Geschlagene acht Monate habe ich hier keine Zeile mehr geschrieben, es ging nicht mehr, ich konnte nicht mehr, ganz abgesehen davon, dass die Hiobsbotschaften gar nicht mehr abreißen, zumindest wenn man den klebrigen Puderzucker weggekratzt hat, den die Regierung Merkel jedem noch so stinkenden Haufen verpasst.

Es hilft aber nichts, die Schlagseite nimmt zu und Wolfgang Schäuble hat gleichwohl die Unverschämtheit, von "Fortschritten" und "ermutigenden Zeichen" zu reden. Er erinnert allmählich an "Comical" Ali und seine Bagdader Bulletins in den letzten Tagen des Hussein-Regimes. 

Wir sind gegen Ende des Jahres übrigens gerade dabei, negative Zinsen einzuführen. Das was man früher für die Ausgeburt eines überreizten Ökonomenhirns gehalten hat wird heute Wirklichkeit. Man hinterlegt sein Geld bei der Bank und bezahlt dafür eine Gebühr in Form von Zinsen. Und damit das auch wirklich so läuft, fordert der Herr Rogoff die Abschaffung des Bargeldes, auch weil man dann der ganzen "Steuerflüchtlinge und anderen Kriminellen" habhaft werde. Danke für diesen Generalverdacht, das bestätigt aber den Grundsatz, dass jede Scheiße in der Regel mit einer (vorgeblich) guten Absicht anfängt.

Man kann dann im Übrigen gar nicht mehr über sein Geld frei verfügen, auch der Sparstrumpf zuhause wäre tot. Mehr eingewurstet in eine staatliche Schraubzwinge kann man gar nicht sein, wegen der negativen Zinsen ist man praktisch gezwungen zu konsumieren und voila, man hat den Esel wo man ihn haben will. Ich nenne das pervers.

Ich denke, ich rolle das Jahr sukzessive nochmals von hinten auf, beginnend mit dem aktuellen und erneut sehr pessimistischen (Aus)Blick der EZB. Die Wachstums-prognosen für die Euro-Zone wurden gesenkt von 0,9% auf 0,8% für 2014, von 1,6% auf 1,0% für 2015 und von 1,9% auf 1,5% für 2016, Fortsetzung folgt sicher.

Der zentrale Zinssatz verbleibt bei 0,05%, was weiter in Milliardenumfang Sparguthaben und Rücklagen auch und gerade der Lebensversicherer vernichtet. Hans-Werner Sinn spricht von 60 - 70 Milliarden Verlust pro Jahr.

Man "prüft" jetzt den Kauf von Staatsanleihen und betritt damit unmittelbar den Bereich verbotener Staatsfinanzierung. Aber was wird es die Herren scheren, von der Politik haben sie nichts zu befürchten nach all den roten Linien, die sakrosankt waren und trotzdem en gros und bedenkenlos überschritten und dem Tagesgeschäft geopfert wurden. Ebenso geopfert wie Bundesbankchef Weidmann, den Herr Draghi dank der tätigen Mithilfe des Gespanns Merkel-Schäuble maximal für einen Zwergpudel halten darf.

Eines der traurigen Highlights dieses Jahres war der Ankauf von Ramschpapieren, speziell der Asset Backed Securities, also genau den ABS, die in den USA die Krise in Gang gesetzt hatten. Natürlich gibt es auch bei diesem finanztechnischen Atommüll qualitative Unterschiede, aber der Umstand, dass man die Öffentlichkeit mit so etwas brüskiert zeigt a) die Kaltschnäuzigkeit des Herrn Draghi und b) die Erkenntnis, dass man mittlerweile in dem Stadium angekommen ist, in dem man auch rostige Fahrräder ankauft, wenn es denn etwas helfen sollte. 

