Harper Lees "Wer die Nachtigall stört" entstand 1960 und wurde 1961 mit dem Pulitzerpreis ausge-zeichnet. Man kann gerade vom Stil halten was man will, ich jedenfalls habe es gerne gelesen, auch weil ich finde, dass man sich in die Zeit und die Umstände versetzen sollte, in oder unter denen es entstand. Das Buch spielt im amerikanischen Süden der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Verfilmt wurde es auch zwei Jahre nach seinem Erscheinen mit Gregory Peck als Atticus Finch. So weit, so schön.

John Foley. Lehrer an der Washingtoner Ridgefield Highschool, dachte sich, wenn Mrs. Lee Geschichte schreiben kann, dann kann ich das auch. Er hat das Buch gelesen und mit dem Zählen begonnen. 48 mal taucht angeblich darin das Wort "Nigger" auf (ich hab´s nie gezählt), was nicht weiter verwundert, da es nicht gänzlich überraschend unter anderem um den Rassismus amerikanischer Südstaatler in jenen Jahren geht.

Dem Buch selbst geht jeder Rassisimus ab, im Gegenteil, es ist ein Plädoyer für Respekt, Mitmenschlichkeit und Toleranz. Das alles ist völiig egal, denn wenn es nach Mr. Foley geht, muss das Werk subito aus den Lehrplänen verschwinden.

Offensichtlich hält dieser Leerkörper amerikanische Schüler allesamt für zu doof, um das Schimpfwort in den richtigen Kontext zu setzen und insoweit richtig zu verstehen. Darüber hinaus entmündigt und diskreditiert Mr. Foley nebenbei noch die Schriftstellerin, die sich bei ihrer Wortwahl natürlich etwas gedacht hat.

Ich denke, irgendwann werden auch Werke wie "Richard III." auf diesem Schwachsinnsindex landen, denn Brutalität ist auch etwas, das wir unseren doofen Kindern dringend vorenthalten müssen, selbst wenn sie in Weltliteratur gekleidet sein sollte. 

Und übrigens - wenn gehobelt wird, dann fallen eben Späne. Auch Mark Twains "Huckleberry Finn" soll dran glauben, da wird sogar 200 mal von "Niggern" gesprochen.

Junge, Junge, die Nachtigall und Huck Finn haben Malcolm X, Angela Davies und die Black Panthers überlebt und jetzt will sie ein Pauker von irgendwoher aus dem Schulorbit feuern. Ich hoffe, dass er mit diesem Scheiß nicht durchkommt. Setzen, sechs.

P.S. Man schreibt jetzt Anfang 2013 und ich hätte niemals für mögich gehalten, dass der Foley´sche Scheiß irgendwann mal gesellschaftsfähig würde. Welch ein Irrtum. Hier ein Link zu Frau Ministerin Schroeder, die ihren Kinder aus "Pippi Langstrumpf" vorliest und dabei nicht vom Lindgren´schen "Negerkönig", sondern vom Schroeder´schen "Südseekönig" spricht. Es geht voran.

2010

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