Akif Pirincci - Deutschland von Sinnen

Pirincci ist ja bekannt als der "Vater" des Romankaters Francis in seinem Buch "Felidae", das vor längerem für unheimlich Eindruck gesorgt hat, in die Literaturgeschichte eingegangen. Pirincci ist Türke der zweiten Generation und lästert schon seit längerem über eine saturierte Handaufhaltermentalität in diesem Land, die er keineswegs an den sattsam bekannten "Hartzern" festmacht. Er ist insbesondere mit dem links-grünen Sozialindustrieklüngel spinnefeind und das hat er in seiner jetzt erschienen Polemik noch einmal kräftig unter Beweis gestellt.

Ich prophezeie, dass das Buch nicht den Furor auslösen wird wie seinerzeit Sarrazins "Deutschland schafft sich ab", was an der fehlenden Popularität des Autors (Sarrazin hat das Buch immerhin als amtierender Bundesbanker geschrieben), zum Anderen auch daran liegt, dass der Mainstream dazugelernt hat. Je mehr man heult und mit den Ketten rasselt, um so mehr Aufmerksamkeit ruft man hervor, weshalb die Reaktionen im Mediensumpf derzeit eher verhalten sind, obwohl binnen kürzester Zeit die gesamte erste Auflage verkauft war (was heute vermeldet wurde) und die Pole Position bei Amazon erkämpft ist.

Ich mag Pirincci deshalb, weil er mit heißem Herzen, guten Argumenten und fern des kalkulierten Eklats operiert. Er hat ein Anliegen und das bringt er so vehement vor, dass er stellenweise deutlich über Sarrazin hinausgeht, anders als der aber nie technokratisch wirkt. Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen, es bereichert die in Zeiten angeblich grassierenden und nie wirklich definierten  "Rechts-populismus´" fast zum Erliegen gekommene Diskussion über Schieflagen in diesem Land ungemein. Pirinccis erfrischender, relativ häufig grenzwertig derb daher kommender Stil tut sein Übriges, um die Lektüre zum Genuss zu machen.

Einziger Kritikpunkt: Die Passagen über die ältere Frau von heute wirken wie ein Fremdkörper und enthalten auch zu viele Plattitüden. Das ist aber egal.

Hier geht´s zur Sitemap.