Unter Swat habe ich bislang immer eine Horde von martialischen Raufbolden verstanden, die in amerikanischen Filmen durch Fenster und Türen in Wohnungen eindringen und keinen Stein auf dem anderen lassen

Wie man jetzt aber lesen konnte, gibt es auch ein malerisches Tal namens Swat. Das Swat-Tal liegt im Nordwesten von Pakistan – nur rund 250 Kilometer von Islamabad entfernt -  und jeder, der dort lebt, kann sich ab sofort warm anziehen, insbesondere wenn er oder besser sie weiblichen Geschlechts ist. Die Provinzregierung hat nämlich mit Billigung aus Islamabad mit den Taliban unter Mullah Fazlullah eine Vereinbarung getroffen, nach der es erlaubt sein wird, im Swat-Tal und den umliegenden Distrikten Recht nach den Vorgaben der Schari´a zu sprechen, was nach den bisherigen Erfahrungen zur Errichtung einer Terrorherrschaft im Namen des Islam führen wird. Wer die Möglichkeit hat, flieht.

Schon länger durchstreifen „Rechtgläubige“ nachts die Provinz auf der Suche nach Delinquenten, deren enthauptete Leichen man dann morgens an exponierter Stelle auffindet. Zu diesen Delinquenten gehören auch diejenigen, die in einem unbedachten Moment öffentlich Sympathie für die Zentral-regierung äußern, also genau der Zentralregierung, die nun ihr Plazet zu dieser Vereinbarung gegeben hat.  Frauen dürfen bei Todesstrafe keine Märkte mehr besuchen und Mädchen nicht mehr zur Schule gehen, wie der Spiegel jüngst berichtete.

Wer das merkwürdig findet, berücksichtigt nicht, dass nach der Logik der Dr. Strangeloves in Islamabad die Amerikaner in absehbarer Zeit aus dem nahe gelegenen Afghanistan abrücken und die Inder dann in das Machtvakuum vorstoßen werden. Nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, spielt man nun den Taliban in die Hand, man bleibt wirklich sprachlos zurück.

Folge ist also, dass die Taliban, die den Alliierten in Afghanistan ohnehin erheblich zusetzen, ein offiziell geduldetes Rückzugsgebiet auf pakistanischem Boden vorfinden, denn wer glaubt, dass Islamabad im Nordwesten des Landes noch überhaupt irgendwas zu sagen haben wird? Eben.

Das Signal, das mit dieser Vereinbarung verbunden ist, kann getrost nur als fatal bezeichnet werden, denn es wird den Taliban nur weitere sog. „Gotteskrieger“ und Sympathisanten zutreiben und wenn es dem Westen jetzt nicht gelingt, Afghanistan zu befrieden und ein hinreichend stabiles demokratisches System zu implementieren, dann wage ich mir nicht vorzustellen, welche Wirkung das auf aufgeputschte Islamisten auch in den westlichen Ländern haben wird. Bislang ist das vielleicht mit überwiegend ungeeigneten Mitteln versucht worden und ich hoffe, das Umdenken bei den Militärs und Politikern hält an.

Erst wenn es gelingt, die Menschen für die demokratische Sache zu gewinnen und sie dazu zu bewegen, gegen Fanatiker jedweder Couleur im Interesse ihres Gemeinwesens vorzugehen, wie das teilweise auch schon im Irak gelungen ist, wird man den Sumpf austrocknen und der westlichen Welt den Schönheitsschlaf erhalten.

April 2009

Anmerkung 2.8.2009: Nach der Offensive der Sicherheitskräfte ist es im Swat-Tal wieder möglich, Schulen wieder zu eröffnen. Schulen waren bevorzugte Ziele der Taliban, die insgesamt fast 200 Schulen zerstörten und mehrere hunderte beschädigten, übrigens fast ausnahmslos Mädchen-schulen, denn Mädchen sind nach dortiger (Koran)Lesart von der Bildung auszuschließen.

Anmerkung 8.11.2011: Das Pflänzchen Hoffnung sprießt.



