"Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit all das sind Dinge, für die wir wirklich auch sagen müssen, dass wir uns dafür schämen, dass es das in unserem Land noch gibt. Und hier haben wir alle miteinander noch sehr viel Arbeit".

Sagte Frau Bundeskanzlerin Merkel kürzlich und ergänzte, die Enthüllungen um die NSU-Mordserie stellten das prägendste Erfahrung dieses Jahres für sie dar. Der Fokus ist also klar.

Ich gehe nicht davon aus, dass Frau Merkel per Video Binsenweisheiten verbreiten wollte, denn jeder mit klarem Verstand in diesem Land ist ja per se gegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus.

Also, was will uns Frau Bundeskanzlerin sagen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch zukünftig trotz aller Scham und Arbeit Personen in diesem Land geben wird, die aus welchen Gründen auch immer bei ihrer Ablehnung ausländischer und jüdischer Mitbürger bleiben werden, so idiotisch das auch sein mag. Man wird sie nicht umstimmen können, selbst wenn man noch so hart arbeitet oder sich noch so nachdrücklich für sie schämt.

Abgesehen davon, dass man diese Leute seit Jahrhunderten durchschleppt, teilen wir dieses Schicksal übrigens mit praktisch allen anderen Ländern auf diesem Erdball.

Man sieht – es herrscht Binsenweisheitalarm.

Nun kommt der NSU ins Spiel.  Ich gehe mal einfach davon aus, dass die drei durchgeknallten Mörder Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt die Taten, die man ihnen vorwirft auch begangen haben, wiewohl auch für sie zunächst natürlich einmal die Unschuldsvermutung stritte, aber vergessen wir das hier einmal.

Ich konnte bislang nicht den geringsten Hinweis darauf erkennen, dass diese Desperados sich  auch nur den Hauch eines Rückhalts in der Bevölkerung sicher sein konnten , die entsetzten Reaktionen belegen vielmehr das Gegenteil.

Das führt zur Frage, wer denn der NSU überhaupt ist. Ist der NSU personenidentisch mit Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt? Falls ja, darf festgestellt werden, dass der NSU zerschlagen ist, denn Mundlos und Böhnhardt sind tot, Zschäpe sitzt in Haft. Soweit mir bekannt ist, gibt es bislang auch weder weitere Terroranschläge des NSU noch sonst einen Beleg seines Fortbestandes, also muss ich davon ausgehen, dass der NSU tatsächlich aus den genannten drei Personen bestand.

Den Ermittlungsbehörden ist zu verdanken, dass diese widerliche Terrorzelle in ihrer bekannten Form zerschlagen wurde.

Muss ich mich jetzt wegen der Mordserie schämen oder steht Arbeit für mich an? Ich meine nein, denn von den Tätern geht keine Gefahr mehr aus, so dass sich „Arbeit“ meinerseits erübrigt und schämen kann ich mich für die Taten nicht, warum auch?

Was bedeutet Scham? Laut Wikipedia definiert sie sich folgendermaßen:

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben“.

Trifft das auf mich, meine Verwandten, Freunde und Bekannten zu? Nein, ganz sicher nicht, vor allem muss ich mir das nicht von Frau Bundeskanzlerin sagen lassen, die mit dem obersten Aufseher des Bundesverfassungsschutzes am Regierungstisch sitzt. Im Übrigen ist Scham eine höchstpersönliche Angelegenheit und ich verwahre mich gegen die Verordnung von Gefühlen.

Nein, die Mordserie des NSU kann sie nicht gemeint haben.

Aber, wenn wir schon dabei sind: Die Ermittlungsbehörden!

Auch sie sind bekanntlich in den Fokus gerückt und ihnen wurde u.a. von bestimmten Kreisen vorgeworfen, „auf dem rechten Auge blind“ zu sein. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich wehre mich aber gegen einen Generalverdacht, den die Personen, die ihn erheben, in anderen Situationen weit von sich weisen.

Wer sich im Übrigen mal mit der Vorgeschichte zu 9/11 befasst hat, wird feststellen, welche Kloake an Eifersüchteleien, Dummheit und Ignoranz sich aufgetan hat, nachdem man das „Wirken“ der In- und Auslandsdienste der USA untersucht hatte.  Man gönnte sich gegenseitig nicht den Dreck unter den Fingernägeln, blieb auf Informationen sitzen und sorgte dadurch für genau das Chaos, das die Herren Atta und Konsorten für sich ausnutzen konnten.

Da ich nicht davon ausgehe, dass FBI, NSA und CIA irgendwelche warmen Gedanken  für islamistische Irre hegten, wird man einfach berücksichtigen müssen, dass Institutionen wie den Abwehrdiensten Menschen angehören, die den Anforderungen nicht gewachsen sind, ohne dass man gleich finstere Motive hinter ihrem Versagen bemühen müsste.

Wenn also die zum Schutze der deutschen Bevölkerung installierten Behörden  im Falle der NSU-Mordserie versagt haben sollten, müssen selbstredend Konsequenzen gezogen werden, was meines Wissens bereits geschieht.

Zwangsläufige Frage: Hat Frau Merkel das vielleicht gemeint?

