Raumzeit

Ich habe jetzt eine plausible Erklärung dafür, warum gerade mir immer wieder ungewöhnliche Dinge passieren. 

Die Dingensliste ist lang, beispielhaft erwähnt sei nur, dass ich gestern an der dicht befahrenen Habsburger Straße in einem sonnigen Freiburger Café saß, wo ich in Anzug und Krawatte meinem Termin entgegen schwitzte. 

In der Nähe war eine Fußgängerampel, von gegenüber näherte sich eine
blinde Dame, die mit ihrem weißen Stock den Weg vor sich abklopfte. Kaum war sie auf meiner Seite angelangt, begann sie orientierungslos im Kreis zu laufen und war drauf und dran, wieder auf die Habsburger Straße zu geraten, auf der sich Blechlawinen vorbeiwälzten. 
Also nahm ich sie am Arm und setzte sie aufs richtige Gleis. 

Kaum hatte ich mich schnaufend gesetzt, als von rechts die nächste blinde Dame mit weißem Stock vorbeistocherte. Sie wollte die Habsburger Straße ebenfalls überqueren, das aber etwa 30 m neben der Fußgängerampel. Also wieder auf und dieses Mal über die Straße geleitet. 

Das muss man sich mal rein tun – genau zu dieser Zeit, genau an diesem Ort zwei blinde Damen innerhalb etwa einer Minute. 
Ich kenne Leute, die noch nie in ihrem ganzen Leben einer blinden Dame über die Straße geholfen haben, entweder mangels blinder Dame oder weil sie kinderstubenmäßig herausgefordert sind, wie man heute korrekterweise AKs zu bezeichnen hat. 

Das ist nur eines von vielen Beispielen, also habe ich beim Holzhacken überlegt und heureka, da war es. 

Es liegt an der Raumzeit. 

Wie wir alle wissen, umkreist der Mond die Erde in Folge der Schwerkraft. Schön und gut, aber was bedeutet das? 
Seit Einstein ist Newtons Theorie von der Gravitation wie jeder weiß total im Eimer. 

Einstein meinte, und das wurde zwischenzeitlich auch bewiesen, dass der Raum dehnbar ist. Die Erde zum Beispiel beult den Raum sackartig aus, der Mond ist – einfach ausgedrückt, denn mit der Relativitätstheorie ist ja bedauerlicherweise nicht jeder auf du und du - in diese Kuhle gepurzelt und läuft nun entlang der Wand dieser Kuhle um die Erde. 

DAS musste es sein. 

Mein beträchtliches Körpergewicht beult den Raum um mich herum aus und all die wesentlich leichteren Menschen und Gegenstände, die ansonsten ihre Bahnen weit an mir vorbei gezogen hätten, geraten in die Schwerkraft-Kuhle, die ich gerade erzeuge.

Sei es beim OFV – wo ich die wieder mal schlecht geschossene Ecke (Oberligaabsteiger!) an den Kopf geballert bekomme -, sei es in Freiburg an der Habsburger Straße. 

Der Clou ist ja, dass ich deshalb nicht mehr abnehmen muss, im Gegenteil. 
Stelle sich einer vor, Markus „Physical Gravity „(darauf bin ich echt stolz!) Hartmann wäre gestern nicht im Café gesessen, wer weiß, wo die Damen die Straße überquert hätten und wie das ausgegangen wäre. 
Man wird seit heute also die Geschichte der wunderbaren Welt der Schwerkraft völlig neu schreiben müssen.

2.8.2014

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