Der Vater von Malala Jusufzai leitete eine Mädchenschule im Swat-Tal, die von den Taliban geschlossen und erst wieder eröffnet wurde, nachdem das pakistanische Militär diesen grauenhaft Spuk im Tal beendet hatte. Malala (heute 14) hatte bereits damals gegen die Schließung der Schule protestiert, weil sie lernen wollte.

Sie engagierte sich – als Kind! – auch nach 2009 dafür, dass pakistanische Mädchen für uns Selbstverständliches wie den Schulbesuch wahrnehmen können. Dafür wurde sie auch mit einem Internationalen Friedenspreis ausgezeichnet. Sie ließ sich auch von Drohungen nicht einschüchtern.

Am 9.10.2012 schossen mehrere Männer auf Malala und trafen sie in Kopf und Rücken. Sie fiel ins Koma und wurde operiert. Man wird sehen, ob und wie sie überlebt, sie scheint außer Lebensgefahr zu sein, auch wenn niemand sagen kann, ob sie bleibende Schäden aufweisen wird.

Zu dieser glorreichen Tat bekannt haben sich die Taliban, das mit der Begründung Malala sei „zu prowestlich“, das reichte.

Fazit:

1. Auch daran sollte man denken, wenn man diese Kreaturen aus einer Melange von us-amerikanischem Versagen nach der Vertreibung der Russen und der Züchtung durch den pakistanischen Geheimdienst als potentielle Verhandlungs-partner bezeichnet.

2. Wäre das pakistanische Militär nicht tätig geworden, wäre es Malala und anderen Mädchen oder jungen Frauen nicht möglich gewesen, zur Schule zu gehen und die Saat dafür zu legen, dass steinzeitlich anmutende Gesellschaften überwunden werden. Das wird jeder im Auge behalten müssen, der militärisches Vorgehen in Bausch und Bogen verdammt.

Lieben Gruß in diesem Zusammenhang übrigens an die deutsche Friedensbewegung, die u. a. Postkarten vertickt mit den Slogans „Erdöl, Erdgas, Erdbestattung“ und Bildern nebeneinander liegender Öl- und Gaspipelines sowie eines Massengrabs mit Särgen, auf denen deutsche Stahlhelme liegen.

                                  


3. Es zeigt sich, dass es vergleichsweise wenig Aufwandes bedarf, eine Gesellschaft mittels extremistischer Psychopathen zu destabilisieren, denn natürlich ist auch in Pakistan die Anteilnahme am Schicksal Malalas groß, noch größer ist aber die Angst vor den Taliban. 

16.10.2012


Aktuell haben pakistanische Taliban der Junood ul-Hifa neun ausländische Extrembergsteiger und einen Pakistani in einem Hotel in der Nähe des Nanga Parbat erschossen. "Ausländer sind Ungläubige, die dem Islam schaden wollen, und wir werden sie angreifen, wo immer wir das können". Soweit zur sattsam bekannten Begründung. 

23.6.2013


In Peshawar kam es gestern zu einem Anschlag auf eine christliche Kirche, bei dem 70 Menschen - darunter sechs Frauen und drei Kinder - getötet und 130 verletzt wurden. Die beiden Täter zündeten Sprengstoff, als die Gemeinde nach der Messe bei der Kirche standen. Angeblich standen die Täter den Taliban nahe.

Einen Tag zuvor hatte die pakistanische Regierung den früheren Vizechef der afghanischen Taliban Mullah Abdul Ghani Baradar freigelassen, als Beitrag zu Friedensprozess in Afghanistan.

Der Anschlag war dann vielleicht das Dankeschön à la Islamismus.  

23.9.2013


Die Petition für Frau Asia Bibi habe ich bereits vor geraumer Zeit unterzeichnet, genutzt hat das alles nichts.

Frau Bibi, eine Christin, soll sich 2010 nachteilig über den Propheten ausgelassen haben und wurde deshalb der Gotteslästerung angeklagt. Angesichts eines derartig monströsen Kapitaldelikts blieb natürlich nur der Tod durch Erhängen als Urteil.

Frau Bibi ließ Berufung einlegen und seither dümpelt der Prozess vor sich hin. Zuletzt im August 2013 hat sich die CDU/CSU-Fraktion, vertreten durch Herrn Kauder gegenüber dem pakistanischen Botschafter für Frau Bibi eingesetzt, immerhin.

