Der wohl wegen seines ausgefransten Bartes und dem Spät-68er-Nasenfahrrad völlig zu Unrecht als gemütlicher, niedlicher und freundlicher Teddybär eingeschätzte Vertreter unseres Rechtsstaats namens Wolfgang Thierse war mir schon in der Vergangenheit mehrfach unangenehm aufgefallen. So kommentierte er den Verzicht Franz Münteferings auf alle politischen Ämter, um seine todkranke Frau zu pflegen, mit einem in meinen Augen grässlichen Seitenhieb auf Altkanzler Kohl: "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal".

Wie jedermann weiß, litt Frau Kohl unter einer monströs schweren Lichtallergie, die dann mittelbar auch zu ihrem Tod führte. Frau Merkel, die sich aus nachvollziehbaren Gründen am Sozialismus-Begriff im SPD-Programm gerieben hatte, beschied er wie folgt: “ Die Äußerungen von Frau Merkel sind entweder dumm oder böswillig - oder vielleicht beides. Nur weil der Staatssozialismus sowjetischer Prägung gescheitert ist, ist doch nicht die Idee der Sozialdemokraten eines freiheitlichen Sozialismus, in dem die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verwirklicht werden, damit erledigt“.

Doch, mein lieber moralinsaurer Teddy, ist sie und das völlig zu Recht.

Am 1. Mai 2010 beteiligte sich Thierse nun an einer mehrfach wiederholten Sitzblockade, um gegen eine wohlgemerkt genehmigte Demonstration der NPD-Pest zu protestieren. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, drückte es so aus: „Gegen rechts bin ich auch, aber auch für Rechtstreue. Man kann nicht werktags mit Fahrer und Chauffeur auf Staatsmann machen und am Wochenende als Salon-Revoluzzer auf der Fahrbahn sitzen und die Polizeikräfte behindern.

Ich finde, dazu gibt es nichts mehr anzumerken. Man stelle sich im Übrigen das Affentheater vor, das Thierse und Konsorten ganz zweifelsohne veranstaltet hätten, wenn sich Innenminister de Maizière einer Demonstration der Linken in den Weg gesetzt und Polizeikräfte bei der Arbeit behindert hätte.

Angesichts des Verhältnisses des Herrn Thierse zum Sozialismus und zum erkennbar gewordenen Verständnis des Demonstrationsrechts kann nicht davon ausgegangen werden, dass er nachher von einem „friedlichen, fröhlichen und gewaltfreien Protest“ (seine Eigeneinschätzung des peinlichen Auftritts am Tag der Arbeit) gesprochen hätte.

P.S.: Und wer wusste natürlich auch noch was dazu zu sagen?

Genau, meine liebe Freundin Ulla Jelpke, die ihr einäugiges und zubetoniertes Staats- und Rechtsverständnis an Hand der Causa Thierse wie folgt offenbarte: "Wer so redet, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Er übersieht auch bewusst, dass der Staat selbst Gewalt hervorruft, wenn er etwa Sitzblockaden gegen Naziaufmärsche als Straftaten wertet und gewaltsam räumen lässt".


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