Mohammad Mossadegh oder wie man sich zuverlässig unbeliebt macht

Vor den Mullahs herrschte im Iran – auch dank der Armee und des Geheimdienstes Savak – Schah Reza Pahlevi, samt seiner Frau(en) Star u.a. der bundesdeutschen Yellowpress.
Davor gähnt(e) zumindest für mich ein riesiges Loch.
Füllt man dieses Loch, wird einem einiges klar, auch was gewisse Handlungen der Iraner angeht, wiewohl ich das derzeitige Regime, das u.a. Frauen (= Menschen zweiter Klasse) und Jugendliche für lachhafte und nur durch eine pervertierte Religion erklärbare „Delikte“ öffentlich aufhängen oder steinigen lässt, für eine Pest halte.

Wie nicht anders zu erwarten, dreht sich dabei alles ums Öl.
Bereits im 19. Jahrhundert hatten das zaristische Russland und das britische Empire die Hand auf wesentlichen Teilen Eurasiens, namentlich dem Kaukasus, Afghanistan und eben Persien.

Via Konzessionen und wirtschaftlicher Übermacht sicherten sich die Briten den massgeblichen politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Persien.
Nachdem Erdöl als Rohstoff immer wichtiger und damit wertvoller wurde, sicherte sich der Londoner Geschäftsmann William Knox d´Arcy die erste Konzession für die Suche nach Öl auf dem persischen Territorium. Laufzeit 60 Jahre, Preis 10.000,00 Pfund. 

1908 wurde d´Arcy fündig und gründete darauf hin die Anglo-Persian Oil Company, die APOC.

Der damalige Erste Lord der Admiralität, ein gewisser Winston Churchill, der die britische Flotte von Kohle auf Öl umstellte, sicherte 52,50% der Anteile von APOC für die britische Regierung. 
In der Zeit danach wurden die Iraner nicht nur hinsichtlich der eigentlichen Vertragsbedingungen, sondern auch bei der Umsetzung systematisch benachteiligt.

1933 wurde nachverhandelt und es ergaben sich gewisse finanzielle Verbesserungen für die Iraner, allerdings zementierten die Briten damit auch ihre Position.
1935 wurde die APOC in AIOC (Anglo-Iranian Oil Company) umbenannt, 1954 übrigens in British Petroleum, „BP“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Iran von den Alliierten besetzt, der Schah abgesetzt, nachdem er mit Hitler sympathisiert hatte, und sein Sohn Mohammed Reza Pahlevi (s.o. Yellowpress) eingesetzt.

Das Land erhielt aber die Zusage seiner Unabhängigkeit nach dem Krieg, an die sich die Alliierten auch hielten, wenn auch die Briten auf Grund ihrer starken wirtschaftlichen Präsenz im Land nach wie vor die Strippen zogen.
1948 kam es zu erneuten Verhandlungen über die Erdölkonzessionen der Briten, nachdem das iranische Parlament 1947 einen neuen verbesserten Vertrag mit den Briten verlangte, weil der Iran als eigentlicher Eigentümer seiner Erdölvorkommen etwa 1950 nur etwa 9% der Erdölerlöse erhielt.

Die Briten liessen sich auf die Verhandlungen ein, führten diese aber mit einer derartig arroganten Attitüde, dass diese selbst die ebenfalls mit Firmen im Land vertretenen Amerikaner abstiess, die damals durchaus Verständnis für die iranische Position hatten.

Die Amerikaner sahen nämlich nach der kommunistischen Revolution in China und der Nuklearbewaffnung der Sowjetunion die Notwendigkeit, alles zu tun, um kommunistischen Einfluss im Mittleren und Nahen Osten zu unterbinden, zumal klar war, dass die erdölabhängige Wirtschaft aus eigenen Quellen nicht mehr gespeist werden konnte, man auf die Ölfelder gerade auch des Iran angewiesen sein würde.

Aus diesem Grund war die Truman-Administration der Auffassung, dass nicht nur der Iran, sondern etwa auch Saudi-Arabien wirtschaftlich und sozial gestärkt werden mussten, was wiederum nach amerikanischer Lesart bedeutete, dass der Iran höhere Beteiligungen an den Erdölerlösen für eigene Zwecke erhalten musste.