Apropos - auch mit dem größten Wohlwollen und der Überlegung, dass Draghi Zeit kauft muss man doch feststellen, dass sein Pendant, die Politik, nichts, aber auch absolut nichts tut, um die gekaufte Zeit zu nutzen. Frankreich befindet sich unter Hollande im Koma, Italien definiert den Begriff Verkrustung gerade neu, wobei nun massiv Geld aus dem Land abgezogen wird, und aus Spanien hörte man vor zwei Tagen auch derart Negatives, dass der Euro auf 1,23 und ein paar Zerquetschte fiel. Auch beim Zugpferd, also Deutschland, zeichnet sich ab, dass es mit dem Aufschwung bald perdu ist. 

Bei Italien und Frankreich sind wir mittlerweile so weit, dass man sie machen lässt was sie wollen. No bail out, Stabilitätspakt? Pah, Verträge sind ja nur aus Papier, lässt sich leicht zerreißen und verbrennen und vertragswidrige Defizite sind Dinge, vor denen sich nur Warmduscher fürchten. 

Chef der Aufsichtsbehörde, also der Kommission ist Jean-Claude Juncker, der Mann, der immer von Anderen Opfer verlangt und speziell mit Blick auf Deutschland ständig von europäischer Solidarität faselt, in seinem eigenen Zwergstaat aber derart märchenhafte Steueroptionen bot, dass Großunternehmen in ihren eigentlichen Herkunftsländern die Steuern nicht bezahlen mussten, die erforderlich gewesen wären, um der grässlichen Krise zu begegnen. Da diese Steuern wie erwähnt fehlen, müssen Andere dafür aufkommen und wer das ist weiß man ja. Die Juncker´sche Liste der Schande wird im Übrigen immer länger wie man liest.

Und Griechenland, ja Hellas! Da steht nun also doch das dritte äh "Rettungs"-Paket an, ein Paket, das es nach den Zusagen niemals geben dürfte und von dem die Verbrecher im Finanzministerium erklären, man könne entsprechende Berichte "nicht bestätigen". 

So, kaum angefangen habe ich schon wieder die Schnauze voll. Nur noch ein kleines Bonbon. Die Zypern-Hilfe war auch in der EZB hoch umstritten und das mit guten Gründen.

10.12.2014

 

Zentrifugalkräfte, von mir aus ausgelöst durch die üblichen Verdächtigen. 

Tatsache ist aber, dass Beppe Grillo und die Lega Nord nun einmal einen nicht unbeträchtlichen Teil der italienischen Wählerschaft repräsentieren und offen den Ausstieg Italiens aus dem Euro fordern. Nicht gerechnet dabei die Wähler der "etablierten" Parteien, die die Faust in der Tasche ballen, aber  Grillo und die Lega Nord nicht wählen würden.

In Griechenland wiederum riecht es nach Neuwahlen und oh Überraschung, der Herr Tsipras liegt vorne. Der hat ja immer gesagt, dass es so weiter gehen soll wie früher, also Saufen solange Wein da ist, auch wenn er auf Pump geliefert wurde. Er nutzt dabei die zweifellos schlimmen Verhältnisse vor Ort aus, von denen die Eurofreunde hier zu Lande ja nichts hören wollen, die aber wahrscheinlich unumgänglich sind, wenn du ein völlig verkrustetes und verfettetes öffentliches Gemeinwesen wieder fit machen willst. Was ist denn die Alternative?  

11.12.2014

 


"... Der Leitzins steht praktisch bei null, das Pulver der konventionellen Geldpolitik ist restlos verschossen. Immer heftiger wird die Zentralbank nun bedrängt: von Analysten, vom IWF, von der Finanzpresse, wann sie endlich die „quantitative Lockerung“ mit Staatsanleihekäufen starte. Draghi ist dazu fest entschlossen. Nur muss er noch das Problem mit den widerstrebenden Deutschen klären ..."

... und die werden bald mitmachen, möchte man anmerken. Mit "die Deutschen" ist die deutsche Regierung gemeint, damit da keine Zweifel aufkommen. Was da jetzt kommt, haben viele angekündigt, die als Spinner und Europahasser abgekanzelt wurden.

