Als ich heute Morgen zur Arbeit fuhr, hätte ich ob eines Einspielers im Radio um ein Haar das Lenkrad verrissen und mir stiegen unwillkürlich glühend-heiße Fremdschäm-Zähren in die Augen.


Bundeskanzlerin Merkel hat heute Geburtstag und gab anlässlich eines EU-Gipfels in Brüssel eine Pressekonferenz. Plötzlich begann jemand zu singen, also zumindest kamen Töne aus der nördlichen Hemisphäre dieser Person heraus.


Was mir da aus den Lautsprechern meines Automobils entgegenquäkte war ein Geburtstagsständchen aller-, aller-, wirklich allerschlimmster Sorte.

Mitgeteilt wurde sodann, dass sich vor Ort ein Journalist aufgerufen gesehen habe, die Kanzlerin während der Pressekonferenz mit einem solchen Ständchen zu erfreuen.

 

Im Büro stellte ich dann fest, dass es sich bei diesem Kamikazebarden um Udo van Kampen gehandelt hat.

Offensichtlich hat van Kampen auch noch versucht, seine im Raum befindlichen Berufskollegen zum Einstimmen zu motivieren, indem er mit den Armen fuchtelte.


Diese Kollegen besannen sich aber erkennbar darauf, dass die Klausel „offensiv-schleimiges Ranwanzen an Regierungschefs“ nirgends in ihren Dienstverträgen verankert ist, und sahen mehrheitlich betreten zur Seite.  

Die Kanzlerin, für die ich sonst wenig bis keine Sympathien hege, verbeschied diese geschmackliche Rektoskopie mit einem passenden "Hätt' ich mitsingen müssen, ne? Dann wär's besser geworden", angereichert mit einem dünnen „Danke“.

 

Geht es darum, die Nach- und Werthaltigkeit der Europapolitik dieser Regierung zu würdigen (selbstredend erste Sahne), oder sog. „Rechtspopulisten“ in die Pfanne zu hauen, mutiert Udo van Kampen regelmäßig zu Udo kann Pampen, insbesondere wenn Bernd Lucke am Tisch sitzt.

Dieser Mensch ist auch nicht irgendwer, immerhin leitet er das ZDF-Büro in Brüssel.

 

Es wird einem aber mal wieder klar, warum das intellektuelle Klima in diesem Land ist wie es ist, denn blühen kann es unter anderem nur, wenn sich die öffentlich-rechtlichen Medien auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen.

Und der lautet nicht, sich einen Platz in der Kanzlermaschine zu erkriechen. Ich frage mich auch, wie lange van Kampen über diesen fantastischen Coup nachgedacht hat.

 

By the way – es sagt viel auch über unsere sogenannte Avantgarde aus, dass – wie der Spiegel richtig anmerkt – Präsident Kennedy von Marilyn Monroe geburtstagstechnisch besungen wurde, unsere Kanzlerin aber von Udo van Kampen. 

 

Juli 2014

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