Filbinger und der „Fall Gröger“ - eine unendliche Geschichte

Immer wieder liest man, der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Filbinger habe in seiner Funktion als Marinerichter gerade in diesem Fall ein Todesurteil „gefällt“. Das ist nachweislich falsch.

Man kann zu Filbinger stehen wie man will, die Fakten dürfen nicht verdreht werden.

Bei dem fraglichen Urteil geht es um den Matrosen Walter Gröger.
Filbinger war dort Anklagevertreter und musste den Termin, an dessen Ende das Todesurteil gegen Gröger gefällt wurde, nur deshalb wahrnehmen, weil der eigentlich vorgesehene Anklagevertreter ausgefallen war.  

Das Verfahren war bis zu dem Termin schon sehr weit fortgeschritten, ohne dass Filbinger darin auch nur ansatzweise involviert gewesen wäre. 

 Gröger war zuvor in dieser Sache bereits in der ersten (Gerichts)Runde wegen Fahnenflucht zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Dieses Urteil wurde durch die nächst höhere Instanz, den sog. Gerichtsherrn, - hier Generaladmiral Schniewind - aufgehoben und die Vorinstanz war angewiesen worden, die Todesstrafe zu verhängen.

Diese Vorinstanz suchte fieberhaft nach Entlastungsindizien zu Gunsten Grögers, fand aber nichts, zumal Gröger zuvor schon vielfach auffällig geworden war.

Es kam zum Termin, den Filbinger wahrnehmen musste, weil sein Kollege ausgefallen war und er erhielt die Weisung, die Todesstrafe für Gröger zu fordern.

Dieser Weisung kam er nach.

Einen Widerspruch konnte er nicht einlegen, da das nur vorgesehen war, wenn die oben erwähnte Weisung "von oben" erkennbar rechtswidrig gewesen wäre, was sie nach der damaligen Gesetzeslage nicht war.

Ein Gnadengesuch wiederum konnte nur die Verteidigung, nicht aber der Staatsanwalt, hier also Filbinger, stellen.

Die Verfehlung Filbingers lag also allenfalls darin, nicht die nötige Zivilcourage gehabt zu haben, sich über die eindeutige Weisung hinwegzusetzen und etwas anderes als (die zweifelsohne bereits feststehende) Todesstrafe zu beantragen.

Im Fall Gröger war jede Intervention offenkundig unmöglich auf Grund der Schniewind´schen Weisung, die ihrerseits auf einem verbindlichen Dekret von Großadmiral Dönitz beruhte.

Nicht zu bestreiten ist aber sicher, dass Filbinger in diesem Fall keinen Versuch unternommen hat.

Das mag man ihm vorwerfen, macht ihn in meinen Augen aber nicht zu einem "sadistischen Nazi“ à la Hochhuth, ganz abgesehen davon, dass sich ein jeder fragen sollte, wie er sich in dieser Situation und den herrschenden Verhältnissen verhalten hätte und es mehrere verbürgte Fälle gab, in denen die Vollstreckung der Todesstrafe allein durch Initiativen Filbingers verhindert werden konnte (so der Fall des katholischen Militärpfarrers Karl-Heinz Moebius 1945, bei dem Filbinger durch geschickte Fragen Belastungszeugen so beeinflusste, dass die ursprüngliche Anklage „Wehrkraftzersetzung“ mit einem Freispruch für Moebius endete).


Zum Schluss: Gröger wurde hingerichtet und Filbinger war dabei.
Auch daraus wird ihm immer wieder ein Vorwurf gemacht, ohne dass man weiss, dass der Anklagevertreter, der die Todesstrafe beantragt hatte, nachher bei der Hinrichtung auch zugegen sein musste.

Das Todesurteil gegen Gröger hat Filbinger auch nicht unterschrieben, wie man immer wieder lesen kann.

Grossadmiral Dönitz hat das Todesurteil gegen Gröger nachher übrigens bestätigt.

Und das schauerliche Schauspiel fand vor Kriegsende statt. Die immer wieder erhobene Behauptung, das Ganze habe sich nach Kriegsende zugetragen, ist nachweislich falsch.

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