Auch das ist klar zu verneinen, denn sie spricht ja davon, dass „wir“ uns alle zu schämen haben und „wir“ jede Menge Arbeit vor uns hätten.

Da meine Verbindungen zum Verfassungsschutz und BND exakt bei null angesiedelt sind und ich das getrost für 100% meines Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis behaupten kann, steht für die Bevölkerung insoweit ebenfalls keine „Arbeit“ an und die Verordnung von Schamgefühlen in diesem Zusammenhang ist derart daneben, dass ich das hier nicht weiter vertiefe.

Was zum Henker kann sie also gemeint haben?

Nachdem diverse Anlässe eliminiert werden konnten, beschleicht einen ein wirklich hässliches Gefühl.

Haben wir nicht erst neulich in der Studie „Rechtsextremismus in Deutschland“ von der Friedrich-Ebert-Stiftung die Leviten gelesen bekommen? Man könnte natürlich einwenden, das sich einem beim Durcharbeiten der Studie angesichts der Untersuchungsmethoden und –ergebnisse einerseits und der Schlussfolgerungen andererseits nichts anderes als die – verbliebenen – Haare sträuben können, aber das macht ja nichts, wo Rauch ist ist bekanntlich auch Feuer, ein Schelm, wer Böses bei solchen „Studien“ denkt.

Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung ist danach wohlgemerkt rechtsextrem, dieser Eindruck ist trotz allem verzapften Unsinn in der Studie in der Welt und eitert vor sich hin.

Es wird also deutlich, dass die Merkel´sche Aufforderung, kräftig im ausländerfeindlichen und antisemitischen Unterholz zu roden und sich im Übrigen zu schämen, genau in diese Kerbe schlägt.

Hoffähig gemacht wird mit so etwas die unverhohlen interessengeleiteten Vorwürfe der Mazyeks und Kolats, die ungestraft über „Nazis in Nadelstreifen“  und darüber räsonieren dürfen, der Rechtsextremismus sei „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Irgendwelche Gegenwehr aus dem Bundeskanzleramt habe ich angesichts solcher Unverschämtheiten vermisst, also muss ich die Merkel´sche Aufforderung als allmählich penetrante Fortschreibung solchen Gedankenquarks ansehen.

Warum ich mich so allmählich gewaltig aufrege?

Dieses permanente Schüren von Schuldgefühlen hat Methode und man wird, ob man will oder nicht in argumentative Geiselhaft genommen, denn „wir“ haben uns zu schämen, „wir“ haben viel Arbeit vor uns.

Frau Merkel meint mit dem „wir“ also auch sich selbst, wobei die einzig mögliche Interpretation übrig bleibt,, sie habe zwar die Arbeit, sei aber selbst nicht ausländerfeindlich und antisemitisch, was man von den Adressaten ihrer Erklärung – wir alle – offensichtlich aber so nicht unbedingt sagen kann. Dazu bleibt die Erklärung inhaltlich zu diffus, es wird nicht gesagt, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung habe mit so einem Scheiß nichts am Hut, es handle sich um Einzelfälle, die man nicht überbewerten dürfe, man müsse aber wachsam bleiben. Diese Formulierungen habe ich übrigens bewusst gewählt, sie werden dem einen oder anderen bekannt vorkommen.

Nein, „wir“ haben viel Arbeit, „wir“ müssen uns schämen.

Man möge sich angesichts derartigen Arbeitseinsatzes vergegenwärtigen, dass aktuell das Leben zahlreicher Männer, Frauen und Kinder in diesem Land am seidenen Faden, nämlich dem Faden einer Glühbirne hing und es um ein Haar zahlreiche unglückliche  Heiligabende gegeben hätte.

Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist wirklich gezündet worden, das scheint noch nicht so richtig ins öffentliche Bewusstsein gedrungen zu sein. Der Zünder ging los, war aber wegen eines Fehlers bei der Umsetzung islamistischer Digitalpost nicht in der Lage, den nagelgespickten Sprengsatz zur Detonation zu bringen.

Und was machen die Bundesbürger? Sie gehen weiter zur Arbeit, sehen abends fern und freuen sich auf Weihnachten, legen also eine stoische Ruhe an den Tag, die dem Arbeits- und Schamaufruf, aber auch der sog. Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung in einer Weise Hohn spricht, dass man lachen könnte, ginge es nicht um derart schlimme Dinge.

Keine Schmierereien an Moscheewänden, keine Anschläge auf muslimische Mitbürger, keine Hassaufrufe.

Nein, diese Bevölkerung kann sehr gut unterscheiden zwischen dem muslimischen Nachbarn und den Steinzeitirren aus der Salafistenecke. Diese gesellschaftliche Leistung so zu kommentieren, die autochthone Bevölkerung müsse sich wegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus schämen und irgendwelche nicht näher bezeichnete Arbeit verrichten, ist bei Licht betrachtet so grotesk, dass man sich fragt, warum das nicht auf entschiedenen Widerstand gestoßen ist.