Sie warnten „die Freunde in ihrem imperialen Sonnenuntergang“ vor einer sturen Verhandlungsführung, andernfalls eine Verstaatlichung der iranischen Erdölindustrie möglich werden würde.

Da die Briten unbelehrbar blieben und sich die Schere zwischen dem Gros der in Armut verbliebenen Bevölkerung – auch der bei den Briten beschäftigten Erdölarbeiter - und der dünnen Oberschicht, die von dem Erdölboom auch profitierte, immer weiter öffnete, die Gelder aus dem Erdölgeschäft ins Ausland statt in die Entwicklung des Landes flossen, kanalisierte sich der Unmut in der Bevölkerung u.a. in der Gründung der Partei Nationale Front (NF) unter Führung des Rechtsanwalts Dr. Mohammed Mossadegh. Die NF forderte u.a. eine Bodenreform, das Frauenstimmrecht und die Verstaatlichung der AIOC.

Im März 1951 wurde die AIOC dann per Dekret des iranischen Parlaments, welches aus der Feder von Mossadegh stammte, mit Wirkung zum 1.5.1951 verstaatlicht und die Iraner nahmen das Ölgeschäft selbst in die Hand. Gleichzeitig wurden der AIOC Gespräche über eine angemessene Entschädigung angeboten.

Kurz darauf wurde der Ministerpräsident Razmara von islamistischen Fanatikern (!) ermordet, worauf Mossadegh zum Ministerpräsident gewählt wurde.

                       

Mossadegh war nie Kommunist.

1882 in Teheran geboren, studierte er in Europa und musste eine gewisse Zeit im Exil verbringen. Er war gebildet und geistreich, gleichzeitig auch exzentrisch, wurde aber gerade auch von den Amerikanern unter Truman und Acheson als Gesprächs- und Verhandlungspartner zunächst geschätzt und war im Jahr 1952 sogar „man of the year“ in der amerikanischen Zeitschrift „Time“. Er selbst war auch an einem guten Verhältnis zu den Amerikanern interessiert.

Er war aber zuvörderst patriotischer Iraner und das ließ er die Amerikaner spüren, als es etwa um Reparationszahlungen im Zusammenhang mit der Verstaatlichung der Erdölförderung ging. Geld interessierte Mossadegh nie, an erster Stelle stand für ihn immer die Unabhängigkeit des Iran, so dass für die Amerikaner relativ rasch klar wurde, dass sie ihn nicht würden lenken können.

Die Amerikaner blockierten zunächst jeden Versuch der Briten, das auf die „gute alte“ Art und Weise (militärisch) zu lösen. Auch juristisch gingen die Briten baden, ihr vor dem Internationalen Gerichtshof angestrengtes Verfahren endete mit einem Sieg des Iran.

Allerdings beteiligten sich die USA an dem von den Briten initiierten Boykott iranischen Öls, da sie nach und nach zur Einsicht kamen, ein unabhängiger Iran könne als Fanal für andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens gelten, was angesichts des herrschenden Kalten Krieges und steigenden Erdölbedarfs als Katastrophe angesehen wurde.

Der Boykott führte zu einer schweren Wirtschaftskrise im Iran, die zwar Mossadeghs Popularität in der Bevölkerung nicht schmälerte, ihn aber politisch zwang, sich u.a. auch der Hilfe der kommunistischen Tudeh-Partei zu bedienen, um vom Schah weitere Notstandsrechte zu erzwingen, wodurch Tudeh politisch stark aufgewertet wurde.

Damit hatten Briten und Amerikaner die von ihnen provozierten ersten Vorboten, dass der Iran in den „Sog des Kommunismus“ geraten würde, obwohl Mossadegh erkennbar kaum Sympathien für die Tudeh entwickelte, da ihm die Unabhängigkeit über alles ging und er den Teufel USA nicht durch den Beelzebub Sowjet-Union ersetzen wollte.
So forderte die Tudeh, die Konzession für die nördlichen Ölquellen an die Sowjet-Union zu geben, was Mossadegh ablehnte, da iranische Quellen allein und ausschliesslich in iranischer Hand bleiben sollten.

1953 kam Eisenhower in den USA an die Macht, der anders als sein Vorgänger Truman besonders enge Beziehungen zu den Geheimdiensten schätzte.
In diesem Jahr sorgte Mossadegh auch dafür, dass der Schah seine Bereitschaft erklärte, das Land zu verlassen, was wiederum royalistische und kirchliche Kreise gegen ihn aufbrachte.