24.12.2014

 

 

Kommt es nun doch zum Countdown für den Grexit? Dimas wurde auch im dritten Wahlgang nicht zum Präsidenten gewählt, was nun Neuwahlen erforderlich macht. Der IWF hat bereits die Auszahlung weiterer Tranchen gestoppt.

Der designierte Ministerpräsident Tsipras macht laut ZEIT mittlerweile nicht mehr den Eindruck eines Eisenfressers. Es bleibt spannend.

29.12.2014

 

 

Die Kanzlerin erklärt öffentlich, der Grexit sei kein Tabu mehr und Roland Tichy beschäftigt sich mit den Folgen. Das Orakel von Delphi ist wiedereröffnet, man darf gespannt sein.

Er erinnert daran, dass der Grexit die 260 Milliarden, respektive den bundesdeutschen Anteil daran von etwa 80 Milliarden sofort kassenwirksam machte, weshalb man von einer gigantischen Pokerpartie auszugehen hat. Problem nur, dass man keinen aus dem Club rausschmeißen kann, also muss man den Austritt versüßen. Das ginge mit einem Schuldenschnitt, meint einer der "Euro-Ketzer", Klaus-Peter Willsch, wohl mit dem Hintergdedanken, es sei eh klar gewesen, dass die Griechen ihre Schulden niemals würden zurückführen können, nachdem sich die Verbindlichkeiten seit 2010 trotz aller "Rettungsmaßnahmen" deutlich erhöht haben. Griechenland war 2010 insolvent, ist es bis heute und wird es ewig bleiben. Es sei denn, man kauft ihnen den Austritt aus dem Euro-Club ab.

Frank Schäffler gebührt der Verdienst, in seinem Beitrag noch mal in geraffter Form das Trauerspiel um Recht, Verträge, deren Verschrottung und die Kraft der Erpressung dargestellt zu haben.

Herr Hüther hält den Grexit in Folge fehlender Ansteckungs-gefahren für verkraftbar, womit er andeutet, dass sich das Erpressungspotential für Herrn Tsipras deutlich veringert haben soll. Das setzt rationales Handeln beim Hantieren mit einer Fackel in einer Pulverkammer ohne Interesse am eigenen Überleben voraus.

5.1.2015

 

Über den Grexit gerät ein Thema etwas aus dem Fokus, der als wahrscheinlich anzusehende direkte Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Darauf weisen Frank Schäffler und die Deutschen-Wirtschafts-Nachrichten in diesem Artikel hin. Dann würde die nationale Souveränität der Euro-Staaten in finanzpolitischer Hinsicht enden, da sie an die EZB und deren von niemandem gewählte Vertreter abgegeben würde. Auf Herrn Weidmann und Frau Lautenschläger hört bei der EZB eh niemand, was by the way immer prognostiziert wurde, nachdem sich die Bundesregierung beim damaligen Personalrevirement mit einem Platz am Katzentisch begnügte, man gleichzeitig aber die Chuzpe aufbrachte zu behaupten, Deutschlands Stimme in der EZB-Führung habe (nach wie vor) erhebliches Gewicht. Sieht man ja. Retten könne jetzt nur ein Kraftakt = Veto Merkels. Oh je.

5.1.2015

 


Kleine Randnotiz: Der Schweizer Publizist und Bankier Konrad Hummler ist dem aktuellen Superstar und Kapitalismus-Kritiker Thomas Piketty in die Parade gefahren. Piketty hatte behauptet, das auf Vermögen basierende Einkommen (= die Reichen) wachse schneller als der allgemeine Wohlstand. Zur Begründung wurde auf die Entwicklung seit 1975 verwiesen. Hummler setzte früher an, 1970, und wies nach, dass in den fünf Jahren bis 1975 der Anteil des Kapitaleinkommens sogar gefallen sei.

5.1.2015

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