Y2010. Das  hier ist ein Zufallsprodukt.

Ich hatte Thilo Sarrazins Interview über Berlin für „Lettre International“ aus Interesse gelesen, seine Thesen durchaus einleuchtend gefunden und mich nur mäßig für das mediale Geblubbere interessiert und darüber aufgehalten, weil klar war, dass hier selektiv zitiert und argumentiert wurde.

Typisch eben.

Dann wurde die Veröffentlichung von „Deutschland schafft sich ab“ angekündigt, ich schaltete - Urlaub! - die Glotze ein, um die Vorstellung des Buches in Anwesenheit Sarrazins (neben Necla Kelek) zu verfolgen und war in der Folge baff.

Da ich zwar das Buch (noch) nicht kannte, dafür aber Sarrazins manchmal gepfefferte Wortwahl, war für mich klar, dass der Mann u. a. eine Polemik veröffentlicht hatte.

Was ich nicht wusste war, dass man zwar ungestraft verbal diskriminieren, prügeln, pöbeln, toben, spucken, beißen, rotzen, kratzen, scheißen, kotzen und beleidigen darf, wenn man Mely Kiyak oder Deniz Yücel heißt und der richtigen, der guten Fraktion angehört und die ist wie wir wissen immer links angesiedelt mit grünen Tupfern, nicht aber, wenn man als äh „rechtspopulistisch“ bezeichnet wird.

Was ein Rechtspopulist eigentlich ist, hat man mir bis heute nicht wirklich erklären können.

Klar weiß ich, dass „rechts“ ein Synonym für „irgendwie Scheiße“ oder „Fascho und so“ ist, aber der Annex deutet doch auf das Volk hin. Aber nun gut, das hat ja auch in diesen (rechten) Kreisen – zu denen ich mich auch zähle - den Verstand eines Rindviehs und produziert Gelsenkirchener Barock, heiße Luft, Rassismus und Zigarettenqualm unter vergilbten, troddelbehangenen Stammtischlampen. Und sonst nix. Jedenfalls nix Vernünftiges.

Aber zurück zum Thema. Die geballte Gutmenschen-fraktion brüllte sofort auf wie das oben zitierte Vieh vorm Schlachten und das, ohne den Inhalt des Buches zu kennen. Ganz vorneweg Aiman Mazyek mit seinem ungestraften "Nazi in Nadelstreifen". Nadelstreifen auch deshalb, weil Sarrazin zu diesem Zeitpunkt noch Bundesbanker war. 

Kennen muss man das Buch ja auch nicht, man weiß ja, aus wessen Feder es stammt und das reicht. S. o. „Lettre International“ (und ich bin mir absolut sicher, dass auch hier geblökt wurde, ohne den Stein des vorgeblichen Anstoßes zu kennen).

Tja, dachte ich mir, hier wird Geschichte geschrieben und deshalb habe ich in der Folge praktisch alles, was geschrieben und gesendet wurde aufgespießt und chronologisch archiviert. Als Mahnmal menschlicher Dummheit, Anmaßung und Ignoranz. Den folgenden Generationen zur Warnung.

Ich bin immer noch fassungslos. Das ist also linke Debattierkunst. Erinnert stark an das wüste, peinliche und saudumme Gegeifere der RAF-Anwälte auf den "Stammheim-Bändern".

„Na servus“ würde Werner Schneyder sagen.

PS: Und hier hat sich Prof. Kepplinger geäußert. Kepplinger ist Professor für Empirische Kommunikationsforschung am Institut für Publizistik der Uni Mainz. 

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