Geschwindigkeitsbingo

Ich bin wirklich einer der größten Fans der B 28-Ortsumfahrung Oberkirch. Als Hinterwäldler aus dem Hesselbachtal war es bis zu ihrer Eröffnung eine echte Qual, sich durch das Städtle zu schieben, ehe man befreiter der täglichen Fron in Offenburg entgegenstreben konnte. 80 km/h ist für ankoffeinierte Berufspendlerphysiologien auch völlig ausreichend, man kommt dosiert in Schwung, ehe man am Kreisel ortsauswärts in die Wildnis der regulären B 28 Richtung Appenweier entlassen wird.

Leider, ich sage das mit aller Inbrunst, kommt es in unregelmäßigen Abständen vor, dass man am Kreisel Hesselbach auf die B 28-Umfahrung auffährt und mit gelben Warnlampen und meist einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 km/h begrüßt wird.

In Erwartung einer über Nacht aus dem Boden gewachsenen Baustelle, grüner Krötenträger, eines entlaufenen Alligators oder auch nur eines lausigen Spanngurtes pirscht man sich mit verkrampften Händen am Volant vorwärts. Man stößt dann regelmäßig auf – nichts.

Ich habe deshalb bereits gemutmaßt, dass ein seelisch derangierter Oberkircher Behördenleiter den Frust des vergangenen Wochenendes – Schalkefan? – auf diese Weise ventiliert.

Heute nun schien der Behördenleiterhaussegen besonders schief zu hängen. Auffahren wie gehabt, gelbe Warnlampen, Geschwindigkeitslotto. Geboten wurden heute erstmals 40 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Ich kann es vorwegnehmen. Es war natürlich überhaupt nichts passiert, außer dass ich auf dieser ewig breiten Straße hinter einem brav mit Strich 40 vor sich hin zuckelnden Teutonen-Golf herschlich und mir allmählich dämmerte, worum es hier ging.

Vor einem der beiden Tunnels befindet sich rechter Hand eine Art steinerne Kontrollbehausung, die rein äußerlich an bestimmte Abschnitte des Atlantikwalls selig erinnert.

Es kann nur so sein, dass man da in unregelmäßigen Abständen, aber mit wachsender Begeisterung Geschwindigkeitsbingo spielt oder die ganze Chose in die Hände von Verhaltensforschern gefallen ist, wir leben schließlich in Zeiten, in denen alles gemessen, gewogen und befragt wird. Hier wäre also die Frage, wann genau dem alemannischen Verkehrsteilnehmer angesichts nicht kanalisierter Frustrationsstaus endgültig der Kragen platzt und an welchem Punkt er sich dann nicht mehr vom Schimpansen bei der feindlichen Übernahme des nächstgelegenen Affenbrotbaumes unterscheidet

Eine Selbstbefragung führte zu der vielleicht für statistische Zwecke interessanten Einschätzung, dass in meinem Fall noch vor Nikolaus 2016 damit zu rechnen ist.

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