Wilfried Huismann - Schwarzbuch WWF

Ein insoweit umstrittenes Buch, als der WWF Huismann wegen einiger Formulierungen vor dem Landgericht Köln verklagt und die zuständige Kammer die Parteien aufgefordert hat, bis 20.7.2012 zu einer Einigung zu kommen. Wie man hört, soll der WWF in einigen Punkten Recht bekommen, in anderen nicht.

Mich hat das Buch fasziniert, da der WWF für mich terra incognita war. Das Buch ist sehr spannend geschrieben und hat mich bis zur letzten Zeile fasziniert. Ich bin ohnehin der Meinung, dass unsere global player das Geschäft mit der Umwelt entdeckt haben lange bevor es die "green economy" gab.

Huismann hat alle Schauplätze persönlich besucht, was die Schilderung sehr anschaulich macht. Verbindendes Element ist, dass der Mensch - in der Regel die vor Ort seit Jahrtausenden lebenden indigenen Völker - erst an zweiter Stelle kommen im Sinne der "guten Sache". Sie müssen erst mal verschwinden und hier bekommt auch der gute alte Fernsehonkel Bernhard Grzimek ("Serengeti darf nicht sterben" = die Massai aber schon, Anm. meinerseits) sein Fett weg.

Anstatt beispielsweise auf die Erfahrungen von Waldbewohnern zurückzugreifen, erforscht man die Wanderungen von Tigern, in dem man sie betäubt und mit Peilsendern versieht. Das führt wegen der Gefährlichkeit der Tiere dazu, dass überdosiert wird, was schon Hunderten von Tigern das Leben gekostet hat.

Mir war auch nicht klar, dass man zwischen primären Wäldern und sekundären Wäldern zu unterscheiden hat. Sekundärwälder sind die, die aus den Resten bereits gerodeter Primärwälder wieder wachsen. Sie darf man ungestört abholzen und beispielsweise durch Palmölpflanzenplantagen über Hunderte von Hektar ersetzen, denn wie gesagt, sie sind ja keine Primärwälder.

Die Aufforstung mit monokulturellen und überdüngten Palmölpflanzenwäldern ist dann "nachhaltig" und erlaubt nicht nur Ertrag mit deren Früchten, sondern auch den Handel mit Zertifikaten. By the way erfährt man auch, dass die Herstellung von einem Liter Biosprit insgesamt mehr als einen Liter fossilen Brennstoffs verbraucht.

Sojabauern in Südamerika werden von Monsanto angefixt, gentechnisch verändertes Saatgut billigst zu kaufen, was dazu führt, dass sämtliche anderen Saatguthersteller vor dem Aus stehen und schließlich nur noch von Monsanto zu mittlerweile stark gestiegenen Preisen Saatgut erworben werden kann.

Nach dem Artikel über die Lachszucht in Chile überlege ich mir zwei Mal, ob ich solchen Fisch - auch der versehen  mit dem WWF-Panda - noch zu mir nehme. Grauenhafte Zuchtbedingungen und Antibiotika in Hülle und Fülle sollten uns allen zu denken geben.

Der WWF hat offensichtlich mehr als eine Schattenseite, er bewegt Geld, das man nur noch in Hunderten von Millionen Dollar berechnen kann. Er ist auf du und du mit praktisch allen Weltkonzernen im Bereich Energie und Lebensmittel. Man sitzt gemeinsam am Tisch, der Drehtüreffekt feiert fröhliche Urständ und der WWF rechtfertigt das alles damit, man müsse die Konzerne "umarmen", um sie zu einer Änderung ihrer Methoden zu bewegen.

Nicht zu Unrecht wird diese Haltung von vielen anderen NGOs strikt abgelehnt mit dem Hinweis "Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing´".

Nicht ganz von der Hand zu weisen. Interessantes Buch, das einen wieder einmal ermutigt, die eigene Birne einzuschalten und nicht unbesehen zu glauben, was aus vermeintlich  grünen Ecken herüberschwappt. Meine Beispiele oben geben die Skandale nur sehr lückenhaft und unzureichend wieder. 


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