Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es ist der 8.6.2016, am 10.6.2016 fängt die EM an. Keine Fähnchen, keine Außenspiegelkondome, keine Stimmung, gar nichts.

Halt, so stimmt das nicht. Antonio Rüdiger hat sich gestern im Training so schwer verletzt, dass er abreisen muss, für ihn rückt Tah nach. Und mit der Präzision eines Uhrwerks hat sich Marco Reus rechtzeitig verletzt und ist wieder nicht dabei. Dafür kann Schweini mitkicken, gute Nachricht. Ob es eine gute Nachricht ist, dass der ewige Lukas Podolski mit von der Partie ist muss sich noch weisen.

 

Orakel, wo bleiben die Orakel?
Ich habe recherchiert: Im Rennen sind Oobi-Oobi, ein Koala aus dem Leipziger Zoo, der Pinguin Flocke aus dem Zoo Lübbenau, Elefantin Zella aus der Wilhelma und der Hahn Zizou aus Essen.
Flocke hat offensichtlich Wettkampferfahrung, sein Team soll mit den Tipps bereits 2014 richtig gelegen haben, während Zella neben dem Umstand, dass sie Schwäbin ist eine weitere Hypothek mit sich herumschleppt: Sie tippt auf ein Finale Nordirland - Belgien und meint, die Ukraine gewinnt morgen gegen La Mannschaft, gegen die Polen gäb´s für uns ein Remis und die Nordiren bekämen von den Jogi-Boyz auf den Sack.

Zizou wiederum ist der typische Gallier mit mutmaßlich italienischen Wurzeln - für seine Tipps muss er sich zwischen zwei Hennen entscheiden. Zunächst sicher schön für ihn, aber so ein Turnier ist halt scho au lang.

Bei dem Koala geht´s wie zu erwarten nur ums Fressen, der Tipp orientiert sich am favorisierten Eukalyptusgewächs, mir zu unsicher, hier geht´s um Wissenschaft.

Daher: Go Flocke go!


"Erst wurden sie in der Sonne rot, dann sahen sie rot", titelte "La Provence" über die Ausschreitungen in Marseille. Gemeint sind die blasshäutigen englischen Fußballhooligans, die dem Turnier ihren speziellen Stempel aufdrücken wollten, noch ehe ihr Team einmal gegen den Ball getreten hat. Heute Abend gehts dann gegen die Russen.








Alle Jahre wieder.

Kinder, das kommt jetzt aber wirklich ein wenig spät, jetzt hängen die Dinger, aber natürlich trotzdem danke dafür und für den Hinweis, dass die Wirkung Konsequenzen hat.

Schlimm, weil richtig ist aber die Begründung. 
Es sei bei solchen Turnieren in der Vergangenheit nachweislich zu einer Verstärkung fremdenfeindlicher Tendenzen gekommen. 

Und es hat bereits die Mitte der Gesellschaft erreicht. 
Ich habe das nämlich sogar bei mir entdeckt, wenn auch nur gottlob partiell.
Heute zum Beispiel keimten nach dem Aufstehen wie aus dem Nichts antiukrainische Gedanken bei mir auf, kommenden Donnerstag befürchte ich, es nicht so mit den polnischen Nachbarn zu haben und ganz schlimm wird es Dienstag übernächster Woche, da laufe mir besser kein Nordire über den Weg.

Die weitere Xenophobie-Misere wird dann die Mutter aller Fremdenfeindlichkeit, die Lostrommel, bestimmen.

Hoffen wir aber das Beste. 

Vor allem für die geistige Gesundung der grünen Jugend.



Ich wurde heuer gefragt, was Mann denn zur EM trägt.

Was wohl?

Den kleinen Bieranzug.

Also irgendwas mit Stretchstoff um die Hüften, je nach Wetterlage auch nur knielang, oben rum ein T-Shirt mit wichtiger Message zum aktuellen Befinden, vorwiegend den Intestinalbereich und den Stuhlgang betreffend, auf dem Kopf trägt der Herr seine Wunschbedeckung, Hauptsache, sie hat einen Schirm und wirbt für Zündkerzen, Kondome oder Bayern München. Linke Hand hängt leger herunter, rechte Hand umfasst eine kühle Dose Veltins. So in etwa.



Eulenspiegel Hans Sarpei foppte nach dem Spiel gegen die Ukraine die Gemeinde, da er genau weiß, wo er in diesem Land welchen Knopf er wie zu drücken hat und tatsächlich regnete es fünfstellige Zustimmungsklicks.

Er twitterte, die Diskussion darum, dass der Islam zu Deutschland gehöre, sei seit dem Kopfballtor von Shkodran Mustafi vorbei, denn der sei Muslim.



Jogi hat´s wieder getan. Nur hat er dieses Mal nicht in der Nase, sondern in der Hose gepopelt. Das Netz ist wie immer gandenlos.



Die Russen spielen jetzt auf Bewährung. Nach den Exzessen in Marseille und dem Sturm der Russen nach dem Spiel auf den englischen Block schloss die UEFA die Russen "auf Bewährung" aus. Jetzt haben es hohlköpfige Kanisterschädel in der Hand, ob die Sbornaja im Turnier bleibt. Für mich entsteht da ein Gschmäckle. Wie wär´s, wenn die französischen Polizisten mal ihren Job machten? Wenn das Schule macht, spielt bald kein Club mehr in der Bundesliga. Ich muss immer an 2006 und die Kritik der szenekundigen britischen Polizei an den deutschen Kollegen denken. Man solle Hooligans never nach oben auf Treppen oder Ähnliches lassen. Dieser Tage habe ich wieder von Chaoten gelesen, die in Marseille von Treppen aus agiert haben. Ich habe die Leistungen der französischen Polizei anlässlich der Unruhen in Strasbourg mit Auswirkungen bis Kehl noch in Erinnerung. Viel scheinen die nicht dazu gelernt zu haben.



