Trial and error - das sollte meines Erachtens ebenso Richtschnur seriöser Klimawissenschaft sein wie die Offenheit gegenüber abweichenden Meinungen, denn wirklich wissen kann niemand wirklich, ob, wie und warum sich das Klima ändert. Man kann "annehmen" und darauf aufbauend entwickeln und das unter Einbeziehung aller Quellen und Auffassungen.

Dieser Grundsatz wird aus dogmatischen Gründen und purem Eigennutz mit Füßen getreten und das geht mir mächtig auf die Nerven.

Man spricht im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung übrigens gemeinhin von "den Konzernen" und "der Industrie" (die ebenso wie wir alle ihr mächtig Scherflein dazu beigetragen haben, keine Frage), übersieht aber, dass sich klamm-heimlich "grüne" Industriezweige etabliert haben, die mittlerweile Hunderte Milliarden Dollar oder Euro bewegen und daher selbst sehr viel zu verlieren haben, sollten sich die Schlussfolgerungen zur Erderwärmung (und damit die auf sie reagierende Politik) als falsch erweisen oder sich auch nur ändern.

Welche Allianz aus Politik und Industrie hier geschmiedet wurde und wie sehr das Ganze ins eifernd Religiöse driftet, mag die kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis90/DIE GRÜNEN vom 3.11.2010 (BT-DrS. 17/3613) verdeutlichen. Unter der empörten Überschrift "Leugner des Klima-wandels in der Regierungskoalition" wird schrill moniert, dass der "klimaskeptische" amerikanische Wissenschaftler Singer - mehrfach ausgezeichnet und Begründer der NASA-Meteorologie - auf Einladung des FDP-Abgeordneten Friedhoff überhaupt auch nur zu Wort kommen und seine Thesen darlegen durfte. Das musste natürlich verhindert werden.

Ich halte das für reinsten Mittelaltergeist, holt doch die Folterwerkzeuge und Scheiterhäufen wieder hervor, wir rufen "Die Welt ist eine Scheibe und die Sonne dreht sich um sie", "Ketzer", "Häretiker" und "Kreuziget ihn", wenn uns die Botschaft nicht gefällt.

Ohne in die Sachdebatte einzusteigen oder beurteilen zu können, wer denn nun recht hat, sei auch darauf hingewiesen, dass ein "Leugner" nach der bündnisgrünen Wortwahl erkennbar jemand ist, der es besser weiß und dennoch die Unwahrheit sagt. Zum anderen werden Verläufe apodiktisch als feststehend bezeichnet, deren Grundlagen, Richtung und Reichweite für mich, insbesondere aber auch für Bärbel Höhn - eine der Initiatorinnen der kleinen Anfrage - deutlich über den verfügbaren Intellekt gehen.

Das Schlimme ist aber leider, dass mit dieser quasireligiös eingefärbten Irrationalität das (negierte) Problem ja keineswegs gelöst, vielmehr mit dem Schicksal ganzer Länder und Volkswirtschaften jongliert wird, teils aus einem gefährlichen naiv-eifernden Glaubensbekenntnis heraus, teils aus puren Bimbesgründen.

Ich habe es schon einmal gesagt - was, wenn sich die CO2-Annahme nicht bestätigt und die Erwärmung andere Gründe hat? Was sagen wir den Menschen, denen wir Vorsorge gegen steigende Meeresspiegel und Unwetterkatastrophen verweigert haben, weil wir mit gigantischem Aufwand versucht haben, das CO2-Gespenst einzufangen? No risk, no fun?

Wir von Biedermeier revisited haben es ja nur gut gemeint? Oder wie?

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