Der Islam ist in Al-Mamlaka al-maghribiya, besser bekannt als Marokko,  Staatsreligion. Marokko bezeichnet sich selbst als konstitutionelle Monarchie, laut dem Auswärtigen Amt gibt es dort Elemente einer parlamentarischer Demokratie, allerdings mit zentralen Vorrechten des Königs, von denen er auch Gebrauch macht. Marokko hat eine Verfassung, die allen Bürgern das Recht auf freie Religionsausübung garantiert.

Gleichzeitig drohen aber saftige Bußgelder und Haft, wenn während des Ramadan das Fasten gebrochen wird, was aufgeklärte Marokkaner nicht ganz zu Unrecht als Widerspruch nicht nur zur Verfassung, sondern auch zur Menschenrechts-Charta betrachten.

Die einem Alarmismus eher abgeneigte alte Dame Tagesschau berichtet nun, dass der marokkanische Staat völlig unverhältnismäßig gegen die Bürger vorgeht, die das oben erwähnte verfassungsmäßige Recht in Anspruch nehmen wollen.

Anlässlich eines Picknicks vor den Toren Casablancas im Ramadan 2009 wurden die Teilnehmer bereits bei der Anreise von der zahlenmäßig zehnfach überlegenen Polizei empfangen.

Zineb el Ghazaoui, Mitgründerin der Bürgerrechtsbewegung für individuelle Freiheiten, kurz MALI, erinnert sich: "Schon am Bahnhof von Mohammedia wurden wir von einer Hundertschaft der Polizei empfangen, es war wie eine Armee, die auf Terroristen wartete, mit Hunden, mit Waffen. Wir wurden beschimpft, bespuckt, in den Zug zurückgesteckt, und dann wurden wir festgenommen und stundenlang verhört." Danach regnete es Todesdrohungen per E-Mail. Erst internationaler Protest führte dazu, dass die Sache nicht mit schlimmeren Konsequenzen für die Teilnehmer endete.

El Ghazaoui teilte auch mit, die Atmosphäre der Angst erfasse auch Ausländer, die sich kaum noch trauten, während des Ramadans öffentlich zu essen.

Es gehe MALI auch nicht um eine Konfrontation mit dem Staat oder der Religion, die man beide respektiere, man weise nur auf die eigene Verfassung hin, sehe aber, dass der Staat sukzessive den Schutz individueller Rechte zu Gunsten religiöser Hardliner aus der Hand gebe.

Ich muss aber immer an den Spruch denken, wer auf dem Tiger reite, könne nicht mehr abspringen. Es ist ja auch nicht ausge-schlossen, dass sich König Mohammed VI. in Ansehung des Umstandes, dass der Islam für über 90% seiner Schäfchen sehr wichtig ist, der Radikalen bedienen möchte, um Dinge zu exekutieren, die ihm ohne den  derzeitigen religiösen Unterbau den Vorwurf unverhältnismäßig brutalen Regierungshandelns einbrächte.

Denn eins scheint mir klar zu sein -  ein zumal orientalischer Monarch wird a priori gewisse Vorbehalte gegen Organisationen haben, die individuelle Freiheiten bereits im Vereinsnamen ausweisen.

Ich denke, ihm fällt es sehr viel leichter, den Freiheitsadepten Einhalt zu gebieten, wenn er mit  den Schultern zucken und sagen kann, der Islam fordert´s halt; des Einverständnisses eines relativ großen Teils der Bevölkerung wird er sich dabei sicher sein können. Man wird sehen, wie das weitergeht. Auch tigermäßig.

18.8.2010



Es geht voran. Das marokkanische Staatsfernsehen gibt Schminktipps für vermöbelte Frauen.

8.12.2016

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