Aldous Huxley – Eine Gesellschaft auf dem Lande

Köstlich! Das Buch könnte unter dem Motto geschrieben worden sein „Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein Schritt“.

Die „Gesellschaft auf dem Lande“ besteht aus dem schrulligen britischen Gutsherrn Henry Wimbush, seiner schillernden Gattin Priscilla und mehreren Hausgästen beiderlei Geschlechts, die zu Gast auf dem Gut sind, man verlustiert, unterhält, vergnügt und streitet sich. Die Geschichte ist very british und man spürt das Vergnügen Huxleys, menschliche Schwächen zu demaskieren, sein Bemühen, keinem trockenen Gag aus dem Weg zu gehen, seine Lust am Fabulieren, ohne dass das oberflächlich würde. Im Gegenteil.

Speziell die sezierenden und dozierenden Ausführungen eines Mr. Scogan machen relativ schnell klar, dass hinter dieser Figur eine Person der Zeitgeschichte stecken muss.

Im Nachwort wurde ich fündig, bei Scogan handle es sich um niemand anderes als das alter ego von Bertrand Russell. Auch die Kunstfigur Gombauld, ein Kunstmaler, soll den mir allerdings eher unbekannten Maler Mark Gertler darstellen, nun gut. Verwurstet wird schließlich auch der ehemalige Primierminister Asquith und zwar so, dass ich mich an seiner Stelle auch darüber aufgeregt hätte.

Das Buch ist trotzdem wärmstens zu empfehlen, es ist brillant geschrieben, stellenweise sehr komisch und intellektuell anregend, Huxleys Misstrauen der menschlichen Natur gegenüber und Neuem, das vorschnell als Synonym für Fortschritt empfunden wird, wird mehr als einmal deutlich.

Huxley bekam aber wohl mächtig Ärger, eine Freundin und Gönnerin namens Lady Ottoline Morrell sah sich in der Gestalt der Priscilla unzulässig persifliert und schrieb Huxley einen wütenden Brief, den Huxley - wie ich finde schwach - beantwortete und meinte, er habe das alles nicht so gemeint.

Das sei alles ein "Puppenspiel", was grundsätzlich richtig ist, diese Metapher zwängt sich in der Tat bereits nach wenigen Seiten ins Kleinhirn, allerdings nicht erlauben sollte, derart genau zu beschreiben, dass das fast zwingend auf bestimmte Personen und ihr Landgut schließen lässt.

Der Zoff schadet dem Buch aber nicht.

Ich habe das Buch schon mindestens zehn Mal gelesen und jetzt musste ich es posten.

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