Meine einzige Erklärung ist die Gewöhnung, die Gewöhnung daran, dass man schwer an einer nicht kleiner, sondern mit den Jahren unverständlicherweise immer größer werdenden Schuld trägt, es egal ist, was man tut oder finanziert, es ist im Zweifel falsch oder zu wenig.

Terror nach Marke eines jeden –ismus gehört gesamtgesellschaftlich bekämpft, das ist so banal, dass ich dazu keinen Podcast der Kanzlerin benötige, zumal wenn er Anderes intendiert als das.

Wenn ich den Merkel´schen Ball aber mal aufnehme, dann muss ich mich auch fragen, weshalb Bonn offen und öffentlich als Drehkreuz salafistischer Hassprediger und „Gefährder“ bezeichnet wird.

Wo ist hier der Vorwurf an die Adresse der Ermittlungsbehörden, denn die Täter, die offensichtlich aus dem mehr als fruchtbaren Schoss der islamistischen Gemeinde Bonns gekrochen sind, hätten bei ihrem Anschlag wahllos Menschen getötet. Tote können und dürfen nicht gegeneinander aufgerechnet werden, aber angesichts der potentiellen Opferzahl dürfte die Frage nach einem Untersuchungsausschuss zum islamistischen Anschlag in Bonn berechtigt sein.

Was hört man? Nichts. Übrigens auch nicht von den oben erwähnten Herren Mazyek und Kolat, wie schon im Fall des gelynchten Berliner Jungen Jonny, aber der war ja auch kein Muslim.

Dass sich Herrschaften wie die Damen Roth und Göring-Eckhardt, die im Falle der Zwickauer Terrorzelle jenseits der Grenze zur Schnappatmung angekommen waren, hier nicht äußern, überrascht nur den, der sich keine Vorstellung vom Gesellschaftsbild der ja so bürgerlichen Grünen macht.

 19.12.2012

 

The Girl from Ipanema gibt´s wirklich.

Sie heißt Heloise „Helo“ Pinheiro, wird im Juli 70 Jahre alt, macht auch heute echt noch was her und erregte Mitte 1962 beim Vorbeigehen die Aufmerksamkeit des Musikers Carlos Jobim und seines Spezis, des Dichters Vinicius de Moraes.

Beide Herren, damals schon nicht mehr wirklich taufrisch, saßen biertrinkend vor einer Bar in Rio, sahen Helo, sonderten die seinerzeit aktuellen Komplimente brasilianischer Schöngeister ab und machten sich ans Werk.

Heraus kam ein der besten Evergreens der Welt.

Verabschieden müssen wir uns demgegenüber von einem anderen musikalisch unsterblich Gewordenen:

"... They burned down the gambling house, it died with an awful sound.
Funky Claude was running in and out, he was pulling kids out the ground...
"

Legendäre Textzeilen aus "smoke on the water" von Deep Purple.

"Funky Claude" war Claude Nobs, Gründer des ebenso legendären Montreux Jazz Festivals, zu dem er neben Jazzgrößen auch Santana, Clapton, B.B. King und die Stones einlud und den Deep Purple mit ihrer Zeile verewigten.

"Funky Claude" ist mit 76 Jahren jetzt gestorben nach einem schweren Langlaufunfall.

18.01.2013



Bulletin der Abteilung "Du, schön, dass wir uns mal drüber angepisst haben"!

Die Biokost-Kette Alnatura sah sich in den letzten Wochen via Facebook einem  Shitstorm bekennender und praktizierender Veganer ausgesetzt. Die Wortwahl muss in etwa so gewesen sein wie in salafistischen Blogs, was meine feste Überzeugung erhärtete, dass die Sicht auf die Rechte Anderer hüber wie drüben in etwa gleich ist und religiöses wie quasireligiöses Gedankengut konsequent gelebt Menschen in Zombies verwandelt .

Jedenfalls sah sich Alnatura bemüssigt, folgende Nachhilfestunde in Sachen Pluralität, Meinungsfreiheit und freier Entfaltung der eigenen Persönlichkeit auf Facebook zu erteilen. Spricht für sich und diesattsam bekannte "du-echt-du-so-Fraktion"

"In eigener Sache

Seit einigen Wochen erhalten wir zunehmend Nachrichten von Leuten, die sich von unserer Facebook-Seite abgemeldet bzw. andere Fans geblockt haben.

Der Grund: Die zahlreichen, teils aggressiven Posts und Kommentare von Veganern unter fast jedem unserer Beiträge und Rezepte. Wir möchten gerne klarstellen, dass wir unsere Kunden selbst entscheiden lassen, welche Art der Ernährung sie bevorzugen und für welche Produkte sie sich entscheiden.

Wir sind und bleiben ein Bio-Supermarkt mit einem Vollsortiment: 2/3 der Alnatura Produkte sind bereits vegetarisch/vegan, ein rein veganes Sortiment werden wir aber auch zukünftig nicht anbieten. Wir würden uns freuen, wenn unsere Facebook-Seite eine Plattform für vielfältige, respektvolle Diskussionen bleibt, auch wenn es unterschiedliche Überzeugungen gibt.

Dafür schon mal im Voraus ein Dankeschön vom Alnatura Facebook-Team. (st)."

19.1.2012

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