Orlando Figes - Krimkrieg Der letzte Kreuzzug

Vorab - den Untertitel "Der letzte Kreuzzug" begründet Figes in seinem knapp 800 Seiten starken Buch meines Erchtens nur in der ersten Hälfte, in der er die Vorgeschichte zu dem mir bis dato von Motiven und Verlauf her eher unbekannten Krimkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts ausführlich schildert.

Bei der Schilderung der militärischen Auseinandersetzungen geht es im Wesentlichen um die zwischen Russen einerseits und Franzosen sowie Briten andererseits.

Wie gesagt - ein für mich bislang eher unbekannter Krieg. Klar hatte man von Florence Nightingale und den grauenhaften Zuständen in den Lazaretten von Scutari gehört, Genaueres war aber mir jedenfalls unbekannt.

Rätselhafterweise stellt Figes im Vorwort anheim, genau diese Kapitel zur Not zu überblättern, wenn einem nach richtigem Schlachten ist. Dabei sind genau diese Kapitel die stärksten im Buch, Figes entwickelt ein Gesamtszenario, das unweigerlich auf einen Krieg zusteuern musste und in der Tat Züge einer Auseinandersetzung zwischen Islam einerseits und (orthodoxem) Christentum andererseits.

Faszinierend war es festzustellen, welche Parallelen sich bei Anbahnung solcher Konflikte auch heute noch zeigen.

Die Beschreibung der kriegerischen Handlungen selbst gibt das wieder, was man erwartet - unendliches Leid der beteiligten Soldaten und Zivilisten etwa bei der Belagerung Sewastopols, Unfähigkeit und Arroganz der militärischen und politischen Führung und die Entmenschlichung der Kriegsparteien ganz generell, hie und da angereichert durch Tupfer nicht versiegter Mitmenschlichkeit.

Man sollte sich vom schieren Umfang des Buchs nicht abschrecken lassen, es führt einen in gut lesbarer Sprache in die Welt des nachnapoleonischen Europas und eines fast vergessenen Krieges, der Europas Geschichte zweifelsohne nachhaltig beeinflusst hat, man denke nur an die Wendung Russlands nach Osten und die Untwerfung dort ehedem autonomer Gebiete.

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