Uruguay - Costa Rica 1:3

David gegen Goliaths kleineren Bruder möchte man meinen, aber die Costa Ricaner (ist das korrekt?) denken nicht daran, hier das Spanferkel für die Grillparty abzugeben und holzen munter mit. Vorne haben sie mit Campbell einen jungen, agilen, technisch guten und unverkrampften Angreifer mit Herz, der der Innenverteidigung einige graue Haare verschafft und da macht es auch nichts aus, dass er wie der Shrimps-Fischer Bubba aus Forrest Gump aussieht.

Ihre Verteidigung ist aber von dem Kaliber, das die hohe psychische Belastung von Trainern erklärt, Querschläger, unkonventionelle, weil ballonartige Rückgaben zum übrigens erstklassigen Keeper sind an der Tagesordnung.

Cavani verwandelt dann den berechtigten Elfer zum 1:0, nachdem Lugano bei einer Ecke zu Boden gerungen worden war. Allerdings haben die Mittelamerikaner durchaus Ausgleichschancen. Das ist zur Pause noch nicht unbedingt gelaufen. Vielleicht rächt sich, dass die Urus Suarez für die Amis aufsparen wollen.

Dann regiert in der zweiten Hälfte der Wahnsinn, Campbell schießt den Ausgleich und kurz darauf geht Costa Rica durch Duarte sogar in Führung, was gar nicht mal unverdient ist, denn die Urus sind kopflos und spielerisch unterirdisch. Jetzt soll es für den Underdog gut ausgehen, weil sie fighten wie die Löwen, vor allem aber wegen des kleinen Jungen aus Costa Rica, den die Kamera im Großbild zeigt und der vor lauter Spannung und Aufregung dicke Tränen in den Augen hat. 

Keine Sorge mein Junge, kurz vor dem Ende das 1:3, der Hammer. 

Uruguay wirkt wie eine Horde athletischer, aber überalterter Abwrackunternehmer mit genug Kohle auf dem Konto. Kurz vor Schluss betreiben sie Ehrung der Ahnen, Maxi Pereira haut einen der Ticos mit Vorsatz brutal um. Brych, der gut leitete, schmeißt ihn auch völlig zu Recht mit rot raus.

Es gewinnt die Mannschaft mit dem größeren Herz und dem größeren Willen, gepaart mit spielerischem Können. Ganz toll, pura vida, liebe Ticos, Hut ab.


Italien - England 2:1

Das Mitternachtsspiel und nicht nur ich befürchtet, dass das Rasenschach im 0:0-Format geben könnte. Weit gefehlt, es wird ein sehr ansehnliches spannendes Spiel, was besonders auch an den Brits liegt. Welbeck in der ersten Hälfte, vor allem aber Sturridge und ganz besonders Sterling lassen auf Großes hoffen, kackfreche, schnelle und technisch starke Jungs, die in der feucht-schwülen Hölle von Manaus bestanden haben.

Dass es eine Niederlage und kein Remis wurde, ist dann dem vereinzelt doch noch vorhandenen Unvermögen, die Pille reinzumachen und Mario Balotelli zu verdanken.

Bei den Italienern fällt Buffon aus, der sich im Abschlusstraining verletzt, für ihn Sirigu, der da ist, wenn man ihn braucht. Die Italiener beginnen offensiv, die Engländer halten aber dagegen. Rooney ist zunächst unauffällig, wahrscheinlich hat er an dem Zentnergewicht Erwartungen zu knabbern. Dann fast das 1:0 für England, Barzagli, der Ex-Wolfsburger rettet in höchster Not nach Flanke von Welbeck von rechts. Italien versucht´s mit Fernschüssen und hohen, steilen Pässen auf Balotelli, nicht sehr schön. 

Das 1:0 in der 35. nach einer einstudierten Ecke. Pirlo lässt eine auf ihne gezirkelte Ecke durch, Marchisio steht hinter ihm in der zweiten Reihe, die die Brits nicht gedeckt haben und zieht ab, zwischen vier Engländern geht der Ball unhaltbar für Hart ins lange Eck. 

In der 37. der längst fällige Ausgleich durch Sturridge. Bombenpass von Sterling auf den links durchbrechenden Rooney, der schaut und butterweich und präzise auf Sturridge flankt. Dropkick aus drei Metern, drin ist die Kirsche, hurra. 

In der 45. Pfostenschuss durch Candreva. 

Nach der Pause beginnen die Engländer gut, aber in der 51. die Führung für Italien. Candreva flankt lang auf Balotelli, der ins kurze Ecke köpft. In der 55. räumt Paletta den durchgebrochenen Gerrard etwa sieben Meter vor dem Tor ab, das muss Elfer geben, aber Kuiper, laut Ohrenkrebs Simon "der Superstar" unter den Schiris pfeift nicht. 

In der 61. kommt Barkley für den ausgepowerten Welbeck. Eine Minute später muss Rooney den Ausgleich machen, sein Schuss geht aber vorbei. In der 72. kommt der Neu-Dortmunder Ciro Immobile für Balotelli, seine Leistung ist dann aber nicht berühmt, da muss er ne Kohle auflegen. 

Die Engländer versuchen alles. Was nicht vorbeigeht, hält der Keeper, allmählich schwinden auch die Kräfte. In der 94. Minute nagelt dann Pirlo, der seine Pausen macht, aber eindeutig Schaltzentrale ist, einen Freistoß aus etwa 30 Metern an die Latte und Hart kann da nur staunend Spalier stehen. Das war´s, das mehrheitlich in italienischer Hand befindliche Stadion tobt ob des italienischen Auftaktsieges. Die Engländern haben das aber gut gemacht und mit dieser Mischung aus alt und jung kann was gehen. Und für Vaddi gibt´s drei Punkte im Tippspiel.