Damit war für die USA der Bock fett.
Da die CIA anders als zuvor unter Truman sehr viel stärkeren Einfluss hatte, arbeitete ein CIA-Agent namens Kermit Roosevelt (ein Enkel Teddy Roosevelts) die Operation Ajax aus mit dem Ziel der Beseitigung Mossadeghs durch die CIA. CIA-Chef Dulles stellte hierfür 1 Mio Dollar zur Verfügung.

Der Schah, Reza Pahlevi, der allerdings als Weichei galt, sollte bewegt werden, Mossadegh per Schah-Dekret seines Amtes zu entheben und einen von der CIA sorgfältig ausgesuchten Nachfolger, General a. D. Zahedi, einzusetzen. Der Schah zögerte und zauderte, wurde dann aber u.a. von einem gewissen H. Norman Schwarzkopf (ja, der Vater von „Stormin´ Norman“) überredet mitzumachen.

Der Schah kooperierte also, floh dann aber nach Unterzeichnung der Dekrete, da Mossadegh von dem Coup erfahren und loyale Militärs in Marsch gesetzt hatte.

Die Tudeh drängte Mossadegh, nun die Republik auszurufen, aber dazu konnte dieser sich nicht entschliessen. An dieser Stelle beging er wohl einen kapitalen Fehler, als er nicht das gesamte Land inklusive der Landbevölkerung hinter sich brachte, sondern sich im wesentlichen an das städtische Bürgertum und die Intellektuellen wandte. Er hatte auch die angestrebte Bodenreform wegen befürchteter innerer Unruhen verschoben.

Der Putsch schien jedoch geplatzt, aber Roosevelt hatte noch ein As im Ärmel, die Operation Ajax lief an.

Roosevelt ließ CIA-Agenten im Namen der kommunistischen Tudeh-Partei randalieren. In einem Fall wurde durch Agenten auch das Haus eines bekannten Klerikers in Brand gesetzt und Handzettel verteilt, auf denen "es lebe Mossadegh" und "es lebe der Kommunismus" oder "nieder mit Allah" aufgedruckt war.
Es sollte der Anschein erweckt werden, der jetzt anlaufende Putsch sei eine Reaktion auf einen kommunistischen Umsturzversuch (gewesen).

Der Plan ging auf und im Zuge der sich anschliessenden Auseinandersetzungen wurde Mossadegh 1953 durch das Militär gewaltsam abgesetzt, wobei die Tudeh keinen Finger zur Rettung Mossadeghs rührte, ein bemerkenswertes Beispiel menschlicher Dummheit und Kurzsichtigkeit, wie sich im Zuge der späteren Säuberungen durch die Sicherheitsdienste des Schah zeigte, denen auch Hunderte von Tudeh-Mitgliedern und – Aktivisten zum Opfer fielen.
Als alles in seinem Sinn geklärt war, kehrte der Schah auch aus seinem „Exil“ zurück und setzte wie gewünscht den vorgesehenen Premier ein.

Mossadegh wurde zu dreijähriger Einzelhaft und lebenslänglichem verschärftem Hausarrest verurteilt; er starb 1967.

Sein Außenminister wurde gefoltert, schwer verletzt vor Gericht gestellt und dann hingerichtet. Dem früheren Justizminister riss man im Gefängnis die Augen heraus und fügte ihm weitere schwere Verletzungen zu, an denen er auch starb.

Auch Führung und Mitglieder der Tudeh wurden im Zuge der Säuberungen verhaftet und getötet bzw. misshandelt. 

In den darauf folgenden Jahrzehnten herrschte bis zur Machtergreifung durch Khomeini ein brutales und menschenverachtendes Regime, das sich insbesondere den Hass der islamischen Welt zuzog und das a) nur durch die politische Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit der Briten und b) durch den Coup d´Etat seitens der CIA möglich wurde. Seither spricht man im Iran vom „Großen“ und vom „Kleinen Satan“.     

Madeleine Albright erklärte 2000, der Putsch sei „ein eindeutiger Rückschlag für die politische Entwicklung des Iran gewesen“ und man könne „leicht einsehen, weshalb viele Iraner bis heute diesen Eingriff Amerikas in ihre inneren Angelegenheiten verabscheuen“.

 

Mai 2007 

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