Das Ganze ist ein Armutszeugnis nicht nur für den Staat Pakistan und dessen Gesellschaft, sondern auch für eine Religion, die dort immer mehr pervertiert.

Warum?

Salmaan Taseer, Gouverneur der Heimatprovinz von Frau Bibi, wurde ermordet, weil er sich für Frau Bibi eingesetzt hatte. Der Mörder wurde gefeiert wie ein Popstar.

Ermordet wurde auch der Minderheitenminister Pakistans, Shabaz Batthi, ebenfalls wegen Unterstützung Bibis.

Es existiert mindestens eine Fatwa, die jeden Muslim verpflichtet, Frau Bibi umzubringen.

Ich denke, das zeigt hinreichend, dass es nicht um einen "Einzelfall" geht.

Wann ein endgültiges Urteil ergeht ist unklar. 

26.9.2013


Ende Mai 2014 ist die schwangere 25jährige Farzana Iqbal von etwa 20 Angehörigen vor den Augen einer Menge Schaulustiger vor einem Gerichtsgebäude in Lahore mit Knüppeln und Steinen getötet worden. Grund: Sie hatte kürzlich einen verwitweten 45jährigen Mann geheiratet und war von ihm schwanger. Der Vater, der unter den Mördern war, erklärte nachher wörtlich:" Ich habe meine Tochter getötet, weil sie unsere gesamte Familie beleidigt hat, indem sie einen Mann ohne unser Einverständnis geheiratet hat. Ich habe kein Bedauern deswegen".

 1.6.2014



Malala Yousafzai hat jüngst völlig zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten und zwei Tage später meldet sich die Talibanbrut über Twitter unter Hinweis auf gewetzte Messer für die Feinde des Islam. Malalals Wohlergehen ist nicht mehr ihre Privatsache, sondern unser aller Aufgabe. 

11.10.2014


T-Online berichtet in diesem Artikel, dass ein muslimischer Mob ein christliches Ehepaar, Eltern mehrerer Kinder, in Punjab wegen angeblicher Schändung des Korans, erst gefoltert und dann lebendig in einem Ofen verbrannt haben. Angeblich hätten sie mehrere Seiten des Koran verbrannt. Die Kinder sollten ihr Schicksal teilen, das konnte allerdings wohl abgewendet werden.

Einzelfall, wieder mal, könnte man meinen, wäre der Blasphemie-Vorwurf in Pakistan nicht grundsätzlich ein lebensgefährliches Risiko, dem schon mehrere "Ungläubige" zum Opfer gefallen sind.

Wie T-Online berichtet, sitzt eine Christin - die oben bereits angespochene Asia Bibi - seit 2010 in der Todeszelle, weil sie angeblich abschätzig über den Propheten gesprochen haben soll.

Bei einer solchen staatlichen Steilvorlage muss man sich über grässliche Pogrome nicht wundern.

5.11.2014



Im Parlament in Islamabad darf man heuer wieder Kopfgelder aussetzen. So geschehen nun durch Herrn Ghulam Ahmed Bilour, einen ehemaligen Minister, der 200.000 Dollar aussetzte für den, der den "Charlie Hebdo"-Eigner töte. Der Mann hat Erfahrung mit so etwas. 2012 setzte er ein Kopfgeld aus auf die Verantwortlichen des Filmes "Die Unschuld der Muslime", die dann auch untertauchen mussten. Den Erben der Mörder von paris versprach er übrigens 100.000 Dollar. Ob ernst gemeint oder nicht, so eine Kreatur müsste eigentlich sofort aus dem Parlament geworfen und mit einem monströsen Strafverfahren nebst sozialer Ächtung belegt werden. Nicht so im Pakistan 2015.


4.2.2015


Mutter verbrennt 16jährige Tochter bei lebendigem Leib wegen "falscher" Heirat. Laut t-online trifft dieses Schicksal - der Tod - Jahr für Jahr etwa 1.000 junge Frauen in Pakistan. Islam heißt Frieden. Ewigen Frieden möchte man hinzufügen.

9.6.2016



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