"Nie haben wir weniger Schaden angerichtet als damals, da wir uns an langen Nachmittagen langsam betranken, und waren nie harmloser, es sei denn im Schlaf, als an den Tagen, die wir mit wirren Palavern hinbrachten; schon am Abend vergaßen wir alles, was wir gesagt hatten. Ja, das war sagenhaft, wie wir tagelang dasaßen, üppig und vor lauter Selbstlosigkeit faul, und sahen zu, wie das, was uns gegeben war, verschwenderisch sanft verschwand."

Gedicht Hans Magnus Enzensberger, u. a. "Kursbuch"-Herausgeber über seine "revolutionären" Jahre Ende der 60er



Robert Enke ist nun begraben und auch ich habe auf der eigens eingerichteten Homepage mein Beileid für die ganz schrecklich gebeutelte Familie bekundet.

Andererseits muss Enkes Tod auf eine merkwürdige Befindlichkeit in unserer Gesellschaft gestoßen sein und als Katalysator gewirkt haben, anders kann ich mir den Schockzustand, in dem sich diese Nation befand und in den sie sich aber auch versetzen ließ, nicht erklären, denn bei Licht betrachtet besteht zumindest für mich eine gewisse Diskrepanz zwischen den unbestreitbaren Verdiensten dieses untadeligen Sportsmannes und dem öffentlichen Echo auf seinen Tod.

Ich wage mir natürlich nicht vorzustellen, wie man als Mensch getroffen sein muss, wenn einem das widerfährt, was seiner Witwe, seiner Familie und letztlich auch ihm widerfahren ist.

Aber passiert das nicht jeden Tag dutzend-, wenn nicht hundertfach in dieser Republik und das in Verhältnissen, die nicht so ausgestattet sind wie die der Familie Enke?

Und warum muss ich dauernd an diesen armen Lokführer denken, dem Enke die schwere Last aufgebürdet hat, einen Menschen getötet zu haben.

Einen Menschen, der sterben wollte, sicher, aber sich dazu eines anderen Menschen bediente, ohne an dessen seelische Qual und die Folgen für DIESE Familie zu denken?

Wie ich lese hat Enke den Selbstmord länger geplant. Wenn das so war, ist die Handlung für mich um so unbegreiflicher.

Noch viel unbegreiflicher ist für mich aber wieder mal Christoph Daum, der sich nicht schämte, die öffentliche Diskussion mit der Erklärung zu bereichern, Enke habe ihm schon 2003 in Istanbul von seiner Depression erzählt. Ausgerechnet!

Die Familie Enke zeigte sich auch mehr als überrascht über diese Erklärung, die man  nicht kommentieren wolle.

Dazu muss man wissen, dass Enke genau 19 Tage und ein Spiel für Fenerbahce Istanbul tätig wurde und von Daum nach einem 0:3 auf die Bank gesetzt werden sollte. Es kam dann zum Abschluss eines Aufhebungsvertrages zwischen Enke und dem Club.

Gleichwohl will Daum seine schützende Hand über seinen depressiven Torhüter gehalten haben.

Auch dem geistig Unbeweglichsten erschließt sich relativ schnell, dass hier etwas erkennbar oberfaul ist und Christoph Daum bei diesem seinem letzten Statement  nicht an Robert Enke, sondern an Christoph Daum gedacht hat.

Pfui Teufel Däumling, so etwas macht man nicht,  selbst wenn Ihre ärmliche Erklärung inhaltlich gestimmt hätte.

16.11.2009

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