"Es kommt nicht selten vor, dass Sieger sich nicht mit ihrem Sieg allein zufriedengeben, sondern die Besiegte auch noch demütigen wollen. Sie sollen nicht nur ihre Niederlage eingestehen, sondern auch bekennen, dass sie für die falsche Sache gestritten haben und ihrem „Irrtum“ abschwören. So weit scheint es mittlerweile auch schon im Streit um die „Normalität“ von Homosexualität  gekommen zu sein … 

Grundrechtsschutz, so heißt es allenthalben, ist Minder-heitenschutz. Doch wer schutzbedürftige Minderheit ist, steht nicht ein für allemal fest, sondern wandelt sich mit der Entwicklung einer Gesellschaft.

In den westlichen Gesellschaften sind es mittlerweile schon weniger die Homosexuellen als vielmehr diejenigen, die Homosexualität für moralisch fragwürdig und homosexuelle Praxis für anstößig halten, deren Freiheit, anders zu denken und in Übereinstimmung mit ihrer inneren Überzeugung zu leben, gefährdet erscheint.

Doch ihre Freiheit verdient nicht weniger Respekt und Schutz", sagt der olle Phobiker und Professor für Öffentliches Recht Christian Hillgruber in der FAZ gegen Ende Februar 2014.


Es ist bekanntlich völlig Banane, absolut inakzeptabel und offenes Ketzertum, wenn man heute erwähnt, dass Homosexualität eine Abweichung von der Norm insoweit sei, als die Natur die Fortpflanzung in Folge Vereinigung von Mann und Frau als den "Normalfall" definiert habe. Es geht also nicht darum, Homosexualität als Krankheit oder Abartigkeit zu verunglimpfen, sondern um etwas, das auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt ist und sich auch sachlich begründen lässt.

Das alles hat Matthias Matussek in diesem Artikel für die WELT ausgeführt und dafür heftige Schelte eingesteckt, vor allem von Stefan Niggemeier in einer wirklich schlechten Replik in der FAS, die ich auch gelesen habe. Niggemeyer segelt ebenso erstaunlich weit am Problem vorbei wie die im Artikel von Matussek am Ende genannten Welt-Redakteure mit abweichender Meinung. Matussek hat polemische, aber notwendige Worte dazu gefunden.

Ich streite für das Recht Matusseks, solche Dinge zu sagen, ohne persönlich als "homophob" diskreditiert zu werden, was - worauf Matussek zu recht hinweist - in einem hysterisch aufgeladenen  Klima die gesellschaftliche Ächtung bedeuten kann und das ist seinerseits inakzeptabel. 

2.4.2014


Wehe dem, der "vor einigen Jahren" die falschen Worte wählte, die falsche Ansicht vertrat. So jüngst passiert dem neuen Mozilla-Boss Brendan Eich, der vor einigen Jahren eine Kampagne unterstützte, die verhindern wollte, dass schwule Paare in Kalifornien heiraten dürfen. Da nützte es auch nichts, dass Eich ein anerkannter Technik-Crack ist, der dem Unternehmen gut tut und es hilft schon gar nichts, dass Eich meinte, seine persönlichen Ansichten seien unwichtig für seine Arbeit, was sicher zutreffend ist, es geht hier um den Firefox & Friends. Gut fand ich, dass er sich nicht sofort einen Zentner Asche aufs Haupt schüttete und offensichtlich keinen Anlass sah für das härende Gewand und "mea culpa"-Beteuerungen. Es hagelt Boykottaufrufe im Netz durch die bekannte Jakobinerfraktion, man wünscht wohlgemerkt "Misserfolg", wobei nicht klar ist, ob das Eich persönlich gilt oder dem Unternehmen, das nach wie vor an ihm festhält. Am Ende kommt das aber auf das Gleiche heraus, denn ein Misserfolg Eichs wird sicher Konsequenzen für das Unternehmen haben und damit auch für die Beschäftigten, die wirtschaftlich davon abhängig sind. Dolle Sache das. 

2.4.2014 

Nachtrag 4.4.2014: Na also, es geht doch. Eich wurde nach wenigen Tagen gefeuert bzw. "trat zurück" und Mozilla hat den erforderlichen Kotau vollführt. Zur Erinnerung: Es handelte sich um eine Spende von 1.000 Dollar von vor sechs Jahren zu Gunsten einer Initiative für eine Verfassungs-änderung in Kalifornien, die vom Obersten Gerichtshof aber gekippt wurde. Völlig klar, dass man Eich so etwas nicht durchgehen lassen durfte. 



Das Interview mit Akif Pirincci im Morgenmagazin hat sich schon wegen dieses Artikels in queer gelohnt.

