die HRE unterstand damit auch nicht der Bankenaufsicht.

Nun die stark gekürzte Darstellung der Ereignisse:

Im Juli 2007 hat die HRE den in Irland ansässigen Staatsfinanzierer Depfa Bank  für 5,7 Milliarden Euro gekauft – 2,5 Milliarden über Buchwert (Funke damals:“ Die Depfa profitiert von der Krise des Hypothekenmarktes“).

Glaubt man heutigen Berichten, hatte der damalige Depfa-Vorstandsvorsitzende Bruckermann, der die Depfa wegen der dort herrschenden Klondyke-Stimmung nach Irland gebracht hatte und heute ein steinreicher (und untergetauchter) Mann mit einem wie man raunt über 100 Millionen auf dem Konto sowie einem steten Lächeln auf den Lippen, bereits seit 2006 fernab des ursprünglichen Betätigungsfeldes mit waghalsigen Manövern die Rendite gepusht und eine  atemberaubende Blase geschaffen, die in sich zusammenfallen musste, weshalb andere Banken auch abwinkten, u.a. die Deutsche Bank.

Funke war das anscheinend egal, die Bank wurde gekauft, obwohl im Juli 2007 die ersten Hedgefonds pleitegegangen waren und die Immobilienblase in den USA hörbar platzte. Ein Depfa-Mitarbeiter erklärte damals, im Mai 2007 sei die Situation bei der Depfa so ernst geworden, man hätte „keine drei Monate mehr die Fassade aufrechterhalten können“, aber dann erschien ja  gottlob Funke.

Anfang 2008 musste Funke einräumen, dass man 390 Millionen Euro im USA-Geschäft abschreiben musste, der Kurs der HRE rauschte massiv in den Keller. Im April 2008 stieg dann Christopher Flowers billig bei der HRE ein.

Noch Ende August 2008 lobte Funkes Vorstandskollege Ottosen das Geschäftsmodell übrigens in höchsten Tönen, obwohl sich die wahnwitzige Geldaufnahme durch die Depfa auf dem hypernervösen Finanzmarkt immer weiter fortsetzte und zwischenzeitlich auch die Bafin auf den Plan gerufen hatte. Am 15.9.2008 brach Lehman Brothers zusammen und – zwangsläufig – dann auch die Depfa, die ihrerseits die HRE mit in den Abgrund riss.

Funke versuchte, neues Geld aufzutreiben. Zwischen dem 26. und 28.9.2008 wurde um die HRE gerungen, beteiligt dabei auch Josef Ackermann, den Funke anpumpen wollte, Bafin-Päsident Sanio, Bundesbankchef Weber und andere Großbanker. In der Nacht zum 29.9.2008 sagte man nach einem Plazet von Frau Merkel 15 Milliarden zur Rettung zu.

Angeblich hatte Funke zuvor aber die wahre Schieflage der HRE verschwiegen, weshalb er auch vier Tage später eine Aufstockung auf 35 Milliarden forderte. In der Folge erklärte ein Sprecher der Landesbank Baden-Württemberg, man habe „keinen Funken (!) an Vertrauen in das derzeitige Managementteam“ (der HRE), was angesichts des üblicherweise relativ zurückhaltenden Bankerjargons einiges bedeutete.

Gleichzeitig wurde aber auch ein zweiter Grund für das zweite Rettungspaket genannt, nämlich die Äußerung von Finanzminister Peer „Der-der-sich-jeden-Satz-aufschreiben-lassen-muss“ Steinbrück vom 29.9.2008, die HRE müsse „geordnet abgewickelt“ werden. Auf Grund dieser Äußerung hätten Geldgeber kalte Füße bekommen und es sei massiv Geld abgezogen worden, so dass die HRE noch mehr ins Trudeln gekommen sei.

Letztlich ist das aber egal.

Funke, dem das Wohl und Wehe eines ganzen Dax- Unternehmens anvertraut war, hat aus welchen Gründen auch immer nicht bemerkt (oder bemerken wollen), dass Bruckermanns Haufen zum Himmel stank. Der Depfa-Kauf und die Fortsetzung deren selbstmörderischer Geschäftspolitik haben die HRE ruiniert und ich kann zumindest von außen nicht erkennen, dass das mit redlichem Verhalten eines ordentlichen Kaufmanns zu tun hatte. Ich sehe es aber vor mir – Gordon Gecko, Sherman McCoy, Georg Funke, Masters of the Universe!

Aber nun zurück zum Drama. Auf jeden Fall musste Funke am 6.10.2008 zum Rapport zu Piepen-Peer, der Funke klar erklärte, man werde mit ihm nicht weiterarbeiten. Funke trat darauf hin als Vorstandsvorsitzender zurück. Der Anstellungsvertrag bestand aber ungekündigt fort,  auch das Gehalt lief weiter. Gütig wie man war, wartete man den 23.12. ab, ehe der Aufsichtsrat die fristlose Kündigung auch des Vertrages aussprach.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue ist zwischenzeitlich auch gegen Funke eingeleitet worden.

Gleichwohl verklagt Funke das Unternehmen nun auf Fortzahlung seiner Jahresbezüge von 800.000,00 Euro pro Jahr und sein anschließendes Ruhegeld in Höhe von 560.000,00 Euro p.a.. Ausgang offen. Nicht offen ist, dass der Steuerdukatenesel für die Folgen aufzukommen hat, wenn es dumm läuft auch für einen sonnigen Ruhestand des Herrn Funke, der wie man hört unaufhörlich den Kurtl Beck gibt – mein Name ist Funke, ich war nix, alle Anderen sind schuld.

18.3.2009

Nachtrag 5.1.2010: „Fonky“ George trifft sich mit der HRE laut Handelsblatt  online im ersten Quartal 2010 vor dem Landgericht München. Er will 3,5 Millionen Bucks, also sein Gehalt bis zum Auslaufen seines Vertrages 2013. Alles orientiert sich daran, ob Funke beim Kauf der Depfa tatsächlich die Fehler gemacht hat die man ihm nachsagt.

Nachtrag 1.6.2011: Spiegel online meldet, Funke habe seine Vergütung für zwei Monate in Höhe von 150 T Euro im Urkundsverfahren durchgesetzt. Das will noch nichts heißen, denn die HRE wird sich ihre Rechte für das sog. Nachverfahren vorbehalten haben.

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