Hier eine hervorragende Handreichung von Michael Klonovsky darüber, wie sich deutsche Spieler und Bürger im Sinne der oben zitierten Grünen Jugend zu verhalten haben.



Nachdem die ersten Spiele absolviert sind, die Deutschen gestern ihre zweite Begegnung hinter sich haben, muss man feststellen, dass es eine stinklangweilige EM ist ohne wirklich mitreißende Spiele, viel Zoff, einer überforderten Polizei und wenig Toren. Kann nur besser werden.


Kein Thema sind bei diesem Turnier übrigens die Schiedsrichterleistungen. Subjektiv scheinen sie auch besser zu sein.


Thema ist aber der Modus, insbesondere diese "bester-Dritter"-Regelung. Die Türken waren als Gruppendritte über Tage im Achtelfinale, ehe die Iren gewannen und sie damit rauskegelten. Blöd. Ich bin der Meinung der Moderatorencrew im Zweiten, dass nur die beiden Ersten weiterkommen sollen, dann wird drauf los gespielt und nicht so taktiert, vom Wechselbad, ob man dabei ist oder nicht, mal ganz zu schweigen.



Die Fritz-Klein-Medaille für scheintote Fußball-moderationen wird dieser Kollege aus Island nicht verliehen bekommen. Island! Hammer! Bis die Stimme versagt und das finale Fiepen übrig bleibt! So was erwartest du von durchgeknallten Argentiniern. Toller Typ. Und er hat´s beim phänomenalen 2:1 gegen England gleich noch zwei Mal getan!








Randnotiz im Turnier. Messi hat mit seinen kastrierten Pampasstieren mal wieder ein Finale verloren und zwar aktuell gegen die Chilenen bei der Copa America. Das hat ihm wohl den Rest gegeben, er hat seinen Abschied aus der Nationalelf verkündet mit 29. Die unvollendete Karriere eines der besten Spieler den es je gegeben hat.


Vicente del Bosque, der Stoiker auf Spaniens Bank ist jetzt zurückgetreten und hat damit die Konsequenzen aus dem schwachen Auftritt in Frankreich gezogen. Er hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, tragisch, denn jetzt wird sein Name - auch - mit dem Niedergang eines Jahrhhundertteams verknüpft sein.



Mehmet Scholl reibt sich - völlig zu Recht - an der Löw´schen Aufstellung gegen Italien, bei der ein grandios aufspielendes Team gerade in der Offensive geschwächt wird, indem Draxler - man of the match zuletzt - auf die Bank wandert. Neben Gomez spielt vorne Müller, so dass von links kaum was auf Kopfballmonster Gomez kommen kann.  Das kann, das muss man kritisieren, denn es weckte ungute Erinnerungen an 2012. Heute nun schreiben die sog. Sportjournalisten aus dem Intestinalbereich des DFB, Löw habe Scholl eine "Nachhilfestunde" gegeben. Die Italiener hätten ja nur 2-3 Varianten und seien leicht ausrechenbar, es sei leicht, gegen sie zu spielen. Wir wiederum seien so - also mit der veränderten Aufstellung - schlecht  ausrechenbar. Aha. Warum spielt er dann nicht gleich mit acht Verteidigern, dann sind wir noch schlechter ausrechenbar? Nein, nein, hier haben vorher mal wieder die Beinkleider lichterloh gebrannt, man hat 120 Minuten eingekotet und drückt jetzt dicke Sprüche ab, denn sind wir ehrlich - diese 0:0 bzw. 1:1 Kiste hätte jederzeit schief gehen können. Und - das 1:0 ist gefallen, als einer endlich mal von links scharf reingegeben hat, was man viel eher und viel öfter hätte haben können mit einer Aufstellung, an der sich der Gegner orientiert (und nicht umgekehrt). Dann nachher so arrogant und selbstgefällig daher zu schwallen bestätigt meinen schlechter werdenden Eindruck von Löw und allen nachhallenden Groll aus 2012.


Es werden nach dem ersten Halbfinale Stimmen laut "Portugal kann Europameister werden". Klar kann Europameister werden, wer im Finale steht, aber aktuell würde Portugal nur deshalb Europameister, weil die anderen partout nicht wollen, denn wie kann es sein, dass dann jemand Europameister ist, der im gesamten Turnier nur ein Spiel in den ersten 90 Minuten gewonnen hat, nämlich besagtes Halbfinale gegen ausgepumpte und personell gerupfte Waliser? Vom Glück, dass sie in ihrem Zweig sehr viel schwächere Mannschaften antraten als im anderen und sich die wenigen Guten selbst ein Bein stellten mal ganz zu schweigen. Aber so ist das, ich erinnere mich noch bestens an die vorwiegend ausländischen Schlagzeilen vor dem Finale 1996. Rumpeln und Glück ist legal und legitim und der Sieger fragt nachher nicht mehr warum, es bliebe aber ein Gschmäckle.


Scholli hat sich noch mal zu seinem Ausfall geäußert: "Spruch ungut, Analyse bleibt". Richtig!





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