2.4.2014


Was denkt eigentlich ein schwuler Normalo über das Thema? Hier ein Facebookeintrag vom 19.11.2014:

"Ich bin als schwuler Mann entsetzt, dass "ich" ständig als Maßstab zivilisatorischer Errungenschaften herhalten muss! Russland ist Homophob, Muslime sind es - und daran bemisst sich die Toleranz einer Gesellschaft? Ich will mal was klarstellen: Interessierte sich die ach so tolerante Gesellschaft einmal ernsthaft für die Zustände, die ich zumindest aus der Schwulenszene kenne, in der nur noch Sexdaterei und Körperkult herrschen, dann hätte die ach so "tolerante" Gesellschaft Verständnis für die Probleme, die Glaubensgemeinschaften wie Freikirchen, Landeskirchen, kath. Kirchen, orthodoxe und muslimische Gemeinschaften etc. haben! Ich persönlich finde mich als schwuler Mann medial missbraucht, wenn die Medien jede berechtigte Kritik gegenüber der Schwulenwelt unterlassen, sehr wohl aber dieselbe Schwulenwelt als soziale Errungenschaft darstellt und damit althergebrachte Systeme überfordert - seien sie theologischer oder politischer Natur! Erstens ist diese Schönmalerei der Homowelt seitens Medien selbst ein Beweis von Intoleranz, weil sich die Medien offenkundig nicht für die Probleme in der Homoszene interessieren; zweitens ist diese Berichterstattung nur dazu geeignet, bspw. Muslime zu düpieren, die nicht mehr oder weniger Probleme mit Homosexualität haben, wie die hiesigen Kirchen und erweist sich damit selbst als intolerant: Man toleriert nicht die Vorbehalte, die dort herrschen, sondern fordert bedingungsloses Gutfinden von Schwulen und Lesben. So wurde auch schon Russland während der Spiele in Sotchi gemessen: Russland hat Vorbehalte gegenüber Homosexuellen und wurde von den Medien dahingehend niedergeschrieen. Daraus folgten trotzige Reaktionen idiotischer Russen in Russland: Insbesondere schwule Männer wurden entführt und vor laufender Kamera gedemütigt, was auf Youtube & Co. dann anzusehen war. Das war selffullfilling prophecy: Während die Schwulen und Lesben in Russland zuvor noch ihre ganz eigene Art hatten, gesellschaftlich für ihre Rechte zu kämpfen - und die Homosexuellen in jenem Land sind sicherlich charaktervoller als die großteils selbstsüchtigen Konsumtunten hierzulande - wurde deren auf dortige Verhältnisse abgestimmte Emanzipationsstrategie durch die polternden Vorwürfe, in Russland seien Homosexuelle nicht so frei wie bei uns, mittelfristig gestört. Das war nicht hilfreich, das war dumm. Und dass die Homosexuellen medial lediglich zum Russlandbashing benutzt wurden, erkennen auch nur die wenigsten hier: In ihrer Selbstliebe reicht es ihnen vollkommen aus, den Schein genießen zu können, mal so richtig was für die Gerechtigkeit in der Welt getan zu haben. Und ich kann den Medien - sollten sie ihren Journalismus noch ernst nehmen - nur dazu anraten, nicht alles, was an Lebensstil der Homosexuellen stattfindet, als gut und als Höhepunkt der Zivilisation darzustellen: Recherchiert doch mal genauer und zeigt die Schattenseiten. DAS würde sowohl den Homosexuellen als auch denen, die mit ihnen Probleme haben, gerecht werden. Wir sind beiweitem NICHT die Spitze der Zivilisiation - WEIT gefehlt! Und diese Wahrheit könnte für ECHTE TOLERANZ auf allen Seiten sorgen!"




"Wenn ich den Papst, die katholische Kirche und deren Fundamentalisten wegen ihrer Homophobie heftig kritisiere, bekomme ich fast einhellige Zustimmung. Wenn ich auf die Homophobie im Islam und den tödlichen Homo-Hass bei den Islamisten hinweise, höre ich regelmäßig den Vorwurf, ich sei islamophob und rechtspopulistisch. Was stimmt da an unserer Wahrnehmung nicht?", fragt der Theologe und Publizist David Berger.   

21.5.2015



Die längst fällige Abrechnung mit der fauligen Moralkeule Volker Beck. Der beste Satz kommt gegen Ende: "Es ist ein großes Missverständnis, von der Unterstützung für politisch erwünschte Kampagnen auf die Vorurteilslosigkeit der Unterstützer zu schließen".

3.6.2015

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