Uruguay - England 2:1

War´s das für Britannia? Die Urus sind nicht wiederzuerkennen, kampfstark und mit unbändigem Willen wollen sie die Engländer niederkämpfen und die sind ersichtlich erschrocken über den Gegner, der auch wieder Luis Suarez aufbieten kann. Der macht dann auch beide Kisten und es zeigt sich dabei, dass die englische Innenverteidigung den Ansprüchen nicht genügt. Erst steht der zweite Innenverteidiger falsch bei der mustergültigen Flanke von Cavani auf Suarez, der beim Kopfball zeigt, warum er 31 Kisten in der Premier League geknipst hat. Bei seinem zweiten Treffer pennt Cahill, Suarez stürmt nach einem langen Pass aus der eigenen Hälfte, den Gerrard unglücklich verlängert, los und lässt Joe Hart keine Chance bei seinem Gewaltschuss. 

Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Rooney setzt einen Zuckerfreistoss Zentimeter neben das Dreieck, einige Minuten später köpft er eine Ecke an die Latte. Er hat noch nie bei einer WM ein Tor gemacht, lastet ein Fluch auf ihm?

Nach der Pause und einem 0:1 Rückstand machen die Engländer mehr Wirbel, ohne wirklich zwingend zu sein. Auch die hochgelobten Sterling, Sturridge und Welbeck sind mehr oder minder wirkungslos. Dann macht Rooney tatsächlich seinen ersten WM-Treffer und alles hofft auf die Wende, denn klar ist, dass Südamerika hier eine europäische Mannschaft nach der anderen nach Hause schickt. Dann der gemeinsame Aussetzer von Gerrard und Cahill und der Käse ist gegessen. Noch ist nicht alles verloren, aber mit null Punkten vor dem dritten und letzten Gruppenspiel sieht es zappenduster aus, zumal Costa Rica auch noch Chancen aufs Weiterkommen hat und sich daher nicht abschlachten lassen wird. Haben unsere Cousins noch die Moral, eine fulminante Aufholjagd zu starten?


Italien - Costa Rica 0:1

Ein Highlight, das ich mir mit Henne in der Tränke zu Oberkirch anschaue. Lineker sitzt mit Italien-Shirt in einem englischen Fernsehstudio, denn nur wenn Italien gewinnt, ist England nicht unwiderruflich raus.

Nur, die verlieren das Spiel und das zu Recht. Costa Rica ist ballsicher und mit einer riesigen Selbstvertrauen unterwegs. Die wollen hier mitspielen und sehen sich mit den Ballartisten in blau auf Augenhöhe. Balotelli testet den Keeper hie und da nach diesen Zuckerpässen von Pirlo, aber der Goalie ist auf dem Posten. Je länger das Spiel geht um so nervöser werden die Azzuri und ihnen geht dann auch peu à peu die Luft aus. Klassisch Chiellini, der nach einem Laufduell pumpt wie ein Maikäfer.

Ruiz macht die Führung für Costa Rica und davon erholen sich die Italiener nicht mehr. Hätte ich nie erwartet, aber sie geraten wirklich in Panik, ich denke, diese drei Punkte hatten sie fest eingeplant und jetzt kann es gegen die Urus zu einem Endspiel kommen, denn sicher raus sind nur unsere Cousins.


Italien - Uruguay 0:1

Selbst schuld! Selbst schuld möchte man diesen Idioten zurufen. Italien ist raus in der Vorrunde und Prandelli schon zurückgetreten. Hätten die Azzuri über 90 Minuten so gegen die umständlichen Urus, die ja gewinnen mussten, gespielt, sie hätten sie aus dem Stadion gebombt. Aber man ist sich ja zu fein dazu und spielt lieber auf Ergebnis, war ja auch heiß.

Das Spiel selbst - das ich mit Henrik und Jockel im Brandeck schaute - war grottig, hüben wie drüben, die Urus wollten, konnten aber nur selten, die Italiener so wie man sie kennt, mannhaft das 0:0 im Auge, auch wenn ihr Trainer an der Linie an Bluthochdruck und einem nervösen Haareordnen litt. Allerdings muss man den Urus zugestehen, dass sie eigentlich 2:0 vorne liegen müssen, aber Buffon zwei mal Weltklasse hielt. Aber auch das war kein Menetekel für die Buben in blau, bei denen Balotelli nur durch eine Kungfu-Einlage auffiel, für die er gelb bekam und in der zweiten Hälfte fehlte.

Dafür flog relativ früh in der Zwoten Marcchisio raus, weil er eine Tätlichkeit per Tritt begangen haben soll, was man so sehen kann, allerdings kontrovers diskutiert wird. Rot muss es dann aber für Suarez geben, der im Zweikampf Chiellini in die Schulter biss (!). Chiellini zog wie von Sinnen sein Shirt runter und zeigte auf die Bisswunde. Suarez scheint seine Reflexe nicht im Griff zu haben und nun ermittelt auch die FIFA.

Goddin macht dann passend zum Spiel bei einer Ecke mit dem Rücken und dem Mut der Verzweiflung kurz vor Ende die Führung.  

Italien rennt nun an und zeigt die Schwächen der Urus auf, kann aber aus einer klaren Überlegenheit - trotz 10 Mann - kein Kapital schlagen. Nach 96 (!) Minuten ist Schluss und es heißt ciao italia.


Costa Rica - England 0:0

Das Beste was man über dieses Spiel, bei dem Lampard seinen wohl letzten Einsatz bekam, ist, dass England nicht auch noch dieses Spiel verloren hat. Die Urus und Costa Rica sind weiter, erneut sind europäische Mannschaften auf der Strecke geblieben, das wird allmählich bedenklich. 


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