Telekom´ ich heut´ nicht, komm´ ich morgen…auch nicht. Oder vielleicht.

In einem jähen Anfall verbrauchergerechten Verhaltens habe ich meine Telefon/Internet-Kombinationsflat bei der Telekom wegen monopolistischer Preisgestaltung gekündigt.

Das führte wohl zu Aufregung im digitalen Gedärm des Telekommunikationsriesen und ich wurde unlängst fernmündlich angefragt, ob ich mir das mit der Kündigung nicht noch mal überlegen wolle, man gebe auch zehn Euro pro Monat nach.

Natürlich waberten mir die ganzen Horrormeldungen über katastrophales Kundenmanagement des Hauses Obermann durch das fiebrige Hirn, aber ich dachte mir, insoweit haben auch andere Konzernmütter hässliche Töchter, also was soll´s, ich war ja bis dorthin einigermaßen gut gefahren.

Gesagt, getan, ich schlug ein und erhielt kurz darauf mehrere mir unverständliche Schreiben über Tarife und Anschlüsse, deren letztes allerdings die gewünschten Anschluss-bedingungen schwarz auf weiß auswiesen.

Wider Erwarten ließen sich Rückfragen auch problemlos telefonisch klären.

Am 17.8.2009 war dann der Tag der Tage, das Hochzeitsbett war gerichtet, auf dass die Telekom und ich eine lange glückliche Ehezeit einläuten würden.

Abends rief ich wie gewohnt den Firefox auf und nichts tat sich.

Ich stöpselte den Router an und aus, nichts.

Also Anruf bei der Hotline, bei der ich zunächst auf eine Konserventussi traf. „Bitte nennen Sie mir die Nummer Ihres Anschlusses“. Ziffer für Ziffer gab ich die Nummer ein, rückbestätigt wurde mir etwas ganz anderes.

Also noch mal. Wieder falsch.

Schließlich gab ich die Nummer mit der Tastatur ein, worauf die Konserve steif und fest behauptete, diese Nummer sei ihr gänzlich unbekannt.

In einem jähen Akt des Großmutes verband sie mich dann dennoch mit „dem nächsten freien Kundenbetreuer“.

Man macht sich bei der abendlichen Couchorgie viel zu wenig Gedanken über die musikalische Untermalung von Werbespots.

Fakt ist, dass unterschwellige Aggressionspotentiale geweckt werden, wenn man die Erkennungstöne eines werbenden Unternehmens etwa einhundert Mal hintereinander ins Ohr gedröhnt bekommt.

Dann klappte es.

Die Kundenbetreuerin, deren Aussprache die im Internet irgendwo hinterlegte Behauptung bestätigte, ein sächsischer Akzent sei nicht mehr unabdingbare Voraussetzung für die Einstellung beim Call-Center der Telekom, erklärte mir, es tue ihr leid, dass es nicht klappe, aber sie wisse da jetzt auch nicht…, sie verbinde mich zur Technik.

Kurz darauf meldete sich eine Dame, die wiederum offensichtlich von den Grenztruppen der DDR übernommen worden war und mich relativ barsch wissen ließ, der Anschluss sei zur Freischaltung auf 18:19 Uhr gebucht.

Ein rascher Blick auf die Uhr bestätigte mir 18:24 Uhr in der identischen Zeitzone.

Ja, äh, so genau klappe das wohl nicht, das könne „etwas“ dauern. Dieses „etwas“ ließ sich auch durch mehrere Nachfragen nicht eingrenzen und selbst mein Hinweis, ich würde das alles ja schließlich auch schon ab dem 17.8. bezahlen, fruchtete nicht.

Für diesen Tag war ich bedient und ich fügte mich ins Unvermeidliche.

Am darauffolgenden Abend rief ich wieder an, wobei ich sicherheitshalber meine Nummer gleich per Tastatur eingab, um wieder verbeschieden zu werden, die Nummer sei unbekannt.

Ich drang - Glück muss der Mensch haben - dennoch erneut zum Kundencenter durch, wo ich mein Anliegen von Adam bis Eva schilderte. Es kam die Frage, was denn der Router mache.

Ich musterte das Gerät, das müde aus seinen gelben Dioden plierte und nur melancholisch darauf zu warten schien, digitalen Tratsch & Klatsch auf meinen Laptop zu laden.

Ich erklärte, das Gerät mache auf mich keinen besorgniserregenden Eindruck. Ja, da wisse sie jetzt auch nicht…, sie verbinde mich mit der Technik.

Dort meldete sich eine Dame, die nach Durchsicht der Unterlagen erklärte, der Anschluss sei ja gar nicht gebucht, dann könne das auch nicht funktionieren.

Ich wies darauf hin, dass ich die Auftragsbestätigung des Hauses Telekom in materialisierter Recyclingpapierform genau vor mir liegen hätte, was ein „aaah ja“ auslöste. Sie verbinde mich weiter zur Kundenbetreuung.

Ich leierte wieder mein Sprüchlein herunter, worauf die Dame erklärte, offensichtlich habe die Kollegin nicht alle Vertragsunterlagen einsehen können, sie – jawohl - verbinde mich weiter.

Zwischenzeitlich hatte ich die Füße hochgelegt, es schien ein längerer Abend zu werden.

Der nächste Herr erinnerte mich wieder daran, dass der Anschluss ja gar nicht gebucht sei, was ich – innerlich mittlerweile zu Eis gefroren – mit dem Hinweis auf die Auftragsbestätigung konterte. „Ah jaaa“, ob ich mal die Auftragsnummer hätte, man müsse nachfragen.

Nach 115 Telekomklingelings Rückmeldung, man schalte die Technik ein, ich würde zurückgerufen. Wann, könne man nicht sagen, das dürfe aber schon noch am Abend sein, wenn nicht, dann müsse man sehen.

Leidlich zufrieden wartete ich. Nichts geschah, also rief ich wieder an.

Eine freundliche Dame erklärte, ich hätte ja ausweislich des digital gespeicherten Vorgangs Hartmann schon mehrfach mit den Kollegen gesprochen, um was es denn gehe.

Es gibt einen Zustand beim Menschen jenseits aller Wut und allen Jähzorns, in dem nur noch kalte, seelenlose Gleichgültigkeit regiert.

Also ratterte ich erneut mein Sprüchlein herunter. Ich kann es kurz machen – ich wurde noch zweimal verbunden und der letzte Kundenbetreuer erklärte mir, ein Kollege von ihm habe einen unabdingbaren Zwischenschritt vergessen, den hole er umgehend nach.

Er müsse sich das vom Kollegen allerdings gegenbestätigen lassen und der sei erst morgen ab zwölf wieder da. Abends würde es aber ganz sicher funktionieren. Alles wird gut.

19.08.2009

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